I. Einleitung
David Hume (1711-1776) ist einer der bedeutendsten und meistrezipierten Denker der Neuzeit. Aufgrund seiner umfangreichen und vielseitigen Betrachtungen lässt er sich kaum kategorisieren: Er gilt als Empirist und Skeptiker mit Tendenzen zum Rationalismus und Naturalismus, hat historische Werke verfasst und sowohl die theoretische und praktische als auch die religiöse Philosophie sowie die Ökonomie maßgeblich beeinflusst. Er war einer der wenigen Philosophen, denen es vergönnt war, noch zu Lebzeiten Anerkennung und Ruhm für ihre Werke zu ernten.
Insbesondere seine Ausführungen zur Erkenntnistheorie und Moralphilosophie trafen weithin auf Resonanz: Hume erkannte mit als erster das Problem der induktiven Schlüsse für den Erkenntnisgewinn und wirkte mit seiner konsequentialistischen Moralphilosophie wegbereitend für den Utilitarismus. Daher sollen genau diese Aspekte von Humes Philosophie, seine Ansichten zum Induktionsproblem und zur moralischen Wertung, in der vorliegenden Arbeit in Form eines Vergleiches thematisiert werden. Zur Gewährleistung von Verständlichkeit und zur Hinführung erfolgt zunächst ein kurzer Überblick über die Grundzüge von Humes Philosophie, der sich grob an seinen Werken „Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand“ und „Eine Untersuchung über die Prinzipien der Moral“ orientiert. Daraufhin wird explizit auf die Begriffe der Induktion und der moralischen Wertung eingegangen, indem beide erklärt und miteinander verglichen werden. Dies führt zu einer kurzen Beleuchtung des Humeschen Gesetzes. Letztlich sollen kurz alternative Perspektiven zu Humes Ansicht aufgezeigt werden.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Grundzüge der Philosophie David Humes
III. Induktion und moralische Wertung
3.1. Begriffsklärung
3.2. Vergleich
3.3. Das Humesche Gesetz
3.4. Alternative Perspektiven
3.4.1. Immanuel Kant
3.3.2. Karl Popper
IV. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die Philosophie von David Hume hinsichtlich seiner Erkenntnistheorie, insbesondere des Induktionsproblems, sowie seiner Moralphilosophie zu untersuchen und die methodischen Gemeinsamkeiten dieser Bereiche durch einen Vergleich herauszuarbeiten.
- Grundlagen der Philosophie David Humes (Impressionen und Ideen)
- Die Problematik des induktiven Schließens und der Gewohnheit
- Die Rolle von Gefühlen bei moralischen Wertungen
- Das Humesche Gesetz zur Trennung von Sein und Sollen
- Kritische Gegenüberstellung mit Immanuel Kant und Karl Popper
Auszug aus dem Buch
3.3. Das Humesche Gesetz
Besonders interessant ist im Kontext dieser gegenüberstellenden Überlegungen das sogenannte Humesche Gesetz, welches das Verhältnis von Sein und Sollen betrifft. Es behandelt die Beziehung zwischen Tatsachen und Werten sowie deren Beurteilung und besagt, dass allein aus Annahmen über den gegenwärtigen Zustand (das Sein) nicht abgeleitet werden kann, was sein soll. Aus Tatsachenurteilen darf nicht auf Normen geschlossen werden. Hume trifft diese Feststellung im Kontext seiner Ausführungen über das Gefühl als Grundlage moralischer Wertungen.
Würde also aus dem Sein auf das Sollen geschlossen, enthielte die Konklusion mehr als die Prämisse. Damit handelt es sich um einen induktiven Schluss und demnach einen logischen Fehler. Hume verneint diesen Schluss jedoch vermutlich nicht nur aus diesem formalen Grund, sondern auch und vor allem, weil er die Grundlage vom Sein und die Basis des Sollens voneinander unterscheidet: er grenzt wie bereits erwähnt Vernunft und Willen voneinander ab. Während die Vernunft sozusagen die Wirklichkeit widerspiegelt und der Erkenntnisfindung (im Sinne einer absolut wahren Erkenntnis) dient, fungiert der Wille handlungsmotivierend.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Einführung in die Bedeutung Humes als Denker und Skizzierung der Zielsetzung, das Induktionsproblem und die moralische Wertung in einem Vergleich zu beleuchten.
II. Grundzüge der Philosophie David Humes: Darstellung der empiristischen Erkenntnistheorie Humes, der Unterscheidung von Eindrücken und Ideen sowie der Bedeutung von Gewohnheit und Kausalität.
III. Induktion und moralische Wertung: Analyse der induktiven Schlüsse und moralischen Wertungen als instinktive, nicht vernunftbasierte Vorgänge, ergänzt durch eine Auseinandersetzung mit dem Humeschen Gesetz sowie Gegenperspektiven von Kant und Popper.
IV. Fazit: Zusammenfassende Würdigung der Aktualität Humes’ und Einordnung seiner Philosophie im Kontrast zu anderen Denkern wie Kant.
Schlüsselwörter
David Hume, Empirismus, Induktionsproblem, moralische Wertung, Kausalität, Gewohnheit, Sein-Sollen-Dichotomie, Humesches Gesetz, Erkenntnistheorie, Moralphilosophie, Immanuel Kant, Karl Popper, Falsifikationismus, Intuition, Gefühlsphilosophie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die philosophischen Ansichten von David Hume, insbesondere seine Erkenntnistheorie bezüglich induktiver Schlüsse und seine Moralphilosophie, um Gemeinsamkeiten in der Urteilsfindung aufzuzeigen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind das Induktionsproblem, die Rolle der Gewohnheit, das Prinzip der moralischen Wertung und die Abgrenzung von Sein und Sollen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist ein systematischer Vergleich zwischen Humes Induktionslehre und seiner Moralphilosophie, um darzulegen, dass beides nicht auf reiner Vernunft, sondern auf instinktiven bzw. emotionalen Prozessen beruht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine philosophische Analyse und einen komparativen Vergleich der Primär- und Sekundärliteratur zu Hume sowie einen kurzen Ausblick auf die Gegenpositionen von Kant und Popper.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung von Humes Erkenntnisgrundlagen, die Analyse von Induktion und moralischer Wertung, die Untersuchung des Humeschen Gesetzes und eine alternative Betrachtung durch Kant und Popper.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Empirismus, Induktionsproblem, Humesches Gesetz, Moral, Gefühl, Gewohnheit und Erkenntnistheorie charakterisieren.
Warum spielt die Gewohnheit eine so zentrale Rolle bei Hume?
Nach Hume ist die Gewohnheit die „große Führerin im Menschenleben“, da sie es dem Menschen ermöglicht, trotz des logisch nicht zu rechtfertigenden Induktionsschlusses Prognosen über die Zukunft zu treffen und sich in der Welt zu orientieren.
Wie unterscheidet sich Kants Ansatz zur Moral von dem Humes?
Während Hume Moral als ein aus Gefühlen resultierendes, soziales Bedürfnis betrachtet, verortet Kant den moralischen Wert einer Handlung in der rationalen Befolgung von Pflichten und Prinzipien, wie dem kategorischen Imperativ.
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- Sina Volk (Author), 2011, David Hume: Induktion und moralische Wertung - ein Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/181605