Fremdenfeindlichkeit in Deutschland hat viele Gesichter. Sie zeigt sich in extremen Gewalttaten wie der Hetzjagd auf eine Gruppe indischer Einwanderer im sächsischen Mügeln 2007, aber auch im alltäglichen politischen Diskurs, an dem die rechtsextreme Partei NPD teilnimmt, sowie in den Medien. Aufsehen erregendster Fall war dort in jüngster Zeit die Veröffentlichung des umstrittenen Buches „Deutschland schafft sich ab“ von Thilo Sarrazin, der Muslime zu einer generell weniger intelligenten, faulen und die meiste Zeit kopulierenden „Volksgruppe“ stilisierte.
Hierbei werden verschiedene Aspekte bereits deutlich: In Deutschland wird der Begriff „Einwanderer“ mehr und mehr zum Synonym für „Türke“ oder „Muslim“ (wobei hier im allgemeinen öffentlichen Diskurs keine Differenzierung vorgenommen wird). Zudem wird die Vielschichtigkeit des Problems deutlich, die sich in den diversen Erscheinungsformen von Fremdenfeindlichkeit zeigt. Daher müssen auf der Suche nach den Gründen für Fremdenfeindlichkeit verschiedenste Herangehensweisen berücksichtigt werden, um eine tiefgehende, nicht an der Oberfläche verharrende Analyse eines so komplexen Phänomens zu gewährleisten. Rippl schlägt beispielsweise vor, diesbezüglich auf der theoretischen Ebene vier Herangehensweisen zu kombinieren: Den sozialisationstheoretischen, den konflikttheoretischen und den anomietheoretischen sowie die Kontakthypothese. Im Rahmen dieser Arbeit möchte ich mich vor allem auf den zweiten Ansatz, den konflikttheoretischen, konzentrieren. Der Konflikt entsteht hierbei in der Konkurrenz um ökonomische Ressourcen und die damit einhergehende Teilhabe an der Gesellschaft. In dieser Hinsicht spielt nicht nur das Problem der Arbeitslosigkeit eine Rolle, sondern meines Erachtens auch der gesellschaftliche Umbruch, der durch so genannte neoliberalistische Wirtschaftspolitik verursacht wurde. Butterwegge und Hentges bringen diesen Zusammenhang zwischen ökonomischer Situation des Einzelnen und Fremdenfeindlichkeit auf den Punkt, indem sie Rivalität als „Haupttriebkraft“ einer „zunehmend in Arm und Reich gespaltenen Gesellschaft“ identifizieren. Diese Spaltung und die damit einhergehende Unsicherheit und Ungerechtigkeit würden „unter Hinweis auf Globalisierungsprozesse“ legitimiert und trügen zur Entstehung einer Gesellschaft bei, in der gesellschaftliche Gruppen unter anderem aufgrund ihrer Ethnie ausgegrenzt würden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Ausgangssituation in Deutschland
1.2. Begriffsbestimmungen
1.3. Herangehensweise: Der konflikttheoretische Ansatz
1.4. Hypothesen
2. Methoden
2.1. Datensatz und Operationalisierung
2.2. Empirische Analyse
2.3. Korrelationen
2.4. Ergebnisse
3. Fazit
4. Anhang
4.1. Abbildungen
4.2. Syntax
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen ökonomischer Situation, insbesondere dem monatlichen Nettoeinkommen und der subjektiv empfundenen Schichtzugehörigkeit, sowie fremdenfeindlichen Einstellungen in Deutschland. Das primäre Ziel ist es, mittels empirischer Daten zu prüfen, ob ökonomische Konkurrenzbedingungen als Haupttreiber für fremdenfeindliche Ressentiments dienen können.
- Analyse des konflikttheoretischen Ansatzes im Kontext von Migration
- Empirische Überprüfung von Hypothesen zu Einkommen und Fremdenfeindlichkeit
- Untersuchung des Einflusses der subjektiven Schichtzugehörigkeit
- Deskriptive Auswertung von ALLBUS-Daten zu politischen und sozialen Einstellungen
- Methodenkritik an quantitativen Ansätzen zur Erforschung komplexer sozialer Phänomene
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Fremdenfeindlichkeit in Deutschland hat viele Gesichter. Sie zeigt sich in extremen Gewalttaten wie der Hetzjagd auf eine Gruppe indischer Einwanderer im sächsischen Mügeln 2007, aber auch im alltäglichen politischen Diskurs, an dem die rechtsextreme Partei NPD teilnimmt, sowie in den Medien. Aufsehen erregendster Fall war dort in jüngster Zeit die Veröffentlichung des umstrittenen Buches „Deutschland schafft sich ab“ von Thilo Sarrazin, der Muslime zu einer generell weniger intelligenten, faulen und die meiste Zeit kopulierenden „Volksgruppe“ stilisierte, deren Merkmale innerhalb dieser Gruppe erblich bedingt seien.
Und Fremdenfeindlichkeit in Deutschland zeigt sich auch in der Form, in der ein großer Teil der Bevölkerung nach Veröffentlichung besagten Werkes aufatmend feststellte: „Endlich sagt es mal jemand!“ Lautstark übernommen wurde die Idee Sarrazins, nach Deutschland dürften nur leistungsstarke, also hochqualifizierte, Einwanderer kommen, in der Folge von einigen Politikern wie dem bayrischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer.
Hierbei werden verschiedene Aspekte bereits deutlich: In Deutschland wird der Begriff „Einwanderer“ mehr und mehr zum Synonym für „Türke“ oder „Muslim“ (wobei hier im allgemeinen öffentlichen Diskurs keine Differenzierung vorgenommen wird). Zudem wird die Vielschichtigkeit des Problems deutlich, die sich in den diversen Erscheinungsformen von Fremdenfeindlichkeit zeigt. Daher müssen auf der Suche nach den Gründen für Fremdenfeindlichkeit verschiedenste Herangehensweisen berücksichtigt werden, um eine tiefgehende, nicht an der Oberfläche verharrende Analyse eines so komplexen Phänomens zu gewährleisten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Fremdenfeindlichkeit in Deutschland ein, thematisiert den öffentlichen Diskurs und stellt den konflikttheoretischen Ansatz zur weiteren Untersuchung vor.
2. Methoden: Hier werden der ALLBUS-Datensatz von 2008 sowie die Operationalisierung der Variablen und der methodische Vorgehensansatz der empirischen Untersuchung erläutert.
3. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die aufgestellten Hypothesen nur schwach bestätigt wurden und diskutiert die Notwendigkeit einer methodischen Weiterentwicklung sowie breiterer Perspektiven auf das Phänomen Fremdenfeindlichkeit.
4. Anhang: Der Anhang enthält ergänzende Abbildungen der Daten sowie die zur Analyse verwendete statistische Syntax.
Schlüsselwörter
Fremdenfeindlichkeit, Deutschland, Konflikttheorie, Einkommen, Schichtzugehörigkeit, Migration, Integration, ALLBUS, Sozialer Status, Rassismus, Nationalstolz, Prekarisierung, Soziale Teilhabe, Empirische Untersuchung, Politische Einstellung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der empirischen Untersuchung, ob ein Zusammenhang zwischen der ökonomischen Lage (Einkommen und Schichtzugehörigkeit) und der Ausprägung fremdenfeindlicher Einstellungen in Deutschland besteht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der konflikttheoretische Erklärungsansatz, die ökonomische Konkurrenzsituation, soziale Teilhabe und die Analyse fremdenfeindlicher Einstellungen in der deutschen Bevölkerung.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, ob die durch Globalisierung veränderten Bedingungen in Deutschland das Verhalten bzw. die Einstellung gegenüber Einwanderern beeinflussen und ob Fremdenfeindlichkeit mit dem Nettoeinkommen oder der Schichtzugehörigkeit korreliert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine quantitative empirische Analyse auf Basis von Daten des ALLBUS 2008 durchgeführt, wobei der Chi-Quadrat-Unabhängigkeitstest nach Pearson zur Korrelationsprüfung genutzt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretische Herleitung über den Konfliktansatz, die Vorstellung des Datensatzes und der Variablen sowie die deskriptive und analytische Auswertung der Daten hinsichtlich Korrelationen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Fremdenfeindlichkeit, Konflikttheorie, sozioökonomischer Status, Integration und empirische Sozialforschung.
Wie wurde die Variable "Fremdenfeindlichkeit" für die Analyse umkodiert?
Die Variable wurde in dichotome Kategorien umkodiert, wobei die mittlere Antwortmöglichkeit ("weder noch") der Kategorie "fremdenfeindlich" zugeordnet wurde, um mögliche Effekte sozialer Erwünschtheit zu berücksichtigen.
Welches Ergebnis liefern die Hypothesentests bezüglich des Einkommens?
Die Hypothesen werden kaum bestätigt; es zeigen sich zwar signifikante Korrelationen, diese sind jedoch in ihrer Stärke (gemessen mittels Crámers-V) lediglich als schwach einzustufen.
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- Marina Schmidt (Author), 2011, Soziale Distanz in einem globalisierten Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/180601