Aufgrund von empirischen Untersuchungen der Sozialstruktur der BRD in den achtziger Jahren schuf der Kultursoziologe Gerhard Schulze den Begriff der Erlebnisgesellschaft. Sein Ausgangspunkt war die Orientierung an Konsumchancen und somit die Veränderung der Handlungsmöglichkeiten und hierdurch versucht er die Veränderung der Gesellschaft und die daraus resultierenden neuen sozialen Strukturen zu beschreiben.1
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Weg in die Erlebnisgesellschaft
3. Merkmale der Erlebnisgesellschaft
3.1 Vordringen der Erlebnisrationalität
3.2 Vermehrung der Möglichkeiten
3.3 Ästhetisierung des Alltaglebens
4. Orientierungsschemata im Hinblick auf die Alltagsästhetik
4.1 Hochkulturschema
4.2 Trivialschema
4.3 Spannungsschema
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht auf Basis der kultursoziologischen Theorien von Gerhard Schulze die Entstehung und Struktur der sogenannten Erlebnisgesellschaft. Ziel ist es, den Wandel von einer überlebensorientierten Industriegesellschaft hin zu einer von Erlebnisorientierung geprägten modernen Gesellschaftsstruktur zu analysieren und die dabei wirkenden sozialen Mechanismen sowie Orientierungsmuster aufzuzeigen.
- Historischer Wandel der Gesellschaft von der Überlebens- zur Erlebnisorientierung
- Merkmale und Charakteristika der modernen Erlebnisgesellschaft
- Die Rolle der Erlebnisrationalität und das Handlungsmodell des Wählens
- Alltagsästhetische Schemata als Ausdruck sozialer Stile (Hochkultur, Trivial, Spannung)
- Subjektive Identitätsbildung durch kontinuierliche Erlebnisnachfrage
Auszug aus dem Buch
3.3 Ästhetisierung des Alltaglebens
Jeder Mensch handelt erlebnisorientiert um eine positive innere Reaktion zu erhalten. Diese Handlungsmotivation hat sich aber auch gewandelt, nämlich von der äußeren Notwendigkeit zu inneren Bedürfnissen. Dass diese Situationen alltagsästhetisch sind müssen drei Bedingungen erfüllt sein. Ersten müssen Alternativen verfügbar sein, damit der Handelnde wählen kann, zweitens muss der Handelnde die Erlebnisabsicht mit der Handlungsepisode verbinden und drittens geht es nur um wiederholbare, kollektiv verbreitete Handlungsmuster. Diese Verbreitung der Handlungen bekommt somit den Charakter alltagsästhetischer Episoden mit neuen Erlebnistypen, wie Unterhaltung, Outfit, Körper und Kreativität. Diese enorme Expansion dieser Erlebnisbereiche lässt sich in jedem Typ leicht erkennen.
Im Bereich Unterhaltung vollzog sich ein gigantischer Aufwärtstrend durch die Massenmedien, durch die eine Veralltäglichung stattfindet. Das Fernsehen deckt alle Bereiche ab, von Emotionen, Informationen bis hin zu Spannung und Nervenkitzel. Dennoch verliert es an Interesse, da die Schnelllebigkeit der Unterhaltungsbranche unaufhörlich ist. Im Bereich der körperlichen Bewegung bestimmt die Bewegungsaktivität das gute innere Gefühl des Erlebens und im Bereich der Kreativität liegt der Anspruch durch Fotografie oder Malerei sich sein eigenes schönes Erleben zu schaffen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in den von Gerhard Schulze geprägten Begriff der Erlebnisgesellschaft und die grundlegende Forschungsabsicht.
2. Der Weg in die Erlebnisgesellschaft: Analyse des gesellschaftlichen Wandels vom Überlebenskampf in der Nachkriegszeit hin zur modernen Erlebnisorientierung durch steigenden Wohlstand.
3. Merkmale der Erlebnisgesellschaft: Darstellung zentraler Kennzeichen wie Erlebnisrationalität, die ständige Vermehrung von Möglichkeiten und die zunehmende Ästhetisierung des Alltags.
4. Orientierungsschemata im Hinblick auf die Alltagsästhetik: Erläuterung der verschiedenen Stile wie Hochkultur-, Trivial- und Spannungsschema, die das Handeln und die Identität des Individuums strukturieren.
5. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Erlebnisorientierung als bedeutende Beschreibungskategorie, wobei betont wird, dass sie kein homogenes Gesellschaftsbild darstellt.
Schlüsselwörter
Erlebnisgesellschaft, Kultursoziologie, Gerhard Schulze, Erlebnisorientierung, Erlebnisrationalität, Alltagsästhetik, Hochkulturschema, Trivialschema, Spannungsschema, Lebensgestaltung, Konsumverhalten, Identitätsbildung, soziale Milieus, Handlungslogik, Wahlmöglichkeiten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der kultursoziologischen Analyse der sogenannten Erlebnisgesellschaft, einem Konzept, das den Wandel moderner Gesellschaften von einer Überlebensorientierung hin zu einer Orientierung an Erlebnissen und Konsumchancen beschreibt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der historische Wandel der Arbeitsgesellschaft, die Mechanismen der Erlebnisrationalität, die Bedeutung der persönlichen Lebensgestaltung sowie die ästhetische Strukturierung des Alltags durch verschiedene Orientierungsschemata.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich die Anforderungen an das Individuum verändert haben und welche neuen sozialen Strukturen durch die Suche nach Glück und ästhetischer Selbstverwirklichung entstehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Literaturanalyse und die Auswertung soziologischer Fachliteratur, insbesondere der Kultursoziologie von Gerhard Schulze und ergänzender Forschungsarbeiten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert die Merkmale der Erlebnisgesellschaft, definiert die Erlebnisrationalität, untersucht die Ausweitung der Wahlmöglichkeiten und klassifiziert alltagsästhetische Orientierungsschemata.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Erlebnisgesellschaft, Erlebnisorientierung, Alltagsästhetik, Erlebnisrationalität sowie die verschiedenen Stile wie Hochkultur-, Trivial- und Spannungsschema.
Worin unterscheidet sich das Hochkulturschema vom Trivialschema?
Während das Hochkulturschema auf Perfektion, meditative Ruhe und intellektuelle Auseinandersetzung setzt, ist das Trivialschema durch das Bedürfnis nach Gemütlichkeit, Harmonie und Abneigung gegenüber Anstrengung oder Neuem gekennzeichnet.
Welche Rolle spielt die "Wahl" in der modernen Gesellschaft?
In der Erlebnisgesellschaft wird die Wahl zur zentralen Handlungsform; das Individuum ist gezwungen, aus einem Überangebot an Möglichkeiten zu wählen, um durch die erzielte innere Wirkung seine Identität und Lebenszufriedenheit zu konstruieren.
- Arbeit zitieren
- Anne Andraschko (Autor:in), 2010, Die Erlebnisgesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/178604