CLIL („Content and Language Integrated Learning“), ein Lehr- und Lernkonzept, erfreut sich seit seiner Einführung in den frühen 1970er Jahren großer Beliebtheit (Breidbach 2002: 11).
Entstanden aus der politischen Notwendigkeit der Aussöhnung zwischen Franzosen und Deutschen, wurde im Jahre 1963 der deutsch-französische Freundschaftsvertrag geschlossen, der vorsah Schulfächer, vor allem Geschichte, in der jeweils anderen Sprache zu unterrichten (Timm 1998: 201).
Bilingualer Sachfachunterricht, häufig synonym für die Bezeichnung CLIL verwendet, hat sich im Laufe der Zeit zu einem fundamentalen Bestandteil des deutschen Schulsystems entwickelt (Breidbach 2002: 11). Laut Manfred Pirner boten bereits 2007 ca. fünfhundert
deutsche Schulen bilingualen Unterricht an (Pirner 2007: 42).
Ziel dieser Hausarbeit ist es, einen allgemeinen Überblick über CLIL als Unterrichtsmethode zu vermitteln und im Speziellen auf die Möglichkeiten zur Implementierung im Religionsunterricht einzugehen. Hieraus resultierend beschäftigt sich das erste Kapitel mit
theoretischen Fragen zum Begriff „Bilingualer Sachfachunterrich“ sowie dessen Zielen und Widersprüchlichkeiten. Im Rahmen dessen erscheint es sinnvoll, die geschichtliche Entwicklung des bilingualen Sachfachunterrichts näher zu betrachten, um verständlich zu machen inwieweit die ursprünglichen Ziele und Visionen, die mit diesem Konzept verbunden waren, heutzutage noch Gültigkeit haben.
Der anschließende Hauptteil der Hausarbeit setzt sich mit der Frage auseinander, ob und warum bilingualer Religionsunterricht sich gegenüber dem „normalen“ Religionsunterricht behaupten kann und welche Vor- und Nachteile hieraus entstehen können.
Anhand von ausgewählten Arbeitsmaterialien zum bilingualen Religionsunterricht soll die Mannigfaltigkeit an Möglichkeiten zur Integration weltpolitischer Themen, wie etwa Appartheit oder Gewalt gegen Minderheiten, vorgestellt werden. Darüber hinaus werden Erfahrungen von Schülern und Lehrern mit bilingualem Religionsunterricht evaluiert und Chancen für die Zukunft aufgezeigt.
Im abschließenden Fazit werden die wichtigsten Punkte erneut kurz aufgegriffen und zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. CLIL, bilingualer Sachfachunterricht oder bilingualer Unterricht?
2. Geschichte des bilingualen Sachfachunterrichts
3. Bilingualer Sachfachunterricht Religion
4. Die Arbeitsmaterialien
5. Das Forschungsprojekt
6. Erfahrungen zum bRU
7. Fazit
8. Literatur
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, einen Überblick über CLIL als Unterrichtsmethode zu geben und insbesondere die Implementierungsmöglichkeiten in den evangelischen Religionsunterricht zu untersuchen. Dabei wird analysiert, inwieweit der bilinguale Religionsunterricht gegenüber dem herkömmlichen Unterricht bestehen kann und welche Chancen und Herausforderungen sich daraus ergeben.
- Grundlagen von CLIL und bilingualem Sachfachunterricht
- Geschichtliche Entwicklung und aktuelle Verbreitung
- Möglichkeiten der Integration weltpolitischer Themen
- Evaluation von Erfahrungen aus der Schulpraxis
Auszug aus dem Buch
3. Bilingualer Sachfachunterricht Religion
Bilinguale Bildungsgänge erfreuen sich innerhalb des deutschen Bildungssystems immer größerer Beliebtheit. Die Gründe hierfür sind vielfältig und nicht immer frei von kontroversen Diskussionen. In erster Linie erfüllt bilingualer Sachfachunterricht die Anforderung, Lernende in Zeiten zunehmender Globalisierung und Europäisierung mit den sprachlichen Werkzeugen auszustatten, um sich besser und effektiver verständigen zu können. Hieraus resultieren bessere Berufschancen, eine tiefere Beschäftigung mit anderen Kulturen und langfristig ein Ausbau der partnerschaftlichen Beziehung zwischen den Völkern. Trotz der genannten Vorteile bilingualen Unterrichts teilte das hessische Kultusministerium in einem Erlass aus dem Jahre 2006 mit, „dass die Stellenzuweisung für Schulen mit bilingualem Zweig vom Schuljahr 2006/07 von 0,5 auf 0,3 l Stellen reduziert werden soll. In Zukunft stehen danach statt der bisherigen 13 Stunden nur noch 8 Stunden zur Versorgung des bilingualen Unterrichts zur Verfügung“ (http://lernen.bildung.hessen.de/bilingual/aktuelles/news/1147516965 Zugriff: 20.08.06 zit. Buchinger 2006: 12)
Diese Maßnahme steht in direktem Widerspruch zu den eingangs genannten Vorteilen bilingualen Unterrichts.
Aus religionspädagogischer Perspektive wurden in der Vergangenheit regelmäßig Argumente vorgebracht, die auf den ersten Blick gegen eine Implementierung bilingualen Religionsunterrichtes (bRU) sprechen, jedoch bei genauerer Betrachtung ebenso gut gegenteilig interpretiert werden können. An erster Stelle wäre demnach zu nennen, dass Religionsunterricht in einer Fremdsprache (in diesem Falle englisch) weniger zuträglich sei, da dieses Fach starke Bezüge zur Lebenswelt der Schüler wie etwa den Sinn des Lebens, Trauer oder den Glauben im Allgemeinen herstellt und somit durch die Verwendung einer fremden Sprache eine zusätzliche Entfremdung stattfinden würde, welche fernab von der Lebenswelt der Schüler läge (Pirner & Aichler 2005: 22).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in das Thema CLIL, die geschichtliche Entstehung und die Zielsetzung der Untersuchung hinsichtlich des bilingualen Religionsunterrichts.
1. CLIL, bilingualer Sachfachunterricht oder bilingualer Unterricht?: Klärung der Begrifflichkeiten und Abgrenzung der verschiedenen didaktischen Ansätze.
2. Geschichte des bilingualen Sachfachunterrichts: Überblick über die historische Entwicklung von frühen Ansätzen bis zur heutigen Verbreitung im deutschen Schulwesen.
3. Bilingualer Sachfachunterricht Religion: Analyse der pro- und contra-Argumente für den bilingualen Religionsunterricht sowie dessen Stellenwert im Bildungssystem.
4. Die Arbeitsmaterialien: Erörterung der Problematik bei der Suche nach geeigneten Unterrichtsmaterialien und der Vielfalt der verfügbaren Quellen.
5. Das Forschungsprojekt: Vorstellung eines konkreten Unterrichtsprojekts an einer neunten Gymnasialklasse zur Erforschung der Auswirkungen bilingualen Unterrichts.
6. Erfahrungen zum bRU: Auswertung der gewonnenen Erkenntnisse aus der Befragung der Schüler zur Akzeptanz und Wirksamkeit des bilingualen Ansatzes.
7. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse und Ausblick auf die Zukunft des bilingualen Religionsunterrichts.
8. Literatur: Auflistung der verwendeten Quellen und Fachliteratur.
Schlüsselwörter
Bilingualer Sachfachunterricht, CLIL, Evangelische Religion, Religionsunterricht, bRU, Fremdsprachenerwerb, interkulturelles Lernen, Unterrichtsmethode, Didaktik, Globalisierung, Schülerbefragung, Unterrichtsmaterialien, Europäisierung, Wertediskurs, Sprachkompetenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Implementierung und Didaktik des bilingualen Sachfachunterrichts, mit einem speziellen Fokus auf das Fach evangelische Religion.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen umfassen die Definition von CLIL, die historische Entwicklung bilingualer Bildungsmodelle, die Herausforderungen bei der Materialbeschaffung und die Evaluation konkreter Praxisbeispiele.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es wird untersucht, ob und warum sich bilingualer Religionsunterricht gegenüber dem einsprachigen Unterricht behaupten kann und welche Vor- und Nachteile dabei für die Lernenden entstehen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung von empirischen Unterrichtsforschungen und Schülerbefragungen, die von Manfred Pirner und Timo Aichler durchgeführt wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen, die Eignung des Fachs Religion für bilinguale Ansätze, die Materialfrage sowie die konkreten Erfahrungen aus Schulpraxisprojekten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie CLIL, bilingualer Religionsunterricht, interkulturelles Lernen, empirische Unterrichtsforschung und didaktische Herausforderungen charakterisiert.
Warum wird der Einsatz englischsprachiger Materialien als herausfordernd beschrieben?
Es mangelt oft an fachdidaktisch aufbereiteten Materialien, die sowohl den sprachlichen Anforderungen als auch der inhaltlichen Tiefe theologischer Themen gerecht werden.
Welche Rolle spielt der "Verfremdungseffekt" im bilingualen Religionsunterricht?
Der Verfremdungseffekt durch die Fremdsprache kann Schülern helfen, eine größere Distanz zu persönlichen Themen zu wahren, was die Artikulation über ethische und religiöse Fragestellungen erleichtern kann.
- Quote paper
- Sebastian Weber (Author), 2009, Bilingualer Sachfachunterricht evangelische Religion, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/182450