Bildung ist in der heutigen Wissensgesellschaft zum wichtigsten Rohstoff geworden und ist gleichzeitig die Grundlage, auf der jeder Einzelne seine Zukunft aufbaut. Alle Mitglieder der Gesellschaft sollen Teil an ihr haben. Der Bildungserwerb beginnt in den Familien, setzt sich in Kindergärten und vorschulischen Einrichtungen, in allen Schulstufen und Schulformen sowie in den Hochschulen fort und endet eigentlich nie, wenn man das Schlagwort vom lebenslangen Lernen ernst nimmt.
Die ständig wachsende Bedeutung lebenslangen Lernens begründet sich auch aus den kurzen Innovationszyklen, welche für unsere heutige wettbewerbsbasierte Wissensgesellschaft charakteristisch sind.
Der Europäische Qualifikationsrahmen (EQR) sowie der darauf aufbauende Entwicklungsprozess des Deutschen Qualifikationsrahmens für lebenslanges Lernen (DQR) sind Ergebnisse aktueller bildungspolitischer Interaktionen mit dem Ziel, allumfassendes lebenslanges Lernen, Durchlässigkeit, Chancengleichheit und Mobilität zu ermöglichen.
Ziel der vorliegenden Seminararbeit ist es, den Deutschen Qualifikationsrahmen sowie seinen Entwicklungsprozess unter Berücksichtigung seiner Potenziale und Schwächen aus Sicht der verschiedenen Anspruchsgruppen darzustellen.
Der nach der ersten Erarbeitungsphase vorgelegte Diskussionsvorschlag eines Deutschen Qualifikationsrahmens soll den Schwerpunkt dafür bilden.
Die zweite Entwicklungsphase ist gegenwärtig noch nicht abgeschlossen. Die Aufnahme einiger Aspekte der jüngsten Diskussionen in diese Arbeit sollen die Aktualität sowie die politische Brisanz des Themas noch einmal verdeutlichen.
Inhaltsverzeichnis
1 Abgrenzung der Themenstellung
2 Definitionen
3 Der Europäische Qualifikationsrahmen
4 Der Deutsche Qualifikationsrahmen
4.1 Ziele und Forderungen
4.2 Erarbeitungsphase I
4.3 Diskussionsvorschlag
4.4 Erarbeitungsphase II
4.5 Kritik und aktuelle Diskussion
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, den Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) sowie dessen komplexen Entwicklungsprozess unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Interessenlagen verschiedener Anspruchsgruppen zu analysieren und darzustellen. Dabei steht die Untersuchung der Potenziale und Schwächen des Modells sowie die aktuelle bildungspolitische Debatte im Vordergrund.
- Grundlagen des Europäischen Qualifikationsrahmens (EQR)
- Ziele und Reformbedarf des deutschen Bildungssystems
- Analyse der DQR-Erarbeitungsphasen
- Diskurs um den Kompetenzbegriff und die Matrix-Struktur
- Kritische Würdigung des aktuellen Diskussionsstandes
Auszug aus dem Buch
4.2 Erarbeitungsphase I
Die Entwicklung des DQR ist, wie aus den vielschichtigen Zielen bereits ersichtlich, ein Prozess, der auf einem breiten Dialog zwischen Regierung, Parlament, Sozialpartnern, Bildungsträgern, Verbänden und Öffentlichkeit aufbauen muss. In diesem Sinne wurde sowohl eine Bund-Länder-Koordinierungsgruppe Deutscher Qualifikationsrahmen (B-L-KG DQR) zur Steuerung des Erarbeitungsprozesses als auch ein Arbeitskreis Deutscher Qualifikationsrahmen (AK DQR) einberufen. Der AK DQR dient der Einbeziehung relevanter Akteure wie z. B. der Einrichtungen der Hochschulbildung und der beruflichen Bildung, Sozialpartner und Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Den Auftakt des Diskussionsprozesses bildete eine Tagung im Jahr 2008, in der die Kernpunkte und Grundgedanken, welche durch den EQR bereits impliziert wurden, in verschiedenen Foren diskutiert wurden. Im weiteren Verlauf unterbreiteten die deutsche Wirtschaft und der DGB Vorschläge zur Ausgestaltung eines Deutschen Qualifikationsrahmens, die sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede aufwiesen.
So weist der DGB eine ausschließliche Outcome-Orientierung entschieden zurück. In Anbetracht des vorrangig auf Employability abzielenden Kompetenzbegriffs der Europäischen Union wird befürchtet, dass eine solche Outcome-Orientierung ein Lernen ohne gesellschaftliche Planung und Verantwortung sowie ohne gesellschaftspolitisch-emanzipatorische Zielsetzungen fördern würde. Gesellschaftlich normierte und standardisierte Lernwege dürften nicht durch vorrangig marktorientierte Lernvorgaben ersetzt werden, da sonst durch Fragmentierung von Bildungsgängen die Beruflichkeit gefährdet würde.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Abgrenzung der Themenstellung: Einführung in die Bedeutung lebenslangen Lernens und Darstellung der Zielsetzung der Seminararbeit hinsichtlich des DQR-Entwicklungsprozesses.
2 Definitionen: Erläuterung zentraler Begriffe wie Fertigkeiten, formelles und informelles Lernen, Lernergebnisse und Qualifikationen als Basis für das Verständnis der Arbeit.
3 Der Europäische Qualifikationsrahmen: Analyse der Hintergründe und Ziele des EQR als europäisches Übersetzungsinstrument zur Förderung von Transparenz und Mobilität.
4 Der Deutsche Qualifikationsrahmen: Umfassende Untersuchung der Genese des DQR, seiner Ziele, der verschiedenen Erarbeitungsphasen und der damit verbundenen politischen sowie fachlichen Diskurse.
4.1 Ziele und Forderungen: Darlegung der nationalen Zielsetzungen des DQR, wie die Verbesserung der Durchlässigkeit, Gleichwertigkeit und Wettbewerbsfähigkeit.
4.2 Erarbeitungsphase I: Beschreibung des frühen Erarbeitungsprozesses unter Einbeziehung verschiedener Akteure sowie die unterschiedlichen Positionierungen von Wirtschaft und Gewerkschaften.
4.3 Diskussionsvorschlag: Präsentation des DQR-Zwischenstandes von Februar 2009 und Erläuterung der achtstufigen Matrix sowie der Bedeutung des Kompetenzbegriffs.
4.4 Erarbeitungsphase II: Erörterung der zweiten Phase der DQR-Entwicklung, die sich auf die exemplarische Zuordnung von Qualifikationen und die Überprüfung der Praxistauglichkeit konzentriert.
4.5 Kritik und aktuelle Diskussion: Zusammenfassung der kritischen Stimmen aus Fachöffentlichkeit und Politik bezüglich der Transparenz, der Einbeziehung non-formaler Lernformen und der Komplexität des Instruments.
5. Fazit: Resümee über die absehbaren Auswirkungen des DQR und den entstehenden Veränderungsdruck für das deutsche Bildungssystem.
Schlüsselwörter
Deutscher Qualifikationsrahmen, DQR, Europäischer Qualifikationsrahmen, EQR, lebenslanges Lernen, Handlungskompetenz, Lernergebnisse, Bildungsreform, Berufsbildung, Qualitätssicherung, Transparenz, Durchlässigkeit, Zertifizierung, Kompetenzbegriff, Fachkompetenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Entwicklung und Darstellung des Deutschen Qualifikationsrahmens (DQR) als bildungspolitisches Instrument im Kontext der europäischen Anforderungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Schnittstelle zwischen beruflicher und allgemeiner Bildung, der Definition von Kompetenzen, den Herausforderungen des lebenslangen Lernens und der praktischen Erprobung des DQR.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Entwicklungsprozess des DQR nachzuzeichnen und die unterschiedlichen Potenziale sowie kritischen Aspekte aus der Sicht relevanter Anspruchsgruppen zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse aktueller bildungspolitischer Dokumente, Stellungnahmen beteiligter Akteure und wissenschaftlicher Fachpublikationen zum DQR-Prozess.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des EQR, die Zielsetzungen des DQR, die verschiedenen Erarbeitungsphasen, den Diskussionsentwurf der Matrix sowie eine kritische Analyse der aktuellen Debatte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen DQR, EQR, lebenslanges Lernen, Handlungskompetenz, Lernergebnisse und berufliche Bildung.
Warum kritisieren Akteure wie die Hochschulrektorenkonferenz den DQR?
Die Kritik richtet sich unter anderem gegen unklare Begriffsdefinitionen und Graduierungsparameter, die eine sachlogische Zuordnung erschweren und zu einer politischen statt fachlichen Orientierung führen könnten.
Welche Rolle spielt das informelle Lernen im DQR?
Das informelle Lernen wird als Chance für die Anerkennung individueller Fähigkeiten gesehen, wobei jedoch ein grundlegendes Problem im Fehlen operationalisierter Verfahren zur Zertifizierung und Validierung besteht.
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- Katharina Friederike Sträter (Author), 2010, Der Deutsche Qualifikationsrahmen - Darstellung und Entwicklung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/179834