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Vor dem Vergessen – Eine kulturwissenschaftliche Untersuchung zum Lessing-Museum in Berlin

Before forgotten – A cultural scientific investigation to the Lessing-Museum in Berlin

Titel: Vor dem Vergessen – Eine kulturwissenschaftliche Untersuchung zum Lessing-Museum in Berlin

Bachelorarbeit , 2011 , 81 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Lisa Balihar (Autor:in)

Kulturwissenschaften - Sonstiges

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

1. EINLEITUNG

Vor dem Hintergrund der nach wie vor hohen Aktualität des Themenkomplexes der nationalsozialistisch (im Folgenden kurz: NS) verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgüter im In- und Ausland, widme ich mich in meiner Bachelorarbeit der Überprüfung eines Buchbestandes in der Berliner Stadtbibliothek (im Folgenden kurz: BStB), genauer dem des bis 1936 existierenden Lessing-Museums (im Folgenden kurz: LM) in Berlin.
Die Idee meines Themas entstand während meiner Arbeit im Raubgutprojekt der Historischen Sammlungen (im Folgenden kurz: HiSa) der ZLB im November des vergangenen Jahres. Dort wurden zukünftige Schwerpunkte besprochen und das LM in Berlin erweckte mein Interesse für weitere Recherchen. An dieser Stelle möchte ich mich bei der Abteilung der Historischen Sammlungen für die Unterstützung bei meinen Nachforschungen zum Thema bedanken.
Das Erbe unserer vorigen Generationen ist diffizil und umfassend. Die Zeit des Nationalsozialismus (im Folgenden kurz: NS-Zeit) hat nicht nur die Menschen vergangener Jahrzehnte geprägt, sondern begleitet uns bis heute im öffentlichen Leben und in der Politik und wird noch lange Zeit spürbar sein. Gerade die Recherche nach Raubgut steht erst am Anfang. In deutschen Bibliotheken wurden erst in den letzten Jahren wirkliche Projektgruppen mit dem Ziel der Bestandsüberprüfung gebildet.
Das Thema Raubgut ist in Bibliotheken ist nach wie vor so bedeutsam, weil sie eine historische Verantwortung für ihre Geschichte übernehmen müssen. Jeder zurückgegebene Gegenstand ist gleichzeitig ein Träger kultureller Erinnerung und bestätigt den unanfechtbaren Tatbestand der Shoah1. Die Raubgutforschung macht klar, wie der Bestandsaufbau in Bibliotheken zur NS-Zeit an der Verfolgung von Juden und Andersdenkenden profitierte und will erreichen, dass die betreffenden Institutionen Verantwortung für ihr damaliges Handeln übernehmen.

1 Def. Shoah: neuhebräisch, Tötung einer großen Zahl von Menschen und Synonym für den Holocaust. Bezeichnung für ca. 6 Millionen Menschen, die das nationalsozialistische Regime als Juden bezeichnete, verfolgte, gettoisierte und ermordete; Vgl. http://de.wiktionary.org/wiki/Schoah (Zugriff 27.04.2011).

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Erinnerungskultur in Deutschland

3. Der NS-Kulturgutraub

4. Historischer Abriss

4.1. Berlin am Anfang des 20. Jahrhunderts und der II. Weltkrieg

4.2. Nachkriegszeit und Aufarbeitung in zwei deutschen Staaten

4.3. Die Ereignisse seit 1990

5. Vorstellung der ausgewählten Bibliotheken

5.1. Die Zentral- und Landesbibliothek Berlin

5.2. Das Lessing-Museum und seine Bibliothek

5.3. Verbindungspunkte/Verknüpfungspunkte

5.4. Zur Quellenlage

6. Ergebnisse

6.1. Die Auflösung des Lessing-Museums

6.2. Der Verein und seine Mitglieder

6.3. offene Fragen

7. Fazit/Ausblick

8. Anhang

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht die Geschichte des bis 1936 existierenden Lessing-Museums in Berlin und überprüft einen Buchbestand in der Berliner Stadtbibliothek hinsichtlich der Rechtmäßigkeit der Übernahme in der Zeit des Nationalsozialismus. Ziel ist es, die Umstände der Museumsauflösung zu klären und den Verbleib sowie die Provenienz der Bestände kritisch zu beleuchten.

  • Historische Aufarbeitung der Auflösung des Lessing-Museums Berlin 1936.
  • Analyse des NS-Kulturgutraubs in Berliner Bibliotheken und Archiven.
  • Untersuchung der Rolle der Lessing-Gesellschaft und ihrer Mitglieder im NS-Regime.
  • Methodik der Provenienzforschung und Rückgabe von Raubgut an rechtmäßige Eigentümer.
  • Bedeutung von Erinnerungskultur und Gedächtnisorten in der deutschen Gesellschaft.

Auszug aus dem Buch

4. HISTORISCHER ABRISS

Berlin war zu Beginn des letzten Jahrhunderts eine pulsierende intellektuelle Metropole. Vor allem als Stadt mit Sitz vieler Verlage, Zeitschriften, Theatern und Cafés, übte sie eine große Anziehungskraft auf engagierte und politisch interessierte Bürger aus. Gerade kulturell betrachtet, galt es viel zu erleben und Neues zu entdecken.

Die rauschenden Feste der "Goldenen Zwanziger" endeten schlagartig mit der Weltwirtschaftskrise 1929. Der Kampf der Parteien, zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten, wurde neben Straßenkämpfen auch zum Kulturkampf. Beispielsweise wie die Machtkämpfe hinsichtlich der weltanschaulichen Meinungen in Zeitschriftenartikeln und auf den Bühnen der Stadt, sowie die damit zusammenhängende Darstellung der politisch ausgerichteten Inhalte.

Schon vor Kriegsbeginn, mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten, wurde der Bereich der Literatur genau analysiert und ausgewertet. Hitler forderte in seiner Regierungserklärung vom 23. März 1933 die „Beseitigung der zersetzenden Erbschaft des Kulturverfalls“, er rechtfertigte seine Ansicht damit, dass die Juden in der Weimarer Republik vor allem die Kulturebene beherrschten. Mit dieser nachweislich nicht korrekten Behauptung verteidigten die Nationalsozialisten ihre „Aufsichtsgewalt als eine Schutzpflicht von Staat und Partei“.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Thematik des NS-Raubguts und Zielsetzung der Untersuchung des Bestandes des Lessing-Museums in der Berliner Stadtbibliothek.

2. Erinnerungskultur in Deutschland: Theoretischer Rahmen zu den Begriffen Gedächtnis, Erinnerungskultur und der Rolle von Archiven und Bibliotheken als Bewahrer des kulturellen Erbes.

3. Der NS-Kulturgutraub: Definition von NS-Raubgut, dessen Abgrenzung zu Beutekunst und Darstellung der verschiedenen Enteignungsmethoden durch die Nationalsozialisten.

4. Historischer Abriss: Darstellung der gesellschaftlichen und politischen Lage Berlins vom frühen 20. Jahrhundert bis nach 1990 mit Fokus auf die Zeit des Nationalsozialismus und die Nachkriegszeit.

5. Vorstellung der ausgewählten Bibliotheken: Überprüfung der Bestandsgeschichte der ZLB und des Lessing-Museums sowie Erläuterung der Forschungsgrundlagen.

6. Ergebnisse: Darstellung der Untersuchungsergebnisse zur Schließung des Museums, zur Rolle des Vereins sowie zur Identifizierung verschollener Bestände.

7. Fazit/Ausblick: Zusammenfassung der Forschungsergebnisse und Notwendigkeit der fortgesetzten Restitution von NS-Raubgut zur Aufarbeitung der Vergangenheit.

8. Anhang: Auflistung der verwendeten unveröffentlichten Quellen, Literatur sowie Anlagen wie Inventarverzeichnisse.

Schlüsselwörter

Lessing-Museum, Berlin, NS-Raubgut, Provenienzforschung, Zentral- und Landesbibliothek Berlin, Erinnerungskultur, Restitution, NS-Zeit, Kulturgut, Lessing-Gesellschaft, Georg Richard Kruse, Bibliotheksgeschichte, Shoah, Gedächtnis, Enteignung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit untersucht das Schicksal des Lessing-Museums in Berlin, das 1936 von den Nationalsozialisten geschlossen wurde, und analysiert den Verbleib dessen Buchbestandes in der Berliner Stadtbibliothek.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentrale Themen sind der NS-Kulturgutraub, die Bibliotheksgeschichte, Erinnerungskultur und die praktische Provenienzforschung zur Rückführung geraubter Kulturgüter.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist die Klärung der Umstände, die zur Schließung des Lessing-Museums 1936 führten, sowie die Überprüfung der Rechtmäßigkeit der Bestandsübernahme durch die Berliner Stadtbibliothek.

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Die Autorin nutzte Archivrecherchen im Landesarchiv Berlin, Aktenstudien in Bibliotheksbeständen, die Auswertung von Zugangsbüchern sowie den Vergleich historischer Kataloge mit aktuellen Bibliotheksdaten.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden der historische Kontext, die Geschichte des Museums und seiner Bibliothek, die Verbindungen zur Berliner Stadtbibliothek und die detaillierten Untersuchungsergebnisse zur Auflösung und zum Schicksal der Vereinsmitglieder analysiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Schlagworten gehören NS-Raubgut, Lessing-Museum, Provenienzforschung, Restitution, Erinnerungskultur und Bibliotheksgeschichte.

Warum wurde das Lessing-Museum 1936 überhaupt geschlossen?

Die Schließung wird durch eine Kombination aus politischem Druck der Nationalsozialisten, die für Lessings humanistische Ideale keinen Platz sahen, und einer prekären finanziellen Lage der Lessing-Gesellschaft erklärt.

Was geschah mit den Mitgliedern der Lessing-Gesellschaft?

Viele Mitglieder, insbesondere solche jüdischer Abstammung, waren Verfolgung, Deportation und Vernichtung durch das NS-Regime ausgesetzt, was die Arbeit anhand konkreter Biografien belegt.

Konnte der gesamte Bestand des Museums rekonstruiert werden?

Nein, die Sammlung wurde zerrissen. Während Teile an Museen und das Lessing-Museum in Kamenz gingen, gelten viele Bücher und Autographen in der Berliner Stadtbibliothek heute als verschollen.

Ende der Leseprobe aus 81 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Vor dem Vergessen – Eine kulturwissenschaftliche Untersuchung zum Lessing-Museum in Berlin
Untertitel
Before forgotten – A cultural scientific investigation to the Lessing-Museum in Berlin
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Philosophische Fakultät III, Institut für Kulturwissenschaft)
Note
1,0
Autor
Lisa Balihar (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2011
Seiten
81
Katalognummer
V180420
ISBN (eBook)
9783656032342
ISBN (Buch)
9783656032625
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lessing-Museum Vergessen Berlin Georg Kruse Erinnerungskultur Zentral- und Landesbibliothek Berlin Raubgut Brüderstr. 13
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Lisa Balihar (Autor:in), 2011, Vor dem Vergessen – Eine kulturwissenschaftliche Untersuchung zum Lessing-Museum in Berlin, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/180420
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  81  Seiten
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