Nachdem lange eine autochthone Entwicklung einer Kupfer- und vor allem Bronzemetallurgie in mehreren Entwicklungszentren angezweifelt wurde, verdichten sich vor allem in den letzten Jahren die Belege für eine bereits von RENFREW (1969) angenommene Autonomie der Kupferzeit Südosteuropas. Schon das 1972 entdeckte Gräberfeld von Varna erregte mit seinem ungeheuren Reichtum an Goldfunden breites Interesse in der Forschung. Ebenfalls in den siebziger Jahren fand man bei Surveys zwei kupferzeitliche Bergwerke im Balkan Serbiens und Bulgariens. Weitere Entdeckungen folgten, die auf eine sehr frühe Entstehung der Kupfermetallurgie auf der Balkanhalbinsel hinwiesen, 2010 konnte dann auch die bis dahin bezweifelte Existenz eines Verhüttungszentrums nachgewiesen werden (RADIVOJEVIĆ ET AL. 2010). Jedoch finden sich in der Kupferzeit der Balkanhalbinsel nicht nur technologische Neuerungen, auch in sozialer Hinsicht zeigen sich tiefgreifende Veränderungen, die sich in Grabbeigaben und Architektur widerspiegeln. Im Folgenden sollen demnach nicht nur die metallurgischen und technologischen Innovationen der südosteuropäischen Kupferzeit vorgestellt werden, sondern vor allem ihre Auswirkungen auf die Gesellschaftsstruktur der damaligen Zeit, soweit dies in den archäologischen Funden nachzuvollziehen ist.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Früheste Kupferfunde
III. Die Frühkupferzeit
1. Die Vinĉa-Kultur
1.1. Rohstoffbasis – Rudna Glava
1.2. Verarbeitungstechnologie – Belovode
1.3. Finalprodukte – Ploĉnik
1.4. Das Gräberfeld von Gomolava
2. Zusammenfassung
IV. Mittelkupferzeit
1. Ai Bunar
2. Durankulak
2.1. Die Siedlung auf der Großen Insel
2.2. Das Gräberfeld
3. Zusammenfassung
V. Spätkupferzeit
1. Das Gräberfeld von Varna
VI. Endkupferzeit und Übergangsphase
VII. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die technologischen Innovationen der südosteuropäischen Kupferzeit und analysiert deren tiefgreifende Auswirkungen auf die damalige Gesellschaftsstruktur anhand archäologischer Funde.
- Die Entwicklung und Autonomie der Kupfermetallurgie in Südosteuropa.
- Die Untersuchung der Produktionskette vom Bergbau bis zum Finalprodukt am Beispiel der Vinĉa-Kultur.
- Die Rolle der Schwarzmeerküste bei der Herausbildung sozialer Differenzierung und hierarchischer Strukturen.
- Die Bedeutung von Fernhandel und Metallressourcen für gesellschaftliche Machtverhältnisse.
- Die Ursachen für den kulturellen Zusammenbruch am Ende der kupferzeitlichen Epoche.
Auszug aus dem Buch
1.1. Rohstoffbasis – Rudna Glava
Das kupferzeitliche Bergwerk von Rudna Glava in der Nähe der heutigen Bergbaustadt Majdanpek in Nordostserbien wurde bereits 1968 durch die Anlage des modernen Tagebaus entdeckt und seitdem mehr oder weniger ununterbrochen bis 1986 ausgegraben. Die Fundstelle liegt in etwa 450m über NN auf einem Berg, dessen Gipfel einen typischen „Eisernen Hut“ trug, der also von weither als Erzlagerstätte erkennbar war (OTTAWAY 1994, 53). Dort fanden sich die Überreste von etwa 40 Schächten, die anhand ihrer Verfüllung der Vinĉa-Kultur zugewiesen werden können, sowie fünf Depotfunde, die ebenfalls dieser Kultur zugerechnet werden können (BORIĆ 2009, 200). Die Schächte entstanden durch den Abbau von Erzadern, deren Lauf man teilweise bis zu 20m in die Tiefe folgte. Die Ausbeutung dieser Adern geschah, wie man aufgrund von Feuerstellen und Brandspuren am Gestein annimmt, mit Hilfe einer bereits aus den neolithischen Silexminen der Region bekannten Methode, bei der kaltes Wasser über zuvor mit Feuer erhitztes Erz oder Gestein gegossen wurde, um Risse und Spalten aufzubrechen. Diese wiederum wurden mit Hilfe von Hacken aus Hirschgeweih erweitert und die so gewonnenen Erzbrocken mit runden Steinschlägeln zerklopft und von Hand ausgelesen (JOVANOVIĆ 1988, 70). Karbonatische Kupfererze wie Malachit oder Azurit waren das gewünschte Produkt, sulfidische Erze wie Chalkopyrit o.ä. wurden gar nicht erst abgebaut, bzw. gelangten als Verfüllung in aufgegebene Schächte (OTTAWAY 1994, 54). Eine direkte Weiterverarbeitung des gewonnenen Erzes an Ort und Stelle konnte bisher nicht nachgewiesen werden, genauso wenig wie eine Siedlung oder ein Gräberfeld der Bergarbeiter. Aus diesem Grund wird eine saisonale Nutzung des Bergwerks angenommen, während der die Rohstoffe in nahegelegene Ansiedlungen zur Verhüttung und Verarbeitung verbracht wurden (JOVANOVIĆ 1988, 76).
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die autochthone Entwicklung der Kupferzeit in Südosteuropa und stellt die Forschungsfrage nach den technologischen und sozialen Innovationen.
II. Früheste Kupferfunde: Dieses Kapitel behandelt die ersten seltenen Nutzungen von Kupfer und Malachit im Neolithikum, die primär für Schmuckzwecke dienten.
III. Die Frühkupferzeit: Es wird die Etablierung der Kupfermetallurgie in der Vinĉa-Kultur sowie die Erschließung von Ressourcen und Verarbeitungstechnologien beschrieben.
IV. Mittelkupferzeit: Dieses Kapitel fokussiert auf die Intensivierung des Kupferhandels und die beginnende soziale Differenzierung an der Schwarzmeerküste.
V. Spätkupferzeit: Die Ausprägung großer Kulturkomplexe und der erreichte Höhepunkt des „Metallbooms“ bilden den Schwerpunkt dieses Kapitels.
VI. Endkupferzeit und Übergangsphase: Es wird der demographische Kollaps am Ende der Epoche durch klimatische Veränderungen und äußere Einflüsse dargelegt.
VII. Fazit: Das Fazit fasst die gesellschaftlichen Transformationsprozesse durch Arbeitsteilung, Spezialisierung und die Etablierung hierarchischer Sozialordnungen zusammen.
Schlüsselwörter
Kupferzeit, Metallurgie, Südosteuropa, Vinĉa-Kultur, Rudna Glava, Bergbau, Sozialstruktur, Fernhandel, Schwarzmeerküste, Durankulak, Varna, Grabbeigaben, soziale Differenzierung, Holozän, Technologiegeschichte.
Hufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit primär?
Die Arbeit analysiert die Anfänge und die Entwicklung der Kupfermetallurgie in Südosteuropa und deren Einfluss auf die gesellschaftliche Struktur der Zeit.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Themen umfassen Bergbauaktivitäten, Verhüttungstechnologien, Fernhandelsnetzwerke und die Entstehung sozialer Eliten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie technologische Neuerungen wie die Kupferverarbeitung zur Herausbildung von Spezialisierung und einer hierarchischen Gesellschaftsordnung führten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer interdisziplinären Auswertung archäologischer Funde, radiometrischer Datierungen und metallurgischer Analysen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich chronologisch von der Früh- bis zur Endkupferzeit und untersucht Fundplätze wie Rudna Glava, Belovode, Ploĉnik, Durankulak und Varna.
Was charakterisiert die Arbeit?
Die Arbeit ist durch eine enge Verknüpfung von technischer Fundanalyse und sozialgeschichtlicher Interpretation geprägt.
Welche Bedeutung hat das Gräberfeld von Varna für die Argumentation des Autors?
Es dient als zentrales Beispiel für die extremste Ausprägung sozialer Differenzierung und den Nachweis einer reichen Oberschicht durch prunkvolle Grabbeigaben.
Welchen Einfluss hatte der Klimaumschwung auf die untersuchten Kulturen?
Der Autor führt den demographischen Kollaps am Ende der Epoche auf ein globales Klimaoptimum zurück, das zu Dürren und in der Folge zum Zusammenbruch der Siedlungsstrukturen führte.
- Arbeit zitieren
- Laura Geyer (Autor:in), 2009, Die Kupferzeit Südosteuropas, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/181760