Im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit setze ich mich gegenwärtig mit der bedürfnisangepassten Behandlung (Need Adapted Treatment) auseinander. Ein Teil dieser neuartigen Behandlungsmethode sind die „Therapieversammlungen“, in denen im Rahmen eines „offenen Dialogs“ (OD) miteinander kommuniziert wird. Da bei dieser Behandlungsmethode nicht der Klient alleine im Mittelpunkt steht, sonder mit ihm sein persönliches Netzwerk, wird im Rahmen dieser Ausarbeitung auf die Angehörigenarbeit eingegangen. In diesem Zusammenhang wird das Augenmerk auf die Voraussetzungen des OD gelegt, sowie auf Belastungen, die für die Angehörigen auftreten könnten.
Inhaltsverzeichnis
1. Die Voraussetzung, um einen „offenen Dialog“ zu führen
2. Mögliche Belastungen, mit denen man in der Angehörigenarbeit rechnen sollte
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit befasst sich mit dem Konzept der bedürfnisangepassten Behandlung (Need Adapted Treatment) und untersucht, welche grundlegenden Voraussetzungen für einen „offenen Dialog“ (OD) in der Arbeit mit an Schizophrenie erkrankten Menschen und deren Angehörigen erforderlich sind sowie mit welchen Belastungen für die Angehörigen bei diesem Ansatz zu rechnen ist.
- Bedürfnisangepasste Behandlung (Need Adapted Treatment)
- Konzept des „Offenen Dialogs“ (OD)
- Voraussetzungen für die erfolgreiche Durchführung von Therapieversammlungen
- Rolle des persönlichen Netzwerks und der Angehörigen
- Belastungssituation und Bedürfnisse von Angehörigen in der Gemeindepsychiatrie
Auszug aus dem Buch
Die Voraussetzung, um einen „offenen Dialog“ zu führen
Die Therapieversammlungen, in denen nach dem Ansatz des OD gearbeitet wird, werden von einem multiprofessionellen Team aus stationären und ambulanten Personal geleitet (Seikkula, Jaakko u. a.; S. 2) Es ist wünschenswert, dass während der gesamten Behandlung kein Personalwechsel stattfindet. Wenn ein Wechsel nicht zu verhindern ist, sollten sowohl der Klient als auch die Angehörigen in den Prozess mit einbezogen werden.
Eine grundlegende Voraussetzung für einen OD ist die Teilnahme des Klienten und möglichst aller Beteiligten (persönliches Netzwerk) sowie die des gesamten Behandlungsteams (3-5 Personen) (Aderhold, Volker; Greve, Nils (2); S. 3.).
Das Behandlungsteam begegnet den Anwesenden im OD ohne eine vorherige Planung, denn alles was besprochen, diskutiert und vereinbart wird, wird gemeinsam mit den Angehörigen und dem Klienten entwickelt. (Seikkula, Jaakko; Arnkil, Tom Erik; 2007; S. 125).
Das persönliche Netzwerk des Klienten wird im gesamten Behandlungsverlauf integriert und bleibt in der Regel durchgehend beim OD präsent (Seikkula, Jaakko u. a.; S. 4.). Eine Behandlungseinheit passt sich der individuellen Erkrankung an. Da eine akute psychotische Krise bis zu drei Jahre dauert, zieht sich die Behandlung über den gesamten Zeitraum (ebd.).
Nach Absprache übernimmt entweder einer oder abwechselnd alle professionellen Mitarbeiter die Rolle des Interviewers, wobei an dieser Stelle wichtig zu erwähnen ist, dass nicht eine bestimmte Interviewtechnik, sondern vielmehr das Zuhören im Vordergrund steht (Seikkula, Jaakko; Arnkil, Tom Erik; 2007; S. 78 f).
„Der Schwerpunkt liegt primär auf der Förderung des Dialoges und erst an zweiter Stelle auf Veränderung, die beim Patienten oder in der Familie angezeigt sind.“ (Seikkula, Jaakko u. a.;S. 5.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Voraussetzung, um einen „offenen Dialog“ zu führen: Dieses Kapitel erläutert die strukturellen und kommunikativen Rahmenbedingungen für den „offenen Dialog“, wie die Bedeutung der Netzwerkeinbindung, des multiprofessionellen Teams und einer wertschätzenden Haltung.
2. Mögliche Belastungen, mit denen man in der Angehörigenarbeit rechnen sollte: Hier werden die Wünsche von Angehörigen sowie die daraus resultierenden Herausforderungen beleuchtet, insbesondere hinsichtlich ihrer eigenen Überforderung und der oft schwierigen Vereinbarkeit von privatem Alltag und therapeutischen Anforderungen.
Schlüsselwörter
Bedürfnisangepasste Behandlung, Need Adapted Treatment, Offener Dialog, Gemeindepsychiatrie, Angehörigenarbeit, Schizophrenie, Netzwerkarbeit, Therapieversammlung, Psychose, Angehörigenbelastung, multiprofessionelles Team, Selbsthilfe, Kommunikation, Behandlungsprozess, Krisenintervention
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Konzept des „offenen Dialogs“ innerhalb der bedürfnisangepassten Behandlung (Need Adapted Treatment) und dessen spezifische Anwendung in der Arbeit mit Angehörigen psychisch erkrankter Menschen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf den strukturellen Voraussetzungen für den Dialog, der Bedeutung des persönlichen Netzwerks des Klienten sowie der Identifizierung der spezifischen Belastungen, denen Angehörige im Behandlungskontext ausgesetzt sind.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die notwendigen Rahmenbedingungen für einen „offenen Dialog“ zu klären und gleichzeitig kritisch zu hinterfragen, welche Herausforderungen und Belastungen sich für Angehörige aus diesem intensiven Behandlungsansatz ergeben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturanalyse, die auf Fachartikeln und Konzepten der Gemeindepsychiatrie basiert, um die theoretischen Grundlagen des finnischen Modells für den deutschen Kontext zu reflektieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Grundvoraussetzungen des „offenen Dialogs“ und die Analyse der Bedürfnisse sowie der Belastungen von Angehörigen, wobei insbesondere auf die Diskrepanz zwischen Wunsch nach Einbeziehung und faktischer Überforderung eingegangen wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Need Adapted Treatment, Offener Dialog, Netzwerkarbeit, Angehörigenarbeit und Gemeindepsychiatrie.
Was bedeutet das „gemeinsame Nachdenken“ im offenen Dialog?
Es beschreibt einen Prozess, bei dem Profis und Angehörige ohne fertige Konzepte gemeinsam mit dem Klienten Perspektiven entwickeln, um mehr Handlungsfähigkeit im Alltag zu erzeugen.
Wie unterscheidet sich der offene Dialog vom medizinischen Kontext?
Im offenen Dialog steht das Zuhören und die Förderung des Austauschs an erster Stelle, während die diagnostische Festlegung und die Forderung nach Compliance für Expertenpläne zweitrangig sind.
Warum fühlen sich Angehörige bei der Angehörigenarbeit manchmal überfordert?
Die häufige Anwesenheit bei Therapiegesprächen und die Rolle als wichtigster sozialer Kontakt des Klienten können zu einer hohen zeitlichen und emotionalen Belastung führen, die berufstätige Angehörige oft kaum bewältigen können.
- Quote paper
- Heidi Neumann (Author), 2010, Need Adapted Treatment, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/180720