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Ansätze zu einer Re-Regulierung des internationalen Finanzsystems am Beispiel der 'Tobin Tax'

Title: Ansätze zu einer Re-Regulierung des internationalen Finanzsystems am Beispiel der 'Tobin Tax'

Seminar Paper , 2001 , 20 Pages , Grade: 1,5

Autor:in: Dipl.-Pol., MSc (IR) Jan-Henrik Petermann (Author)

Politics - Topic: Globalization, Political Economics

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Summary Excerpt Details

Kaum ein anderer Begriff des sozialen und ökonomischen Lebens hat im Verlauf der zurückliegenden Jahrzehnte ähnlich intensive Diskussionen über die zukünftige Rolle von Politik und Gesellschaft ausgelöst wie derjenige der Globalisierung. Das angespannte Verhältnis zwischen regulativer Politik und marktwirtschaftlicher Ökonomie dominiert vor dem Hintergrund weltweit steigender Interdependenzen immer häufiger sowohl die Agenda staatlichen Regierens als auch politikwissenschaftlicher Forschung.

Globalisierungskritiker verlangen seit langem die Eindämmung außenwirtschaftlicher Abhängigkeitsverhältnisse und Einrichtung internationaler Schutzmechanismen. Als ein besonders häufig diskutierter Vorschlag zur besseren Kontrolle labiler Finanz- und Kapitalmärkte hat sich der Entwurf einer so genannten Tobin Tax herauskristallisiert – ein umstrittenes Konzept zur Besteuerung von Devisentransaktionen, das auf Überlegungen des späteren Wirtschafts-Nobelpreisträgers James Tobin aus den 1970er Jahren zurückgeht.

Befürworter sehen die Tobin-Steuer als mögliches Mittel gegen die teils extremen Wechselkursschwankungen und spekulativen Risiken, die durch die weltweite Deregulierung der Finanzmärkte mitverursacht seien. Auch aus der Perspektive von Global-Governance-Theorien, welche die politische Gestaltbarkeit der Globalisierung mit Hilfe internationaler Kooperation und multilateraler Mehr-Ebenen-Netzwerke zu verbessern versuchen, lohnt die Idee einer zwischenstaatlich durchgesetzten Devisenbesteuerung eine nähere Untersuchung.

Ziel dieser Arbeit ist es, zu zeigen, dass das Konzept einer Tobin Tax zwar bei weitem nicht alle potenziell destabilisierenden Einflüsse ökonomischer Interdependenzen beseitigen kann, wohl aber einen diskutablen Ansatz zur Wiedergewinnung politischer Gestaltungsfähigkeit in Zeiten der "Institutionalisierung des Anti-Keynesianismus" darstellt. Dazu werden zunächst zentrale Fakten aus ihrer Ideengeschichte skizziert. Anschließend folgt eine kurze Übersicht über ihre wichtigsten funktionalen Eigenschaften sowie eine Zusammenfassung der gewöhnlich gegen die Tobin-Steuer ins Feld geführten Kritikpunkte. Darauf aufbauend wird die Frage beantwortet, inwiefern die Konzeption einer Tobin Tax im Kontext der Global-Governance-Debatte konkrete Implementierungschancen auf globaler Ebene haben könnte. Die Analyse thematisiert aber auch einige alternative Lösungsansätze multilateraler Global Governance im Politikfeld der internationalen Finanzbeziehungen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zur Ideengeschichte einer internationalen Devisenumsatzsteuer

2.1 Der strukturelle Wandel der globalen Finanzmärkte

2.2 James Tobin und sein Konzept einer Besteuerung von Währungstransaktionen

3. Gestaltungsmerkmale und Funktionsweise der Tobin Tax

3.1 Das Kriterium der Universalität

3.2 Einheitliche Steuerbemessung

3.3 Ressourcenaufbringung für internationale Aufgaben

3.4 Stabilisierung und Re-Regulierung eines Teilsektors des internationalen Finanzsystems

4. Die Tobin Tax im Widerstreit: Probleme und Kritikpunkte

5. Die weltweite Eindämmung von Wechselkursschwankungen vor dem Hintergrund der Global-Governance-Diskussion

5.1 Die Tobin Tax: ein probates Instrument globaler Strukturpolitik?

5.2 Alternative Lösungsansätze multilateraler Finanzpolitik

6. Schlussbetrachtungen und Ausblick

7. Quellen und Literatur

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Konzept der Tobin Tax als ein Instrument zur Re-Regulierung des internationalen Finanzsystems. Dabei wird analysiert, inwieweit die Besteuerung von Währungstransaktionen zur Stabilisierung globaler Kapitalmärkte beitragen und zusätzliche finanzielle Ressourcen für internationale Aufgaben generieren kann, eingebettet in den Kontext der aktuellen Global-Governance-Debatte.

  • Struktureller Wandel der globalen Finanzmärkte und Zunahme spekulativer Transaktionen.
  • Funktionsweise und Gestaltungsmerkmale der Tobin-Steuer gemäß dem Konzept von James Tobin.
  • Kritische Auseinandersetzung mit Problemen bei der internationalen Implementierung.
  • Diskussion der Tobin Tax als Baustein multilateraler Global-Governance-Strategien.
  • Betrachtung alternativer finanzpolitischer Lösungsansätze zur Marktstabilisierung.

Auszug aus dem Buch

2.2 James Tobin und sein Konzept einer Besteuerung von Währungstransaktionen

Erstmals 1972 schlug der US-Ökonom James Tobin, Professor an der Yale University und Wirtschafts-Nobelpreisträger des Jahres 1981, die Erhebung einer internationalen Steuer auf Devisenkäufe und -verkäufe vor. Tobin war ein Anhänger der keynesianischen Wirtschaftslehre und Berater John F. Kennedys in den 1960er Jahren. Er sprach sich in Anlehnung an John Maynard Keynes’ Konzept einer Umsatzsteuer auf die kurzfristige Spekulation mit Aktien und Anleihen für die Einführung einer weltweiten Umsatzsteuer auf den Handel mit Devisen aus – mit einem einheitlichen Steuersatz in Höhe von 0,5 Prozent des Wechselbetrages bei jeder Währungstransaktion. Ein konkreter Anlass für die Überlegungen des Wirtschaftswissenschaftlers war der Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems fester Wechselkursparitäten im Jahr 1971 durch den Ausstieg der USA zum Zweck der Bekämpfung ihres internen Haushaltsdefizits, woraufhin rund um den Globus starke spekulative Währungsströme einsetzten und sich das Transaktionsvolumen bei Devisengeschäften sprunghaft vergrößerte (siehe Abschnitt 2.1).

Tobins ursprüngliches Motiv bestand zunächst ausschließlich in der Behinderung oder Unterbindung rein spekulativer Geldströme: „The essential problem [...] is the excessive international – or better – inter-currency mobility of private financial capital“ (1982: 488). Durch die Erhebung einer Devisenwechselsteuer erhoffte er sich die notwendige Konsolidierung und Stabilisierung der inflationsanfälligen internationalen Finanzmärkte, die der politischen Kontrolle in jenen Jahren mehr und mehr entglitten: „My proposal is to throw some sand in the wheels of excessively efficient international money markets“ (1982: 489). Später nannte Tobin auch die Möglichkeit der zusätzlichen Einkommensbeschaffung durch das zu erwartende Steueraufkommen und dessen Verwendung zur Finanzierung globaler Projekte und Hilfsprogramme, so z.B. im Rahmen der Entwicklungsfinanzierung durch die Weltbank. Letzteres brachte er vor allem in einem Beitrag für die 1994er Ausgabe des „Human Development Report“ des UNDP zur Sprache, der eine erstaunliche Renaissance seiner Vorschläge einleitete.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die kontroverse Debatte über die Rolle von Politik und Wirtschaft im Zeitalter der Globalisierung und stellt die Tobin Tax als einen relevanten Vorschlag zur Wiedergewinnung politischer Gestaltungsmacht dar.

2. Zur Ideengeschichte einer internationalen Devisenumsatzsteuer: Dieses Kapitel erläutert den strukturellen Wandel der Finanzmärkte und führt in die ursprüngliche theoretische Konzeption von James Tobin ein.

3. Gestaltungsmerkmale und Funktionsweise der Tobin Tax: Hier werden die Kernaspekte der Steuer, wie Universalität, einheitliche Bemessung und ihre Funktion als Ressourcenquelle sowie Stabilisierungsinstrument, detailliert beschrieben.

4. Die Tobin Tax im Widerstreit: Probleme und Kritikpunkte: Das Kapitel setzt sich mit der internationalen Durchsetzbarkeit, dem Verwaltungsaufwand und den Einwänden gegen eine potenzielle Marktverzerrung auseinander.

5. Die weltweite Eindämmung von Wechselkursschwankungen vor dem Hintergrund der Global-Governance-Diskussion: Hier wird die Tobin Tax als möglicher Baustein einer multilateralen Weltfinanzordnung bewertet und mit alternativen finanzpolitischen Ansätzen kontrastiert.

6. Schlussbetrachtungen und Ausblick: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung, in der die Tobin Tax als langfristig diskutable, aber komplex umzusetzende Komponente einer neuen Weltfinanzarchitektur eingeordnet wird.

Schlüsselwörter

Tobin Tax, Global Governance, Finanzmärkte, Devisenspekulation, Globalisierung, Kapitalverkehr, Wechselkursschwankungen, Entwicklungsfinanzierung, Multilateralismus, Finanzmarktregulierung, Weltfinanzordnung, internationale Finanzpolitik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Tobin Tax als einen Lösungsansatz zur Regulierung internationaler Finanzmärkte und deren Einordnung in aktuelle Global-Governance-Konzepte.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den Schwerpunkten zählen der Wandel der globalen Finanzmärkte, die Funktionsweise der Tobin-Steuer sowie die kontrovers geführte politische Debatte über deren Sinnhaftigkeit und Durchsetzbarkeit.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es aufzuzeigen, dass die Tobin Tax trotz ihrer Unzulänglichkeiten einen diskutablen Ansatz zur Wiedergewinnung politischer Gestaltungsfähigkeit in einer globalisierten Welt darstellt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse sowie der Auswertung von Fachliteratur und aktuellen Diskussionsbeiträgen zur internationalen Finanzpolitik.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der theoretischen Wurzeln bei James Tobin, die technischen Gestaltungsmerkmale, eine kritische Diskussion der Kritikpunkte sowie die Einbindung in globale Strukturpolitik-Ansätze.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere Tobin Tax, Global Governance, Finanzmarktregulierung, spekulative Kapitalströme und Multilateralismus.

Wie wirkt sich die Tobin Tax auf Spekulationsgeschäfte aus?

Durch die steuerliche Belastung jedes Tausches und Rücktausches sollen kurzfristige, spekulative Transaktionen unrentabel gemacht werden, während langfristige Investitionen geschont bleiben.

Welche Rolle spielt die Entwicklungshilfe in diesem Konzept?

Ein wesentlicher Aspekt der Tobin Tax ist die Nutzung der Steuereinnahmen zur Finanzierung globaler öffentlicher Aufgaben, insbesondere zur Unterstützung der Entwicklungsländer.

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Details

Title
Ansätze zu einer Re-Regulierung des internationalen Finanzsystems am Beispiel der 'Tobin Tax'
College
University of Hamburg  (Institut für Politische Wissenschaft)
Grade
1,5
Author
Dipl.-Pol., MSc (IR) Jan-Henrik Petermann (Author)
Publication Year
2001
Pages
20
Catalog Number
V182612
ISBN (Book)
9783656062332
ISBN (eBook)
9783656062585
Language
German
Tags
ansätze re-regulierung finanzsystems beispiel tobin
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dipl.-Pol., MSc (IR) Jan-Henrik Petermann (Author), 2001, Ansätze zu einer Re-Regulierung des internationalen Finanzsystems am Beispiel der 'Tobin Tax', Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/182612
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