Die Tabula Peutingeriana ist eine handschriftliche Kopie einer antiken römischen Straßenkarte, welche Unmengen an Informationen über die römische Ökumene liefert.
In dieser Arbeit werden die verschiedenen wissenschaftlichen Theorien zur Entstehungszeit, Bedeutung und Nutzen der Tabula gegenübergestellt. Anhand dessen werden die Probleme, die sich bei der Interpretation der Karte ergeben, aufgezeigt.
Daher werden im ersten Teil dieser Arbeit die als gesichert geltenden Informationen zusammengetragen. Es wird die Entdeckungsgeschichte der Tabula Peutingeriana beleuchtet, eine Klassifizierung der Karte vorgenommen, der Aufbau erklärt und Vergleichsmaterial vorgestellt.
Der zweite Teil der Arbeit setzt sich dann mit den verschiedenen Theorien und Interpretationen zur Tabula auseinander. Hierbei wird vor allem die Datierung der Kopie sowie der Vorlage und der ursprünglichen Tabula untersucht sowie ihre Anwendbarkeit und Bedeutung rekonstruiert.
Ziel ist es auf Grundlage der Karte und den geschichtlichen Zusammenhängen die einzelnen Theorien zum einen zu erläutern und zum anderen auf Ihre Stichhaltigkeit zu prüfen. Abschließend soll versucht werden ein schlüssiges Gesamtbild über den Nutzen, die Anwendbarkeit und die Bedeutung der Karte zu erstellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Fakten zur Tabula Peutingeriana
2.1 Geschichte der Entdeckung
2.2 Klassifizierung
2.3 Aufbau
2.4 Vergleichbare Karten und Itinerare
3. Wissenschaftliche Theorien und Interpretationen zur Tabula Peutingeriana
3.1 Entlarvung als Kopie und Folgen
3.2 Zeitliche Einordnung der Vorlage
3.3 Theorien zum Entstehungszeitraum
3.4 Zielgruppe, Anwendbarkeit und Bedeutung
4. Ergebnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Tabula Peutingeriana, eine bedeutende handschriftliche Kopie einer antiken römischen Straßenkarte, mit dem Ziel, die verschiedenen wissenschaftlichen Theorien zu ihrer Entstehung, Datierung und Bedeutung kritisch zu beleuchten und ihre Anwendbarkeit im historischen Kontext zu bewerten.
- Entdeckungsgeschichte und historische Einordnung der Tabula Peutingeriana
- Vergleichende Analyse mit anderen antiken Itineraren und kartografischen Darstellungen
- Kritische Auseinandersetzung mit Datierungsvorschlägen für Vorlage und Kopie
- Rekonstruktion der Zielgruppe und des praktischen Nutzens der Karte in der römischen Antike
- Untersuchung des römischen Raumverständnisses als topologisches Diagramm
Auszug aus dem Buch
3.2 Zeitliche Einordnung der Vorlage
Wenn es also als sicher gilt, dass es sich bei dem heute einzig existierenden Exemplar der Tabula Peutingeriana um eine Kopie handelt, wirft dies unweigerlich die Frage nach der Datierung der antiken Vorlage auf. Auch schon Joseph Benedikt Heyrenbach beschäftigt sich mit diesem Thema und siedelt den Entstehungszeitraum unter Kaiser Theodosius im Jahr 393 n. Chr. an. Als Begründung führt er die auf der Karte mit einer Vignette verzeichnete Stadt Ravenna an, die laut seiner Aussage erst zu Theodosius Zeiten eine Bedeutung erlangte welche eine derartige Erwähnung auf der Tabula rechtfertigt. Es lässt sich jedoch kein Anhaltspunkt finden warum Heyrenbach ausgerechnet das Jahr 393 n. Chr., also eines der letzten Regierungsjahre des Kaisers nennt. Theodosius, auch Theodosius der Große genannt, war für ein Jahr und zwar von 393 n. Chr. bis 394 n. Chr. der letzte Alleinherrscher des Römischen Reiches und der erste Herrscher überhaupt der 380 n. Chr. das katholische Christentum faktisch zur Staatsreligion erhob. Doch trotz dieser Besonderheit wurde Ravenna nicht unter ihm zur Kaiserresidenz sondern erst unter Honorius. Ebenso kann auch nicht Theodosius II. gemeint sein, obwohl zu seiner Zeit Ravenna Kaiserresidenz war, da dieser erst 408 n. Chr., also 15 Jahre nach dem von Heyrenbach angegebenen Jahr, zum Kaiser wurde. Ob Heyrenbach die Tabula aus Unwissenheit oder, als Zugehöriger des Jesuitenordens, aus persönlichen Gründen dem Kaiser Theodosius zuschrieb, ist nur zu vermuten. Dennoch ist sein Ansatz zur Datierung nicht gänzlich falsch.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Bedeutung der Tabula Peutingeriana als einzigartige, jedoch nur als Kopie erhaltene Straßenkarte und stellt das Ziel der Arbeit vor, bestehende Theorien zu Datierung und Nutzen zu prüfen.
2. Fakten zur Tabula Peutingeriana: Dieses Kapitel behandelt die Entdeckung durch Konrad Celtes, klassifiziert die Karte als Itinerarium pictum, beschreibt ihren physischen Aufbau und stellt relevante Vergleichsbeispiele wie die Agrippakarte vor.
3. Wissenschaftliche Theorien und Interpretationen zur Tabula Peutingeriana: Hier werden die Kopisten-Theorie, verschiedene Ansätze zur zeitlichen Datierung der Vorlage sowie Fragen zur Zielgruppe und dem topologischen Verständnis der Römer eingehend diskutiert.
4. Ergebnis: Das abschließende Kapitel fasst zusammen, dass eine lückenlose Interpretation aufgrund fehlender Originale zwar unmöglich ist, jedoch eine Datierung der Vorlage in das 3. oder 4. Jahrhundert als schlüssig erachtet werden kann.
Schlüsselwörter
Tabula Peutingeriana, Itinerar, römische Straßenkarte, Antike, Datierung, Karthografie, Itinerarium pictum, topologisches Diagramm, römische Ökumene, Tabula, Straßennetz, Kaiserresidenz, Agrippakarte, Itinerarium Antonini, antike Handschrift
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Tabula Peutingeriana, einer antiken römischen Straßenkarte, von der nur eine mittelalterliche Kopie erhalten ist, und analysiert deren wissenschaftliche Einordnung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die Entdeckungsgeschichte der Tafel, ihre Einordnung als Itinerar, die Datierung der antiken Vorlage sowie die Rekonstruktion ihrer Nutzung durch offizielle Stellen im Römischen Reich.
Welches primäre Ziel verfolgt die Untersuchung?
Das Ziel ist es, die verschiedenen wissenschaftlichen Theorien zur Entstehungszeit, Bedeutung und Anwendbarkeit der Tabula gegenüberzustellen und ihre Stichhaltigkeit auf Basis der historischen Zusammenhänge zu prüfen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine komparative Methode, bei der wissenschaftliche Theorien und Interpretationen zur Tabula gegenübergestellt, kritisch hinterfragt und auf ihre Wahrscheinlichkeit geprüft werden.
Was ist Gegenstand des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in die Präsentation gesicherter Fakten (Entdeckung, Klassifizierung, Aufbau) und die anschließende fundierte Diskussion wissenschaftlicher Theorien zu Datierung und Zweckbestimmung.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Tabula Peutingeriana, Itinerar, römische Straßenkarte, topologisches Diagramm und antike Raumvorstellung geprägt.
Warum wird die Karte heute als „Kopie“ bezeichnet?
Es gilt als unbestritten, dass die erhaltene Version eine mittelalterliche Abschrift eines antiken Originals ist, da anachronistische Details wie bestimmte Kronenformen oder Throne erst in Siegeln des 12. und 13. Jahrhunderts vorkommen.
Welchen Zweck erfüllte die Karte für die römische Verwaltung?
Es wird angenommen, dass die Karte als einfache und schnelle Orientierungshilfe für staatliche Funktionäre, Beamte und Militärs bei Reisen im offiziellen Auftrag diente, da sie Routen und Unterkunftstypen visualisierte.
Wie unterscheidet sich die römische Raumvorstellung von der heutigen?
Die Römer dachten primär topologisch und routenorientiert, nicht geometrisch oder maßstäblich; die Tabula dient daher eher als topologisches Diagramm für Wegverbindungen denn als geografisch korrekte Abbildung.
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- Nina Sikora (Author), 2010, Die Tabula Peutingeriana. Übersicht zu wissenschaftlichen Theorien, Entstehungszeit, Bedeutung und Nutzen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/178999