Karten haben eine wichtige Orientierungsfunktion im Alltag. Sie können uns täglich in Form eines Stadtplanes, eines Autoatlasses oder als Skizze in einer Zeitung begegnen. Doch obwohl eine häufige Auseinandersetzung mit Karten und kartenähnlichen Abbildungen unumgänglich ist, scheint es trotzdem, dass die Kulturtechnik des Kartenlesens eher autodidaktisch und nebenher erlernt wird. Im Geschichtsunterricht liegt das Augenmerk wohl eher auf der Verwendung anderer Quellen, wie historischen Texten und Bildern, als auf der Nutzung historischer Karten und dem Gebrauchen von Geschichtskarten. Eine grundlegende Einführung in die eigentliche Kartenarbeit findet im Unterricht auch kaum Platz. Doch genau dies wäre von entscheidender Wichtigkeit, wenn es darum geht, mit der dargestellten „Wirklichkeit“ richtig umzugehen. Geschichtskarten veranschaulichen Staatengebilde, doch darüber hinaus verdeutlichen sie historische Zustände, Entwicklungen und Zusammenhänge. Um diese Kriterien jedoch korrekt auffassen zu können, müssen Karten gelesen und nicht nur betrachtet werden. Genauso ist es essentiell, Karten die die gleichen Aspekte thematisieren, untereinander zu vergleichen um somit zu einer objektiven Geschichtsbetrachtung und auch
– auffassung zu gelangen.
Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Problematik der Beeinflussung durch Geschichtskarten. Ob im Sinne gewollter Manipulation oder durch ungewollte Einflussnahme auf den Betrachter, Geschichtskarten können die objektive Geschichtsbetrachtung beeinträchtigen.
Daher sollen einflussnehmende Aspekte durch Kartenbetrachtung in dieser Arbeit näher erläutert und thematisiert werden sowie anhand von exemplarischen Fallbeispielen verdeutlicht werden.
Inhaltsverzeichnis
I) Problematik des Kartenverständnisses
II) Potentielle Beeinflussung durch Geschichtskarten
1.) Grundlegende Aspekte
2.) Unterschiedliche Kartentypen
3.) Historische Wandel im Kartographischen Zeichensystem
4.) Grundlagen zum Kartenverständnis
5.) Ausgewählte Fallbeispiele
a) Die Varusschlacht
b) Das Frankenreich Karls des Großen
c) Der Dreißigjährige Krieg und der Westfälische Frieden
d) Mitteleuropa nach dem Westfälischen Frieden (Schulbuchkarte)
e) Zeitalter des Imperialismus
f) Deutschland im 20. Jahrhundert
III) Abschließende Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Problematik der Beeinflussung durch Geschichtskarten im schulischen Kontext. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, inwiefern Geschichtskarten durch ihre spezifische graphische Gestaltung und didaktische Reduktion eine objektive Geschichtsbetrachtung beeinträchtigen oder gar manipulativ auf den Betrachter wirken können.
- Funktion und Bedeutung von Geschichtskarten im Unterricht
- Mechanismen der kartographischen Abstraktion und Vereinfachung
- Suggestivwirkung von Farben und Symbolik in der Kartografie
- Analyse von Fallbeispielen zu verschiedenen historischen Epochen
Auszug aus dem Buch
1.) Grundlegende Aspekte
Eine Karte veranschaulicht historische Inhalte mit Hilfe von graphischer Darstellung. Aufgrund ihrer Eingeschränktheit durch graphische Zeichen und durch maximal stichpunktartig verwendbare Beschriftung muss eine Karte zugleich aber stark abstrahieren und vereinfachen. Dies kann sogar soweit führen, dass sich einiges überhaupt nicht darstellen lässt und manche Sachverhalte so vereinfacht werden müssen, dass sie ihrer historischen Bedeutung und Gegebenheit nicht mehr gerecht werden können. Schließlich muss eine Karte stets eine eindeutige Aussage treffen, was letztlich bedeutet, dass in ihr bereits eine Interpretation der dargestellten Aspekte enthalten ist, zumal jede Geschichtsschreibung auch an ihre Entstehungszeit gebunden ist. Karten sind also zeichenhafte Verdichtungen, die man nur mit dem Beherrschen ihrer Symbolsprache verstehen kann.
Dieses Konglomerat aus bereits getätigter Interpretation, dargestellter Sachverhalte und eventuell sogar weggelassener Fakten im Zuge einer Vereinfachung oder aufgrund von Propaganda führt schließlich zu einer nichtobjektiven Darstellung von Geschichte.
Daher ist es von großer Bedeutung, diese Karten nicht unreflektiert oder ungeprüft sprichwörtlich für bare Münze zu nehmen. Es kann durch eine knappe Fassung ein zu einseitiges Bild entstehen, die Karte kann also, gewollt oder ungewollt, Einfluss auf das Geschichtsbild ihres Betrachters nehmen, zumal sich kartographische Informationen im Gesamtbild wesentlich effizienter in Form von „mental maps“ ins Gedächtnis einprägen lassen als textlich-verbale Informationen.
Zusammenfassung der Kapitel
I) Problematik des Kartenverständnisses: Das Kapitel führt in die tägliche Bedeutung von Karten ein und kritisiert, dass deren bewusste Nutzung als historische Quelle im Unterricht oft vernachlässigt wird.
II) Potentielle Beeinflussung durch Geschichtskarten: Es wird dargelegt, wie kartographische Abstraktion und gezielte Gestaltung (Farben, Symbole) das Geschichtsbild manipulieren können, illustriert durch Fallbeispiele von der Varusschlacht bis hin zu Karten des 20. Jahrhunderts.
III) Abschließende Zusammenfassung: Das Fazit betont die Notwendigkeit, Karten kritisch zu lesen und den dargestellten Sachverhalt durch verschiedene Quellen abzugleichen, um eine manipulative Wirkung zu erkennen.
Schlüsselwörter
Geschichtskarten, Kartenverständnis, Geschichtsunterricht, Kartographische Abstraktion, Manipulation, Symbolsprache, Historische Quellen, Didaktik, Mental Maps, Bildhafte Darstellung, Schulbuchanalyse, Objektivität, Ideologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Funktion und der potenziellen Manipulationskraft von Geschichtskarten im Unterricht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten gehören das Kartenlesen als Kulturtechnik, die graphische Abstraktion und die suggestive Wirkung von Farben und Titeln auf den Betrachter.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Geschichtskarten durch ihre Gestaltung ein einseitiges Geschichtsbild erzeugen können und wie Lernende dazu befähigt werden können, diese Quellen kritisch zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine fachdidaktische Analyse, die theoriegestützt durch Fallbeispiele aus verschiedenen Geschichtsepochen und Schulbüchern belegt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen der Kartenarbeit und untersucht in sechs Fallbeispielen – von der Antike bis zum 20. Jahrhundert – wie Karten historische Sachverhalte abbilden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Geschichtskarten, Kartenverständnis, Manipulation, Kartographische Abstraktion und kritische Quellenarbeit.
Warum ist der Vergleich verschiedener Karten für den Unterricht so wichtig?
Da jede Karte notwendigerweise reduziert und interpretiert, ermöglicht erst der Vergleich verschiedener Darstellungen, die Objektivität der Informationen zu prüfen.
Welche spezifische Gefahr geht laut Autor von der Farbwahl in Geschichtskarten aus?
Farben können psychologische Wirkungen haben, die Rollenbilder wie "Aggression" oder "Defensive" suggerieren und damit das historische Urteilsvermögen des Betrachters beeinflussen.
- Arbeit zitieren
- Alexander Hofstetter (Autor:in), 2006, Geschichtskarten als Medium zwischen Objektivität und tendenziöser Beeinflussung, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/181363