Konrad III. war der erste deutsche König, der das Kreuz nahm: Zusammen mit dem französischen König Ludwig nahm er am Zweiten Kreuzzug von 1147-1149 teil. Im Gegensatz zum gemeinen Kreuzfahrer hatte er sich nicht nur um die üblichen Kreuzzugsvorkehrungen zu kümmern, sondern auch um die Verflechtung eines Kreuzzuges mit der Innen- und Europapolitik.
Mit Welf VI. hatte er sich einen Feind gemacht, der seine Abwesenheit sicherlich ausnutzen würde und falls er im Osten sterben sollte, konnte er sich auch nicht mehr um eine Nachfolgeregelung kümmern. Zudem benötigte Papst Eugen III. in Italien seine Hilfe, da er aus Rom vertrieben worden war. All diese Dinge musste er vor seiner Abreise klären, sodass diese Zeit die eigentliche Herausforderung darstellte. Was auf dem langen Weg in Heilige Land passieren würde, das lag ganz allein in Gottes Hand - doch für sein Reich war er verantwortlich.
In dieser Arbeit soll nun untersucht werden, was Konrad zur Kreuznahme veranlasste, wie der Konflikt mit Welf VI. entstanden war und sich entwickelt hatte, und was der König unternahm, um sein Reich trotz dieser Fehde und trotz des Anliegens des Papstes mit gutem Gewissen verlassen zu können. Dabei soll auch die diplomatische Rolle Bernhard von Clairvaux’ näher untersucht werden, der sowohl Welf als auch Konrad zur Kreuznahme bewegte.
Bei der Quellenarbeit wurde sowohl eine Stauferchronik als auch eine der Welfen berücksichtigt, zudem eine Schrift von Bernhard von Clairvaux. Die Quellen sollen an dieser Stelle kurz vorgestellt werden.
Es liegen uns zunächst die Gesta Frederici von Otto von Freising vor, der selbst am Zweiten Kreuzzug teilgenommen hat und diese Chronik auf Wunsch von Friedrich Barbarossa schrieb. Sie enthält unter anderem den Kreuzzugsaufruf von Bernhard von Clairvaux, der in dieser Arbeit der Kreuzzugsbulle von Papst Eugen III. gegenüberstellt werden soll, die nach ihren Anfangsworten Quantum praedecessores benannt ist.
Die von Bernhard von Clairvaux selbst verfasste fünfbändige Schrift De consideratione wurde auf Drängen von seinem Ordensbruder Papst Eugen III. von 1149 bis 1153 verfasst und sollte dem Papst zur Gewissensforschung dienen.
Die Historia Welforum, um 1170 entstanden, zeigt die Geschichte aus der Perspektive des welfischen Adelgeschlechts, welches sich oft in Konflikt mit den Staufern befand.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ausgangssituation
2.1 Situation in der Levante nach dem Ersten Kreuzzug
2.2 Konrad III. und die Welfen
2.3 Konrad III. und Papst Eugen III.
3. Vom Aufruf zur Kreuznahme
3.1 Kreuzzugsbulle
3.2 Bernhard von Clairvaux
3.3 Kreuznahme und diplomatische Vorbereitungen
4. Verlauf des Kreuzzuges
5. Ergebnis des Kreuzzugs und Reaktionen
6. Konrads Verhältnis zu Eugen III. und Welf VI. nach dem Kreuzzug
7. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die innen- und europapolitischen Herausforderungen von König Konrad III. im Kontext seiner Teilnahme am Zweiten Kreuzzug. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie es dem König gelang, seine Herrschaft und die dynastische Erbfolge trotz politischer Konflikte, insbesondere der Fehde mit den Welfen, vor seinem Aufbruch ins Heilige Land zu sichern und welche Rolle die diplomatischen Bemühungen Bernhard von Clairvaux’ dabei spielten.
- Die politische Ausgangslage in der Levante und im Heiligen Römischen Reich
- Konrads Konflikt mit Welf VI. und die Bemühungen zur dynastischen Sicherung
- Die diplomatische Rolle Bernhard von Clairvaux’ bei der Mobilisierung zum Kreuzzug
- Die Kreuzzugsbulle „Quantum praedecessores“ als rechtliche und religiöse Grundlage
- Der Verlauf des Kreuzzuges sowie die Bewertung seines Scheiterns
Auszug aus dem Buch
3.1 Kreuzzugsbulle
Es ist Gegenstand historischer Debatten, ob der Impuls zum Zweiten Kreuzzug von König Ludwig VII. oder Papst Eugen III. ausging. Wenn man den Gesta Frederici Glauben schenkt, so war es Ludwig, der den entscheidenden Schritt tat: „[…] Ludwig [hatte] insgeheim den Wunsch, nach Jerusalem zu ziehen, und weil sein Bruder Philipp, der sich dazu durch ein entsprechendes Gelübde verpflichtet hatte, vorher gestorben war, wollte er sein Vorhaben nicht länger hinausschieben […]. Der Abt [Bernhard von Clairvaux] wurde also berufen, und man forderte von ihm einen Rat betreffs der erwähnten Absicht des Königs. Jener aber hielt es für anmaßend, über eine so wichtige Angelegenheit eine Antwort nach seinem persönlichen Gutdünken zu erteilen, und erklärte, es sei das Beste, sie dem Papst mitzuteilen und zur Prüfung vorzulegen. […] Dieser erwog das Vorbild seiner Vorgänger […] und stimmte daher um der Ausbreitung der christlichen Religion willen dem Wunsche des Königs zu; dem genannten Abt, der bei allen Franzosen und Deutschen als Prophet und Apostel galt, erteilte er die Vollmacht, zu predigen und die Herzen aller für diesen Zug zu begeistern.“ (36, S. 201)
Hier wird deutlich, dass Bernhard von Clairvaux erkannte, dass es allein in der Autorität des Papstes liegen sollte, einen Kreuzzug auszurufen. Das heißt, selbst wenn Ludwig Eugen III. zuvorgekommen sein sollte, lag es im Interesse des Papstes, schnell eine Kreuzzugsbulle zu verfassen. Diese Bulle überlappte in jedem Fall zeitlich mit Ludwigs Kreuzzugsaufruf an Weihnachten 1145 in Bourges, weswegen man nicht weiß, welches Ereignis dem anderen vorausging. Ludwig gelang es jedoch nicht, den Adel zu mobilisieren. Dies könnte damit zusammenhängen, dass die Bulle, die am 1. Dezember 1145 veröffentlicht wurde, es höchstwahrscheinlich nicht schaffte, innerhalb von drei Wochen den Weg von Vetrella nach Bourges über die Alpen und im tiefsten Winter zurückzulegen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Problematik des Zweiten Kreuzzugs ein und beleuchtet die besondere Lage Konrads III., der als erster deutscher König an einem Kreuzzug teilnahm.
2. Ausgangssituation: Das Kapitel analysiert die politische Situation im Heiligen Land nach dem Ersten Kreuzzug sowie die innenpolitischen Schwierigkeiten Konrads III. im Machtkampf mit den Welfen und seine instabile Beziehung zum Papst.
3. Vom Aufruf zur Kreuznahme: Hier wird die Rolle der Kreuzzugsbulle sowie der diplomatische Einsatz von Bernhard von Clairvaux bei der Mobilisierung sowohl französischer als auch deutscher Herrscher detailliert beschrieben.
4. Verlauf des Kreuzzuges: Dieser Abschnitt behandelt den militärischen Zug des deutschen Heeres, die Schwierigkeiten in Byzanz und Kleinasien sowie das letztlich erfolglose Engagement bei der Belagerung von Damaskus.
5. Ergebnis des Kreuzzugs und Reaktionen: Die Folgen des gescheiterten Kreuzzuges werden kritisch beleuchtet, wobei auch zeitgenössische Deutungen des Misserfolgs als göttliche Strafe oder Prüfung einbezogen werden.
6. Konrads Verhältnis zu Eugen III. und Welf VI. nach dem Kreuzzug: Das Kapitel schildert die weitere Entwicklung der Machtverhältnisse nach der Rückkehr und das endgültige Scheitern der papstnahen politischen Ambitionen Konrads.
7. Schlussbetrachtung: Die Zusammenfassung resümiert die fünf zentralen Herausforderungen, denen sich Konrad III. als König auf Kreuzzug gegenüber sah und bewertet den Kreuzzug abschließend als militärisches Desaster.
Schlüsselwörter
Konrad III., Zweiter Kreuzzug, Welf VI., Papst Eugen III., Bernhard von Clairvaux, Heiliges Römisches Reich, Kreuzzugsbulle, Quantum praedecessores, Historia Welforum, Gesta Frederici, Machtpolitik, Dynastische Erbfolge, Byzanz, Damaskus, Mittelalter.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Herausforderungen für König Konrad III. bei der Organisation und Teilnahme am Zweiten Kreuzzug, insbesondere im Hinblick auf seine innenpolitische Absicherung in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Konflikt mit den Welfen, der Rolle der Kirche und des Papstes, der diplomatischen Vermittlung durch Bernhard von Clairvaux sowie der Problematik der dynastischen Nachfolge.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Konrad III. versuchte, seine Herrschaft im Reich trotz der Belastung durch einen Kreuzzug und laufende Fehden zu stabilisieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer quellenkritischen Analyse zeitgenössischer Chroniken, wie den Gesta Frederici und der Historia Welforum, ergänzt durch moderne historische Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die politische Ausgangslage in der Levante, die diplomatische Mobilisierung durch Bernhard von Clairvaux, den Verlauf des Kreuzzuges und die anschließende Bewertung des militärischen Scheiterns.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Konrad III., Zweiter Kreuzzug, Welf VI., Bernhard von Clairvaux, Papst Eugen III., Machtpolitik und dynastische Erbfolge.
Welchen Einfluss hatte der Konflikt mit Welf VI. konkret auf die Kreuzzugsvorbereitungen?
Der Konflikt zwang Konrad dazu, seine Position in Deutschland dynastisch abzusichern, etwa durch die frühe Wahl seines Sohnes zum Mitregenten, um das Reich während seiner Abwesenheit nicht schutzlos zu hinterlassen.
Wie bewerten die Chronisten das Scheitern des Kreuzzuges?
Zeitgenössische Quellen wie Otto von Freising und Bernhard von Clairvaux deuten das Scheitern meist religiös als Strafe für die Sünden der Christenheit oder als göttliche Prüfung.
- Quote paper
- Sonja Kaupp (Author), 2009, Konrad III. auf Kreuzzug (Der Zweite Kreuzzug), Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/180016