Sprache und Gespräche sind allgegenwärtig. Jeder von uns befindet sich mehrmals täglich in Kommunikationsprozessen, sei es in der Straßenbahn, im Büro oder zuhause mit dem Partner. Beginnend bei den strahlenden Mutteraugen lernt der Mensch mit dem ersten Wort „Mama“, dass Sprache etwas sehr wichtiges ist, etwas, das Emotionen hervorruft. Durch empirisch belegte Sprachentwicklung verfolgt die medizinische Fachkraft den sprachlichen Werdegang des Zöglings und stellt Mängel oder Förderungsbedarf fest. So sollten alle Buchstaben bis zum Schuleintritt richtig ausgesprochen und leichte Sätze formuliert werden können. Doch reicht dies allein schon aus?
Der Kommunikationswissenschaftler Schulz von Thun hat sich mit der Vielseitigkeit der menschlichen Kommunikation tiefgehend auseinander gesetzt. Das Kommunikationsquadrat ist das bekannteste und inzwischen auch am weitesten verbreitete Modell von ihm. Bekannt geworden ist dieses Modell auch als „Vier-Ohren-Modell“, welches die vier Ebenen der menschlichen Kommunikation beschreibt. Es ist also nicht nur wichtig, was wir sagen, sondern auch wie wir etwas sagen und der Empfänger unsere Mitteilungen versteht und interpretiert. Bei all den komplexen Theorien und Interpretationsmöglichkeiten des Gegenübers stellte sich mir schon immer die Frage: Wo lernt man, „richtig“ zu kommunizieren? Wie kann man Gespräche tatsächlich bewusst steuern?
Auch mein Kommilitone Alexander Schwalm und ich hielten im Rahmen des Seminars ein dreistündiges Referat. Dabei behandelten wir die neun Eskalationsstufen nach Friedrich Glasl, veranschaulicht anhand von Filmausschnitten. Auf diese und Glasls Definition von Konflikt, sowie zwei Modelle der Konfliktdiagnose wird nun im weiteren Verlauf des Portfolios näher eingegangen. Dabei stellt Glasl Buch Konfliktmanagement. Ein Handbuch für Führungskräfte und Berater durchgängig meine Hauptliteratur dar. Des Weiteren werden die vorgestellten neun Eskalationsstufen, wie auch im Referat, beispielhaft mit Ausschnitten des Films Der Rosenkrieg (1989) von Danny DeVito illustriert. Zum Schluss erfolgt eine Zusammenfassung, verbunden mit einer weiterführenden Reflexion.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Konfliktmanagement nach F. Glasl
2.1 Sozialer Konflikt
2.2 Konfliktdiagnose
2.2.1 Typologisierung nach Streitgegenständen
2.2.2 Typologisierung nach Erscheinungsformen
2.3 Phasenmodell der Eskalation
3. Filminterpretation
3.1 Stufe eins: Verhärtung
3.2.2 Stufe zwei: Verbale Gewalt
3.2.3 Stufe drei: Taten statt Worte!
3.2.4 Stufe vier: Sorge um Image und Koalition
3.2.5 Stufe fünf: Gesichtsverlust
3.2.6 Stufe sechs: Drohstrategien
3.2.7 Stufe sieben: Begrenzte Vernichtungsschläge
3.2.8 Stufe acht: Zersplitterung
3.2.9 Stufe neun: Gemeinsam in den Abgrund
4. Schluss
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist es, das Eskalationsmodell nach Friedrich Glasl theoretisch zu durchdringen und dessen praktische Anwendung anhand einer detaillierten Filmanalyse zu veranschaulichen. Die Forschungsarbeit setzt sich dabei kritisch mit der Dynamik von Konflikten auseinander, um aufzuzeigen, wie scheinbar funktionierende Partnerschaften schleichend in destruktive, eskalierende Prozesse münden können.
- Theoretische Fundierung des Konfliktmanagements nach Friedrich Glasl.
- Detaillierte Analyse der Konfliktdiagnose und Eskalationsstufen.
- Praxisnahe Veranschaulichung der Eskalationsphasen anhand des Films "Der Rosenkrieg".
- Reflexion über die Rolle der Kommunikation und Selbstkonfrontation in Konflikten.
Auszug aus dem Buch
3.2.9 Stufe neun: Gemeinsam in den Abgrund
Diese Hemmungen fallen in Stufe neun. Nun erscheint der Einsatz aller verfügbaren Gewalt als bedenkenlos: „Alle Knöpfe der Vernichtungsmaschine werden gleichzeitig gedrückt“ (ebd., S. 278). Der Tod des Gegners wird als Genugtuung erfahren, auch wenn man dabei selbst das Leben verliert. Das Endziel ist gezeichnet durch den Triumph im eigenen Untergang, dass das Überleben des Gegners um jeden Preis verhindert wurde (vgl. ebd., S. 278f.).
Im Film ist diese Stufe wie folgt zu erkennen: Während einer Verfolgungsjagd im finsteren Haus springt Barbara auf den Kronleuchter, welcher nicht mehr fest in der Fassung sitzt, da sie ihn zuvor manipuliert hatte, um Oliver zu ermorden. Oliver lässt jedoch nicht locker und versucht, mit einem Brecheisen Barbara herunterzuholen. Barbara sagt: „Er reißt dich mit. Er ist viel zu schwer“ (109:40, Kapitel 13). Doch Oliver versucht es weiterhin und bleibt im Kronleuchter hängen. Gemeinsam stürzen sie in den Abgrund und damit in ihren Tod. Oliver nahm in Kauf, dass er hängen bleibt, nur um Barbara weiter zu schaden. Er war bereit, sein Leben zu geben, nur um sie zu töten.
Selbst in der Schlussszene des eigentlichen Films gibt es für beide keine Versöhnung. Selbst im Moment des Sterbens stößt Barbara die Hand ihres Mannes, welche er auf ihre Schulter gelegt hatte, weg (vgl. 106:00 bis 114:35, Kapitel 13).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Allgegenwärtigkeit von Kommunikation und begründet das Interesse an pädagogischer Gesprächsführung sowie Konfliktmanagement im akademischen Kontext.
2. Konfliktmanagement nach F. Glasl: Dieses Kapitel definiert den sozialen Konflikt, erläutert Methoden der Konfliktdiagnose und führt in das Phasenmodell der Eskalation ein.
3. Filminterpretation: Hier wird der Film "Der Rosenkrieg" systematisch analysiert, um die neun Eskalationsstufen nach Glasl beispielhaft zu illustrieren.
4. Schluss: Der Schluss reflektiert die gewonnenen Erkenntnisse über die pädagogische Beratertätigkeit und betont die Bedeutung von Selbstreflexion sowie Mut zur Auseinandersetzung in Konflikten.
Schlüsselwörter
Konfliktmanagement, Friedrich Glasl, Eskalationsstufen, Konfliktdiagnose, Pädagogische Gesprächsführung, Der Rosenkrieg, Win-win, Lose-lose, Kommunikation, Selbstreflexion, Soziale Interaktion, Konfliktdynamik, Beratung, Gewaltfreie Kommunikation, Krisenintervention.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Phasenmodell der Konflikteskalation nach Friedrich Glasl und überträgt die theoretischen Konzepte auf die Filmanalyse des Spielfilms "Der Rosenkrieg".
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind Konfliktdiagnose, Eskalationsstufen, die Dynamik zwischenmenschlicher Konflikte und die Möglichkeiten sowie Grenzen des Konfliktmanagements.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die theoretischen neun Stufen der Eskalation nach Glasl durch konkrete Filmszenen praxisnah greifbar und verständlich zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse zur theoretischen Fundierung des Konfliktmanagements und wendet diese im Sinne einer interpretativen Filmanalyse auf das gewählte Beispiel an.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden neben der theoretischen Einführung in das Modell von Glasl jede der neun Eskalationsstufen definiert und unmittelbar mit Handlungen der Protagonisten aus "Der Rosenkrieg" verknüpft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Eskalationsmodell, Konfliktdynamik, pädagogische Gesprächsführung und die praktische Konfliktanalyse im filmischen Kontext definiert.
Warum wird gerade "Der Rosenkrieg" als Fallbeispiel gewählt?
Der Film verdeutlicht extrem anschaulich, wie eine Partnerschaft stufenweise in eine destruktive Lose-lose-Situation abgleiten kann, was ihn zum idealen Anschauungsobjekt für Glasls Modell macht.
Ab wann ist laut Arbeit eine professionelle Intervention im Konflikt schwierig?
Die Arbeit verdeutlicht, dass eine erfolgreiche Konfliktlösung durch Mediatoren oder Trainer in der Regel nur in den ersten drei Eskalationsstufen möglich ist, bevor die Parteien in irrationale, destruktive Verhaltensmuster abgleiten.
- Arbeit zitieren
- Jasmin Nicole Schmid (Autor:in), 2011, Konfliktmanagement nach Friedrich Glasl. Dargestellt am Film "Der Rosenkrieg", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/179464