Eberhard Karls Universität Tübingen
Philosophisches Seminar
Dietmar Koch
Interpretationskurs
SS 2009/10
Dialektik in Platons Philebos – das Problem von peras und apeiron
Marcel Dietze
Matrikel-Nr. 3222416
Tel. 07032/34711
E-Mail: marceldie@t-online.de
Datum: 23. Januar 2010
Inhaltsübersicht
1. Einleitung S. 2
2. Begrifflichkeiten S. 2
2.1Klärung und historische Entwicklung des Begriffs der Dialektik S. 2
3. Dialektik in Platons Werken S. 4
3.1 Dialektik und Dialog S. 4
3.2 Dialektik im Philebos - Aufbau und Protagonisten S. 6
4. peras und apeiron S. 8
4.1 Das Paradoxon S. 8
4.2 Die dialektische Methode S. 10
4.3 Das Beispiel der Buchstaben und Töne S. 15
4.4 Die Resignation des Protarchos S. 17
5. Ausblick - Die vier Gattungen des Seienden S. 18
5.1 Unbegrenztes S. 18
5.2 Begrenztes S. 19
5.3 Gemischtes S. 20
5.4 Ursache S. 21
6. Schluss S. 22
7. Literaturverzeichnis S. 23
1.Einleitung
Als Sokrates um 400 vor Christus hingerichtet wurde, war Platon circa dreißig Jahre alt. Er war bei Sokrates` Prozess im Gerichtssaal und musste dabei zusehen, wie sein großes Vorbild verurteilt wurde. Auch aus diesem Grund veröffentlichte er daraufhin eine Reihe philosophischer Werke. Zu den bekanntesten zählen wohl die Politeia, welche einen Überblick über Platons Philosophie insgesamt gibt, das Symposion, welches seine Ansichten von Liebe beinhaltet und die drei Werke Apologia, Phaidon und Kriton, in welchen Platon Sokrates porträtiert. Diese Dialoge gehören zu den Frühwerken und den Werken der sogenannten mittleren Zeit.
Zu den Spätwerken Platons gehört unter anderem der Philebos, welcher, wie viele andere Werke, in Dialogform verfasst wurde. Diese Dialogform, die sokratische Dialektik, soll Thema dieser Hausarbeit sein. Dabei soll zunächst der Begriff der Dialektik und seine Entwicklung geklärt werden, bis dieser dann im Kontext des Philebos untersucht werden soll. Anhand von bestimmten Textstellen im Dialog und stets unter dem Aspekt von peras und apeiron soll also versucht werden, die dialektische Methode zu erarbeiten. Schluss dieser Arbeit soll ein kleiner Ausblick auf die folgenden Inhalte sein, welcher zu weiterem Nachdenken anregen und das Thema abrunden soll.
2. Begrifflichkeiten
2.1 Klärung und historische Entwicklung des Begriffs der Dialektik
Der Begriff „Dialektik“, von dem griechischem
Inhaltsübersicht
1. Einleitung
2. Begrifflichkeiten
2.1 Klärung und historische Entwicklung des Begriffs der Dialektik
3. Dialektik in Platons Werken
3.1 Dialektik und Dialog
3.2 Dialektik im Philebos - Aufbau und Protagonisten
4. peras und apeiron
4.1 Das Paradoxon
4.2 Die dialektische Methode
4.3 Das Beispiel der Buchstaben und Töne
4.4 Die Resignation des Protarchos
5. Ausblick - Die vier Gattungen des Seienden
5.1 Unbegrenztes
5.2 Begrenztes
5.3 Gemischtes
5.4 Ursache
6. Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das sokratische Verständnis der Dialektik in Platons Spätwerk Philebos. Das primäre Ziel ist die Analyse der dialektischen Methode im Kontext der zentralen Begriffe peras und apeiron, um deren Bedeutung für die philosophische Erkenntnisgewinnung zu erarbeiten.
- Historische Entwicklung des Dialektik-Begriffs
- Strukturelle Analyse der sokratischen Dialogführung
- Das Problem von peras und apeiron
- Einsatz der dialektischen Methode an Beispielen wie Buchstaben und Tönen
- Die Lehre von den vier Gattungen des Seienden
Auszug aus dem Buch
4.2 Die dialektische Methode
In der bedeutenden Textpassage 16c-17a, reagiert Sokrates auf die „große Verwirrung“ und die Bitte des Protarchos, ihn und seine „Jünglinge“ auf einen „besseren Weg“ zu führen. Die Wichtigkeit dieser Textstelle, wird durch die einleitenden Worte des Sokrates ersichtlich, der die dialektische Methode als „Gabe der Götter“ tituliert und deren Relevanz mit der der Überbringung des Feuers an die Menschen durch Prometheus vergleicht.
Sokrates zeigt neben der Bedeutung der Methode, die sie durch ihre göttliche Herkunft hat, auch die Schwierigkeit ihrer Handhabe auf, indem er der ausführlichen Darstellung in 16c-e seine eigene Erfahrung mit dieser Methode voranstellt. In diesem Zusammenhang wird neben den Begriffen hen, das Eine und polla, das Viele auch das zentrale Begriffspaar von peras, die Begrenztheit oder Grenze, und apeiron, das Unbegrenzte, genannt. Diese Begriffe sollen der Charakterisierung der dialektischen Methode dienen.
Für Dorothea Frede gibt es nun zwei zentrale Fragen: „Worin besteht also die Methode und was rechtfertigt es, hier ohne weiteres von ‚Dialektik‘ zu sprechen“ und „auf welche Arten von Gegenständen ist sie anzuwenden?“ In 17a erwähnt Sokrates, dass es auf die richtige Anwendung der Methode ankommt, ob wir dialektisch oder streitsüchtig, also eristisch, diskutieren. Die Dialektik ist es, die das Wesen einer Sache bestimmt, die Auseinandersetzung mit einer Sache auf sich nimmt und der Mitte der Überlegung nicht ausweicht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in den historischen Kontext der platonischen Dialoge und Vorstellung des Philebos als zentrales Untersuchungsobjekt.
2. Begrifflichkeiten: Definition und historische Herleitung des Begriffs der Dialektik von der griechischen Antike bis zur Moderne.
3. Dialektik in Platons Werken: Analyse der dialogischen Struktur und der Rollenverteilung zwischen Sokrates und seinen Gesprächspartnern.
4. peras und apeiron: Untersuchung des Kernproblems der Einheit und Vielheit sowie der praktischen Anwendung der dialektischen Methode.
5. Ausblick - Die vier Gattungen des Seienden: Erläuterung der ontologischen Einteilung in Unbegrenztes, Begrenztes, Mischung und Ursache.
6. Schluss: Zusammenfassende Reflexion über die dialektische Methode und deren tatsächliche Anwendung im Philebos.
Schlüsselwörter
Platon, Philebos, Dialektik, peras, apeiron, Sokrates, Dialog, Einheit, Vielheit, Philosophie, Ideenlehre, Methode, Erkenntnis, Seiendem, Wissensbegriff
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das spezifische Verständnis der Dialektik in Platons Dialog Philebos unter besonderer Berücksichtigung der Begriffe peras und apeiron.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit fokussiert sich auf die dialektische Methode bei Platon, die Struktur seiner Dialoge und die ontologische Einteilung der Welt in verschiedene Gattungen.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Arbeit zielt darauf ab zu ergründen, wie Platon durch die Dialektik das Verhältnis von Einheit und Vielheit bestimmt und welche Rolle dabei die Begriffe Grenze und Unbegrenztheit spielen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor nutzt eine textanalytische Interpretation in Verbindung mit einer Auseinandersetzung mit einschlägiger Sekundärliteratur, insbesondere von Dorothea Frede und Gisela Striker.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert das dialektische Paradoxon, die methodische Vorgehensweise anhand von Beispielen wie Sprache und Musik sowie die Theorie der vier Gattungen des Seienden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Dialektik, peras, apeiron, Platon, Philebos und die dialektische Methode charakterisiert.
Warum spielt Philebos in der Diskussion eine untergeordnete Rolle?
Philebos zieht sich früh aus der Diskussion zurück, da er von seiner Position überzeugt ist und das Interesse am sokratischen dialektischen Verfahren vermissen lässt.
Was ist das Besondere an der „Ursache“ im vierten Gattungsmodell?
Im Philebos fungiert die Ursache als herstellende Kraft, die das richtige Maß für Mischungen definiert, im Gegensatz zur Zweckursache in früheren Werken.
Wie bewertet der Autor Sokrates' Umgang mit der Dialektik am Ende?
Der Autor stellt überrascht fest, dass Sokrates die von ihm selbst als „Gabe der Götter“ hochgelobte Methode im Verlauf des Dialogs nur sehr selektiv und sparsam einsetzt.
- Arbeit zitieren
- Marcel Dietze (Autor:in), 2009, Dialektik in Platons Philebos, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/181508