Einleitung: Der Jesuit José de Acosta (1540-1600) gilt als einer der gebildetsten Schriftsteller seiner Zeit. Er verfügte über Kenntnisse der Theologie, der Philosophie und der Naturwissenschaften. Aufgrund seiner wissenschaftlichen Neugier und seines Eifers bei der Erforschung der Natur – ganz im Sinne der Renaissance – gilt er als einer der ersten wissenschaftlichen Schriftsteller seiner Zeit. Feijoo nannte ihn später den „Plinius der Neuen Welt“.
Da Acosta darum bat, als Missionar in die Neue Welt geschickt zu werden, wurde er 1571 nach Peru gesandt. 1572 kam er dort an und 1586 verließ er Peru, um ein weiteres Jahr in Mexiko zu verbringen, bevor er 1587 nach Spanien zurückkehrte.
Seine „HISTORIA NATURAL Y MORAL DE LAS INDIAS en que se tratan de las cosas notables del cielo y elementos, metales, plantas y animales dellas: y los ritos, y ceremonias, leyes y gobierno, y guerras de los Indios“ wurde 1590 in Sevilla gedruckt. Noch während Acostas Lebzeit gab es mehrere spanische Ausgaben und Übersetzungen in die wichtigsten europäischen Sprachen. Das Werk besteht aus sieben Büchern und ist im Grunde eine Historia Moral und eine Historia Natural (vor allem die Bücher III und IV). (...) Sein besonderer Verdienst liegt in „seiner methodischen Arbeitsweise, seiner wissenschaftlichen Strenge und dem systematischen Aufbau seines Werks.“
Acostas Darstellung der Flora und Fauna der Neuen Welt nährt sich aus seinen Beobachtungen und persönlichen Erfahrungen. Er nutzt das Wissen früherer Autoren über die Neue Welt und bezieht sich immer wieder auf die Bibel oder Werke antiker Philosophen wie z.B. Aristoteles oder Plinius. Acosta gibt sich aber nicht mit den Beschreibungen der Neuheiten zufrieden, sondern sucht nach Erklärungen dafür. Ganz im Gegensatz zu dem von Acosta gebrauchten antiken Ordnungsprinzip der Natur stehen seine fortschrittlichen Gedanken in Bezug auf die Entstehung neuer Arten aufgrund der Anpassung an ein Milieu und der natürlichen Auslese, was später in Darwins Entwicklungstheorie wieder auftaucht. (...)
Zu bedenken ist, dass Acostas Werk einerseits einen Einblick in die Beschaffenheit der Natur der Neuen Welt gibt und andererseits aber auch den Blick Acostas – eines Spaniers, einer Person aus der Alten Welt – auf die Natur des neuen Kontinents zeigt. Dabei beschreibt Acosta die Natur nicht nur, sondern bewertet sie nach ästhetischen Aspekten sowie nach dem Nutzen, den die Spanier aus ihr ziehen können.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Die neue Natur und ihr Nutzen
II.1 Die vier Grundelemente und ihre drei Hauptkombinationen
II.2 Metalle
II.3 Pflanzen
II.4 Tiere
III. Schlussbetrachtung
IV. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das Werk "Historia Natural y Moral de las Indias" des Jesuiten José de Acosta mit dem Ziel, seine wissenschaftliche Herangehensweise an die Beschreibung der Natur der Neuen Welt und deren Bewertung nach ästhetischen sowie ökonomischen Kriterien für die spanische Krone aufzuzeigen.
- Die Anwendung des antiken Systems der vier Grundelemente auf die Neue Welt.
- Die systematische Einteilung der Natur in Metalle, Pflanzen und Tiere nach ihrem Grad an Perfektion.
- Die Analyse der Flora und Fauna hinsichtlich ihres Nutzens für die spanischen Kolonisatoren.
- Acostas methodische Arbeitsweise und seine frühzeitigen Ansätze zur Theorie der natürlichen Auslese.
- Die sprachliche Herausforderung bei der Benennung bisher unbekannter Arten.
Auszug aus dem Buch
II.4 Tiere
Bei der Beschreibung einer neuen Tierart legt sich Acosta einige Fragen zugrunde, die er zwar nicht immer alle beantwortet, die aber einen Leitfaden darstellen: Wo findet man dieses Tier, sprich in welchen Teilen der Neuen Welt lebt es? Welcher ist sein Lebensraum (Wasser, Erde, Luft)? Wie sieht es aus? Was frisst es? Wie bewegt es sich? Wozu dient es den Indios? Welchen Nutzen könnten die Spanier aus ihm ziehen?
Am folgenden Zitat, wo es um eine Seekuh geht, sieht man, wie Acosta einige dieser Punkte abhandelt. Er berichtet sogar davon, dass er das Fleisch der Seekuh einmal gegessen hat. In ähnlichen Fällen schreibt er oft auch davon, wie es ihm geschmeckt hat. Zudem gibt er hier die indigene Bezeichnung für dieses Tier an und zieht Vergleiche zu in Europa bekannten Tieren.
En las islas que llaman de Barlovento, que son Cuba, la Española, Puerto Rico, Jamaica, se halla el que llaman manatí, extraño género de pescado, si pescado se puede llamar animal que pare vivos sus hijos, y tiene tetas, y leche con que los cría, y pace yerba en el campo; pero en efecto habita de ordinario en el agua, y por eso le comen por pescado, aunque yo cuando en Santo Domingo lo comí un viernes, casi tenía escrúpulo, no tanto por lo dicho, como porque en el color y sabor no parecían sino tajadas de ternera, y en parte de pernil, las postas de este pescado: es grande como una vara.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung stellt den Jesuiten José de Acosta als einen der bedeutendsten wissenschaftlichen Schriftsteller der Renaissance vor und skizziert den Aufbau sowie die methodische Strenge seines Werkes "Historia Natural y Moral de las Indias".
II. Die neue Natur und ihr Nutzen: Dieses zentrale Kapitel analysiert Acostas Einordnung der amerikanischen Natur in das antike System der vier Elemente sowie die Gliederung der Naturreiche nach ihrem Nutzwert für die Spanier.
II.1 Die vier Grundelemente und ihre drei Hauptkombinationen: Hier wird dargelegt, wie Acosta die Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft zur Beschreibung der geographischen Beschaffenheit des neuen Kontinents nutzt und daraus eine hierarchische Ordnung der Lebewesen ableitet.
II.2 Metalle: Dieser Abschnitt behandelt Acostas detaillierte Berichte über die reichen Metallvorkommen, deren wirtschaftliche Bedeutung für die Kolonisation und die indigenen Handelsbräuche.
II.3 Pflanzen: Es wird untersucht, wie Acosta indigene Nutzpflanzen wie Kakao, Coca und Mais beschreibt, ihre Eigenschaften klassifiziert und sie in den Kontext der europäischen Verwertbarkeit stellt.
II.4 Tiere: Dieses Kapitel zeigt auf, wie Acosta nach einer systematischen Methode Tierarten beschreibt, dabei indigene Bezeichnungen nutzt und Vergleiche zur europäischen Fauna zieht, um die "neue" Natur verständlich zu machen.
III. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung würdigt Acostas wissenschaftliche Pionierarbeit, die trotz der Einbindung in ein antikes Ordnungssystem bemerkenswert fortschrittliche Gedanken zur biologischen Anpassung enthält.
IV. Literaturverzeichnis: Dies ist das bibliographische Verzeichnis der verwendeten Primär- und Sekundärquellen.
Schlüsselwörter
José de Acosta, Historia Natural y Moral de las Indias, Neue Welt, Renaissance, Naturwissenschaft, Grundelemente, Kolonialismus, Flora, Fauna, Metalle, Nutzpflanzen, Artentheorie, indigene Bevölkerung, Gold, Silber.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert das Werk des Jesuiten José de Acosta über die Natur und Kultur der Neuen Welt im 16. Jahrhundert unter besonderer Berücksichtigung seiner wissenschaftlichen Systematik.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit konzentriert sich auf die Beschreibung der vier Elemente, die Kategorisierung von Bodenschätzen sowie die Klassifizierung der amerikanischen Flora und Fauna.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Acosta als einer der ersten wissenschaftlichen Autoren seiner Zeit Beobachtungen mit theoretischen Ordnungsprinzipien verband, um die neue Welt für europäische Leser nutzbar und verständlich zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet Acosta laut der Arbeit?
Er nutzt ein antikes geozentrisches Ordnungssystem, kombiniert dieses jedoch mit empirischen Beobachtungen, persönlichen Erfahrungen und einer Bewertung der Nützlichkeit für die spanische Krone.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der vier Grundelemente, der Metallvorkommen, der Nutzpflanzen und der Tierwelt, jeweils unter dem Aspekt ihrer Erfassung durch Acosta.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Begriffe wie Naturwissenschaft, José de Acosta, Kolonisation, Systematik, Flora, Fauna und die vier Elemente sind zentral für das Verständnis der Arbeit.
Wie geht Acosta mit der Benennung neuer, ihm unbekannter Arten um?
Er versucht, diese durch Vergleiche mit europäisch bekannten Objekten zu beschreiben oder nutzt indigene Bezeichnungen, wenn kein spanisches Äquivalent existiert, was er oft reflektiert.
Warum wird Acostas Werk in der Arbeit als "fortschrittlich" bezeichnet?
Obwohl er ein antikes System nutzt, zeigt er ein Verständnis für die Anpassung von Arten an ihr Milieu und Ansätze, die in der späteren Evolutionstheorie wiederzufinden sind.
- Arbeit zitieren
- Sabine Husmann (Autor:in), 2007, Die neue Natur und ihr Nutzen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/177933