Freie Prädikative - Was ist das? Ein einfaches Nachschlagen in einer beliebigen Grammatik reicht
nicht aus, um diese Frage zufriedenstellend zu beantworten. Das zusätzliche Konsul-tieren einer
weiteren Grammatik wirft nur noch weitere Fragen auf, da sich nicht nur die Definitionen der
freien Prädikative unterscheiden, sondern schon die der Übergeordneten Kategorie der
Prädikative an sich.
Ziel dieser Arbeit ist es deshalb, die Auffassungen verschiedener Grammatiken in Bezug auf das
sprachliche Phänomen "freies Prädikativ" wiederzugeben, vergleichend zu betrach-ten,
zusammenzufassen und anhand einiger Beispiele in die Praxis umzusetzen.
Da sich die Definitionen des freien Prädikativs auf den entsprechenden Begriff des Prädi-kativs
stützen, ist es unerlässlich zunächst erst einmal diesen Begriff zu klären, was wieder-um in den
vorliegenden Grammatiken unterschiedlich vorgenommen wird.
Die Grundlage zum Vergleich der Definitionen des Prädikativs im Allgemeinen bildet hier die
Beschreibung Flämigs in seiner Grammatik des Deutschen1. Bei der darauf folgenden Be-trachtung des
Sonderfalls "freies Prädikativ" wird die Definition Musans Satzgliedanalyse2 als Fundament
verwendet, da sie eindeutig vom Begriff "freies Prädikativ" spricht und auch ansonsten das
klarste Bild dieses Terminus gibt.
Eine weitere Schwierigkeit im Vergleich mehrerer Grammatiken besteht neben der Defini-tion
des entsprechenden Begriffs auch in dessen Terminologie, die teils synonym verwen-det wird,
teils andere Aspekte eines Terminus bezeichnet. In der Beschreibung der jewei-ligen Definition
wird darum die Terminologie der entsprechenden Grammatik verwendet.
Im letzten Teil dieser Arbeit wird der Versuch unternommen, eine zusammenfassende Definition
über das freie Prädikativ aus den verschiedenen Ansätzen zusammenzufügen. Der
Überschaubarkeit halber soll für diese Zusammenfassung die Terminologie der Duden-
Grammatik3 verwendet werden.
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1FLÄMIG, Walter: Grammatik der Deutschen. Einführung in Struktur- und Wirkungszusammenhänge. Erarbeitet auf der
theoretischen Grundlage der "Grundzüge einer deutschen Grammatik". Berlin 1991.
2MUSAN, Renate: Satzgliedanalyse. 2., aktualisierte Auflage. Heidelberg 2009.
3DUDENREDAKTION (Hrsg.): Duden. Die Grammatik. Band 4. Nach den Regeln der deutschen Recht-schreibung 2006
überarbeiteter Neudruck der 7., völlig neu erarbeiteten und erweiterten Auflage. Mannheim 2006.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Das Prädikativ - Definitionen
Flämig
Götze/Hess-Lüttich
Musan
Pittner/Berman
Duden-Grammatik
3 Sonderfall "Freies Prädikativ"
Musan
Flämig
Götze/Hess-Lüttich
Pittner/Berman
Duden-Grammatik
4 Freie Prädikative in der Praxis
5 Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das sprachliche Phänomen des "freien Prädikativs" durch einen systematischen Vergleich verschiedener grammatiktheoretischer Ansätze, um die terminologische Vielfalt und abweichende Definitionen zu klären und anhand praktischer Beispiele eine einheitliche Einordnungsmethode abzuleiten.
- Vergleichende Analyse der Prädikativ-Definitionen in der Germanistik
- Abgrenzung zwischen Prädikativ, freiem Prädikativ und Adverbial
- Unterscheidung von depiktiven und resultativen Prädikativen
- Klassifizierung nach Objekts- und Subjektsbezug
- Anwendung der Umschreibungsprobe zur syntaktischen Differenzierung
Auszug aus dem Buch
3 Sonderfall "Freies Prädikativ"
Bei Musan findet sich der Begriff freies Prädikativ wörtlich und wird in übersichtlicher Art folgendermaßen definiert: Freie Prädikative treten ohne sogenannte "Kitt"-Verben auf und sind ohne besondere Konstruktionshilfen in den Satz eingebaut. Freie Prädikative können sich sowohl auf das Objekt als auch auf das Subjekt beziehen. Zur Unterscheidung von Adverbialen und freien Prädikativen führt Musan an, dass beim Adverbial der Vorgang näher bestimmt wird, das Prädikativ sich jedoch auf das Objekt oder das Subjekt bezieht und einen temporären Zustand desselben bezeichnet. Sie stellt fest, dass es keine einheitliche Bezeichnung für das Phänomen der freien Prädikative gibt und nennt depiktive und resultative Prädikative, freie Prädikative und prädikative Attribute als einige der gängigen Temini.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung motiviert die Fragestellung durch die Feststellung, dass gängige Grammatiken uneinheitliche Definitionen zum freien Prädikativ liefern, und beschreibt das methodische Vorgehen der Arbeit.
2 Das Prädikativ - Definitionen: In diesem Kapitel werden die Definitionen des Prädikativs bei Flämig, Götze/Hess-Lüttich, Musan, Pittner/Berman sowie in der Duden-Grammatik gegenübergestellt und hinsichtlich ihrer Terminologie verglichen.
3 Sonderfall "Freies Prädikativ": Das Kapitel untersucht gezielt das freie Prädikativ unter Verwendung der Definition von Musan als Vergleichsbasis und analysiert die Abgrenzungen sowie die Terminologie der herangezogenen Grammatiken.
4 Freie Prädikative in der Praxis: Hier werden theoretische Erkenntnisse auf ausgewählte Beispielsätze angewendet, wobei insbesondere die Umschreibungsprobe zur Unterscheidung von Adverbialen und Prädikativen eingesetzt wird.
5 Resümee: Das Resümee fasst die Ergebnisse zusammen, betont die notwendige Differenzierung im Sprachgebrauch und diskutiert die Ambiguität von Sätzen bei der Identifikation freier Prädikative.
Schlüsselwörter
Freies Prädikativ, Grammatik, Satzgliedanalyse, Depiktiv, Resultativ, Adverbial, Kopulaverb, Subjektsbezug, Objektsbezug, Umschreibungsprobe, Satzbauplan, Linguistik, Sprachwissenschaft, Prädikativum, Prädikatives Attribut
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit widmet sich dem Phänomen des "freien Prädikativs" im Deutschen und vergleicht, wie verschiedene wissenschaftliche Grammatiken dieses definieren und abgrenzen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit deckt die Definition des Prädikativs an sich, die spezifischen Eigenschaften freier Prädikative sowie deren praktische Unterscheidung von Adverbialen ab.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die teilweise stark divergierenden Auffassungen unterschiedlicher Grammatiken zusammenzuführen und eine nachvollziehbare Methode zur Identifikation freier Prädikative zu etablieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine vergleichende Literaturanalyse theoretischer Grammatiken sowie eine praktische Anwendung mittels der sogenannten "Umschreibungsprobe" an Beispielsätzen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Definitionssuche für das allgemeine Prädikativ, eine spezifische Analyse des Sonderfalls "freies Prädikativ" und eine praktische Überprüfung von Beispielsätzen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Schlüsselbegriffe sind unter anderem "freies Prädikativ", "depiktiv", "resultativ", "Adverbialabgrenzung" und "Umschreibungsprobe".
Warum ist die Unterscheidung zwischen einem freien Prädikativ und einem Adverbial oft schwierig?
Die Schwierigkeit liegt darin, dass im alltäglichen Sprachgebrauch die Grenzen zwischen beiden verschwimmen können, weshalb die Arbeit die Umschreibungsprobe als diagnostisches Werkzeug empfiehlt.
Was ist eine "Umschreibungsprobe" in diesem Kontext?
Die Umschreibungsprobe dient dazu, zu prüfen, ob sich eine Phrase auf das Verb (Adverbial) oder auf den Zustand eines Subjekts oder Objekts (Prädikativ) bezieht, indem der Satz in zwei Teile gesplittet wird.
- Arbeit zitieren
- Elisabeth Eidner (Autor:in), 2011, Prädikative Konstruktionen im Deutschen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/181567