Im nördlichen Pazifik, etwa 4.000km von Hawaii entfernt, liegt das Bikini Atoll. Es ist mit seinen 23 Inseln Teil der Marshallinseln und gehört zur Region Mikronesien. Von 1946 bis 1958 führten die USA Kernwaffentests auf dem Atoll durch, die eine erhebliche Strahlenbe-lastung und zur Folge hatten.
Ziel dieser Arbeit ist es, zu klären, inwieweit Umwelt und Bevölkerung des Bikini Atolls durch die Atomwaffentests beeinträchtigt wurden bzw. heute noch werden.
Dazu wird sich diese Facharbeit zunächst mit der Situation auf dem Bikini Atoll vor 1946 beschäftigen, und dann auf die unmittelbaren und langfristigen Auswirkungen der Kernwaffentests und möglichen Perspektiven für das Atoll und die Bikinianer, die Bewohner des Bikini Atolls, eingehen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Geographie
3 Geschichte des Bikini Atolls
3.1 Situation nach dem 2.Weltkrieg
3.2 Kernwaffentestprogramme der USA
3.3 Folgen der Kernwaffentests
3.3.1 Ökologische Folgen
3.3.2 Soziale Folgen
4 Heutige Situation auf dem Bikini Atoll
5 Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die historischen Auswirkungen der US-amerikanischen Atomwaffentests auf das Bikini Atoll und analysiert, inwieweit diese die Umwelt sowie die Lebensbedingungen und Identität der einheimischen Bevölkerung nachhaltig beeinträchtigt haben und bis heute prägen.
- Historische Einordnung des Bikini Atolls vor und während der Testphase.
- Analyse der ökologischen Zerstörung durch radioaktive Kontamination.
- Untersuchung der sozialen Folgen, insbesondere Umsiedlung und kultureller Identitätsverlust.
- Bewertung der aktuellen radiologischen Situation und der Rückkehrperspektiven.
- Diskussion über die ökonomische Abhängigkeit der Bikinianer von Entschädigungszahlungen.
Auszug aus dem Buch
3.2 Kernwaffentestprogramme der USA
Die Wende in der Geschichte des Bikini Atolls vollzog sich 1945, als der damalige U.S. Präsident Harry S. Truman verkündete, dass ein Atomwaffentestprogramm nötig sei, „‘to determine the effect of atomic bombs on American warships‘“12. Die Marshallinseln waren im Februar 1944 von den Amerikanern erobert worden.13 Das Bikini Atoll wurde aufgrund seiner isolierten Lage, seiner geringen Bevölkerung (196 Einwohner14), von der kein Widerstand zu erwarten war, und den stabilen Wetterbedingungen als Testgelände ausgewählt.15 Im Juli 1946 begann die US-Marine mit den ersten Atomwaffentests auf dem Atoll. Innerhalb der „Operation Crossroads“ wurden die Atombomben „Able“ und „Baker“, die jeweils über eine Sprengkraft von 23 Kilotonnen TNT verfügten, in der Lagune des Bikini Atolls gezündet. Als Versuchsobjekte dienten dabei ausgediente Kriegsschiffe16, die in Folge des Baker Tests sanken.
Im März 1954 wurde das Bikini Atoll wiederholt als Kernwaffentestgelände verwendet. Die „Operation Castle“ Testserie begann mit der Explosion der Wasserstoffbombe „Bravo“, die eine Sprengkraft von 15 Megatonnen TNT (750 Hiroshima Bomben) hatte.17 Dabei bildete sich über der Lagune des Bikini Atolls ein enormer Feuerball, der die Wassertemperatur auf 55.000°C erhitzte. Außerdem wurden große Mengen an Korallenasche, Sand und Wasser in die Atmosphäre geschleudert. Dadurch entstand eine radioaktive Wolke, die aufgrund ungünstiger Windverhältnisse über die bewohnten Atolle Rongelap, Rongerik, Bikar und Ailinginae zog. Die Bewohner dieser Atolle wurden nicht gewarnt und evakuiert, obwohl die Amerikaner sich über die Gefahren für die benachbarten Atolle bewusst waren.18
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt das Bikini Atoll vor und definiert das Ziel der Arbeit, die ökologischen und sozialen Auswirkungen der Atomtests zu untersuchen.
2 Geographie: Dieses Kapitel beschreibt die geographische Lage und die natürlichen Gegebenheiten der Marshallinseln und des Bikini Atolls.
3 Geschichte des Bikini Atolls: Dieser Abschnitt beleuchtet die historische Entwicklung vom isolierten Leben bis zu den massiven Eingriffen durch US-amerikanische Atomtests.
3.1 Situation nach dem 2.Weltkrieg: Hier wird die traditionelle Lebensweise der Bikinianer vor der Zäsur durch die Kernwaffentests beschrieben.
3.2 Kernwaffentestprogramme der USA: Dieses Kapitel detailliert die Durchführung der verschiedenen Testreihen, wie „Operation Crossroads“ und „Operation Castle“.
3.3 Folgen der Kernwaffentests: In diesem Kapitel werden die umfassenden, verheerenden Auswirkungen der Tests auf Umwelt und Mensch zusammengefasst.
3.3.1 Ökologische Folgen: Dieser Teil analysiert die radioaktive Kontamination und die Zerstörung des marinen Ökosystems.
3.3.2 Soziale Folgen: Hier wird der Leidensweg der Bevölkerung durch Zwangsumsiedlungen, kulturelle Entwurzelung und finanzielle Abhängigkeit dargelegt.
4 Heutige Situation auf dem Bikini Atoll: Dieses Kapitel bewertet den aktuellen Zustand des Atolls, die Strahlenbelastung und die geringe Wahrscheinlichkeit einer dauerhaften Rückkehr.
5 Fazit: Das Fazit zieht ein Resümee über die moralische und ökologische Bewertung der Ereignisse und stellt die Frage nach der Zukunft des Atolls.
Schlüsselwörter
Bikini Atoll, Kernwaffentests, Marshallinseln, Atomwaffen, Radioaktivität, Umweltschäden, Zwangsumsiedlung, Strahlenbelastung, Bikinianer, Entschädigungszahlungen, Identitätsverlust, Kili, Kontamination, Cäsium-137, Operation Castle.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Geschichte des Bikini Atolls im Kontext der US-amerikanischen Kernwaffentests zwischen 1946 und 1958 sowie deren langfristige Folgen für Umwelt und die vertriebene Bevölkerung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die historische Lebensweise der Einheimischen, die Durchführung der Atomtests, die radioaktive Kontamination der Umwelt sowie die sozialen Konsequenzen wie Zwangsumsiedlung und soziale Abhängigkeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, inwieweit das Bikini Atoll durch die Geschichte als Testgelände irreversibel geschädigt wurde und ob ein Leben auf dem Atoll heute unter veränderten Bedingungen wieder möglich wäre.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Auswertung von Sekundärliteratur, historischen Berichten, radiologischen Gutachten und offiziellen Verlautbarungen sowie Online-Quellen zur Geschichte der Marshallinseln.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der geographischen Grundlagen, die historische Entwicklung der Bikinianer, die Details der Testprogramme und die daraus resultierenden ökologischen und sozialen Langzeitfolgen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind Bikini Atoll, Kernwaffentests, radioaktive Kontamination, Zwangsumsiedlung und der sozio-ökonomische Wandel der Bikinianer.
Warum war eine dauerhafte Rückkehr der Bewohner bisher kaum möglich?
Trotz Regenerationsprozessen in der Natur verhindern die verbliebene Strahlenbelastung (insbesondere durch Cäsium-137 in der Nahrung) sowie unzureichende Sicherheitsstandards und bürokratische Hürden eine sichere Rückkehr.
Welche Rolle spielen die finanziellen Entschädigungen für die heutige Gesellschaft?
Die Entschädigungszahlungen der USA haben eine Abhängigkeit geschaffen, die den Verlust traditioneller Fähigkeiten wie Fischfang und Handwerk verstärkt hat, was zu einer passiven Konsumhaltung und sozialen Spannungen geführt hat.
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- Marie Schlenker (Author), 2010, Das Bikini-Atoll - "Paradies" oder "Hölle" als Folge seiner Geschichte?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/180915