Lebewesen sind die komplexesten Dinge die es auf unserem Planeten gibt. Der vielschichtige Aufbau und die unzähligen Interaktionsmöglichkeiten mit ihrer Umwelt grenzen sie deutlich von den unbelebten Dingen ab.
Der Mensch unterteilt seit der Antike Lebewesen in verschiedene Klassen, Arten und Gruppen. So unterschieden Demokrit und Aristoteles zwischen blutführenden und blutlosen Tieren, großen Tiergruppen sowie dem Menschen als eigene Art (Jahn, Krauße, Löther, Querner, Schmidt, & Senglaub, 2000, S. 59f). Bis in die Neuzeit folgten noch viele theoretische Konzeptionen, bis schließlich im 20. Jh. die neue, interdisziplinäre Genetik entwickelt wurde. Durch die Entdeckung der Doppelhelixstruktur der DNA in den 1950er Jahren, gelang der wichtige Schritt von der klassischen zur Molekular Genetik.
Die Molekular Genetik hilft uns nicht nur zu verstehen woher der Mensch entwicklungsgeschichtlich stammt, sie führt auch zu neuen Blickwinkeln bei grundlegenden Fragen.
Die zentrale Frage der Anthropologie lautet „Was ist der Mensch?“. Es gibt viele Ansätze diese Frage zu klären, eine der interessantesten ist die Theorie über das „Egoistische Gen“ von Richard Dawkins. Sie beschreibt eine konsequente Fortführung des Darwinismus indem sie die aktuellen Erkenntnisse der Genetik mit einbezieht.
In meiner Hausarbeit werde ich zunächst die Grundlagen der Evolution und der Genetik erläutern. Danach werde ich die Verknüpfung von Darwinismus und Anthropologie beleuchten und schließlich will die Frage klären, welche Auswirkung die „Egoistische-Gen-Theorie“ von Richard Dawkins auf die Frage nach dem Sein und dem Selbstverständnis des Menschen hat.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen der Genetik
3 Weltbilder der Antike bis zur Neuzeit
3.1 Typenlehre
3.2 Populationstheorie nach Darwin
3.3 Darwinismus
3.4 Finalismus
3.5 Anthropologische Betrachtung
4 Die Evolution
4.1 Natürliche Selektion
4.2 Arterhaltung
4.3 Individuum und Familienselektion
4.4 Replikatoren
5 Gene
5.1 Der Organismus als Vehikel
5.2 Genschrott
6 Auswirkungen auf die Anthropologie
6.1 Darwin
6.2 Dawkins
6.3 Fazit Das neue Selbstverständnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einfluss der „Egoistischen-Gen-Theorie“ von Richard Dawkins auf das anthropologische Menschenbild. Ziel ist es, zu analysieren, wie diese biologische Perspektive das Verständnis des Menschen als eigenständiges Individuum herausfordert und welche Konsequenzen sich daraus für die ethische Selbstwahrnehmung und Verantwortung des Menschen ergeben.
- Grundlagen der Evolutionstheorie und Genetik
- Historische Entwicklung des anthropologischen Weltbildes
- Mechanismen der natürlichen Selektion und Familienselektion
- Die Rolle des Organismus als bloßes Vehikel für Gene
- Ethische Implikationen und das neue Selbstverständnis des Menschen
Auszug aus dem Buch
4.4 Replikatoren
Dawkins (2007) definiert einen Replikator als „etwas im Universum, von dem Kopien hergestellt werden“. Er unterscheidet außerdem zwischen „aktiven“ und „passiven“ Replikatoren. Der aktive Replikator „ist jeder Replikator, dessen Wesen irgendeinen Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit hat, kopiert zu werden“. Im Gegensatz dazu hat der passive Replikator keinen Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit seiner Verdopplung (ebd.).
Organismen, die sich geschlechtlich vermehren, können keine Replikatoren sein. Sie kopieren sich nicht, sondern es entsteht eine Mischung aus den Eigenschaften zweier unterschiedlicher Organismen. Ebenso scheiden Lebewesen aus, die sich ungeschlechtlich vermehren. Beispielsweise ähnelt eine Stabheuschrecke einem Replikator dahingehend, dass, in einer Reihe aufgestellt, jede Generation den Vorgängerinnen zum Verwechseln ähnlich sieht. Verliert die erste Stabheuschrecke ein Bein, hat dieser Defekt bis zum Lebensende der Stabheuschrecke Bestand. Jede nachfolgende Generation jedoch, hat keinen solchen Defekt.
Stellt man nun statt der Stabheuschrecke selbst die Genome der Stabheuschrecke in einer Reihe auf und ändert das erste ab, wird diese Änderung Auswirkungen auf alle nachfolgenden Genome (und damit die auch den Körper der Stabheuschrecke) haben. Dieses Prinzip von Ursache und Wirkung funktioniert nur in die eine Richtung. Die Gene verändern den Körper, der Körper jedoch, hat keinen Einfluss auf die Gene (siehe „Zentrales Dogma“). Somit ist nicht der Köper in seiner Gesamtheit der Replikator, sondern das Gen ist es.
Dies ist eine wichtige Erkenntnis, denn sie wird den Fokus unserer Betrachtung nachhaltig verändern. Wenn nicht der individuelle Organismus der Replikator ist, so fragt sich Dawkins (2010), was ist er dann?
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der Anthropologie und die Relevanz der Genetik für die Frage nach dem Wesen des Menschen.
2 Grundlagen der Genetik: Erläuterung der biologischen Basis, insbesondere der DNA, ihrer Replikationsfähigkeit und dem zentralen Dogma der Molekularbiologie.
3 Weltbilder der Antike bis zur Neuzeit: Historischer Abriss von der antiken Typenlehre über Darwins Populationstheorie bis hin zur Entwicklung des Darwinismus und Finalismus.
4 Die Evolution: Detaillierte Betrachtung der Mechanismen wie natürliche Selektion, Arterhaltung und die Unterscheidung zwischen Replikatoren.
5 Gene: Untersuchung der Theorie vom „egoistischen Gen“, wobei der Organismus als bloßes Vehikel und die Existenz von „Genschrott“ thematisiert werden.
6 Auswirkungen auf die Anthropologie: Analyse der philosophischen und ethischen Konsequenzen von Darwins und Dawkins Lehren auf unser modernes Selbstverständnis.
Schlüsselwörter
Egoistisches Gen, Anthropologie, Evolution, Darwinismus, natürliche Selektion, Genetik, DNA, Replikator, Vehikel-Theorie, Menschenbild, Philosophie, Biologie, Arterhaltung, Selbstverständnis, Ethik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit?
Die Arbeit beleuchtet den Einfluss der „Egoistischen-Gen-Theorie“ von Richard Dawkins auf das anthropologische Verständnis vom Menschen.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Untersuchung?
Die Arbeit verknüpft historische Weltbilder, evolutionstheoretische Grundlagen, Genetik und ethische Fragestellungen über die Sonderstellung des Menschen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu klären, wie die Theorie vom egoistischen Gen die anthropologische Frage nach dem Sein und dem Selbstverständnis des Menschen beeinflusst.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf Literaturanalyse und der kritischen Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen Konzepten zur Evolution und Genetik basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die evolutionäre Geschichte, die spezifischen Mechanismen der Genetik, die Rolle des Organismus als Vehikel und die kritische Reflektion der Auswirkungen auf das Menschenbild.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere: Egoistisches Gen, natürliche Selektion, Replikatoren, anthropologisches Selbstverständnis und evolutionäre Ethik.
Warum wird der Mensch bei Dawkins als bloßes „Vehikel“ bezeichnet?
Weil Dawkins die Gene als die eigentlichen Replikatoren betrachtet, die den Körper des Organismus lediglich nutzen, um ihr eigenes Überleben und ihre Verbreitung zu sichern.
Wie verändert die Theorie den Blick auf die Verantwortung des Menschen?
Obwohl der Mensch biologisch gesehen nur ein Vehikel ist, betont die Arbeit, dass er durch seine Vernunft und moralische Fähigkeit eine besondere Verantwortung für seine Umwelt und Mitgeschöpfe trägt.
- Quote paper
- Matthias Schindel (Author), 2011, Dawkins Einfluss auf die Anthropologie, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/178029