Als Reaktion auf die Finanzkrise von 2008 besteht seit dem G20-Krisengipfel von Washington ein internationaler Konsens zur Reformierung des globalen Finanzsystems. Im Zuge der Krise wurden regulatorische Schwachstellen an Basel II ersichtlich. Seither arbeiten der BCBS sowie weitere Normengeber an Finanzmarktreformen, aus denen mitunter im Dezember 2010 die finale Fassung eines neuen Regulierungsrahmens hervorging: Basel III.
Innovativ an Basel III ist, dass erstmals ein internationales Regelwerk zur Bankenaufsicht und -regulierung mit einem Fokus auf das gesamte Finanzsystem angestrebt wird, ergänzend zu einer institutsbezogenen Betrachtung. Vorgesehen ist eine Kombination aus makroprudenziellen und mikroprudenziellen Elementen, zusätzlich Eigenkapitalanforderungen ergänzt um Liquiditätsstandards. Ziel ist es, eine nachhaltige Finanzstabilität unter Nutzung von Basel III zu gewährleisten.
Im Rahmen dieser Arbeit werden die makroprudenziellen Elemente, die auf dem Weg von Basel II zu Basel III ergänzt wurden, kritisch analysiert und bewertet. So werden zunächst Grundlagen sowie Schwachstellen des Basel II-Regelwerks erläutert, die als Basis für eine Untersuchung von Basel III dienen. In Kapital 3 werden der makroprudenzielle Ansatz sowie dessen Instrumentarium als potenzielle Maßnahme zur Förderung und Sicherung der Finanzstabilität beleuchtet. Darauf aufbauend werden in Kapitel 4 zunächst die Entwicklung von Basel II zu Basel III sowie die wesentlichen Ausgestaltungsmerkmale des neuen Regelwerks diskutiert. Anschließend erfolgen eine kritische Untersuchung sowie eine zusammenfassende Bewertung der in Basel III enthaltenen makroprudenziellen Elemente. Vervollständigend werden Implementierungsvorhaben sowie finanz- und realwirtschaftliche Auswirkungen von Basel III eruiert. Im Ausblick werden abschließend zum einen künftige Herausforderungen aufgezeigt.
Und zum anderen soll versucht werden, eine Antwort auf die Frage zu finden, die mit den Bemühungen um die Einführung von Basel III einhergeht: Kann Basel III zukünftige Krisen vermeiden?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Das Basel II-Regelwerk und seine Schwachstellen im Lichte der Finanzmarktkrise
2.1 Zielsetzung, Grundkonzept und Geltungsbereich von Basel II
2.2 Die Schwachstellen von Basel II
2.2.1 Prozyklizität im Finanzsystem
2.2.1.1 Die Mindesteigenkapitalanforderungen
2.2.1.2 Risikomessungen in Basel II
2.2.1.3 Anzuwendende Bewertungspraktiken
2.2.2 Systemrisiken im Finanzsystem
2.2.2.1 Konzentrationen zusammenhängender Engagements
2.2.2.2 Die Systemrelevanz von Instituten
2.2.2.3 Das Leverage- und Liquiditätsrisiko
3 Der makroprudenzielle Ansatz
3.1 Bedeutung und Merkmale
3.2 Der Kern des makroprudenziellen Ansatzes
3.3 Das makroprudenzielle Instrumentarium
3.3.1 Instrumente unter dem Aspekt der Prozyklizität
3.3.2 Instrumente unter dem Aspekt des Querschnittsrisikos
4 Basel III – Finanzmarktregulierung unter Berücksichtigung makroprudenzieller Elemente
4.1 Der Weg zu Basel III
4.2 Das Basel III-Regelwerk
4.3 Makroprudenzielle Elemente in den Eigenkapitalvorschriften
4.3.1 Elemente im Umgang mit dem aggregierten Risiko im Zeitverlauf
4.3.1.1 Kapitalhaltungspolster
4.3.1.2 Antizyklische Kapitalpolster
4.3.1.3 Höchstverschuldungsquote
4.3.2 Elemente im Umgang mit dem Querschnittsrisiko
4.3.2.1 Der Umgang mit Kontrahentenrisiken und Vernetzungen
4.3.2.2 Aktuelle Reformvorhaben systemischer Finanzinstitute
4.4 Makroprudenzielle Elemente in den Liquiditätsvorschriften
4.4.1 Mindestliquiditätsstandard
4.4.2 Strukturelle Liquiditätsquote
4.4.3 Überwachungsinstrumente
4.5 Zusammenfassende Bewertung der makroprudenziellen Elemente in Basel III
4.6 Umsetzung und Übergangsregelungen von Basel III
4.7 Eine Einschätzung der Auswirkungen von Basel III
5 Ausblick
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Ziel dieser Arbeit ist es, die Schwachstellen des Basel II-Regelwerks, die durch die Finanzkrise ab 2008 offengelegt wurden, kritisch zu analysieren und die Erweiterung durch makroprudenzielle Elemente in Basel III zu untersuchen. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwieweit Basel III in der Lage ist, zukünftige Finanzkrisen zu verhindern.
- Analyse der prozyklischen Wirkungen und Systemrisiken unter Basel II.
- Einführung in den makroprudenziellen Ansatz und dessen Bedeutung für die Finanzstabilität.
- Diskussion der zentralen Neuerung durch Basel III: Die Integration makroprudenzieller Instrumente.
- Bewertung der neuen Eigenkapitalvorschriften und Liquiditätsstandards (LCR und NSFR).
- Untersuchung der Umsetzungs- und Übergangsregelungen sowie deren Auswirkungen auf den Finanzsektor.
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Prozyklizität im Finanzsystem
Vielen Finanzkrisen liegt ein zeitlich weit verbreitetes Muster zugrunde: Ex post besitzen Finanz- und Konjunkturzyklus tendenziell den gleichen Verlauf. Prozyklizität verweist auf „... the fact that, over time, the dynamics of the financial system and of the real economy reinforce each other, increasing the amplitude of booms and busts and undermining stability in both the financial sector and the real economy.“
Prozyklische Elemente führen zu einer Verstärkung der natürlichen Auf- und Abschwungphasen und begünstigen Finanzinstabilität. Nachfolgend werden in Basel II enthaltene prozyklische Elemente vor dem Hintergrund der Finanzkrise erörtert.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die Motivation für die Überarbeitung der internationalen Bankenregulierung nach der Finanzkrise von 2008 dar und führt in die Thematik des Übergangs von Basel II zu Basel III ein.
2 Das Basel II-Regelwerk und seine Schwachstellen im Lichte der Finanzmarktkrise: In diesem Kapitel werden die Grundprinzipien von Basel II sowie dessen Unzulänglichkeiten bezüglich der Prozyklizität und systemischer Risiken während der Finanzmarktkrise analysiert.
3 Der makroprudenzielle Ansatz: Dieses Kapitel erläutert das theoretische Konzept des makroprudenziellen Ansatzes, der zur Schließung der Lücke zwischen makroökonomischer und mikroprudenzieller Aufsicht beitragen soll.
4 Basel III – Finanzmarktregulierung unter Berücksichtigung makroprudenzieller Elemente: Hier wird das neue Regelwerk Basel III detailliert diskutiert, insbesondere die Einführung von Kapitalpuffern, Liquiditätsstandards und die Überwachung systemischer Risiken.
5 Ausblick: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und gibt einen Ausblick auf künftige Herausforderungen sowie die Notwendigkeit einer möglichen Weiterentwicklung zu einem künftigen Basel IV-Regelwerk.
Schlüsselwörter
Basel II, Basel III, Finanzmarktregulierung, Finanzstabilität, Makroprudenzielle Aufsicht, Systemrisiko, Prozyklizität, Eigenkapitalanforderungen, Liquiditätsstandards, LCR, NSFR, SIFI, Leverage Ratio, Kapitalpolster, Bankenaufsicht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den regulatorischen Wandel in der internationalen Bankenaufsicht, ausgehend von den Schwachstellen des Basel II-Regelwerks, die während der Finanzkrise deutlich wurden, hin zu den neuen, makroprudenziellen Ansätzen von Basel III.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert auf Finanzmarktregulierung, Systemstabilität, Bankenkapitalisierung und die Kontrolle von Liquiditätsrisiken innerhalb des globalen Finanzsystems.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Effektivität der in Basel III eingeführten makroprudenziellen Elemente zu bewerten und zu hinterfragen, ob diese Maßnahmen zukünftige Finanzkrisen tatsächlich verhindern können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine regulatorische Analyse, die auf einer fundierten Auswertung von Fachliteratur, Berichten des Basler Ausschusses (BCBS) sowie makroökonomischen Studien zur Finanzmarktregulierung basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Diagnose der Fehler von Basel II (insbes. Prozyklizität und Systemrisiken), die theoretische Herleitung des makroprudenziellen Ansatzes und die detaillierte Vorstellung der neuen Basel III-Instrumente wie Kapital- und Liquiditätspuffer.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Basel III, Finanzstabilität, Systemrisiko, Prozyklizität, Liquiditätsstandards (LCR/NSFR) und Eigenkapitalregulierung.
Welche Rolle spielen SIFI in diesem Regelwerk?
Systemrelevante Finanzinstitute (SIFI) werden in Basel III durch spezifische Anforderungen adressiert, da ihr Ausfall aufgrund ihrer Größe und Vernetzung (Too-big-to-fail) verheerende Auswirkungen auf die gesamte Weltwirtschaft hätte.
Wie unterscheidet sich der makroprudenzielle vom mikroprudenziellen Ansatz?
Während der mikroprudenzielle Ansatz (Basel II) das Risiko einzelner Institute isoliert betrachtet, zielt der makroprudenzielle Ansatz (Basel III) darauf ab, Risiken innerhalb des gesamten Finanzsystems als Gesamtheit zu adressieren, um makroökonomische Schocks abzufedern.
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- Alexander Charles (Author), 2011, Der Weg von Basel II zu Basel III, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/180234