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Die moralische Legitimität der Selbsttötung im Diskurs der Aufklärung

Titel: Die moralische Legitimität der Selbsttötung im Diskurs der Aufklärung

Seminararbeit , 2011 , 16 Seiten

Autor:in: Daniel Schuch (Autor:in)

Geschichte Europas - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Der 'Selbstmord' galt im Europa der Frühen Neuzeit prinzipiell als Straftat und Sünde. Dies hatte eine lange Tradition, welche besonders durch das Christentum geprägt war und dem darin eingeschriebenen Tötungsverbot folgte: „Dürfen wir andere nicht tödten, so dürfen wir auch nicht Hand an uns selber legen.“ Die Bewertung der Selbsttötung begann sich jedoch im Zeitalter der Aufklärung zu ändern. Die Freisetzung der Individuen ermöglichte einen neuen Diskurs um die Freiheit zum selbst gewählten Tod. Individualisierung, Autonomie und Selbstbestimmung konnten so auch einen positiven Bezug auf die Selbsttötung als Signatur der Freiheit zur Folge haben. Ausgehend vom Wissen über die grundlegende Ablehnung der Selbsttötung in der Frühen Neuzeit und deren Wandel während der Zeit der Aufklärung, soll in der vorliegenden Arbeit der Relation von Selbsttötung und Moral nachgegangen werden. Wurde durch den philosophischen Diskurs der Aufklärung der 'Selbstmord' zum moralisch legitimen 'Freitod'?

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Suizid und Moral im Diskurs der Aufklärung

2.1 Säkularisierung und Individualisierung der Selbsttötung

2.2 Konträre Positionen

2.2.1 David Hume und die Freiheit zum Suizid

2.2.2 Immanuel Kant und die (erneuerte) moralische Verurteilung des 'Selbstmord'

2.2.3 Die Pflicht zum freiwilligen Tod nach Bischof

3. Eine differenzierte Bewertung

4. Quellen- und Literaturangaben

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht den Wandel in der moralischen Bewertung des Suizids im Zeitalter der Aufklärung und analysiert, inwiefern der philosophische Diskurs jener Zeit eine moralische Legitimität des sogenannten 'Freitodes' ermöglichte oder verneinte.

  • Historische Entwicklung des Suizidbegriffs von der Straftat zum moralischen Diskurs
  • Die Rolle der Säkularisierung und Individualisierung in der Aufklärung
  • Philosophische Gegenüberstellung von David Humes Suizid-Verteidigung und Immanuel Kants Verurteilung
  • Die Synthese-Position von K.J. Bischof und die Pflicht zum freiwilligen Tod
  • Differenzierung zwischen moralisch legitimierten Fällen und pathologischer Deutung

Auszug aus dem Buch

2.2.1 David Hume und die Freiheit zum Suizid

„Wir wollen hier versuchen, den Menschen in seine angeborne Freiheit wieder einzusetzen, indem wir alle Argumente gegen den Selbstmord prüfen und zeigen, dass diese Handlung frei von Schuld oder Tadel sein mag, wie dies auch die gemeine Ansicht aller alten Philosophen ist.“

David Hume lieferte mit seinem in England 1777 posthum veröffentlichten Essay On Suicide eine grundlegende moralische Freisprechung für die Selbsttötung. Sein Werk und die besagte Ansicht der alten Philosophen bezieht sich dabei keineswegs auf alle, sondern vielmehr besonders auf den stoischen Philosophen Seneca. Die auf Vernunft basierende Autonomie des Menschen bedeutete bei diesem, dass der Suizid als Freitod die Garantie für menschliche Freiheit wahren sollte, da es keinen Zwang zum (schlechten) Leben geben würde. Diese antike Verbindung von Vernunft und Freiheit war auch für Hume leitend. Seine Argumentation war eine systematische Widerlegung von Thomas von Aquins Postulat von der Selbsttötung als dreifache Todsünde gegenüber Gott, der Menschheit und dem Selbsterhaltungstrieb. Ziel des Essays war es, die Selbsttötung von Vorwürfen der Schuld und des Tadels zu befreien, welche seiner Ansicht nach auf Aberglaube und falscher Religion beruhen würde.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung skizziert den Wandel der Bewertung des Suizids vom religiös geprägten 'Selbstmord' als Sünde hin zum aufklärerischen Diskurs über den moralisch reflektierten 'Freitod'.

2. Suizid und Moral im Diskurs der Aufklärung: Dieses Kapitel untersucht die Säkularisierung und Individualisierung als Treiber für den neuen Umgang mit Suizid und analysiert die gegensätzlichen philosophischen Positionen von Hume, Kant und Bischof.

3. Eine differenzierte Bewertung: Hier erfolgt eine kritische Würdigung, die verdeutlicht, dass die Philosophie der Aufklärung keine generelle Apologie des Suizids lieferte, sondern diesen an vernunftbasierte Bedingungen knüpfte und den Übergang zu einem pathologischen Diskurs vorbereitete.

4. Quellen- und Literaturangaben: Eine strukturierte Aufstellung der verwendeten Primärquellen und der wissenschaftlichen Sekundärliteratur zur historischen und philosophischen Einordnung des Themas.

Schlüsselwörter

Aufklärung, Suizid, Selbstmord, Freitod, Moral, David Hume, Immanuel Kant, K.J. Bischof, Säkularisierung, Individualisierung, Philosophie, Ethik, Selbsterhaltung, Vernunft, Frühe Neuzeit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit untersucht den Wandel des moralischen Verständnisses von Selbsttötung im Europa der Aufklärung und analysiert, wie Philosophen dieser Ära den 'Freitod' ethisch bewerteten.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Der Fokus liegt auf der Spannung zwischen dem traditionellen religiösen Suizidverbot, der aufkommenden individuellen Autonomie und den philosophischen Begründungsmustern, die sich aus der Vernunft ableiten.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu klären, ob der philosophische Diskurs der Aufklärung tatsächlich zu einer moralischen Legitimation des Suizids führte oder ob neue, säkulare Fesseln entstanden.

Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?

Es handelt sich um eine geisteswissenschaftliche Analyse, die primäre philosophische Texte der Aufklärung unter Einbeziehung zeitgenössischer historischer Forschung auswertet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert exemplarisch die Positionen von David Hume (Pro-Suizid), Immanuel Kant (Contra-Suizid) und K.J. Bischof (Synthese-Ansatz).

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Typische Begriffe sind Säkularisierung, Autonomie, Moralität, Selbsttötung, Freitod und Vernunftbegriff.

Warum wird Kants Position als 'erneuerte' Verurteilung bezeichnet?

Weil Kant das alte, religiös begründete Suizidverbot durch eine rein philosophische, auf Sittlichkeit und den kategorischen Imperativ basierende Ablehnung ersetzt hat.

Welche Rolle spielt der Begriff 'Freitod' in der Argumentation von Bischof?

Bischof nutzt den Begriff 'Freitod', um eine moralisch legitimierte Form der Selbsttötung zu beschreiben, die auf vernünftiger Entscheidung und der Vermeidung eines entwürdigenden 'unfreien' Lebens basiert.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die moralische Legitimität der Selbsttötung im Diskurs der Aufklärung
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Geschichte)
Veranstaltung
Kulturgeschichte der Selbsttötung 16-19. Jahrhundert
Autor
Daniel Schuch (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2011
Seiten
16
Katalognummer
V181282
ISBN (Buch)
9783656053040
ISBN (eBook)
9783656053262
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Selbstmord Suizid Selbsttötung Selbstentleibung Aufklärung Moral Kant Hume
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Daniel Schuch (Autor:in), 2011, Die moralische Legitimität der Selbsttötung im Diskurs der Aufklärung, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/181282
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Leseprobe aus  16  Seiten
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