Ausgehend vom Inhalt des W-Seminars von der Moderne zur Postmoderne, soll in dieser wissenschaftlichen Arbeit das Buch Ruhm: Ein Roman in neun Geschichten von Daniel Kehlmann genauer beleuchtet werden.
Zahlreiche sehr positive Kritiken und Bewertungen zu diesem Buch, bestärkten mich in meinem Vorhaben, dieses Werk hinsichtlich einiger Aspekte genauer zu hinterfragen.
Die Geschichte über den Angestellten Ebling, welcher sich permanent in einer anderen Identität versteckt und die des Internetbloggers Mollwitz, dessen Internetsucht ihn daran hindert wichtige soziale Kompetenzen aufzubauen, bieten eine Vielzahl an zu untersuchenden Gesichtspunkten, mit welchen die Seminararbeit beginnen wird.
Das metafiktionale Wesen von Leo Richter, welches sich wie ein roter Faden durch den gesamten Roman und nahezu all seine neun Geschichten zieht, soll hier auch der Analyse dienen und bildet den zweiten auszuarbeitenden Punkt.
Desweiteren wird die Abhängigkeit von modernen Kommunikationstechniken und die Schwierigkeiten, welche mit deren Ausfall einhergehen, in ausgewählten Geschichten des Romans aufgegriffen und erläutert.
Um einen besseren Zugang zu Daniel Kehlmann und seinem Werk zu erhalten, soll an erster Stelle ein Überblick über seine verschiedenen literarischen Darstellungsformen folgen. Anschließend beginnt der wissenschaftliche Teil der Arbeit, der in die oben genannten Punkte gegliedert werden soll.
Leider ist die gegenwärtige Sekundärliteratur, aufgrund des relativ kurzen Erfolges des Buches noch nicht so ausgeweitet, weshalb ich mich größtenteils auf das Internet beziehen muss. Dennoch handelt es sich meistens um Interviews, Rezensionen oder Zusammenfassungen. Rein wissenschaftliche Ausarbeitungen ließen sich nur wenige finden.
Inhaltsverzeichnis
I) Einleitung
II) Daniel Kehlmann – Literarisches Schaffen
III) Verwandtschaften und untergründige Beziehungen in Ruhm: Ein Roman in neun Geschichten
1) Die halbwahre Existenz
a) Eblings träumerisches Dasein
b) Username: Mollwitt
2) Das Phänomen Leo Richter
a) Protagonist und willenloses Etwas
b) Schöpfer und „Allmächtiger“
c) Figur und Autor
3) Handy und Internet – moderne Kommunikationstechnologien
a) Das Handy als Lebensretter und „Mörder“
b) Bruch zwischen Mensch und Gesellschaft durch das Internet
IV) Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Spiel mit den Wirklichkeitsebenen in Daniel Kehlmanns Roman "Ruhm: Ein Roman in neun Geschichten", wobei insbesondere die Darstellung von Identität, Fiktionalität und der Einfluss moderner Kommunikationstechnologien auf das Individuum analysiert werden.
- Die Auflösung und Verdoppelung von Identitäten (Beispiel: Ebling und Mollwitz).
- Die Rolle von Leo Richter als metafiktionale Klammer des Romans.
- Der Einfluss von Mobiltelefonen und Internet auf die soziale Realität der Protagonisten.
- Die Verzahnung von Fiktion und Realität in den narrativen Strukturen.
Auszug aus dem Buch
Die halbwahre Existenz
„Jahrelang hatte er sich geweigert [ein Mobiltelefon] zu kaufen, […] und ständig hatte sich jemand über seine Unerreichbarkeit beschwert. So hatte er endlich nachgegeben [und] ein Gerät erworben […].“ Und somit beginnt ein Austritt aus seinem Leben in ein anderes, ihm völlig fremdes.
Die zentrale Figur dieser ersten Kurzgeschichte „Stimmen“ aus Daniel Kehlmanns Buch Ruhm: Ein Roman in neun Geschichten bildet der Familienvater Ebling, der eine eher langweilige Ehe führt, keinerlei Beziehung zu seinen Kindern hat und Mitarbeiter einer Computerfirma ist. Demnach ist es leicht nachvollziehbar, dass Ebling mit seinem Leben ganz und gar nicht zufrieden ist. Doch dieses nimmt eine radikale Wendung, als Ebling beschließt, sich ein Mobiltelefon zuzulegen.
„Wider Willen war [Ebling] beeindruckt: Schlechthin perfekt war es, wohlgeformt, glatt und elegant. Und jetzt, unversehens, läutete es.“ Aber dieser Anruf kommt keineswegs von einer ihm bekannten Person, sondern von eine wildfremden Frau, die einen gewissen Ralf verlangt.
Doch das ist nur der Anfang. Eblings Telefon klingelt und klingelt. Fremde Männer fluchen: „Ralf! Was ist, wie läuft es, du blöde Sau?“ Es ist offensichtlich: Ebling hat die Nummer eines anderen bekommen, eines Vielangerufenen irgendwo aus der Welt da draußen. Der Kundendienst, bei dem er sich beschwert, erklärt die Sache für ausgeschlossen. „Es ist aber passiert!“ Nein, es sei unmöglich, also ist es auch nicht passiert, also kann auch nichts geändert werden.
Ebling findet nach einiger Zeit dennoch Gefallen an diesem Rollenspiel, da besagter Ralf recht wichtig zu sein scheint und dessen Leben erheblich interessanter anmutet als Eblings tristes Dasein. Er schwimmt förmlich zwischen seinen beiden Identitäten und begegnet den entgegenkommenden Anrufen, die keineswegs für ihn bestimmt sind, mit zunehmender Souveränität.
Zusammenfassung der Kapitel
I) Einleitung: Die Einleitung steckt den Rahmen der Arbeit ab, stellt das Werk von Daniel Kehlmann vor und definiert die zentralen Untersuchungsaspekte wie Identitätsverlust und Kommunikationstechnologien.
II) Daniel Kehlmann – Literarisches Schaffen: Dieser Abschnitt gibt einen kurzen Überblick über die literarische Karriere des Autors und beleuchtet seine Herangehensweise, fiktive Welten mit der Realität verschwimmen zu lassen.
III) Verwandtschaften und untergründige Beziehungen in Ruhm: Ein Roman in neun Geschichten: Das Hauptkapitel analysiert die thematischen Schwerpunkte des Romans, unterteilt in die Identitätsproblematik, die Rolle der metafiktionalen Figur Leo Richter sowie die Auswirkungen moderner Medien auf das menschliche Zusammenleben.
IV) Schluss: Das Fazit fasst die Analyseergebnisse zusammen und betont die Verwobenheit der einzelnen Kurzgeschichten zu einem metafiktionalen Gesamtwerk.
Schlüsselwörter
Daniel Kehlmann, Ruhm, Postmoderne, Wirklichkeitsebenen, Identität, Metafiktion, Leo Richter, Mobiltelefon, Internet, Kommunikationstechnologien, Rollenspiel, Kurzgeschichten, Fiktion, Realität, Digitalisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert Daniel Kehlmanns "Ruhm: Ein Roman in neun Geschichten" und untersucht dabei insbesondere, wie der Autor durch verschiedene erzählerische Mittel die Grenzen zwischen Realität und Fiktion auflöst.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Themen Identitätsverlust (durch Rollenspiele), die Rolle metafiktionaler Charaktere und den Einfluss moderner Kommunikationstechnik auf das menschliche Miteinander.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, das "Spiel mit den Wirklichkeitsebenen" im Roman aufzuzeigen und zu verdeutlichen, wie die einzelnen Kurzgeschichten trotz ihrer Eigenständigkeit ein vernetztes Gesamtbild ergeben.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die primär auf dem Text des Romans basiert und durch Sekundärquellen aus dem Internet ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in drei Abschnitte: die Untersuchung der "halbwahren Existenz" anhand von Figuren wie Ebling und Mollwitz, die Analyse von Leo Richter als zentraler Figur und die Betrachtung moderner Kommunikationstechnologien.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Untersuchung?
Zentral sind Begriffe wie Metafiktion, Identitätsverdoppelung, mediale Abhängigkeit und die Auflösung von Realität im digitalen Zeitalter.
Wie unterscheidet sich die Identitätswahrnehmung von Mollwitz von der Realität?
Mollwitz inszeniert sich in seinem Blog als erfolgreicher und souveräner Mann, während er in der Realität von seinem Chef dominiert wird und sozial isoliert agiert.
Warum spielt die Figur Leo Richter eine besondere Rolle im Roman?
Leo Richter fungiert als eine Art roter Faden, der als Autor und Akteur zugleich die Metafiktion des Romans personifiziert und somit die verschiedenen Geschichten miteinander verknüpft.
Welche Auswirkung hat das Mobiltelefon auf die Charaktere im Roman?
Das Mobiltelefon dient als Katalysator für Identitätskrisen und soziale Entfremdung, da es Verbindungen schafft, die oft tragisch-komische oder zerstörerische Folgen für das Leben der Beteiligten haben.
- Arbeit zitieren
- Lisa Bloßfeld (Autor:in), 2011, Das Spiel mit den Wirklichkeitsebenen in Daniel Kehlmanns "Ruhm", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/182669