Diese Arbeit befasst sich mit dem Stadtentwicklungsmodell der Gartenstadt von Ebenezer Howard in Vergangenheit und Gegenwart.
Nach einer historischen Einführung in das Thema wird die heutige Situation anhand eines Beispieles dargestellt und in einem abschließenden Vergleich untersucht, was aktuelle Planungen von Howards Modell unterscheiden und was von den ursprünglich angedachten
Strukturen übrig geblieben ist.
Als Basis zum Erreichen der Zielsetzung, dem Vergleich von Howards Gartenstadt mit neuen Entwicklungen, stand eine gründliche Analyse der Geschichte der Gartenstadt sowie den aktuellen Planungsansätzen. Hierzu bildete die Bearbeitung wissenschaftlicher Literatur zu der jeweiligen Thematik die theoretische Grundlage der Arbeit.
Für den „Forschungsteil“ dieser Arbeit, dem Vergleich der Planungsansätze in Kapitel 4, wurden Bewertungskriterien definiert anhand welcher die drei Planungsansätze (Howards Modell, historische Gartenstadt Essen-Margarethenhöhe und Seseke Aue in Kamen als "Neue Gartenstadt") systematisch miteinander verglichen wurden. Diese ergaben sich aus der vorhergehenden Analyse der verschiedenen Konzepte und sollen einen anschaulichen Vergleich ermöglichen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Zielsetzung
1.2 Methodik
1.3 Aufbau
2. Entwicklung der Gartenstadt
2.1 Rahmenbedingungen, Howards Modell und die ersten Gartenstädte
2.1.1 Historischer Kontext
2.1.2 Leitziele und Struktur
2.1.3 Umsetzung des Modells
2.2 Die Gartenstadtbewegung in Deutschland
2.2.1 Historische Situation und die Deutsche Gartenstadtgesellschaft
2.2.2 Beispiel einer Gartenstadt im Ruhrgebiet, Essen-Margarethenhöhe
2.3 Zwischenfazit
3. Die Gartenstadt heute – Aktuelle Entwicklung am Beispiel Seseke Aue, Kamen
3.1 Rahmenbedingungen Emscher-Region
3.1.1 Siedlungsentwicklung
3.1.2 Bevölkerung
3.1.3 IBA Emscher Park
3.2 Gartenstadt Seseke Aue, Kamen
4. Vergleich der Planungsansätze
4.1 Bewertungskriterien
4.2 Gegenüberstellungen der Planungsansätze
4.3 Auswertung
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Stadtentwicklungsmodell der Gartenstadt von Ebenezer Howard in seiner historischen Bedeutung sowie in der heutigen Anwendung. Ziel ist es zu analysieren, welche Aspekte des ursprünglichen Modells in aktuellen Projekten noch erkennbar sind und inwieweit der Begriff "Gartenstadt" für moderne Siedlungserweiterungen heute noch gerechtfertigt ist.
- Historische Genese und theoretische Grundlagen der Gartenstadt nach Ebenezer Howard
- Entwicklung und Umsetzung der Gartenstadtbewegung in Deutschland am Beispiel der Margarethenhöhe
- Analyse moderner Stadtentwicklungsprojekte im Ruhrgebiet, illustriert am Beispiel der Seseke Aue in Kamen
- Kritischer Vergleich von Planungsansätzen, Bewertungskriterien und sozio-ökonomischen Rahmenbedingungen
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Historischer Kontext
Die industrielle Revolution prägte das Gesicht der Städte im 19. Jahrhundert. Der wissenschaftlich-technische Fortschritt erhöhte landwirtschaftliche Produktivität und ermöglichte enorme medizinische Erfolge. Dies bedingte eine gewaltige Bevölkerungsexplosion. Mit der Schaffung von ausreichendem Wohnraum waren die Städte überfordert. Es kam zu teils katastrophalen Wohnbedingungen (vgl. Redlin 2001: 1f.).
Die meisten Arbeiterfamilien lebten in kleinen Mietwohnungen, in überfüllten und unhygienischen Zuständen. Der hohe Bodenpreis in den Städten und damit zusammenhängend steigende Mietpreise verschlimmerten die Wohnungsnot. Der Ruf nach Reformen in der Bevölkerung wurde lauter (vgl. Seidel 2003).
In den 1890er Jahren treten darauf erstmals Autoren auf, welche Vorschläge für eine zukünftige Stadtentwicklung machen – für Nutzungsstruktur, für Grundsätze zur Steuerung des Stadtwachstums sowie zu Grundbesitzverhältnissen in der Stadt (vgl. Albers 2008: 23). Das bekannteste Werk ist das 1898 erschienene „To-Morrow. A Peaceful Path to Real Reform“ von Ebenezer Howard. In der zweiten Auflage wurde es 1902 unter dem Titel „Garden Cities of To-Morrow“ veröffentlicht. In diesem konzipierte er das Stadtentwicklungsmodell der Gartenstadt als Antwort auf die schlechten Lebensumstände der Menschen in den industrialisierten Städten Europas.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Definition der Zielsetzung, Methodik und des strukturellen Aufbaus der Untersuchung zum Gartenstadtmodell.
2. Entwicklung der Gartenstadt: Darstellung der historischen Rahmenbedingungen, des Modells von Ebenezer Howard und der deutschen Rezeption inklusive eines Praxisbeispiels aus Essen.
3. Die Gartenstadt heute – Aktuelle Entwicklung am Beispiel Seseke Aue, Kamen: Analyse der siedlungsgeschichtlichen Hintergründe der Emscher-Region und Vorstellung des modernen Projekts Seseke Aue.
4. Vergleich der Planungsansätze: Systematischer Vergleich der historischen und modernen Ansätze anhand definierter Bewertungskriterien sowie deren Auswertung.
5. Fazit: Kritische Zusammenfassung der Erkenntnisse zur mangelnden Übereinstimmung moderner Projekte mit dem ursprünglichen Gartenstadtkonzept.
Schlüsselwörter
Gartenstadt, Ebenezer Howard, Stadtentwicklung, Industrialisierung, Ruhrgebiet, Margarethenhöhe, Seseke Aue, Wohnungsnot, Städtebau, Bodenreform, IBA Emscher Park, Siedlungspolitik, Planungstheorie, Strukturwandel, Nachhaltigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das zentrale Anliegen dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht das Stadtentwicklungsmodell der Gartenstadt nach Ebenezer Howard und hinterfragt, ob moderne Siedlungsprojekte, die sich als "Gartenstadt" bezeichnen, tatsächlich noch die ursprünglichen konzeptionellen Werte verfolgen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit umfasst die historische Entstehung des Gartenstadtmodells, dessen Adaption in Deutschland, eine Analyse des Strukturwandels im Ruhrgebiet sowie einen kritischen Vergleich von Siedlungsplanungen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage zielt darauf ab zu untersuchen, was von den ursprünglich von Howard angedachten Strukturen in aktuellen Planungen übrig geblieben ist und ob der Begriff "Gartenstadt" heute eher zu Vermarktungszwecken genutzt wird.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse zur theoretischen Grundlage sowie einen systematischen Vergleich zweier konkreter Gartenstadtbeispiele (Margarethenhöhe und Seseke Aue) anhand definierter Bewertungskriterien.
Was deckt der Hauptteil der Arbeit ab?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse, eine Untersuchung der aktuellen Situation in der Emscher-Region sowie eine direkte Gegenüberstellung der historischen und zeitgenössischen Planungsansätze.
Durch welche Begriffe lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Zentrale Begriffe sind das Gartenstadtmodell, Bodenreform, Wohnungsbau in der Industriegesellschaft, städtebauliche Körnung und die kritische Auseinandersetzung mit der heutigen Verwendung des Begriffs Gartenstadt.
Wie unterscheidet sich die Seseke Aue in Kamen vom Howard-Modell?
Die Seseke Aue unterscheidet sich massiv vom Howard-Modell, da sie kein autarkes System bildet, keine zentrale Siedlungsmitte besitzt und eher als konventionelle Siedlungserweiterung im Rahmen des Strukturwandels zu verstehen ist.
Welche Rolle spielt die Margarethenhöhe in dieser Untersuchung?
Die Margarethenhöhe dient als historisches Beispiel für eine deutsche Gartenstadt, die zwar sozial motiviert war, sich jedoch in ihren Zielen und ihrer Umsetzung bereits vom ursprünglichen, radikalen Modell Howards unterschied.
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- Volker Heil (Author), Felix Märker (Author), 2011, Die Gartenstadt. Altes Konzept in neuem Gewand?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/182639