In ihrem „Sex and the City-Führer“ die Stadt, der Sex und die Frauen sprechen Christian Lukas und Sascha Westphal davon, dass einige Staffeln der Serie „das Genre der Sitcom noch einmal neu definiert haben“. Es häufen sich Aussagen, wie, dass sich die „Art und Weise der Inszenierung von Serien wie Sex and the City (…) kaum mit den von Sitcoms aus den achtziger oder womöglich sogar den siebziger Jahren vergleichen (lässt)“ oder, dass „sich die Autoren (…) (häufig) an ein Thema wagen, das sich nur bedingt für eine Sitcom eignet“.
Lukas und Westphal stellen jedoch nie in Frage, dass es sich bei „Sex and the City“ um eine Sitcom handelt. Die Deklaration der Serie in dieses Genre wird trotz zahlreicher kritischer Äußerungen kein einziges Mal angezweifelt.
Bei der Ermittlung der Frage, inwiefern sich „Sex and the City“ von den Merkmalen einer Sitcom distanziert, sollte es adäquat sein, dieser Frage eine andere voranzustellen: was zeichnet eine Sitcom eigentlich aus?
Inhaltsverzeichnis
1. Das Defizit einer Definition von „Sitcom“
2. Die Kriterien einer Sitcom
2.1. Die Entwicklung der Sitcom
2.2. Die technischen Kriterien einer Sitcom
2.3. Die dramaturgischen Kriterien einer Sitcom
2.4. Die Figuren einer Sitcom
3. Die Serie Sex and the City als Sitcom?
3.1. Die technischen Kriterien in Sex and the City
3.2. Die dramaturgischen Kriterien in Sex and the City
3.3. Die Figuren in Sex and the City
3.3.1. Samantha Jones
3.3.2. Miranda Hobbes
3.3.3. Charlotte York
3.3.4. Carrie Bradshaw
4. Die Inkompatibilität zwischen Definitionsmerkmalen und Serie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Anwendbarkeit des Genres „Sitcom“ auf die US-amerikanische Serie „Sex and the City“, indem sie klassische definitorische Kriterien der Sitcom erarbeitet und diese kritisch auf die erzählerischen, technischen und inhaltlichen Strukturen der Serie überträgt.
- Herleitung definitorischer Merkmale des Sitcom-Genres (Technik, Dramaturgie, Figuren).
- Detaillierte Analyse der Serie „Sex and the City“ hinsichtlich der Sitcom-Konventionen.
- Untersuchung der zirkulären Dramaturgie und der Fallstruktur im Kontext der Serienentwicklung.
- Kritische Reflexion über die Genrezugehörigkeit (Sitcom vs. Dramedy).
Auszug aus dem Buch
2.4. Die Figuren einer Sitcom
Betrachtet man sich die repräsentativen Figuren einer Sitcom, so sieht man „Personen in ihrem Alltag (…), die als Charaktere eigenartig sind und witzig wirken.“ Dabei ist der Humor einer Sitcom-Figur von entscheidender Bedeutung: Diderot erkannte bereits im achtzehnten Jahrhundert, dass der beste Schauspieler der ist „the one who feels the least emotion and moves the audience by remaining unmoved himself.“ Um also das Publikum zum Lachen zu bringen, „the comedian should not laugh himself.“ Dieser Meinung schließen sich Eschke und Bohne mehr oder weniger an, indem sie meinen, das „Verlachen der Figur (sei) durch Distanz zu ihr dominiert“. In dem Zusammenhang ist auch Henri Bergson davon überzeugt, dass „das Lachen (…) meist mit einer gewissen Empfindungslosigkeit verbunden (ist)“, woraus man schlussfolgern kann, dass niemand eine Figur lustig findet, sobald er Mitleid für diese empfindet. Der Effekt einer Sitcom soll schließlich folgender sein: „laughter, and the feeling that all is well with the world, that our problems are not important, and that they are not insurmountable.“
Parallel zu ihrer Komik haben die Figuren einer Sitcom und auch allgemein von Serien häufig einen Grundkonflikt, welcher den Plot ausmacht. Bei George Constanza aus Seinfeld ist dies beispielsweise das Motiv, eine Frau zu treffen, die ihn attraktiv findet.
Wichtig ist jedoch hierbei, dass die einzelnen Charaktere keine Wandlung durchleben. Sie werden immer versuchen, ihre Probleme auf dieselbe Art zu lösen, was mitunter ihre Charakterzüge auszeichnet. Eschke und Bohne meinen hierzu: „(…) (the) better the characters in a show have been defined by the people who created them and by those who wrote the first season of episodes, the easier it is to predict exactly how the characters will react to trouble (or to anything else).“
Das bedeutet, eine Sitcom-Figur zeichnet sich durch ihre Komik, ihren Grundkonflikt und ihren stagnierenden Charakter aus.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Das Defizit einer Definition von „Sitcom“: Das Kapitel thematisiert die Schwierigkeit, eine wissenschaftlich allgemeingültige Definition des Begriffs „Sitcom“ zu finden, und skizziert das methodische Vorgehen der Arbeit.
2. Die Kriterien einer Sitcom: Hier werden zentrale Merkmale des Genres, wie die begrenzte Episodendauer, die technische Ausstattung sowie die zirkuläre Dramaturgie und die statische Figurenzeichnung, hergeleitet.
3. Die Serie Sex and the City als Sitcom?: Dieser Hauptteil prüft die zuvor definierten Kriterien an der Serie „Sex and the City“ und analysiert detailliert die Abweichungen in Technik, Handlungsaufbau und Charakterentwicklung.
4. Die Inkompatibilität zwischen Definitionsmerkmalen und Serie: Das Fazit stellt fest, dass die Serie aufgrund struktureller Brüche, insbesondere ab der dritten Staffel, nur bedingt als klassische Sitcom einzuordnen ist und eher Merkmale einer Dramedy aufweist.
Schlüsselwörter
Sitcom, Sex and the City, Dramaturgie, Genredefinition, Fernsehserie, Fallstruktur, zirkuläre Erzählweise, Charakterstagnation, Humor, Komik, US-Fernsehen, HBO, Dramedy, Serienanalyse, Medienwissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, ob die populäre Serie „Sex and the City“ korrekt als Sitcom klassifiziert werden kann, indem sie die Serie an den gängigen theoretischen Definitionen und Merkmalen dieses Genres misst.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die technischen Produktionsstandards (wie Kameraführung und Sets), die dramaturgische Struktur (Fallstruktur vs. horizontale Erzählweise) sowie die Ausgestaltung der Hauptcharaktere.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen den klassischen Definitionsmerkmalen einer Sitcom und der tatsächlichen narrativen sowie inszenatorischen Umsetzung in „Sex and the City“ aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin verwendet eine literaturgestützte Analyse, bei der sie wissenschaftliche Fachliteratur zur Sitcom-Theorie heranzieht und diese auf ausgewählte Folgen der Serie anwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden sowohl die technischen Aspekte als auch die Charakterentwicklung der vier Protagonistinnen detailliert analysiert, wobei besonders die Unterschiede zwischen den ersten Staffeln und den späteren Entwicklungen hervorgehoben werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Sitcom, Dramaturgie, Genre-Theorie, Medienanalyse und Serienstruktur definieren.
Warum wird die Serie ab der dritten Staffel kritisch betrachtet?
Die Autorin stellt fest, dass die Serie ab der dritten Staffel ihre zirkuläre Fallstruktur zugunsten komplexerer, aufeinander aufbauender Erzählstränge verlässt, was den klassischen Sitcom-Konventionen widerspricht.
Gibt es eine eindeutige Schlussfolgerung zur Genrezugehörigkeit?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass die Merkmale einer Sitcom nicht ausreichen, um die Serie eindeutig zu definieren, und schlägt vor, sie alternativ als „Dramedy“ zu betrachten.
- Arbeit zitieren
- Stefanie von Rossek (Autor:in), 2011, Sex and the City – eine Sitcom?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/179203