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Zur Shop-Startseite › Ethnologie / Volkskunde

Ethnizität der Sorben

Diskurse sorbischer Identität

Titel: Ethnizität der Sorben

Magisterarbeit , 1998 , 135 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Sibylle Roderer (Autor:in)

Ethnologie / Volkskunde

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Volk, Nation, Minderheit: im Dickicht der Definitionen läßt sich so leicht kein passendes Etikett für die offiziell anerkannte Volksgruppe der Sorben in Deutschland finden. Diese Arbeit setzt sich mit ethnologischen Konzepten von Ethnizität und ethnischer Identität auseinander, und versteht sich nicht in erster Linie als Beitrag zur empirischen Forschung über die Sorben. Die theoretische Auseinandersetzung findet gleichwohl anhand des Beispiels der Sorben statt, und stützt sich dabei sowohl auf Literatur wie auch auf eigene Beobachtungen. Das Ziel ist dabei nicht, eine vollständige Analyse sorbischer ethnischer Identität zu versuchen, sondern anhand einzelner Zusammenhänge – der Entstehung eines sorbischen Nationalismus, der Rolle der Sorben in der DDR und der politischen Auseinandersetzung um das von der Umsiedlung bedrohte Dorf Horno in Brandenburg - die kontextabhängige und diskursive Herausbildung spezifischer Ethnizitätskonzepte aufzuzeigen, um damit die sorbische Ethnizität als Diskurs, der nur unter Bezugnahme auf andere, umgebende Diskurse verstanden werden kann, zu begreifen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Vorbemerkung

1.1. Eine sehr kurze Geschichte der Sorben

1.2. Eine knappe Skizze der heutigen Situation

2. Einleitung und Fragestellung

3. Begriffsbestimmung

3.1. Ethnie, Ethnizität, ethnische Identität

3.2. Suche nach objektivem Sorbisch-Sein

3.3. Ethnizität ohne ethnische Gruppe?

3.3.1. Das Verschwinden der Sorben - die essentialistische Erklärung

3.3.2. Die konstruktivistische Erklärung

3.3.3. Ethnizität als essentielle Qualität

3.3.2.1. Das Selbstbestimmungsrecht der Völker

3.3.2.2. Multikulturalismus

3.4. Diskurs

3.4.1. Ethnische Identität als Diskurs

3.4.2. Zwei Möglichkeiten: Mikro- oder Makroebene?

4. Drei sorbische Ethnizitätsdiskurse

4.1. Die sorbische Nation

4.1.1. Erfundene Nationen

4.1.2. Wie entsteht eine Nation?

4.1.3. Vor dem Erwachen

4.1.4. Die sorbische Wiedergeburt

4.2. Die Sorben in der DDR

4.2.1. Wertungen und Widersprüche

4.2.2. Geschichtsbild und Ziele der Nationalitätenpolitik

4.2.3. Integration statt Unterschied

4.2.3.1. Verordnete Integration

4.2.3.2. Probleme der Integration

4.2.3.3. Chancen der Integration

4.3. Einschub: Wendezeiten

4.4. Horno

4.4.1. Der Kontext

4.4.2. Instrumentalisierte und authentische Identität

4.4.3. Was bedeutet „Sorbisch“ in Horno?

4.4.4. Das sorbische Siedlungsgebiet

4.4.5. Gegenargumente

4.4.6. Schlußfolgerungen

5. Schlußbetrachtung

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit untersucht Diskurse sorbischer Ethnizität, wobei der Fokus weniger auf empirischer Forschung über die Sorben liegt, sondern darauf, ethnische Identität als kontextabhängigen Diskurs zu entwickeln. Die Forschungsfrage hinterfragt, wie „Sorbisch-Sein“ in verschiedenen historischen und gesellschaftlichen Situationen konstruiert, instrumentalisiert und verhandelt wird.

  • Entwicklung eines diskursiven Konzepts von Ethnizität statt statischer Gruppendefinitionen.
  • Analyse der Konstruktion der sorbischen Nation im 19. Jahrhundert.
  • Untersuchung des offiziellen DDR-Diskurses und der "Integration statt Unterschied"-Politik.
  • Fallbeispiel Horno: Ethnizität als Argument in politischen und juristischen Auseinandersetzungen um Umsiedlung.
  • Reflexion der Rolle der Ethnologie als Akteur bei der Konstruktion von Identitäten.

Auszug aus dem Buch

3.2. Suche nach objektivem Sorbisch-Sein

„Ethnic communities, so easily recognizable from a distance, seem to dissolve before our eyes the closer we come and the more we attempt to pin them down.“ (Smith 1986: 2) Der Effekt, den Smith beschreibt, charakterisiert treffend meine Erfahrungen in der Annäherung daran, was „Sorbisch-Sein“ bedeutet.

Aus der Ferne betrachtet, ist die Existenz der Sorben nicht von der Hand zu weisen. Daß in der Lausitz die Sorben zu Hause sind, ist ein weithin akzeptierter Fakt: zahlreiche Publikationen zeugen davon, wissenschaftliche ebenso wie Broschüren für Touristen, zweisprachige Beschilderung definiert den geographischen Raum des sorbischen Siedlungsgebietes, zahlreiche Institutionen, die finanzielle Förderung der sorbischen Minderheit, Sorbengesetze und anders mehr sind äußerst realer und greifbarer Ausdruck dieser Existenz. Und all dies bezieht sich eindeutig auf eine Gruppe, die als Volk begriffen wird, die über eine eigene Sprache verfügt, eine Abstammungsgemeinschaft anders als die deutsche darstellt, eine spezifische Kultur besitzt - also auf eine ethnische Gruppe.

Aus größerer Nähe jedoch ergeben sich einige Schwierigkeiten, versucht man die Sorben anhand objektiver Merkmalskataloge wie den vier Punkten von Barth oder den 18 Punkten von Wilking/Kroll (oder jedem anderen Merkmalskatalog) definitorisch zu erfassen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Vorbemerkung: Einführung in die Thematik der Sorben als ethnische Minderheit und Darstellung der Ausgangslage der Arbeit.

2. Einleitung und Fragestellung: Erläuterung des diskursanalytischen Ansatzes, der nicht auf eine empirische Bestandsaufnahme der Sorben abzielt, sondern auf die Konstruktion ethnischer Identität.

3. Begriffsbestimmung: Theoretische Auseinandersetzung mit den Begriffen Ethnie, Ethnizität und Identität im Spannungsfeld zwischen primordialen und konstruktivistischen Ansätzen.

4. Drei sorbische Ethnizitätsdiskurse: Analyse der Konstruktion von Ethnizität in drei Kontexten: die nationale Wiedergeburt, die DDR-Politik und der Konflikt um das Dorf Horno.

5. Schlußbetrachtung: Zusammenfassung der Ergebnisse, wonach Ethnizität nicht als statische Eigenschaft, sondern als prozessualer, diskursiver Akt verstanden werden muss.

Schlüsselwörter

Sorben, Ethnizität, ethnische Identität, Diskursanalyse, Konstruktivismus, Minderheitenpolitik, DDR, Sorbische Wiedergeburt, Horno, Umsiedlung, nationale Identität, Integration, Kultur, Sorbengesetz, Ethnologie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie das Konzept „Sorbisch-Sein“ diskursiv konstruiert und in unterschiedlichen gesellschaftlichen Kontexten verwendet wird.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind nationale Identitätsbildung, das Verhältnis zwischen Minderheit und Mehrheitsgesellschaft sowie die Instrumentalisierung von Identität in politischen Konflikten.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, den Begriff der ethnischen Identität nicht als empirische Eigenschaft einer Gruppe zu verstehen, sondern als ein Produkt diskursiver Prozesse und Machtverhältnisse.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt einen diskursanalytischen Ansatz und verzichtet bewusst auf die klassische teilnehmende Beobachtung, um die Rolle der Diskursträger und die Konstruiertheit von Ethnizität hervorzuheben.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in drei historische und aktuelle Diskurse: die sorbische Nationwerdung im 19. Jahrhundert, die offizielle Nationalitätenpolitik der DDR und den aktuellen Kampf um das Dorf Horno.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Ethnizität, Sorbisch-Sein, Diskursanalyse, Konstruktivismus und nationale Identität charakterisiert.

Wie unterscheidet sich der Umgang mit Ethnizität in der DDR von der Situation heute?

Während in der DDR eine "Integration ohne Unterschied" staatlich verordnet und kulturelle Identität in institutionalisierte Bahnen gelenkt wurde, ist heute die Situation durch ein Ringen um Sichtbarkeit und die Instrumentalisierung von Identität im marktwirtschaftlichen Kontext geprägt.

Warum spielt das Dorf Horno eine so zentrale Rolle in der Untersuchung?

Horno dient als aktuelles Fallbeispiel, in dem sorbische Identität nicht mehr nur kulturell definiert, sondern als politisches und juristisches Argument im Kampf gegen die Abbaggerung eingesetzt wird.

Ende der Leseprobe aus 135 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Ethnizität der Sorben
Untertitel
Diskurse sorbischer Identität
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Ethnologie)
Note
1,0
Autor
Sibylle Roderer (Autor:in)
Erscheinungsjahr
1998
Seiten
135
Katalognummer
V181078
ISBN (eBook)
9783656041030
ISBN (Buch)
9783656041306
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sorben sorbisch Oberlausitz DDR Ethnologie Volkskunde deutsche Geschiche Minderheiten Minderheitenpolitik braunkohletagebau Umsiedlung Wenden ethnische Minderheit Ethnie Ethnizität Identität
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Sibylle Roderer (Autor:in), 1998, Ethnizität der Sorben, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/181078
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