Die vorliegende Staatsexamensarbeit mit dem Thema „Das Glücksverständnis in ausgewählten Werken von Almudena Grandes und Lucía Etxebarría“ wurde im Rahmen des Lehramtsstudiengangs für Gymnasien im Fach Spanische Literaturwissenschaft verfasst. Über das Glück wurde im Laufe der Geschichte bereits viel philosophiert und geschrieben. In dieser Arbeit wird beleuchtet, inwiefern sich philosophische Theorien auch heute noch auf das Glücksverständnis anwenden lassen, ob sie in der Gegenwart weiterhin Relevanz für den Einzelnen besitzen oder sogar Hinweise geben können, wie man sein Glück erreichen kann.
Im ersten Teil der Arbeit wird der Glücksbegriff sprachlich erörtert, (...) Danach werden die Glückstheorien verschiedener Philosophen vorgestellt. Hierbei liegt der Schwerpunkt bei Aristoteles, der sein Glücksverständnis ausführlich in der Nikomachischen Ethik dargelegt hat. Da sich seine Betrachtungsweise auf das diesseitige Leben beschränkt, wird im Anschluss Thomas von Aquin behandelt, dessen Anschauung die Erreichbarkeit vollkommenen Glücks in das jenseitige Leben verlagert. Dann folgt die Vorstellung des utilitaristischen Glücksbegriffs, bei dem sich das Individuum immer als einen Teil der Gesellschaft sieht und stets zu deren größtem Nutzen zu handeln versucht. Zuletzt wird die Theorie Immanuel Kants untersucht, nach dessen Auffassung man durch moralisches Handeln Glückswürdigkeit, nicht aber zwangsweise Glück erreichen kann.
Im zweiten Teil der Arbeit wird anhand von jeweils zwei Werken der zeitgenössischen spanischen Autorinnen Almudena Grandes und Lucía Etxebarría erörtert, inwiefern die vorgestellten Theorien auch heute noch Aktualität besitzen. Die Wahl ist auf die genannten Autorinnen gefallen, da sie in den untersuchten Werken – Atlas de geografía humana und Modelos de mujer von Grandes sowie Amor, curiosidad, prozac y dudas und Nosotras que no somos como las demás von Etxebarría – von unterschiedlichen Frauen erzählen, die versuchen ihr Glück auf verschiedene Weise zu erlangen. (...)
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Der Glücksbegriff: Sprachliche und philosophische Entwicklung
II.1 Sprachliche Entwicklung des Glücksbegriffs
II.2 Philosophische Entwicklung des Glücksbegriffs
II.3 Aristoteles (384 v. Chr. – 322 v. Chr.): Glück im diesseitigen Leben durch tugendhaftes Handeln
II.4 Thomas von Aquin (1225 – 1274): Vollkommenes Glück erst nach dem Tod
II.5 Jeremy Bentham (1748 – 1832), John Stuart Mill (1806 – 1873): Das größte Glück für die größte Zahl
II.6 Immanuel Kant (1724 – 1804): Glückswürdigkeit durch moralisches Handeln
III. Kurzbiografien der Autorinnen
III.1 Kurzbiografie von Almudena Grandes
III.2 Kurzbiografie von Lucía Etxebarría
IV. Almudena Grandes: Atlas de geografía humana
IV.1 Rosa
IV.2 Marisa
IV.3 Fran
IV.4 Ana
V. Almudena Grandes: Modelos de mujer
V.1 Los ojos rotos (1989)
V.2 Malena, una vida hervida (1990)
V.3 Bárbara contra la muerte (1991)
V.4 Amor de madre (1994)
V.5 El vocabulario de los balcones (1994)
V.6 Modelos de mujer (1995)
V.7 La buena hija (1995)
VI. Lucía Etxebarría: Amor, curiosidad, prozac y dudas
VI.1 Cristina
VI.2 Rosa
VI.3 Ana
VII. Lucía Etxebarría: Nosotras que no somos como las demás
VII.1 Raquel
VII.2 Elsa
VII.3 Asunción (Susi)
VII.4 María
VIII. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Glücksverständnis in ausgewählten Werken der zeitgenössischen spanischen Autorinnen Almudena Grandes und Lucía Etxebarría, um zu eruieren, inwiefern klassische philosophische Glückstheorien auf die Lebensrealität weiblicher Protagonistinnen um die Jahrtausendwende anwendbar sind.
- Vergleichende Analyse sprachlicher und philosophischer Glücksbegriffe (Aristoteles, Thomas von Aquin, Utilitarismus, Kant).
- Detaillierte Untersuchung weiblicher Glückssuche in den Romanen von Almudena Grandes.
- Untersuchung von Identitätskonflikten und psychischer Verfassung bei Lucía Etxebarría.
- Reflexion über die Vereinbarkeit von traditionellen Glücksvorstellungen mit modernen, selbstbestimmten Lebensentwürfen.
Auszug aus dem Buch
IV.1 Rosa
Rosa ist vierunddreißig Jahre alt und die Koordinatorin des Atlasses. Sie verdient sich mit dolmetschen und übersetzen etwas dazu, obwohl sie das zum Teil sehr langweilt. Sie hatte recht erfolgreich ein Studium begonnen, doch schon im fünften Semester war klar, dass sie ihr Studium nicht zu Ende bringen würde.
Salía mucho de noche, tomaba muchas copas, ligaba con muchos chicos y tenía centenares de proyectos, iba a vivir en el extranjero, iba a estudiar arte dramático, iba a aprender a tocar el piano, iba a viajar a países exóticos, pero, de momento, me conformaba con ser la cantante de un grupo de nuevo pop español que no conseguía colocar una maqueta ni en la emisora más casposa de Alcobendas. (16)
Zu dieser Zeit lernte sie Ignacio, den großen Bruder des Bassisten ihrer Band, kennen. Sie verliebten sich ineinander und heirateten schließlich. Dass sie ihr Studium nicht beendet hatte und auf all ihre anderen Pläne verzichten musste, machte sie zu diesem Zeitpunkt aber nicht unglücklich, da ihr das Eheleben an sich sehr gut gefiel. Zudem war sie davon überzeugt, dass das Leben noch viel für sie bereithalte und sie gerade einmal mit dem Öffnen der Verpackung von „Mi Vida, una enorme caja de cartón envuelta en papel rojo, brillante, asegurado por docenas de cintas de colores que explotaban en sofisticados lazos y serpentinas“ (15) begonnen habe. Liest man die Beschreibung ihres aktuellen Lebens, so hat man den Eindruck eine zufriedene Frau vor sich zu haben.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Zielsetzung ein, philosophische Theorien auf das Glücksverständnis in Werken von Grandes und Etxebarría anzuwenden.
II. Der Glücksbegriff: Sprachliche und philosophische Entwicklung: Dieses Kapitel erörtert die Entwicklung des Glücksbegriffs von der Antike über das Mittelalter bis zur Aufklärung.
III. Kurzbiografien der Autorinnen: Hier werden die Lebensläufe und literarischen Hintergründe von Almudena Grandes und Lucía Etxebarría kurz dargestellt.
IV. Almudena Grandes: Atlas de geografía humana: Analyse der Glückssuche von vier unterschiedlichen Frauen im Kontext ihrer beruflichen und privaten Herausforderungen.
V. Almudena Grandes: Modelos de mujer: Untersuchung der Lebenssituationen von Frauen in verschiedenen Kurzgeschichten des Erzählbandes.
VI. Lucía Etxebarría: Amor, curiosidad, prozac y dudas: Darstellung der Probleme und Abhängigkeiten dreier Schwestern, die versuchen, in ihrem Leben Klarheit zu finden.
VII. Lucía Etxebarría: Nosotras que no somos como las demás: Analyse der Lebensentwürfe und Identitätsprobleme von vier Protagonistinnen in diesem Roman.
VIII. Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Erkenntnis, dass Glück kein statisches Rezept ist, sondern ein individueller Prozess, der Selbstbestimmung und Reflexion erfordert.
Schlüsselwörter
Glück, Glücksverständnis, Philosophie, Almudena Grandes, Lucía Etxebarría, Identität, Selbstbestimmung, Aristoteles, Utilitarismus, Immanuel Kant, Frauenliteratur, Spanien, Lebensentwurf, Moderne, Romananalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die philosophische Definition von Glück und vergleicht diese mit den Lebensentwürfen von Romanfiguren spanischer Autorinnen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Themen umfassen antike und moderne Glückstheorien, die Rolle der Frau in der spanischen Gesellschaft um die Jahrtausendwende sowie die Suche nach Sinn und Identität.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es wird analysiert, ob klassische philosophische Konzepte von Glück in der heutigen Zeit für den Einzelnen noch Relevanz besitzen oder Hilfestellung bieten können.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die philosophische Glückstheorien als theoretisches Bezugssystem für die Interpretation der Romane nutzt.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in eine philosophische Begriffsklärung sowie eine detaillierte Interpretation ausgewählter Romane von Grandes und Etxebarría.
Was zeichnet die Arbeit besonders aus?
Sie verknüpft abstrakte ethische Theorien mit sehr konkreten, psychologischen und sozialen Lebensumständen moderner Frauen in Spanien.
Welche Rolle spielt die Arbeit von Almudena Grandes?
Grandes' Werke dienen dazu, anhand diverser weiblicher Charaktere zu zeigen, wie individuelle Glückssuche an gesellschaftlichen oder persönlichen Erwartungen scheitern oder wachsen kann.
Warum spielt die Autorin Lucía Etxebarría eine wichtige Rolle?
Ihre Romane beleuchten oft eine düstere Seite der Glückssuche, geprägt durch Tablettenabhängigkeit und Identitätskrisen, und dienen als Kontrast oder Ergänzung zu den anderen Werken.
- Arbeit zitieren
- Sabine Husmann (Autor:in), 2010, Das Glücksverständnis in ausgewählten Werken von Almudena Grandes und Lucía Etxebarría, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/177929