Nach dem zweiten Weltkrieg betonte der englische Staatsmann Winston Churchill in seiner Rede in Zürich die Notwendigkeit der Gründung einer Europäischen Gemeinschaft. Dabei standen vor allem politische Erwägungen im Vordergrund, wobei die wirtschaftliche Gesundung Europas auch eine entscheidende Rolle bei der Frage spielte, wie die europäische Integration voranschreiten sollte.
Im Rahmen dieser Hausarbeit sollen verschiedene Aspekte der europäischen Integration untersucht werden, wobei die Interaktion zwischen politischen, militärischen und wirtschaftlichen Entscheidungen eine große Rolle spielt. Es soll auch der Frage nachgegangen werden, inwiefern man den Prozess der europäischen Integration als Entwicklung beschreiben kann, infolgedessen nationale Grenzen und Beschränkungen fallen und Souveränitäten an übergeordnete Organisation übergeben werden.
Im ersten Kapitel wird die Idee der kleineuropäischen Integration am Beispiel des Schuman- Plans vorgestellt. Dabei wird auch auf die Frage eingegangen welches Modell der Integration - ob nun intergovernmental oder supranational - mehr Erfolg auf dem Weg der Integration verspricht. Das zweite Kapitel verdeutlicht diesen Richtungsstreit und zeigt auf, woran die militärische und politische Integration am Anfang scheiterte. Kapitel III beschreibt zwei verschiedene Integrationsmodelle, die die Diskussion über die Zukunft der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft entscheidend prägten. Im folgenden Kapitel wird mit der Europäischen Freihandelszone eine andere Form der Europäischen Integration vorgestellt und kurz auf die Rolle Großbritanniens im Rahmen der europäischen Einigung eingegangen. Im letzten Kapitel dieser Hausarbeit sollen zwei verschiedene Theorien vorgestellt werden, an Hand derer der wirtschaftliche Integrationsprozess beschrieben werden kann.
In den Standardwerken der Wirtschafts- und Sozialgeschichte wird vor allem die Entwicklung der einzelnen Länder analysiert. Erst in den letzten Jahren gab es Ansätze, den Prozess der europäischen Integration als Ganzes zu untersuchen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I. Die Gründung der EGKS
Der Marshallplan und die OEEC
Der Europarat
Die Erklärung von Schuman
Die EGKS
Die Entwicklung der EGKS
II. Das Scheitern der EVG
III. Die Konferenz von Messina
Der Spaak- Bericht
IV. Unterzeichnung der Römischen Verträge
Ziele und Instrumente der EWG
Die Rolle Großbritanniens
Die EFTA
Die OECD
V. Entwicklung der EWG
Die Zollunion und die Integrationstheorie nach Balassa
Das Modell von Cecchini
Der Luxemburger Kompromiss
Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die wesentlichen Etappen der europäischen Integration zwischen 1945 und dem Ende der 1960er Jahre, wobei die Forschungsfrage insbesondere darauf abzielt, wie das Zusammenspiel politischer, militärischer und wirtschaftlicher Faktoren diesen historischen Prozess formte und welche Integrationsmodelle dabei zur Anwendung kamen.
- Die Entstehung und Entwicklung der EGKS sowie der Einfluss des Marshallplans.
- Die Gründe für das Scheitern der EVG und die daraus folgenden Lehren.
- Die Bedeutung der Konferenz von Messina und des Spaak-Berichts für die EWG.
- Die strukturellen Veränderungen durch die Römischen Verträge.
- Wirtschaftstheoretische Ansätze wie das Modell von Cecchini und die Integrationstheorie nach Balassa.
Auszug aus dem Buch
Die Erklärung von Schuman
Im Gegensatz dazu sollte nach Vorstellungen des Franzosen Monnet mit der Montanunion eine supranationale Behörde [Haute Autorité] geschaffen werden, an die die teilnehmenden Staaten nationalstaatliche Souveränitäten zu übertragen hatten. Der Schuman- Plan sah vor, dass nur durch „die Unterordnung der Gesamtheit der französisch- deutschen Kohle- und Stahlproduktion unter eine gemeinsame Oberste Aufsichtsbehörde, die den anderen Ländern zum Beitritt offen steht“, eine Integration erreicht werden könne. Durch die Zusammenlegung der Schlüsselindustrie, welche die Basis für den Wiederaufbau einer Militärmacht bildete, sollte ein deutscher Krieg gegen Frankreich unmöglich gemacht werden. Außerdem bestand auf französischer Seite die Hoffnung, dass durch die gemeinsame Versorgung der französischen und deutschen Wirtschaft mit Kohle und Stahl zu gleichen Bedingungen, die Rückständigkeit der französischen Wirtschaft behoben werden könnte und so ein Teil des Modernisierungsplan Frankreichs umgesetzt werden konnte.
Für die noch junge Bundesrepublik Deutschland (BRD) bedeutete dieser Schritt die Auflösung des Ruhrstatuts sowie die Möglichkeit, als gleichberechtigter Partner in europäischen Institutionen aufzutreten. Für die Regierung unter Adenauer von der Christlich Demokratischen Union (CDU) war die Integration auch ein wichtiger Schritt für die Stabilisierung des Weststaates und die Wiedererlangung der Souveränität, die vor einer Wiedervereinigung erfolgen musste. Im Gegensatz dazu betonte die Opposition unter Schumacher aus der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) die Gefahren der Westintegration für die Wiedervereinigung und lehnte die Montanunion ab.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Es werden die Forschungsfrage nach dem Prozess der europäischen Integration sowie der methodische Fokus auf eine qualitativ orientierte Untersuchung dargelegt.
I. Die Gründung der EGKS: Das Kapitel beleuchtet die Anfänge der Zusammenarbeit durch den Marshallplan, den Europarat und die bahnbrechende Schuman-Erklärung zur Montanunion.
II. Das Scheitern der EVG: Hier wird der misslungene Versuch zur Schaffung einer Europäischen Verteidigungsgemeinschaft analysiert und der Übergang zu sicherheitspolitischen Vereinbarungen aufgezeigt.
III. Die Konferenz von Messina: Es wird der Fokus auf die Neuausrichtung der Integration gelegt, die durch den Spaak-Bericht entscheidende Impulse für die Gründung der EWG erhielt.
IV. Unterzeichnung der Römischen Verträge: Dieses Kapitel erläutert die Ziele der EWG, die Ablehnung durch Großbritannien, die Gründung der EFTA sowie die Rolle der OECD.
V. Entwicklung der EWG: Die ökonomische Integration wird anhand der Theorie von Balassa, des Modells von Cecchini und der politischen Krisenbewältigung durch den Luxemburger Kompromiss vertieft.
Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die europäische Vision zusammen und ordnet die historischen Erfahrungen in den Kontext der heutigen Integrationsdebatte ein.
Schlüsselwörter
Europäische Integration, EGKS, Montanunion, Schuman-Plan, Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, EWG, Marshallplan, Römische Verträge, Zollunion, Luxemburger Kompromiss, Integrationstheorie, Souveränität, Wirtschaftswachstum, Westintegration, supranational.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Etappen der europäischen Integration im Zeitraum von 1945 bis zum Ende der 1960er Jahre.
Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen die Gründung der EGKS, das Scheitern der EVG, die Entstehung der EWG sowie wirtschaftspolitische Konzepte der Integration.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu untersuchen, wie sich politische, militärische und wirtschaftliche Entscheidungen auf den Integrationsprozess ausgewirkt haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine qualitative Analyse, da quantitative Daten zur wirtschaftlichen Integration für diesen Zeitraum nur schwer zu erfassen sind.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in chronologische Etappen von der Gründung der EGKS über die Römischen Verträge bis hin zur Entwicklung der EWG und internen politischen Kompromissen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Begriffe wie Supranationalität, Montanunion, Zollunion, Europäische Wirtschaftsgemeinschaft und politische Souveränität stehen im Zentrum.
Warum lehnte Frankreich im Rahmen des Luxemburger Kompromisses die supranationale Zusammenarbeit zeitweise ab?
Frankreich forderte unter Präsident de Gaulle eine Wahrung nationaler Souveränität und die Beibehaltung des Einstimmigkeitsprinzips bei wichtigen Entscheidungen, was zur Krise im Ministerrat führte.
Welche Bedeutung hatte der Spaak-Bericht für das weitere Vorgehen in Europa?
Der Bericht identifizierte die wirtschaftliche Zersplitterung als Hindernis und schlug die Gründung der EWG sowie der EURATOM vor, um die Integration zu beschleunigen.
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- Moritz Meyer (Author), 2005, Etappen der kleineuropäischen Integration von 1945 bis zum Ende der 60er Jahre, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/182547