Ziel dieser Proseminararbeit soll es sein, die Umstände der Heirat Heinrichs des Löwen 1168 zu untersuchen und ihre Wirkungen auf Politik und Herrscherbild darzustellen. 1168 heiratete Heinrich der Löwe, Herzog von Bayern und Sachsen, die Tochter des englischen Königs Heinrich II., Mathilde, und unterstrich damit seine Ausnahmestellung innerhalb der deutschen Fürsten erneut. Die Hausarbeit wird sowohl die Hintergründe der Heirat klären, als auch die direkten und indirekten Folgen auf Heinrichs Herrschaft nachvollziehen. Inwieweit hatte die Heirat Einfluss auf Heinrichs Macht? Kann in diesem Zusammenhang folglich von verstärkten Herrschaftsambitionen Heinrichs weit über seine fürstliche Herrschaft hinaus gesprochen werden?
Der erste Teil der Arbeit klärt die Hintergründe der Scheidung von Clementia von Zähringen 1162 und setzt sie in Zusammenhang mit den Umständen und Problemen der Vermählung 1168. Im zweiten Teil werden die daraus entstehenden politischen und herrschaftsrelevanten Konsequenzen resümiert und im dritten Teil auf ihre Gültigkeit am Beispiel des Krönungsbildes im Evangeliar geprüft.
Unzählige Publikationen setzen sich in unterschiedlicher Gewichtung mit Heinrich dem Löwen auseinander, weshalb es erforderlich ist, den Themenbereich dieser Arbeit einzugrenzen. Es kann und soll nicht genau auf Heinrichs erste Ehe eingegangen werden, lediglich einige Erkenn-tnisse können zu Vergleichszwecken herangezogen werden. Auch die expliziten Umstände Heinrichs Herrschaft vor 1166 und nach 1168 können nur angedeutet, aus Platzgründen aber nicht ausgeführt werden.
Als Quellen dienten unter anderem die Königschronik von Mönch Stephan sowie das Krönungs-bild des Gmundener Evangeliars. Vornehmlich soll jedoch die Forschungsliteratur als Instrument interpretatorischer Arbeit verwendet werden. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts erschien eine Vielzahl von Publikationen über Heinrich den Löwen, innerhalb derer sich in den letzten fünfzig Jahren ein Trend weg von dem bloßen Gewinnen von Erkenntnissen über die Hochzeit, hin zu einer kontroversen Diskussion um ihre Folgen und Wirkungen für Heinrich den Löwen und seine Herrschaft nach 1168 entwickelte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Die Heirat Heinrichs des Löwen 1168 – direkte und indirekte Folgen
2.1 Die Fakten und Umstände der Heirat mit Mathilde 1168
2.2 Wirkungen und Folgen der Vermählung
2.3 Vermeintlich verstärkte Herrschaftsgedanken Heinrichs am Beispiel des Krönungsbildes im Gmundener Evangeliar
3. Zusammenfassung
4. Quellen- und Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Hintergründe der Heirat zwischen Heinrich dem Löwen und Mathilde von England im Jahr 1168 sowie deren Auswirkungen auf die politische Macht des Herzogs und sein herrscherliches Selbstbild.
- Dynastische Hintergründe der Heirat und Scheidung von Clementia von Zähringen
- Direkte und indirekte politische Folgen der Allianz mit dem englischen Königshaus
- Prestigezuwachs und Machtdemonstration Heinrichs in Europa
- Analyse des Krönungsbildes im Gmundener Evangeliar als Ausdruck von Herrschaftsansprüchen
Auszug aus dem Buch
2.2 Wirkungen und Folgen der Vermählung
Die Grundidee der Heirat Heinrichs sei, laut Ehlers, ein festes Bündnis Kaiser Friedrichs I. mit Heinrich II. gewesen, um das damals herrschende Schisma und den Kampf gegen Papst Alexander III. zu beenden. Zusätzlich sei Heinrich dem Löwen „…die Aussicht auf wachsendes Ansehen sehr willkommen…“ gewesen. Was bei Ehlers lediglich als Randnotiz bemerkt wird, pointiert Moderhack treffend mit den Worten, die Heirat hätte Heinrich eine „…Zunahme an Ansehen und politischem Einfluß…“ verschafft. Die Kerneffekte der Hochzeit für Heinrich, Machtzuwachs und gesteigertes Prestige innerhalb Europas und der deutschen Fürstenschaft, finden sich sowohl bei Ehlers, Jordan als auch Garzmann. So sei die Heirat zwar von Friedrich I. geplant und initiiert worden, doch fand sie zweifellos auch die volle Zustimmung Heinrichs des Löwen. Besonders die enorm hohe Mitgift Mathildes findet immer wieder Erwähnung. Sie bescherte Heinrich dem Löwen einen deutlichen finanziellen Vorteil und ermöglichte ihm im Jahre 1172 eine Reise ins Heilige Land.
Machtgewinn, Prestigezuwachs, finanzielle Vorteile und eine Einheirat Heinrichs in eines der angesehensten Königshäuser Europas waren die Vorteile, dich sich aus der Heirat Mathildes 1168 ergaben. Der Historiker Wurster versuchte, diesen Prestigezuwachs anhand mittelalterlicher Chroniken nachzuweisen. Grundsätzlich stellten viele englische Chronisten der Zeit die Bedeutung der Hochzeit zwar in den Vordergrund, hatten aber kaum Interesse an der Person Heinrichs des Löwen. Wurster vermutet einen Zusammenhang zwischen Heinrichs Auftreten als deutschem Fürsten und dessen Einschätzung durch die Autoren. Heinrichs Verhalten, vor allem der ständige Wunsch nach Machtvergrößerung müsse für Chronisten wie Giraldus Cambrensis wie eine Politik erschienen sein, „…die nur Unwillen und Neid erregen kann“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Das Kapitel erläutert die Zielsetzung der Arbeit, die Forschungsfrage sowie den aktuellen Forschungsstand zur Hochzeit von 1168.
2. Die Heirat Heinrichs des Löwen 1168 – direkte und indirekte Folgen: Dieser Hauptteil analysiert die dynastischen Umstände der Heirat, die positiven Auswirkungen auf Heinrichs Machtstatus sowie die kunsthistorische Debatte um das Gmundener Evangeliar.
3. Zusammenfassung: Hier werden die Kernergebnisse der Untersuchung resümiert und die These zur verstärkten Ausnahmestellung Heinrichs bestätigt.
4. Quellen- und Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primärquellen und der wissenschaftlichen Fachliteratur.
Schlüsselwörter
Heinrich der Löwe, Mathilde von England, Mittelalter, Heiratspolitik, Herzogtum Sachsen, Herzogtum Bayern, Machtanspruch, Gmundener Evangeliar, Krönungsbild, Prestige, Welfen, Hochmittelalter, Dynastie, Herrschaftsrepräsentation, Königswürde.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den politischen und persönlichen Umständen der Heirat Heinrichs des Löwen mit der englischen Prinzessin Mathilde im Jahr 1168.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die dynastischen Motive der Eheschließung, die Auswirkungen auf die Machtstellung Heinrichs im Reich sowie die kulturelle Repräsentation seines Herrscherbildes.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu klären, wie die Heirat die politische Macht Heinrichs beeinflusste und ob sie zu einer Veränderung oder Verstärkung seines herrscherlichen Selbstverständnisses führte.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der Autor nutzt eine Kombination aus der Auswertung zeitgenössischer Quellen und einer fundierten Analyse der modernen Forschungsliteratur, ergänzt durch eine kunsthistorische Interpretation eines spezifischen Bildzeugnisses.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Faktenlage der Hochzeit, eine Analyse der politischen Folgen und eine Fallstudie zum Krönungsbild im Gmundener Evangeliar.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Heinrich der Löwe, Mathilde von England, Herrschaftsrepräsentation, Machtanspruch, Prestige und Welfen.
Warum war die Scheidung von Clementia von Zähringen laut der Arbeit so wichtig?
Sie war notwendig, um durch eine neue, prestigeträchtigere Verbindung das Problem des fehlenden männlichen Erbfolgers zu lösen und die dynastische Zukunft des Hauses Welf zu sichern.
Welche Rolle spielt das Krönungsbild im Gmundener Evangeliar für die These des Autors?
Das Bild dient als zentrales Indiz, um zu diskutieren, ob Heinrich der Löwe einen königsgleichen Rang beanspruchte, wobei die Forschung hierzu sehr unterschiedliche Interpretationen bietet.
- Quote paper
- Thomas Schulze (Author), 2008, Umstände der Heirat Heinrichs des Löwen 1168 mit Mathilde, Tochter Heinrichs II., und ihre Folgen und Wirkungen auf Politik und Herrscherselbstbild, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/179156