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"Und wozu Dichter in dürftiger Zeit"

Die "epiphanische Kunst" der Moderne zwischen Zeitdiagnose und Identitätstherapie

Titel: "Und wozu Dichter in dürftiger Zeit"

Essay , 2000 , 35 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Magister Artium Robert Schulze (Autor:in)

Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

„[...], und wozu Dichter in dürftiger Zeit. / Aber sie sind, sagst du, wie des Weingotts heilige Priester, / Welche von Lande zu Land zogen in heiliger Nacht.“ Diese Verse aus Friedrich Hölderlins Elegie Brot und Wein (um 1800) führen das Problem der folgenden Untersuchung in nuce vor Augen. Am hellichten Tage der fortschreitenden Aufklärung spricht der Dichter vom wiederkehrenden Einbruch einer götterfernen „heiligen Nacht“. Dürftig und dunkel erscheint ihm seine Zeit, geprägt vom Verlust einer theistischen Ordnung, der die Menschen in ein hybrides Welt- und Naturverhältnis zwingt. Im Hyperion werden diese Menschen als ausschließlich von „Zweck“- und „Nutzen“-Denken getriebene, „allberechnende Barbaren“ charakterisiert, „dumpf und harmonielos, wie die Scherben eines weggeworfenen Gefäßes“ . Eine kalte Welt, wäre da nicht die Kunst, der Dichter, der in glühenden Worten die Bruchstücke des zersplitterten heiligen Kosmos schöpferisch neu zusammenschmelzt, Indien, die Antike und das Christentum in mythischer Schau mit der Gegenwart sinnstiftend verbindet. Möglich wird diese Engführung von Kunst und Religion (im Oxymoron der schöpferischen Schau verbildlicht) durch die Hölderlinsche Variante der antiken Konstruktion des Dichters als Seher, der von der Nähe zum Göttlichen inspiriert aus den zurückgebliebenen Fragmenten und Ruinen des Heiligen einen rhapsodischen (zusammengenähten) Gesang anstimmt. So wie einst die „Priester“ des Dionysos ziehen nun die Dichter in „heiliger Nacht“, ein Bild des profanen Tages der Aufklärung, umher und singen von der möglichen Rückkehr eines heiligen Tages, ein „Verzweiflungs-kampf“, „den ihr schöner Geist mit den Barbaren kämpft“ .
Diese knappe Darstellung der poetisch-poetologischen Haltung Hölderlins mag genügen um, den kulturgeschichtlichen Horizont der hier untersuchten Fragestellung zu eröffnen. Auf dem Höhepunkt der Aufklärung, dem Sieg des wissenschaftlichen Geistes über ein theistisches Weltverhältnis, tritt demselben ein „schöner Geist“ kämpferisch entgegen und rechnet mit der „allberechnenden“ instrumentellen Vernunft ab. Hölderlin steht am Anfang dieser romantischen Gegenbewegung, die ein aufklärungskritisches und dennoch philosophisch fundiertes poetisch-religiöses Natur- und Menschenbild entwirft.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Vorbemerkung in zwei Teilen: 1. Das Paradigma einer „epiphanischen Kunst“: Hölderlin

2. Kunst und Moral nach dem „Ende der Kunst“: Hegel

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Möglichkeiten einer ästhetischen Rückgewinnung moralischer Quellen in der modernen Industriekultur, indem sie die sozialphilosophischen Positionen von Charles Taylor und Arnold Gehlen kritisch analysiert und deren Zeitdiagnosen zur instrumentellen Vernunft und kulturellen Identitätskrise mit dem Paradigma der „epiphanischen Kunst“ in Beziehung setzt.

  • Die Problematik der instrumentellen Vernunft und der daraus resultierenden Identitätskrise.
  • Die Rolle der „epiphanischen Kunst“ als individuelles Therapeutikum.
  • Das Spannungsfeld zwischen Aufklärung, Romantik und dem Hegelsehen „Ende der Kunst“.
  • Die Funktion der metaphorischen Struktur von Kunstwerken als „psychologisches Asyl“.
  • Die Bedeutung der „Rahmen-Epiphanien“ der Moderne zur moralischen Orientierung.

Auszug aus dem Buch

Kunsttherapeutik: „Wo aber Gefahr ist, wächst / Das Rettende auch.“ oder Die Kunst als Quelle der Moral

Wenn die gesellschaftlichen Rahmengebungen nicht mehr „die ganze Erklärung“ des menschlichen Daseins und Handelns liefern, gleitet das Individuum zunehmend „in ichbezogene Erscheinungsweisen des Ideals der Selbstverwirklichung“ (Subjektivismus) ab, eine innere Verfassung, die sich in den kulturellen Erscheinungen von Relativismus, Pluralismus und Nihilismus wiederspiegelt.

In dieser Kultur hat sich in gewissem Sinne eine vielgestaltige Entwicklung abgespielt, die man als „Subjektivierung“ bezeichnen könnte, d. h. das Subjekt wird immer mehr ins Zentrum der Dinge gerückt [...]. Dinge, die früher durch äußere Realität – etwa durch das überlieferte Gesetz oder durch die Natur – bestimmt wurden, werden jetzt unserer eigenen Entscheidung überlassen [...] und das Ideal der Authentizität verlangt, daß wir unsere eigene Identität ausfindig machen und artikulieren.

Eine äußerst schwierige Aufgabe, denkt man an die vom Versiegen bedrohten agonalen inneren Quellen der Identität. Hier springt die sublimierte Kunst helfend ein. Der Mensch muß sich selbst-definierend orientieren und die Kunst bietet ihm nach dem Wegfall der theistischen Ordnung einen artifiziellen Raum zur Identitätssuche. Es entsteht ein „enger Zusammenhang zwischen Kunst und Selbstdefinition“, denn „die Selbstfindung setzt die poiesis, ein Gestalten, voraus“. Die Möglichkeit dieses Zusammenhangs ist jedoch an einen, die moralische Kraft der Kunst schwächenden, Paradigmenwechsel – den „Übergang von einer Kunstauffassung, die die Kunst als mimesis begriff, zu einer, die das Schöpferische hervorhebt“ – gebunden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Vorbemerkung in zwei Teilen: 1. Das Paradigma einer „epiphanischen Kunst“: Hölderlin: Das Kapitel führt in die Problematik einer durch instrumentelle Vernunft geprägten Welt ein und verortet Hölderlins Dichtung als romantische Gegenbewegung, die Kunst und Moral durch eine „epiphanische“ Schau neu verbinden will.

2. Kunst und Moral nach dem „Ende der Kunst“: Hegel: Dieses Kapitel untersucht Hegels These vom Ende der Kunst als philosophisches Fundament für die moderne Kunstauffassung und analysiert, wie diese Sichtweise paradoxerweise die Bedeutung der Kunst als Medium zur Wahrheitsfindung in einer rationalitätskritischen Perspektive steigern kann.

Schlüsselwörter

Epiphanische Kunst, Instrumentelle Vernunft, Moralquellen, Charles Taylor, Arnold Gehlen, Identitätskrise, Romantik, Industriekultur, Subjektivismus, Ästhetik, Kunsttherapeutikum, Moderne, Rahmen-Epiphanien, Metaphorische Struktur, Kulturkritik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?

Die Arbeit analysiert, wie moderne Individuen in einer von instrumenteller Vernunft und technischer Rationalität geprägten Industriekultur verloren gegangene moralische Orientierung durch ästhetische Mittel zurückgewinnen können.

Welche Autoren stehen im Zentrum der Untersuchung?

Die philosophischen Hauptbezugspunkte bilden die Sozialphilosophen Charles Taylor und Arnold Gehlen, deren Zeitdiagnosen zur Moderne intensiv diskutiert werden.

Was ist das Ziel der Forschung?

Das primäre Ziel ist es, die „epiphanische Kunst“ als ein potenzielles, individuelles Therapeutikum zu bewerten, das in der Lage ist, trotz eines säkularisierten und instrumentell geprägten Weltbildes Identität und moralische Bedeutung zu stiften.

Welcher wissenschaftliche Ansatz wird verfolgt?

Es handelt sich um eine geistes- und sozialphilosophische Untersuchung, die kulturgeschichtliche Stränge (Aufklärung vs. Romantik) mit ästhetischen Theorien verbindet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Rekonstruktion der Zeitdiagnosen von Taylor und Gehlen sowie eine kritische Darstellung der ästhetischen Rückgewinnung moralischer Quellen durch moderne Kunstformen.

Durch welche Schlagworte lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?

Die zentralen Begriffe sind Epiphanie, moralische Quellen, instrumentelle Vernunft, Moderne, Subjektivismus und das Konzept der „Rahmen-Epiphanie“.

Wie unterscheidet sich die „epiphanische Kunst“ der Moderne von der romantischen Tradition?

Während die Romantik noch von einem geschlossenen, mythischen Ganzen ausging, operiert die moderne epiphanische Kunst in einem „zersplitterten Horizont“ und nutzt oft indirekte, metaphorische Verfahren wie die Juxtaposition, um Sinn zu stiften.

Was bedeutet der Begriff „Rahmen-Epiphanie“ in der Arbeit?

Dieser Begriff beschreibt moderne Kunstwerke, die durch ihre spezifische metaphorische Struktur einen virtuellen Raum schaffen, in dem das Subjekt, trotz der Abwesenheit verbindlicher gesellschaftlicher Ordnungen, eine indirekte Rückbindung an moralische und existentielle Fragen erfahren kann.

Ende der Leseprobe aus 35 Seiten  - nach oben

Details

Titel
"Und wozu Dichter in dürftiger Zeit"
Untertitel
Die "epiphanische Kunst" der Moderne zwischen Zeitdiagnose und Identitätstherapie
Hochschule
Freie Universität Berlin
Veranstaltung
Zum Konzept der Person in der europäischen Kultur
Note
1,0
Autor
Magister Artium Robert Schulze (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2000
Seiten
35
Katalognummer
V180404
ISBN (eBook)
9783656030843
ISBN (Buch)
9783656031055
Sprache
Deutsch
Schlagworte
dichter zeit kunst moderne zeitdiagnose identitätstherapie Charles Taylor Arnold Gehlen Hölderlin Gottfried Benn Philosophie der modernen Kunst; Anthropologie Moral Ethik Kunstphilosophie Zivilisationskritik Kulturkritik Rahmen-Epiphanien
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Magister Artium Robert Schulze (Autor:in), 2000, "Und wozu Dichter in dürftiger Zeit", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/180404
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  35  Seiten
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