Das Essay untersucht, wie die Parteienkonstellation sowie die förderale Struktur auf die Luftreinhaltepolitik wirkt. Dabei werden ideologische Kriterien sowie institutionelle Charakteristka als Erklärungsvariablen herangezogen und anhand von Gesetzgebungsprojekten veranschaulicht.
Inhaltsverzeichnis
1. Institutionelle Determination der Umweltpolitik
2. Parteien
3. Föderalismus
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Zusammenspiel von politischen Parteien und der föderalen Struktur der USA im Kontext der Luftreinhaltepolitik, mit einem besonderen Fokus auf die Mechanismen der Gesetzgebungsprozesse und die Rolle von Vetospielern.
- Institutionelle Rahmenbedingungen der US-Umweltpolitik
- Einfluss parteipolitischer Strategien und Kohäsion auf den Policy-Output
- Rolle von Vetospielern und "divided government" bei Umweltgesetzen
- Dynamik der vertikalen Politikkoordinierung zwischen Bund und Gliedstaaten
- Innovationen und "lock-in"-Effekte durch einzelstaatliche Regulierungen
Auszug aus dem Buch
Institutionelle Determination der Umweltpolitik
Die institutionellen Rahmenbedingungen der Umweltpolitik in den USA unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht von denen in der BRD. Zunächst verfügen die USA nicht über eine so stringente Kompetenzzuweisung an Bund und Gliedstaaten wie sie in der BRD über die Verfassung geregelt ist. Ein Umweltministerium existiert nicht. Im Jahre 1970 wurde mit dem Clean Air Act (CAA) die Environmental Protection Agency (EPA) geschaffen, die über vom Kongress zugewiesene regulatorische Kompetenzen verfügt und dessen Leiter zwar vom Präsidenten ernannt, aber kein Mitglied des Kabinetts ist. Zudem, ist keine grüne Partei im Parteiensystem integriert und somit sind nur die Republikaner und die Demokratische Partei maßgeblich am Policy-Prozess beteiligt.
Insgesamt hat die Bundesebene in den USA den größten Einfluss auf die Luftreinhaltepolitik, da die EPA mit der Kompetenz ausgestattet ist, verbindliche Vorgaben für alle Staaten zu treffen. Die EPA wird mit diesen Kompetenzen per Gesetz durch den Kongress dazu ermächtigt.
Die Programmatik der beiden Parteien ist stark auf marktwirtschaftliche Prinzipien ausgerichtet. Die Demokraten haben jedoch insgesamt eine stärkere Akzentuierung von umweltschonenden Maßnahmen als die Republikaner. Vergleicht man den „mean score“ der Verankerung von umweltfreundlichen Prinzipien auf Grundlage des Comparative Manifesto Projects (CMP), so haben die Demokraten mit einem Wert von 5 im Jahr 2000 einen deutlichen höheren als die Republikaner (2,03). Bei Betrachtung der Stimmanteile für Umweltgesetzgebung fällt auf, dass in beiden Kammern des Kongresses, Ausgaben für Umweltgesetze leicht stärker durch Demokraten im Untersuchungszeitraum von 1973 bis 1992 befürwortet wurden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Institutionelle Determination der Umweltpolitik: Dieses Kapitel beschreibt die strukturellen Besonderheiten des US-amerikanischen Umweltschutzes, insbesondere das Fehlen eines Ministeriums und die Rolle der EPA im Vergleich zur deutschen Rechtslage.
2. Parteien: Das Kapitel analysiert, wie parteipolitische Interessen, Koalitionsbildungen und Vetospieler-Strukturen (insbesondere am Beispiel des Clean Air Act 1990) den Erfolg von Umweltgesetzgebungen beeinflussen.
3. Föderalismus: Hier wird die Rolle der Gliedstaaten als politische Innovatoren und Agenda-Setter beleuchtet, die eigenständige Regulierungen vornehmen, wenn die Bundesebene blockiert ist.
Schlüsselwörter
Luftreinhaltepolitik, USA, Clean Air Act, EPA, Föderalismus, Vetospieler, Parteiensystem, Umweltgesetzgebung, Politische Kohäsion, Gesetzgebungsprozess, Policy-Stabilität, Gliedstaaten, Emissionsstandards, Agenda-Setting, Vertikale Politikkoordinierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie die politischen Institutionen der USA, insbesondere das Parteiensystem und die föderale Struktur, die Luftreinhaltepolitik und deren Gesetzgebungsprozesse bestimmen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den Kernbereichen zählen die Machtverteilung zwischen Bund und Gliedstaaten, die parteipolitische Einflussnahme auf Umweltstandards sowie die Analyse des Gesetzgebungserfolgs unter Bedingungen eines "divided government".
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie unterschiedliche Strategien der Vetospieler und die Kohäsion innerhalb der Parteien den Output von Umweltgesetzen beeinflussen und welche Rolle die Staaten dabei einnehmen.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit nutzt die Veto-Spieler-Theorie zur Analyse der Gesetzgebungsprozesse sowie den Vergleich politischer Programme anhand von Daten des Comparative Manifesto Projects (CMP).
Welche inhaltlichen Schwerpunkte liegen im Hauptteil?
Im Hauptteil werden institutionelle Besonderheiten, die Analyse von Gesetzgebungsverfahren (z.B. Clean Air Act Amendments 1990) und die Innovationskraft der Gliedstaaten bei Umweltstandards behandelt.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Vetospieler, Clean Air Act, Föderalismus, EPA, Policy-Stabilität und Parteiprogrammatik.
Wie beeinflusst das Fehlen einer "grünen" Partei das US-Parteiensystem in der Umweltpolitik?
Das Fehlen einer grünen Partei führt dazu, dass Umweltbelange ausschließlich über die beiden großen Parteien (Demokraten und Republikaner) verhandelt werden, was deren unterschiedliche marktwirtschaftliche Akzentuierung in den Vordergrund rückt.
Warum wird die Rolle der Gliedstaaten als besonders relevant für die Umweltpolitik hervorgehoben?
Da die Bundesebene bei bestimmten Themen wie CO2-Emissionen oft blockiert ist, fungieren die Gliedstaaten als wichtige Innovatoren, die eigenständige Standards setzen und durch Experimente "lock-in"-Effekte erzeugen können.
- Arbeit zitieren
- Julian Ostendorf (Autor:in), 2011, Parteien und Föderalismus in der Luftreinhaltepolitik der USA, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/179855