Die Zahl der Übergewichtigen nimmt nicht nur in den Industrienationen, sondern auch den Schwellenländern zu. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat Adipositas zur globalen Epidemie erklärt. Dennoch spielt Ernährungsberatung in der ärztlichen Praxis noch immer eine untergeordnete oder sogar keine Rolle. Die hohe Adipositas-Inzidenz und die Prävalenz ernährungsabhängiger sowie ernährungsmitbedingter Krankheiten erfordert aber eine qualifizierte Ernährungsberatung. Das Kassenarztsystem ermöglicht dem Arzt die Abrechnung von Diät- und Ernährungsberatung praktisch nicht. Eine Kostendeckung ist nicht möglich. Aufgrund standesrechtlicher Einschränkungen darf der Kassenarzt als Freiberufler jedoch auch keiner gewerblichen Tätigkeit nachgehen. Es besteht aber die Möglichkeit Ernährungsberatung als Igelleistung, neben der Praxistätigkeit oder in praxisparallelen Centren anzubieten. Dabei kommen eine Vielzahl von Anbietern auf den Arzt zu und bieten Ihre Franchise-Modelle an. Führende Anbieter sind Bodymed, Formmed, Precon und auch Optifast.
Inhaltsverzeichnis
1. Übergewicht und Adipositas sind zunehmende Probleme!
2. Übergewicht und Adipositas in Deutschland
3. Die praxisparallele Adipositasberatung
4. Das PreCon-Programm im Überblick
5. Das FormMed-Programm (FormConcept®) im Überblick
6. Das Bodymed-Programm im Überblick
7. Weitere Konzepte zur Gewichtsreduktion
8. Das Optifast 52-Programm im Überblick
9. Honorierung von Beratungsleistungen im Rahmen der Ernährungsberatung nach GOÄ
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Relevanz der Ernährungsberatung als wirtschaftliches Standbein für niedergelassene Ärzte angesichts der zunehmenden Adipositas-Epidemie und analysiert verschiedene strukturierte Franchise-Programme im Bereich der ärztlichen Adipositastherapie.
- Epidemiologie von Übergewicht und Adipositas in Deutschland
- Herausforderungen der Abrechnung ärztlicher Beratungsleistungen
- Kriterien für die Einrichtung einer praxisparallelen Gesundheitsberatung
- Vergleich marktführender Adipositas-Konzepte (PreCon, FormMed, Bodymed, Optifast)
- Integration von Bewegung und orthomolekularer Therapie in Behandlungskonzepte
Auszug aus dem Buch
Die praxisparallele Adipositasberatung
Die verschiedenen Programme integrieren in der Regel Ernährungsberatung in Gruppen und proteinmodifiziertes Fasten mit diätetischen Lebensmitteln. Das Programm sollte sich über einen Zeitraum von mindestens 3 Monaten erstrecken und auch eine dauerhafte Betreuung über Jahre ermöglichen. Die bewerteten Programme schließen die Bestimmung der Körperkompartimente und deren Verlaufsentwicklung anhand von Körperfettmessungen mittels bioelektrischer Impedanz Analyse (BIA) oder Infrarotspektroskopie ein. Zusätzlich ermöglichen verschiedene Anbieter den Verkauf von sogenannten Vitalstoffprodukten, auf der Basis von Vitaminen, Mineralstoffen sowie sekundären Pflanzenstoffen eine „orthomolekulare Therapie“.
Schon jetzt zahlt der Bundesbürger schon rund 75 Mrd. DM für die Gesundheit und Fitness aus eigener Tasche (17). Wichtige Hinweise für die Einrichtung einer praxisparallelen Gesundheitsberatung: Inhaber des Centrums sollte ein niedergelassener Arzt nicht sein. Der niedergelassene Arzt ist Vertragsarzt oder Berater des Gesundheitszentrum. Das Gesundheitszentrum ist getrennt von der Kassenarztpraxis und ist zeitlich (außerhalb der Sprechzeiten) oder örtlich (eigenen Eingang) getrennt. Das Gesundheitszentrum schließt Arbeitsverträge mit den Mitarbeitern ab. Die ärztliche Tätigkeit als Berater findet außerhalb der Sprechzeiten statt. Gesellschaftsform GmbH oder Ein-Personengesellschaft oder GbR (Anmeldung beim Gewerbeamt). Eigenes Personal, ev. Praxispersonal mit zweiter Steuerkarte. Steuerberater und Rechtsbeistand erforderlich.
Zusammenfassung der Kapitel
Übergewicht und Adipositas sind zunehmende Probleme!: Einführung in die globale Adipositas-Problematik und die mangelnde Rolle der Ernährungsberatung im Kassenarztsystem.
Übergewicht und Adipositas in Deutschland: Detaillierte Darstellung der gesundheitsökonomischen Belastungen durch ernährungsbedingte Erkrankungen und die epidemiologische Entwicklung in Deutschland.
Die praxisparallele Adipositasberatung: Erläuterung der organisatorischen Voraussetzungen und rechtlichen Rahmenbedingungen für die Einrichtung eines Adipositaszentrums neben der Arztpraxis.
Das PreCon-Programm im Überblick: Vorstellung der Phasenstruktur und der methodischen Ansätze des PreCon-Programms.
Das FormMed-Programm (FormConcept®) im Überblick: Übersicht zum FormMed-Konzept inklusive der Verknüpfung mit Bewegungstraining und orthomolekularer Medizin.
Das Bodymed-Programm im Überblick: Darstellung des Sana-Slim-basierten Programms und der ergänzenden Angebote.
Weitere Konzepte zur Gewichtsreduktion: Analyse des klinisch orientierten Optifast-52-Programms und dessen Besonderheiten.
Das Optifast 52-Programm im Überblick: Zusammenfassung der phasenbasierten Struktur des Optifast-Programms inklusive medizinischer Betreuung.
Honorierung von Beratungsleistungen im Rahmen der Ernährungsberatung nach GOÄ: Auflistung der relevanten Gebührenordnungspositionen zur Abrechnung von Ernährungsberatung.
Schlüsselwörter
Adipositas, Ernährungsberatung, Praxismanagement, Übergewicht, Diätetik, BIA-Messung, iGel-Leistungen, GOÄ, Gesundheitsförderung, Prävention, Proteinmodifiziertes Fasten, Orthomolekulare Therapie, Praxisparallele Beratung, Gewichtsreduktion, Stoffwechsel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Publikation befasst sich mit der Etablierung von strukturierten Adipositasprogrammen als zusätzliches wirtschaftliches Standbein für niedergelassene Ärzte durch praxisparallele Gesundheitszentren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Epidemiologie von Adipositas in Deutschland, die rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen für Ärzte und der Vergleich marktführender Gewichtsreduktionskonzepte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Ärzten aufzuzeigen, wie sie durch die Gestaltung von iGel-Leistungen und praxisparallelen Angeboten wirtschaftlich erfolgreich bei der Behandlung von Übergewichtigen tätig werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden eine Literaturanalyse zur aktuellen Datenlage sowie eine vergleichende Analyse kommerzieller Franchise-Programme für ärztliche Adipositaszentren durchgeführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Konzepte von Anbietern wie PreCon, FormMed, Bodymed und Optifast hinsichtlich ihrer inhaltlichen Struktur, des Einsatzes von Diätetika und der organisatorischen Anforderungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Adipositastherapie, ärztliches Praxismanagement, Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) und ernährungsmedizinische Konzepte geprägt.
Welche Anforderungen muss ein solches Gesundheitszentrum rechtlich erfüllen?
Es muss strikt von der Kassenarztpraxis getrennt sein, eine eigenständige Rechtsform (z. B. GmbH) aufweisen und der Arzt darf dort nur außerhalb seiner kassenärztlichen Sprechzeiten als Berater tätig werden.
Warum spielt die Ernährungsberatung in der Kassenarztpraxis eine untergeordnete Rolle?
Die aktuelle Gebührenordnung (GOÄ) und das Kassenarztsystem bieten kaum Möglichkeiten zur wirtschaftlichen Abrechnung reiner Ernährungsberatungsleistungen, sofern keine direkte Folgeerkrankung vorliegt.
Welchen Stellenwert nimmt die Bewegungstherapie in den verglichenen Programmen ein?
Während einige Programme wie das FormMed-Konzept aktiv mit Walking-Instituten kooperieren, zeigt die Analyse, dass Bewegungsprogramme in vielen Konzepten bisher nur zögerlich integriert werden.
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- M.Sc. Sven-David Müller (Author), 2011, Vergleich von Adipositas-Programmen für die ärztliche Praxis, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/181009