Referententätigkeit in verschiedenen Bildungsbereichen ist eine der klassischen Aufgaben des Bildungswissenschaftlers oder Bildungswissenschaftlerin. Weiter-bildung fördern, lebenslanges Lernen vereinfachen, soziale Kompetenzen stärken oder Umgang mit der Wissensexplosion sind nur einige der vielen Themen, die ein Bildungswissenschaftler oder Bildungswissenschaftlerin behandeln können. Oft-mals wird er/sie für ein Bildungsinstitut oder öffentlichen Bildungsträger arbeiten und die Themen werden sich an den Schwerpunkten des Bildungsträgers und Ar-beitsbereiches anlehnen. Zielgruppen können von Menschen mit langer Arbeitslo-sigkeit, die an einer Wiedereingliederungsmaßnahme teilnehmen bis zu Projektlei-tern von Firmen, die Ihre sozialen Kompetenzen stärken möchten, reichen. Diese Arbeit erstellt einen Entwurf für einen Lehrplan, der einen Bildungswissenschaft-ler oder eine Bildungswissenschaftlerin in die Lage versetzt, die Tätigkeit als Re-ferent bzw. Referentin auszuführen.
Das Vier-Komponenten-Instruktionsdesign-Modell, kurz 4CID Modell, von Jeroen van Merriënboer wird als Grundlage für den Entwurf eines Lehrplans verwendet. Das 4CID Modell wurde zur Ausbildung von komplexen Fähigkeiten entwickelt und eignet sich damit für einen Ausbildungsplan für die vielseitige und komplexe Aufgabe eines Referenten oder einer Referentin. Da das 4CID Modell sowohl für die Präsenzlehre, wie für E-Learning oder die Kombination dessen im BlendedLearning geeignet ist, kann es in der Ausbildung von Referenten besonde-re Relevanz finden. Der Bereich E-Learning und BlendedLearning wird in der spä-teren Tätigkeit des Referenten wieder eine Rolle spielen, da eine reine Präsenzlehre in der Erwachsenenbildung immer stärker abzunehmen scheint. So kann bereits in der Ausbildung der Umgang und die Möglichkeiten im Lernen mit E-Learning und BlendedLearning erlernt werden.
Van Merriënboer entwickelte 10 Schritte zum komplexen Lernen, die in dem Buch „Ten steps to Complex Learning“ (2007) ausführlich dargestellt werden. Davon werden fünf Schritte im praktischen Teil der Arbeit erläutert und angewendet. Im theoretischen Teil werden verschiedene Lerntheorien begründet, sowie die Beson-derheit im situierten Lernen und die Einbindung didaktischer Szenarien.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das 4CID Modell: praktischer Teil
2.1 Kompetenzhierarchie
2.2 Aufgabenklassen
2.3 Lernaufgaben
2.3.1 Lernaufgabe 1: Themenrecherche
2.3.2 Lernaufgabe 2: Themenreihe festlegen
2.3.3 Lernaufgabe 3: Inhaltspunkte für die Seminare erarbeiten
2.4 Unterstützende Informationen
2.5 Just-in-time Informationen
3. Das 4CID Modell: theoretischer Teil
3.1 Lerntheoretische Überlegungen
3.2 Situiertes Lernen
3.3 Didaktische Szenarien
3.4 Medien
4. Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit entwickelt einen Lehrplanentwurf für Bildungswissenschaftler mit dem Tätigkeitsschwerpunkt Referent, basierend auf dem Vier-Komponenten-Instruktionsdesign-Modell (4CID-Modell). Ziel ist es, die vielseitigen Anforderungen dieses Berufsfeldes durch ein realitätsnahes und kompetenzorientiertes Ausbildungskonzept abzubilden.
- Anwendung des 4CID-Modells zur Ausbildung komplexer Fähigkeiten.
- Strukturierung von Lernprozessen mittels Aufgabenklassen und Lernaufgaben.
- Integration lerntheoretischer Grundlagen (Behaviorismus, Kognitivismus, Konstruktivismus).
- Gestaltung situierten Lernens und didaktischer Szenarien.
- Einsatz primärer und sekundärer Medien in Präsenz-, E-Learning- und Blended-Learning-Umgebungen.
Auszug aus dem Buch
2.2 Aufgabenklassen
Das 4CID Modell beruht auf Lernen mit komplexen Aufgaben, die zunehmend komplexer werden. Aufgaben werden in Aufgabenklassen organsiert, dabei wird beachtet, dass auch bei niedriger Komplexität die vorgegebenen Fertigkeiten gelernt werden (Bastiaens, Deimann, Schrader & Orth, 2010, S. 97). Damit es zu Beginn zu keiner Überforderung des Lernenden kommt, sind diese zu Beginn einfacher und steigen in der Komplexität und in der Schwierigkeit der anzuwendenden Situationen an. „It ist clearly impossible to provide highly complex learning tasks right from the start of the training because this would yield excessive cognitive overload for the learners, which impairs learning and performance.” (Sweller, van Merriënboer & Pass, 1998., zit. nach van Merriënboer, Clark & de Croock, 2002, S. 44) Aufgaben müssen demnach sequenziert werden. Bastiaens et al. beschreiben insgesamt vier verschiedene Sequenzierungsprinzipien: vereinfach-ende Annahmen, Nachdruck-Manipulation, mentale Modelle Progression und systematisches Problemverfahren. Das Prinzip der vereinfachenden Annahmen wird am häufigsten benutzt.
Das Prinzip der vereinfachenden Annahmen erstellt Aufgabenklassen, bei denen die erste Aufgabenklasse das niedrigste und die letzte Aufgabenklasse das höchste Schwierigkeitsniveau abbildet (Bastiaens, Deimann, Schrader & Orth, 2010, S. 97). „The final task class represents all tasks, including the most complex ones that professionals encounter in the real world.“ (van Merriënboer, Clark & de Croock, 2002, S. 45) Van Merriënboer weist damit bereits auf die Lernaufgaben hin, die in den Aufgabenklassen entwickelt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Berufsfeld des Referenten für Bildungswissenschaftler ein und stellt das 4CID-Modell als methodische Grundlage für den zu erstellenden Lehrplan vor.
2. Das 4CID Modell: praktischer Teil: Dieses Kapitel erläutert die praktische Anwendung des Modells, beginnend bei der Kompetenzhierarchie über die Bildung von Aufgabenklassen bis hin zu konkreten Lernaufgaben sowie unterstützenden Informationen.
3. Das 4CID Modell: theoretischer Teil: Hier werden die wissenschaftlichen Grundlagen beleuchtet, insbesondere die lerntheoretische Einbettung, Konzepte des situierten Lernens, didaktische Szenarien und der Medieneinsatz.
4. Zusammenfassung und Fazit: Das abschließende Kapitel resümiert die Eignung des 4CID-Modells als Alternative zu klassischen Curricula und diskutiert Herausforderungen bei der Umsetzung im Berufsalltag.
Schlüsselwörter
4CID Modell, Referententätigkeit, Bildungswissenschaft, Kompetenzhierarchie, Aufgabenklassen, Lernaufgaben, Blended Learning, Situiertes Lernen, Didaktische Szenarien, E-Learning, Instruktionsdesign, Konstruktivismus, Scaffolding, Just-in-time Informationen, Lehrplanentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit erstellt einen Lehrplanentwurf für Bildungswissenschaftler, die als Referenten tätig sind, und nutzt dafür das 4CID-Modell als Strukturierungshilfe.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit behandelt die systematische Ausbildung komplexer beruflicher Fertigkeiten, die Sequenzierung von Lerninhalten und die Gestaltung moderner Lernumgebungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, einen praxisnahen Ausbildungsplan zu entwerfen, der angehende Referenten befähigt, die vielseitigen Anforderungen ihres Berufsfeldes kompetent zu bewältigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird das Vier-Komponenten-Instruktionsdesign-Modell (4CID-Modell) nach Jeroen van Merriënboer angewendet, um berufliche Kompetenzen zu analysieren und entsprechende Lernarrangements zu konzipieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil wird das 4CID-Modell sowohl in seiner praktischen Anwendung (Kompetenzhierarchie, Aufgabenklassen) als auch in seiner theoretischen Fundierung (Lerntheorien, Medieneinsatz) detailliert dargestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist insbesondere durch Begriffe wie 4CID-Modell, Kompetenzhierarchie, Situiertes Lernen und Blended Learning geprägt.
Warum spielt das "Scaffolding" im 4CID-Modell eine so wichtige Rolle?
Scaffolding ermöglicht den Abbau von Unterstützung, während der Lernende innerhalb einer Aufgabenklasse komplexere Fähigkeiten erlangt, um so den Lernerfolg ohne kognitive Überlastung zu sichern.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen "unterstützenden" und "Just-in-time" Informationen?
Unterstützende Informationen helfen bei der Bewältigung komplexer, nicht-wiederkehrender Probleme, während Just-in-time Informationen kurzfristig für automatisierbare, wiederkehrende Aufgaben bereitgestellt werden.
- Arbeit zitieren
- Ute Halbritter (Autor:in), 2010, Bildungswissenschaftler in der Referententätigkeit, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/178121