Die Glöckchen, eine äußerst kritische Betrachtung des scheinbar idyllischen Lebens in der Bergarbeitersiedlung, ist gefüllt mit Zitaten und Anlehnungen an E.T.A. Hoffmanns Erzählung Die Bergwerke zu Falun. Bereits in früheren Jahren hatte sich Franz Fühmann mit den Werken der Romantik, u.a. mit denen E.T.A. Hoffmanns auseinandergesetzt und seine Ansichten zu dem Werk dieses Dichters auch in Reden und Vorträgen kundgetan. Auf der Grundlage dieser Texte soll im Folgenden erörtert werden, in welcher Weise und zu welchem Zweck sich Fühmann bestimmter Bilder und Figuren aus dem Hoffmann-Text zur Gestaltung seiner eigenen Erzählung bedient.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 E.T.A. Hoffmann Rezeption bei Franz Fühmann
2.1 “Von Menschheits- und Menschenerfahrungen”
2.2 Fantastisches und Reelles in Verbindung
3 Die Kupferkönigin
3.1 Die Herrscherin über die Bergwelt bei E.T.A. Hoffmann
3.2 Zwei Formen der Kupferkönigin bei Franz Fühmann
4 Der blutrote Almandin
4.1 Die Verbindung zweier Welten bei E.T.A. Hoffmann
4.2 Die Entlarvung des Scheins bei Franz Fühmann
5 Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die literarische Auseinandersetzung von Franz Fühmann mit E.T.A. Hoffmann, insbesondere unter dem Aspekt der Motivverarbeitung in Fühmanns Fragment "Die Glöckchen" und dem Werk "Im Berg". Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Fühmann Motive und Figuren aus Hoffmanns "Die Bergwerke zu Falun" transformiert, um gesellschaftskritische Themen und die menschliche Gespaltenheit zu illustrieren.
- Rezeption romantischer Literatur durch Franz Fühmann
- Die Figur der Kupferkönigin als Symbol für gespaltene Identität
- Die Bedeutung des "Almandins" als Verbindung zwischen Realität und Fantastik
- Entlarvung gesellschaftlicher Scheinwelten und Idylle
- Die Kluft zwischen der Welt des Erzählers und der Welt der Bergarbeiter
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Herrscherin über die Bergwelt bei E.T.A. Hoffmann
Bereits vor seiner Reise nach Falun erscheint die Kupferkönigin dem jungen Elis Froböm im Traum. Er folgt dem Ruf der „mächtigen Frau“ und beginnt in der Grube zu Falun sein Leben als Bergarbeiter. Letztlich jedoch zieht ihn die magische Kraft der Herrscherin über das Reich unter Tage vollends in ihren Bann, so dass es ihm unmöglich wird, sein Leben in der realen Welt weiter zu führen.
E.T.A. Hoffmanns Kupferkönigin herrscht über eine unterirdische Zauberwelt voller Verlockungen, die in Elis „Schmerz und Wollust [...] Liebe, Sehnsucht, brünstiges Verlangen“ entfachen. Der Jüngling verpflichtet sich, der Königin zu dienen, die wiederum starke Ähnlichkeiten mit der jüngst verstorbenen Mutter Elis aufweist, unter deren Verlust er sehr leidet. Zunächst glaubt er auch in der Stimme und Gestalt der „mächtigen Frau“, die Mutter zu erkennen.
Hier offenbart sich die oben beschriebene Kunstfertigkeit E.T.A. Hoffmanns die Eigenheiten der Psyche in eindrücklichen Bildern umzusetzen. Die Figur der Kupferkönigin bleibt als mythisches Wesen bestehen. Dennoch gibt der Dichter selber Hinweise auf mögliche psychologische Deutungen. Da wäre zum einen die bereits erwähnte Ähnlichkeit zur Mutter und das zuvor durchlebte Trauma durch ihren Verlust, zum anderen folgen im weiteren Verlauf der Handlung direkte Aussagen zum gequälten Seelenleben der Hauptfigur.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in Fühmanns intensive Auseinandersetzung mit der Welt des Bergbaus ein und stellt die Fragestellung zur literarischen Adaption von Hoffmann-Motiven in "Die Glöckchen" vor.
2 E.T.A. Hoffmann Rezeption bei Franz Fühmann: Dieses Kapitel erläutert Fühmanns persönliches Erfahrungs-Modell der Literatur und seine Bewunderung für Hoffmanns Fähigkeit, psychologische Abgründe durch fantastische Modelle darzustellen.
3 Die Kupferkönigin: Hier werden die mythologische Figur bei Hoffmann und ihre funktionale Entmystifizierung sowie Spaltung in zwei Formen (real und mythisch) bei Fühmann kontrastiert.
4 Der blutrote Almandin: Das Kapitel analysiert die symbolische Rolle des Edelsteins als Bindeglied zwischen Welten bei Hoffmann und als entlarvendes, jedoch unerreichbares Idealsymbol in Fühmanns Erzählung.
5 Schluss: Die Zusammenfassung resümiert, dass Fühmann Hoffmanns Motive nutzt, um eine tiefe Kluft zwischen gesellschaftlichem Schein und privater Wirklichkeit sowie zwischen dem Erzähler und der Bergarbeiterwelt aufzuzeigen.
Schlüsselwörter
Franz Fühmann, E.T.A. Hoffmann, Die Bergwerke zu Falun, Die Glöckchen, Kupferkönigin, Almandin, Romantikrezeption, Bergarbeiter, Gespaltenheit, Identität, Literaturwissenschaft, Motivgeschichte, Fantastik, Realismus, DDR-Literatur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie Franz Fühmann Motive aus E.T.A. Hoffmanns Erzählung "Die Bergwerke zu Falun" in seinen eigenen Werken "Die Glöckchen" und "Im Berg" aufgreift und transformiert.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die literarische Romantikrezeption, die Darstellung menschlicher Identitätsspaltung und die kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Strukturen innerhalb einer Bergarbeiterwelt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Fühmann durch die gezielte Verwendung von Hoffmann-Motiven wie der "Kupferkönigin" oder dem "Almandin" die Kluft zwischen Schein und Wirklichkeit in seiner Erzählung thematisiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Literaturanalyse, die sowohl Primärtexte als auch einschlägige Sekundärliteratur zur Romantik und zur Biografie Fühmanns heranzieht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Rezeption Hoffmanns durch Fühmann sowie die spezifische Analyse der Motive "Kupferkönigin" und "Almandin" im direkten Vergleich beider Autoren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem: Franz Fühmann, E.T.A. Hoffmann, Gespaltenheit, Kupferkönigin, Almandin, Identität und Romantikrezeption.
Wie unterscheidet sich die Kupferkönigin bei Fühmann von der bei Hoffmann?
Während die Figur bei Hoffmann rein mythisch bleibt, verleiht ihr Fühmann einen realeren Charakter, indem er sie in einer irdischen Umgebung (als "reale Person") sowie als mythisches Symbol parallelisiert.
Welche Bedeutung kommt dem "Almandin" zu?
Der Almandin fungiert als Symbol für ein angestrebtes, aber unerreichbares Glück und dient zur Entlarvung der "Maskenhaftigkeit" des Lebens in der von Fühmann dargestellten Kleinstadt.
- Arbeit zitieren
- Kathrin Vogel (Autor:in), 2010, Von der Kupferkönigin zu Prinzessin Fisch, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/182595