Es gibt viele verschiedene Gründe für das Scheitern der Deutschen Demokratischen Republik, doch der wirtschaftliche Bereich hatte mit Sicherheit großen Einfluss. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sind in jedem Staat miteinander verzahnt. Da die politischen Ansichten der Führungsspitze nicht von der ganzen Bevölkerung gleichermaßen mitgetragen wurden, hatte das System mit zwei großen Problemen zu kämpfen: das Informations- und das Anreizproblem. Weiterhin startete die DDR unter schlechten Bedingungen, da dieser Teil Deutschlands schon vor dem Krieg wirtschaftlich auf eine Zusammenarbeit mit dem westlichen Teil angelegt war. Dies versuchte die Sowjetunion auszugleichen, doch in den 80er-Jahren war auch dies nicht mehr in einem ausreichenden Umfang möglich. Weiterhin hatte die DDR extrem unter dem Wirtschaftsembargo der CoCom zu leiden.
All diese Aspekte sollen in diesem Essay beleuchtet werden, wobei ich mich hauptsächlich auf die Monographien „Von Plan zu Plan“ von André Steiner und „Wirtschaftswunder DDR“ von Gernot Schneider beziehen werde, da sie beide eine sehr gute Gesamtdarstellung liefern. Um den Kontrast zwischen Anspruch und Realität zu verdeutlichen, habe ich einige Plakate aus der DDR-Zeit eingefügt, die für sich sprechen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Voraussetzungen
2.1 Inflexibilität der Planwirtschaft an sich
2.2 Startbedingungen
3. Systemimmanente Probleme
3.1 Das Informationsproblem
3.2 Das Anreizproblem
3.2.1 für die Betriebe
3.2.2 für das Individuum
3.3 Das Technologieembargo
4. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die strukturellen und wirtschaftspolitischen Ursachen, die zu den erheblichen Schwierigkeiten bei der Entwicklung der DDR-Wirtschaft und letztlich zu ihrem Scheitern führten, wobei insbesondere das Zusammenspiel von politischer Führung, zentraler Planung und internationalen Einflüssen analysiert wird.
- Strukturdefizite der zentralen Planwirtschaft
- Die Auswirkungen historischer Startbedingungen auf die DDR-Industrie
- Asymmetrische Informationsverteilung innerhalb des Wirtschaftssystems
- Mangelnde Anreizstrukturen für Betriebe und Individuen
- Einfluss technologischer Isolation und Embargos
Auszug aus dem Buch
3.1 Das Informationsproblem
Die Informationsverteilung in der DDR war asymmetrisch, d.h. dass die politische Entscheidungsebene niemals exakt über die Lage und die gehorteten Ressourcen in den Betrieben Bescheid wusste. Diese wiederum waren nicht am Wohle der Gesellschaft interessiert, sondern daran, die Pläne so leicht wie möglich erfüllen zu können, um Sanktionen zu vermeiden oder Prämien zu erlangen. Somit machten sie falsche Angaben betreffend der Kapazitäten, Vorräte und der Arbeitskräfte.5
Jedoch hatten die oberen und unteren Ebenen auch unabhängig voneinander Informationsdefizite. Die Politiker, die die Pläne aufstellten, konnten sich nicht an den Preisen orientieren, da diese durch Einfrieren der Preise und Subventionen keine unabhängige Informationsquelle mehr darstellen. Angebot und Nachfrage waren aus ihnen nicht ersichtlich und so konnte man im Plan auch nicht berücksichtigen, welche wirtschaftlichen Bereiche besonders wichtig waren. 6 Auch die Betriebe tappten im Dunkeln, da nur der Staat die Außenhandelsgeschäfte führen durfte und die fehlende Konkurrenz mit dem Westen jede Möglichkeit nahm, die produzierten Güter objektiv mit dem Standard des Weltmarktes zu vergleichen. 7
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert die Verzahnung von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in der DDR und führt die zentralen Fragestellungen sowie die herangezogene Literatur ein.
2. Voraussetzungen: Dieses Kapitel behandelt die strukturelle Inflexibilität der sozialistischen Planwirtschaft sowie die schwierigen wirtschaftlichen Startbedingungen nach dem Zweiten Weltkrieg.
3. Systemimmanente Probleme: Hier werden die zentralen systembedingten Defizite wie asymmetrische Informationsverteilung, fehlende Leistungsanreize und die Folgen des Technologieembargos detailliert erläutert.
4. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst zusammen, wie das System durch externe Zuflüsse künstlich aufrechterhalten wurde und warum es nach dem Wegfall dieser Hilfen sowie dem Verlust des Vertrauens der Bevölkerung zusammenbrach.
Schlüsselwörter
DDR-Wirtschaft, Planwirtschaft, SED, Informationsproblem, Anreizproblem, Technologieembargo, CoCom, Volkseigentum, Mangelwirtschaft, Kaufkraftüberhang, Wirtschaftsentwicklung, Systemversagen, Industrieproduktion, Bodenreform, Wiedervereinigung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die grundlegenden wirtschaftlichen Hindernisse, die eine erfolgreiche Entwicklung der DDR-Wirtschaft verhinderten und schließlich zum Systemkollaps beitrugen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der Inflexibilität der Planwirtschaft, den asymmetrischen Informationsverhältnissen, fehlenden Anreizstrukturen für Akteure und der technologischen Isolation durch internationale Embargos.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die strukturellen Ursachen für die wirtschaftliche Ineffizienz der DDR zu identifizieren und zu erklären, warum das System trotz dieser Probleme über vier Jahrzehnte bestehen konnte.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine deskriptive Analyse auf Basis von Fachmonographien (insbesondere von André Steiner und Gernot Schneider) sowie statistischen Daten und historischen Quellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der ökonomischen Voraussetzungen, der systemimmanenten Probleme in Form von Informations- und Anreizdefiziten sowie der negativen Auswirkungen externer Handelssanktionen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Planwirtschaft, asymmetrische Information, Anreizproblem, Technologieembargo und die künstliche Aufrechterhaltung des DDR-Systems.
Welche Rolle spielte die Bodenreform für die wirtschaftliche Situation?
Die Bodenreform von 1945 zersplitterte große, effiziente Betriebe, was die landwirtschaftliche Produktivität von Beginn an negativ beeinflusste.
Warum war das Mikroelektronikprogramm der DDR so kostspielig?
Da moderne Technologien aufgrund des Embargos nicht importiert werden durften, musste die DDR diese illegal beschaffen und unter hohem Kostenaufwand nachbauen, was die Staatsverschuldung massiv erhöhte.
- Quote paper
- Sonja Kaupp (Author), 2010, Die Haupthindernisse für die erfolgreiche Entwicklung der DDR-Wirtschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/180019