„Mein Traum war es, einmal wie Spiderman von Dach zu Dach zu schwingen“, sagte David Belle in einem Interview zu der Sportart „Le Parkour“. Ihn selbst kann man in dem Video dabei beobachten, wie er Wände hinaufläuft, von Hausdach zu Hausdach springt und sich scheinbar mühelos von Fenstersims zu Fenstersims hangelt. Auf den Laien mag dies kindisch, waghalsig oder auch verrückt wirken, aber hinter diesen Aktionen steckt eine Intention, vielmehr noch eine Botschaft. Der charismatische Franzose wurde nicht dabei gefilmt, wie er sich Zuhause ausgeschlossen hat und nun versucht, sich durch das Fenster einen Weg zurück in die Wohnung zu bahnen. Mitnichten, denn David Belle wird als Gründer der Sportart „Le Parkour“ gesehen und möchte in diesem Video die Menschen auf diese eigentümliche, aber auch anspruchsvolle Sportart aufmerksam machen. Und er hat Erfolg. Parkour erfreut sich stetig wachsender Beliebtheit und findet sogar über die Grenzen Frankreichs hinweg Anhänger. Auch in Filmen wie „Casino Royal“ wird Le Parkour aufgegriffen und in „Ghettogangz – Die Hölle von Paris“ gibt sich der Erfinder selbst die Ehre, seinen Sport in den Film einzubeziehen. Doch was sind die zentralen Ideen von „Le Parkour“ und wo hat dieser Sport seinen Ursprung? Wer übt diese Sportart aus und welche Umgebung ist dafür gefordert? Unter welchen Bedingungen kann es möglich sein, „Le Parkour“ in den Schulsport aufzunehmen und wie kann eine Umsetzung konkret aussehen? Diesen Fragen soll in der vorliegenden Arbeit nachgegangen werden. Dazu wird zunächst David Belle und der Ursprung seines Sports näher beleuchtet und anschließend ein Einblick in das Bewegungsspektrum der Traceure, wie die Protagonisten von Parkour genannt werden, gegeben. Um den Einzug von „Le Parkour“ in die Schulpädagogik zu diskutieren, wird der Lehrplan für Schleswig-Holstein der Sekundarstufe 1 herangezogen und auf eine sinnvolle Einbettung in den Unterricht geprüft. Abschließend wird durch die Vorstellung einer Unterrichtseinheit ein Beispiel gegeben, wie eine erfolgreiche Umsetzung von „Le Parkour“ im Schulsport gelingen kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Themenfindung
2.1 „Le Parkour“
2.2 David Belle
2.3 Philosophie
2.4 Das Wesen von „Le Parkour“
2.5 Bewegungsmuster im Parkour
3. Verbreitung von „Le Parkour“
3.1 Verbreitung in Frankreich
3.2 Aktuelle Verbreitung
4. Lehrplan
4.1 Vergleiche mit dem Lehrplan Schleswig Holstein für die Sekundarstufe 1
4.1.1 Das Konzept der Grundbildung
4.1.2 Auseinandersetzung mit den Kernproblemen
4.2 Didaktische Begründungen:
4.2.1 Themenbereiche
4.2.2. Sich fit halten
4.2.3. An Geräten turnen
4.2.4 Laufen, Springen, Werfen
5. Le Parkour im Schulsport
5.1 Interne Bedingungen
5.2 Externe Bedingungen
5.3. Hinweise
5.4. Groblernziel der Stunde:
5.5. Feinlernziele der Stunde:
5.5.1 kognitiv
5.5.2 sozial affektiv
5.6 Methodische Begründungen
5.7 Verlaufsskizze:
5.8 Stationsaufbauten
5.8.1 Stationsaufbau der ersten Unterrichtseinheit
5.8.2 Stationsaufbau der zweiten Unterrichtseinheit
5.9 Reflexion
6. Möglichkeiten
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, wie die Sportart „Le Parkour“ sinnvoll in den Schulsport integriert werden kann, um den Anforderungen des Lehrplans für Schleswig-Holstein für die Sekundarstufe 1 gerecht zu werden. Ziel ist es, durch die Analyse der Ursprünge und Philosophie des Parkour ein pädagogisch fundiertes Unterrichtskonzept zu entwickeln, das sowohl die individuelle Förderung als auch die motorische Ausbildung der Schüler unterstützt.
- Historische Entwicklung und Philosophie von „Le Parkour“
- Analyse der Bewegungsmuster und Techniken für den Schulsport
- Vergleich der Parkour-Ziele mit dem Lehrplan Schleswig-Holstein
- Didaktische Begründungen und methodische Umsetzung in der Schule
- Entwurf von Unterrichtsbeispielen und Stationsaufbauten
Auszug aus dem Buch
2.3 Philosophie
Parkour ist nicht nur durch die anspruchsvollen Bewegungen geprägt, denn ebenso zentral ist die Intention des Sports. David Belle beschreibt, dass Parkour eine Körperertüchtigung sei, die einem selbst und anderen Menschen helfen könne (vgl. BAUER 2008, S.15). Der schweizer Parkour-Pionier ROGER WIDMER (zit. in KLINGBACHER 2010, S.31) bestärkt die Meinung, dass der Traceur sich durch die Tugenden Respekt, Bescheidenheit und Voraussicht auszeichnet, was den Sport zu einer Lebenseinstellung werden lässt. Der bewusste und respektvolle Umgang mit der Natur ist obligat, das Eigentum anderer wird geschätzt und geachtet. Man muss lernen sich zurückzunehmen, denn nicht das Wissen über Bewegungen, sondern die Erfahrungen erlauben es einem, das Risiko eines Sprungs zu kalkulieren. Über die Trainingszeit erwirbt der Lernende eine Art taktiles Wissen, welches er auf seine Umgebung anwenden kann und seine Wahrnehmung beeinflussen lässt. „Ein Traceur sieht Wege, wo andere nur Wände sehen. Man folgt nicht den Vorgaben der Architektur und Städteplaner“ (WIDMER, 2010, zit. in KLINGBACHER 2010, S.28). Jeder muss seinen eigenen Weg finden, deshalb lässt die Philosophie im Parkour keinen Wettbewerb oder Konkurrenzgedanken zu. Entscheidend ist, dass man sich an sich selbst und an seiner Umgebung misst.
Der Konkurrenzgedanke in der heute vorherrschenden „Ellenbogengesellschaft“ wirkt sich stark auf viele der Jugendlichen aus. Den Konkurrenzgedanken in diesem Sport abzulegen ist zwingend notwendig, um „unüberlegtes und destruktives Verhalten zu vermeiden“ (vgl. LUKSCH 2009, S.14). Anhand der Philosophie gelingt es auch, das wahre Parkour von artverwandten Sportarten abzugrenzen wie beispielsweise das Freerunning, welches Salti und spektakuläre Aktionen in den Run integriert oder Parcouring, das auf Wettkampf ausgelegt ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Stellt die Entstehung von Parkour durch David Belle vor und formuliert die Fragestellung, wie die Sportart in den Schulsport integriert werden kann.
2. Themenfindung: Behandelt die Ursprünge, die Philosophie sowie die grundlegenden Bewegungsmuster, die für das Verständnis von Parkour essentiell sind.
3. Verbreitung von „Le Parkour“: Beschreibt die historische Entwicklung der Sportart, von den Anfängen in Frankreich bis hin zur aktuellen globalen Verbreitung und Wahrnehmung.
4. Lehrplan: Vergleicht die Anforderungen des Lehrplans Schleswig-Holstein für die Sekundarstufe 1 mit den Möglichkeiten, die Parkour zur Erfüllung dieser pädagogischen Ziele bietet.
5. Le Parkour im Schulsport: Erläutert die praktischen Rahmenbedingungen, Feinlernziele und methodischen Ansätze zur Durchführung von Unterrichtseinheiten, inklusive konkreter Stationsaufbauten.
6. Möglichkeiten: Diskutiert langfristige Perspektiven wie die Gründung einer Parkour-AG und die Vorteile des Trainings in einer gesicherten Hallenumgebung.
7. Fazit: Fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Integration von Parkour in den Sportunterricht als pädagogisch wertvoll und erfolgreich.
Schlüsselwörter
Le Parkour, Sportunterricht, Schulsport, David Belle, Traceur, Bewegungsfluss, Grundbildung, Lehrplan, Didaktik, Hindernisüberwindung, Körperwahrnehmung, Unterrichtseinheit, Bewegungsrepertoire, Selbstkompetenz, Präzisionssprung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelor-Thesis grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen und die praktische Umsetzbarkeit der Sportart „Le Parkour“ als Bestandteil des schulischen Sportunterrichts.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Arbeit adressiert?
Die Schwerpunkte liegen auf der Historie und Philosophie von Parkour, der Analyse motorischer Bewegungsmuster sowie der didaktischen Einbettung in den Lehrplan.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es zu erörtern, ob und wie „Le Parkour“ sinnvoll in den Schulsport integriert werden kann, um den Vorgaben des Lehrplans Schleswig-Holstein gerecht zu werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Erarbeitung verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit der Fachliteratur sowie auf ein praktisches Erprobungsprojekt in Form von sechs Unterrichtseinheiten an einem Gymnasium.
Was wird im Hauptteil der Arbeit schwerpunktmäßig behandelt?
Im Hauptteil werden neben der pädagogischen Begründung insbesondere die schulspezifische Planung, methodische Hinweise sowie konkrete Stationsaufbauten für den Sportunterricht detailliert dargestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über die Begriffe Le Parkour, Schulsport, Didaktik, Lehrplan-Konformität und motorische Kompetenzentwicklung definieren.
Wie unterscheidet sich die im Text beschriebene Philosophie des Parkour von einem Wettkampfsport?
Die Philosophie von David Belle lehnt den Konkurrenzgedanken ab; es geht nicht um den Wettbewerb gegen andere, sondern um die individuelle Auseinandersetzung mit sich selbst und der Umgebung.
Welche Rolle spielt die Sicherheit bei der Planung der Unterrichtseinheiten?
Sicherheit wird durch eine angeleitete, strukturierte Umgebung in der Turnhalle und die Auswahl geeigneter Hindernisse gewährleistet, wobei der Fokus auf korrekter Technik statt auf waghalsigen Aktionen liegt.
Warum wird die „Roulade“ (Rolle) im Kontext des Schulsports als optional angesehen?
Die Roulade dient dazu, Energie flüssig zu transferieren und Sturzrisiken zu minimieren; sie wird im Unterricht als Zusatztechnik erklärt, ist aber für den Basis-Run nicht zwingend erforderlich.
Welche Rolle spielen die Stationsaufbauten für den Erfolg des Parkour-Unterrichts?
Die Aufbauten dienen als strukturierte Gerätekombinationen, die es den Schülern ermöglichen, selbständig und effizient verschiedene Bewegungsformen wie Klettern, Balancieren und Springen zu erproben.
- Arbeit zitieren
- Stephan Schlimmermann (Autor:in), 2010, „Le Parkour“ im Schulsport - Perspektiven und Möglichkeiten, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/180366