Der Fremdsprachenunterricht an der Berufsschule sollte geprägt sein von kommunikativen und innovativen Unterrichtsmethoden, die Schülerinnen und Schüler motivieren, die erlernte Fremdsprache auch zu gebrauchen. Solche Methoden eröffnen Zugänge zu Inhalten und bahnen Lernsituationen an, bei denen Schülerinnen und Schüler Handlungskompetenzen entwickeln (Esslinger-Hinz, 2007, S. 154). Einige wenige Methoden genügen dafür nicht, die Lehrkraft sollte vielfältige Methoden in ihrem Repertoire zur Verfügung stehen haben.
Der Spruch „Teachers teach as they were taught, not as they were taught to teach“ beschreibt ein Lehrerhandeln, das maßgeblich von den eigenen Lernerfahrungen geprägt wurde (Busian & Pätzold, 2004, S. 2). Nicht alle Lehrerinnen und Lehrer an Berufsschulen hatten das Glück, in den Jahren vor ihrer Matura (bzw. Reifeprüfung) von methodisch exzellent ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrern in einer Fremdsprache unterrichtet worden zu sein. Gerade Berufsschullehrerinnen und –lehrer sind oft Späteinsteiger in den Lehrberuf, eine solide Ausbildung in Unterrichtsmethoden speziell für Fremdsprachen sollte für alle neu eingestellten Lehrkräfte vorgesehen sein.
Das vorliegende Methodentraining in Form eines Seminarkonzepts beschreibt einen möglichen Weg, wie sich Lehrerinnen und Lehrer kollaborativ über praxisnahe Unterrichtsmethoden austauschen können. Dies erfolgt möglichst ressourcenschonend, was Vertretungsstunden, Reisekosten und Abwesenheitszeiten betrifft. Zudem entsteht eine praxisnahe Methodensammlung im Internet, die anderen Kolleginnen und Kollegen ermöglicht, die erprobten Methoden zu verwenden, auch wenn sie am Seminar nicht teilgenommen haben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Rahmenbedingungen der Aus- und Weiterbildung
3 Anforderungsermittlung kollaborativer E-Learning-Fortbildungen
3.1 Problem- und Bedarfsanalyse
3.2 Adressatenanalyse – Lehrkräfte als Seminarteilnehmer
3.3 Wissensanalyse
3.4 Ressourcenanalyse
4 Strategische Konzeption für E-Lehrerfortbildungen
4.1 Zielsetzung und eine Vision
4.2 Systemische Strategieentwicklung
4.2.1 Die Perspektive „Organisation“
4.2.2 Die Perspektive „Mensch“ in Lerngemeinschaften
4.2.3 Die Perspektive „Technik“ - the never ending story
4.3 Förderliche und hemmende Bedingungen
5 Just do it: Die Realisierung der entwickelten Strategie
5.1 Fünf-Phasen-Modell der Wissensschaffung
5.2 Aufbau von Methodenwissen im Blended Learning
5.3 Kooperative Selbstqualifikation
5.4 Lernen durch Reflexion
5.5 Dokumentation und Evaluation
6 Zusammenfassung, Ausblick und ein erster Schritt
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit konzipiert ein kollaboratives Methodentraining für Englischlehrkräfte an österreichischen Berufsschulen, das mittels E-Learning-Elementen eine dezentrale, ressourcenschonende und praxisnahe Fortbildung ermöglicht. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, welche organisatorischen Rahmenbedingungen und Strategien für einen schulübergreifenden Austausch von Methodenwissen notwendig sind und welche Barrieren dabei überwunden werden müssen.
- Entwicklung eines Seminarkonzepts auf Basis von Wissensmanagement-Modellen
- Einsatz von Wikis und Weblogs zur kollaborativen Erstellung einer Methodensammlung
- Systemische Strategieentwicklung unter Berücksichtigung von Organisation, Mensch und Technik
- Verbindung von Blended Learning, Selbstqualifikation und Peer-Reflexion
- Nachhaltige Implementierung durch Lehrer-Tandems und ein frei zugängliches Internet-Methoden-Wiki
Auszug aus dem Buch
4.2.3 Die Perspektive „Technik“- theneverending story
Für das Seminar wird eine elektronische Lernumgebung benötigt, um die zeitliche und räumliche Distanz zwischen den Lernenden zu überbrücken und die Ergebnisse nachhaltig zu sichern.
Simon et al. (2008, S. 717) definieren eine elektronische Lernumgebung als “ein Informationssystem […], das Informationstechnologie zur selbstständigen oder geführten Aneignung von Wissen bereitstellt".Als kritische Erfolgsfaktoren können, neben der Qualität der bereitgestellten Inhalte, die Passung zur Medienpräferenz der Lernenden, die einfache Bedienbarkeit („Usability“) und die technische Zuverlässigkeit bzw. hohe Verfügbarkeit genannt werden (Simon et al., 2008, S. 715).
Weil im Internet immer wieder Dienste entstehen (und vergehen), die eine ungemeine Popularität erreichen (z. B. Facebook) liegt es nahe, diese oder sehr ähnliche Werkzeuge auch für Lernumgebungen zu nutzen. Diese Werkzeuge begünstigen vor allem das informelle Lernen(Böhler et al., 2011, S. 4). Die Gefahr bei Verwendung dieser Internet-Dienste bzw. Werkzeuge ist, dass sie von heute auf morgen geschlossen werden könnten, wie dies beispielsweise mit dem Webserver des kollaborativen Schreib-Tools www.etherpad.com nach dessen Google-Übernahme geschah (Karlhuber&Wageneder, 2011, S. 2). Ein solches Ereignis wäre natürlich ein Worst-Case-Szenario und würde von allen Beteiligten sehr viel Flexibilität erfordern.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung motiviert die Notwendigkeit innovativer Fremdsprachenmethoden an Berufsschulen und stellt das Seminarkonzept eines kollaborativen Austauschs mittels Internet-Werkzeugen vor.
2 Rahmenbedingungen der Aus- und Weiterbildung: Das Kapitel beschreibt das Studium der Berufsschulpädagogik und die aktuelle Situation der Lehrerfortbildung in Österreich, die traditionell durch Einzelplanung und fehlende Koordinierung geprägt ist.
3 Anforderungsermittlung kollaborativer E-Learning-Fortbildungen: Es erfolgt eine detaillierte Bedarfs-, Adressaten-, Wissens- und Ressourcenanalyse, um die Voraussetzungen für ein erfolgreiches Online-Fortbildungsarrangement zu schaffen.
4 Strategische Konzeption für E-Lehrerfortbildungen: Dieses Kapitel erläutert die strategischen Ziele und die systemische Entwicklung unter Einbezug der Perspektiven Organisation, Mensch und Technik sowie der förderlichen und hemmenden Rahmenbedingungen.
5 Just do it: Die Realisierung der entwickelten Strategie: Hier werden die konkreten Umsetzungselemente wie das Fünf-Phasen-Modell, Blended Learning, kooperative Selbstqualifikation sowie Reflexions- und Evaluationsmethoden detailliert dargelegt.
6 Zusammenfassung, Ausblick und ein erster Schritt: Abschließend wird das Konzept kritisch reflektiert und ein erster Schritt für die Umsetzung im Schuljahr 2011/12 empfohlen, um nachhaltige Veränderungen in der Lernkultur zu bewirken.
Schlüsselwörter
Lehrerfortbildung, Berufsschule, Fremdsprachenunterricht, E-Learning, Kollaboratives Lernen, Wissensmanagement, Blended Learning, Lehrer-Tandem, Wiki, Weblogs, Selbstqualifikation, Unterrichtsmethoden, Medienkompetenz, Schulentwicklung, Netzwerke
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit entwickelt ein Seminarkonzept für Englischlehrkräfte an österreichischen Berufsschulen, das den Austausch über Unterrichtsmethoden durch kollaborative E-Learning-Tools wie Wikis und Weblogs professionalisiert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder umfassen die Lehrerfortbildung, die Anwendung von E-Learning zur Wissensvermittlung, das Wissensmanagement in Bildungsorganisationen sowie die Förderung kollaborativer Lernkulturen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, Rahmenbedingungen und Strategien für eine dezentrale, ressourcenschonende Lehrerfortbildung zu identifizieren, die es ermöglicht, Methodenwissen nachhaltig zwischen Lehrkräften auszutauschen.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine fundierte Anforderungsanalyse (nach Niegemann) und zieht theoretische Modelle aus dem Wissensmanagement und dem Blended Learning heran, um das Seminarkonzept systematisch zu begründen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Rahmenbedingungen, die strategische Konzeption (Organisation, Mensch, Technik) sowie die konkrete Realisierungsstrategie mit Modellen wie dem Fünf-Phasen-Modell der Wissensschaffung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind Lehrerfortbildung, kollaboratives Lernen, Wissensmanagement, Blended Learning, Lehrer-Tandem, Unterrichtsmethoden und Medienkompetenz.
Warum wird im Seminarkonzept explizit auf die Arbeit in „Lehrer-Tandems“ gesetzt?
Die Tandem-Bildung soll die soziale Einbindung stärken, die individuelle Verantwortung erhöhen und die Hemmschwelle senken, sich im Netz öffentlich zu präsentieren.
Wie geht das Konzept mit dem Problem der technischen Kurzlebigkeit von Internet-Diensten um?
Der Autor empfiehlt, die technische Infrastruktur (Wiki, Blog etc.) regelmäßig an den aktuellen Stand der Technik anzupassen und betont, dass die didaktische Planung immer vor der technischen Auswahl erfolgen muss.
Welche Rolle nimmt der Seminarleiter in diesem E-Learning-Konzept ein?
Der Trainer fungiert weniger als Wissensvermittler, sondern primär als Moderator und qualitätssichernde Instanz, die den kollaborativen Prozess durch Impulse und Feedback-Strukturen steuert.
Was ist das angestrebte Endprodukt des Seminarkonzepts?
Es soll ein praxisnahes Methoden-Wiki entstehen, das nicht nur den Teilnehmern als Ressource dient, sondern auch Außenstehenden zur Verfügung gestellt werden kann.
- Arbeit zitieren
- Dipl.-Päd. Werner Prüher (Autor:in), 2011, Kollaboratives Fremdsprachen-Methodentraining für Pädagogen an österreichischen Berufsschulen , München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/179877