Obwohl der Titel bereits auf die Vermeidung von Gewaltdarstellungen im Internet hinweist, ist die Frage, ob Gewaltdarstellungen überhaupt Auswirkungen auf den User, insbesondere Kinder und Jugendliche, haben? Um ihre Beantwortung bemühten sich in den letzten drei Jahrzehnten Hunderte von Untersuchungen. Die Diskussion selbst ist aber wesentlich älter: Man muss auf die griechischen Philosophen Plato und Aristoteles verweisen, die zum Teil widersprüchliche Lehrmeinungen vertraten. Plato wollte das „Sittenverderbende“ aus der Poesie verbannen, z. B. auch die Texte von Homer, weil sie die Götter unsittlich und somit unwürdig darstellen. Auf Aristoteles berufen sich hingegen mehr oder weniger bewusst diejenigen, die lehren, das Ansehen von Gewalt habe eine psychohygienische Funktion: Wenn eine Diskussion bereits seit mehr als 2000 Jahren geführt wird, möchte man annehmen, dass sie allmählich beendet sein sollte und kein Interesse mehr zu wecken vermag. Es hat mehrere Gründe das dies nicht der Fall ist: Vor allem ist der rasante Fortschritt in der heutigen Zeit herauszuheben, der den Medien immer wieder neue Einflussmöglichkeiten eröffnet.
Inhaltsverzeichnis
1 Gewalt als mediales Ereignis
2 Begriffserklärungen
2.1 Das Internet
2.1 Der Begriff der Gewalt
2.2 Der Begriff der Gewaltdarstellung
3 Gewaltdarstellungen im Internet
3.1 Wie wurden Gewaltdarstellungen im Internet gefunden
3.2 Trefferquote und weitere Vorgehensweise
3.3 Gefundene Darstellungen nach Kategorien
3.3.1 Verstümmelte Menschen, Leichen
3.3.2 „splatter“ und „horror“
3.3.3 Symbolische Gewalt gegen Prominente
3.3.4 S/M und sexuelle Gewalt
3.4 Was ist neu im Internet
3.5 Die Auswertung der Internetrecherche
3.5.1 Häufigkeit von relevanten Treffern
3.5.2 Selbstkontrolle der Anbieter
4 Regulierung und Zensur
4.1 Wer ist verantwortlich für Inhalte im Internet
4.2 Ordnungsrechtliche Regulierung
4.3 Technischer Jugendschutz im Internet
4.4 Beispiele für Programme, die den Zugang begrenzen können
4.4.1 http://www.cybersitter.com
4.4.2 http://www.netnanny.com
4.4.3 http://www.surfwatch.com
4.3.4 http://www.cyberpatrol.com
4.5 Vorgehen der Bundesregierung gegen Gewalt im Internet
4.5.1 Initiative „Schau hin“
4.5.2 Initiative „Jugend ans Netz“ sowie Jugendportal
5 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Präsenz und Auswirkungen von Gewaltdarstellungen im Internet sowie die Möglichkeiten ihrer staatlichen und technischen Regulierung. Dabei liegt ein besonderer Fokus auf dem Schutz von Kindern und Jugendlichen vor potenziell jugendgefährdenden Inhalten.
- Analyse des Begriffs der Gewaltdarstellung im medialen Kontext.
- Empirische Untersuchung der Verbreitung von Gewaltinhalten im Internet mittels Suchmaschinen.
- Rechtliche Grundlagen der Verantwortung von Anbietern und Providern.
- Bewertung technischer Filterlösungen und Jugendschutzprogramme.
- Vorstellung staatlicher Initiativen zur Förderung von Medienkompetenz.
Auszug aus dem Buch
3.3.1 Verstümmelte Menschen, Leichen
Ein Typus von Bildern der gefunden wurde, sind Fotosammlungen von realen Verletzten und Toten. Diese Bilder existieren auch außerhalb des Netzes. Allerdings werden die Bilder dort nur von einer kleinen Gruppe von Benutzern zu finden sein. Hier geht es also um die reine Konfrontation mit faktischen Aufnahmen von anonym bleibenden Toten. Bei einer Stichprobe mit dem Suchbegriff „gore and pictures“ landete man auf eine Internetseite, die schon auf ihrer Startseite eine Vielzahl von entsprechenden Bildern offeriert. Es sind blutverschmierte Menschen, Leichen und verstümmelte Körper zu sehen. Diese Seite zeigt ausschließlich Bilder aus dem langen Konflikt zwischen Israeliten und Arabern und der Eindruck wird vermittelt, dass die Verfasser der Seite diese Gewalt anprangert.
So beschreibt ein Text die Fotosammlung: „Note that the crowd that surrounds the scene of violence and savagery watches idly without any sign of opposition. Thus, the public appears to accept these barbaric scenes as part of the daily life.“ Mit den Suchbegriffen „gore and pictures“ wurden einige relevante Internetseiten gefunden, die wie bei dem Suchbegriff „violence“ meist nur Fotogalerien zeigen. Wie jedoch bei den meisten Internetseiten auch auf der Seite von „brooklynbizarro“ schon auf der Startseite mehrere Bilder mit abnormen Darstellungen aus dem Bereich Verstümmelungen, sexuelle Gewalt, Krankheiten oder Leichen zu sehen. Zwar wird auch hier gewarnt mit Sätzen wie: „This is BAD shit. Do not look at this stuff if you can’t handle it.“ Allerdings wird der User bereits weiter unten auf der Seite aufgefordert selbst Bilder einzuschicken.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Gewalt als mediales Ereignis: Einführung in die historische und philosophische Debatte um die Wirkung von Gewaltdarstellungen in Medien auf Nutzer.
2 Begriffserklärungen: Definition der technischen Grundlagen des Internets sowie begriffliche Abgrenzung von Gewalt und Gewaltdarstellung.
3 Gewaltdarstellungen im Internet: Dokumentation der Recherchemethodik und Kategorisierung der im Internet gefundenen gewalthaltigen Inhalte.
4 Regulierung und Zensur: Analyse der rechtlichen Verantwortlichkeiten sowie Vorstellung technischer und politischer Maßnahmen zum Jugendschutz.
5 Zusammenfassung: Abschlussbetrachtung zur Notwendigkeit eines demokratischen Konzepts und der Kombination aus Selbstschutz und technischer Unterstützung.
Schlüsselwörter
Internet, Gewaltdarstellung, Jugendschutz, Medienkompetenz, Regulierung, Suchmaschinen, Online-Sicherheit, Filtersoftware, Medienwirkung, Providerhaftung, Cyber-Patrol, Gewaltprävention, Jugendschutzprogramme, Internetrecherche, Onlinemedien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Präsenz von Gewaltdarstellungen im Internet und den Strategien, wie man insbesondere Kinder und Jugendliche vor diesen Inhalten schützen kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der medienwissenschaftlichen Definition von Gewalt, der empirischen Untersuchung von Internetinhalten und der rechtlichen sowie technischen Regulierung des Netzes.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Gewaltdarstellungen im Internet verbreitet sind und welche Möglichkeiten (technisch, politisch, erzieherisch) existieren, um Nutzer vor negativen Einflüssen zu bewahren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor führt eine internetbasierte Stichprobenanalyse mittels Suchmaschinen durch, um die Verfügbarkeit und Art von gewalttätigen Inhalten zu kategorisieren und auszuwerten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die Kategorisierung von Gewaltinhalten (z.B. Splatter, S/M), die Analyse der Anbieter-Selbstkontrolle sowie die Erläuterung rechtlicher Rahmenbedingungen und Jugendschutzprogramme.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Jugendschutz, Internet, Regulierung, Gewaltdarstellung, Medienkompetenz und Filtersoftware.
Warum wird im Rahmen der Untersuchung speziell das Internet und nicht das Fernsehen betrachtet?
Der Autor konzentriert sich auf das Internet, da hier im Gegensatz zum klassischen Fernsehen ein rasantes Wachstum der Inhaltsvielfalt zu verzeichnen ist, bei dem Nutzer oft ohne Vorwarnung auf extreme Inhalte stoßen können.
Welche Rolle spielen technische Hilfsmittel bei der Regulierung?
Technische Programme wie „Cybersitter“ oder „Cyber Patrol“ dienen dazu, den Zugang zu bestimmten Webseiten zu sperren, wobei der Autor ihre Effektivität kritisch hinterfragt.
Wie bewertet der Autor die staatlichen Bemühungen?
Der Autor sieht Initiativen wie „Schau hin“ oder „Jugend ans Netz“ als wichtigen ersten Schritt, betont jedoch, dass technischer Schutz allein nicht ausreicht und die Förderung von Medienkompetenz essenziell ist.
- Arbeit zitieren
- Dipl.-Soz.Päd. (FH) Jürgen Berndt (Autor:in), 2004, Gewaltdarstellung im Internet , München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/180793