Multilinguale Schulen stellen in der heutigen Welt, in der das Schlagwort ,,Globalisierung" und Verständigung über Sprachgrenzen hinweg Alltag geworden sind, eine Selbstverständ-lichkeit dar- so könnte man meinen. Dass sie jedoch eher selten vorkommen und traditionelle Modelle des Schulwesens vorherrschen, mag daher auf den ersten Blick verwundern. Im Folgenden soll die multilinguale Schule, die von vielen übersehen und häufig gar nicht in Betracht gezogen wird, ins Bewusstsein gerückt werden. Bevor jedoch näher auf die alltägli-che Praxis, Ideale und Fiktionen eingegangen wird, soll die Bedeutung ,,multilingual" in die-sem Zusammenhang kurz erläutert werden. ,,Multilingual" (und parallel dazu ,,plurilingual") bedeutet wörtlich zunächst nichts anderes als ,,mehrsprachig". (Kremnitz 1990, 38) In der heutigen, meistverbreiteten Sicht zählt dazu auch der Bilingualismus, also die Fähigkeit zwei Sprachen alternativ zu sprechen, wobei der Grad der Kompetenz dabei eine untergeordnete Rolle spielt. (a.a.O.: 22) Eine extreme Position im Sinne der Kompetenz erwähnt Braun, indem er Mehrsprachigkeit nur dann anerkennt, wenn sie die perfekte, angewendete Gleichbeherrschung mindestens zweier oder mehrerer Sprachen bezeichnet. (a.a.O.: 21) Ähnliches gilt für das Verständnis von Multilingualismus als eine Situation, bei der mehr als zwei Sprachen in einer Gesellschaft in Kontakt stehen. (a.a.O.: 38) Übergreifender ist "[...] die Definition von Bilingualismus als Fähigkeit des Indiviuduums, sich mit beiden Sprachgruppen zu identifizieren (Malmberg, 1973)." (Fthenakis u.a. 1985, 16) Auch wenn in etlichen Staaten keine offizielle Sprache gesetzlich festgelegt ist, so wird sie dennoch implizit vorausgesetzt. Dadurch, dass sie zugleich auch die Unterrichtssprache stellt, wird oft die Sprache von anderssprachigen Migranten ausgeblendet. (Kremnitz 1990, 88) Da Sprache jedoch eine der bewährtesten Methoden ist, ethnische Zusammengehörigkeit und Verschiedenheit zu markieren, erfüllt sie auch identitätsstiftende Funktionen. (Gogolin 1994, 14) Wird eine Sprache ausgeschlossen, bedeutet das für ihre Sprecher einen Angriff auf die eigene Identität.
Inhaltsverzeichnis
1 Begriffsklärung „multilinguale Schule“
2.1 Alltag
2.1.1 Negative Aspekte im multilingualen Schulalltag
2.1.2 Positive Aspekte im multilingualen Schulalltag
2.2 Ideale
2.3 Fiktion
3 Konsequenzen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Diskrepanz zwischen dem Ideal einer multilingualen Schule und deren tatsächlicher Umsetzung im schulischen Alltag. Dabei wird analysiert, inwieweit mehrsprachige Bildungsmodelle existieren, welche Herausforderungen bei der Implementierung auftreten und welche utopischen sowie realpolitischen Konzepte für eine zukünftige multilinguale Schulentwicklung diskutiert werden.
- Begriffsdefinitionen von Mehrsprachigkeit und Multilingualismus
- Empirische Einblicke in den multilingualen Schulalltag (Negativ- und Positivbeispiele)
- Theoretische Ideale und pädagogische Zielsetzungen bilingualer Bildung
- Zukunftsperspektiven und fiktive Ansätze zur Schulentwicklung
- Handlungsbedarf und konsequente Anforderungen an das Bildungssystem
Auszug aus dem Buch
1 Begriffsklärung „multilinguale Schule“
Multilinguale Schulen stellen in der heutigen Welt, in der das Schlagwort „Globalisierung“ und Verständigung über Sprachgrenzen hinweg Alltag geworden sind, eine Selbstverständlichkeit dar- so könnte man meinen. Dass sie jedoch eher selten vorkommen und traditionelle Modelle des Schulwesens vorherrschen, mag daher auf den ersten Blick verwundern.
Im Folgenden soll die multilinguale Schule, die von vielen übersehen und häufig gar nicht in Betracht gezogen wird, ins Bewusstsein gerückt werden. Bevor jedoch näher auf die alltägliche Praxis, Ideale und Fiktionen eingegangen wird, soll die Bedeutung „multilingual“ in diesem Zusammenhang kurz erläutert werden.
„Multilingual“ (und parallel dazu „plurilingual“) bedeutet wörtlich zunächst nichts anderes als „mehrsprachig“. (Kremnitz 1990, 38) In der heutigen, meistverbreiteten Sicht zählt dazu auch der Bilingualismus, also die Fähigkeit zwei Sprachen alternativ zu sprechen, wobei der Grad der Kompetenz dabei eine untergeordnete Rolle spielt. (a.a.O.: 22) Eine extreme Position im Sinne der Kompetenz erwähnt Braun, indem er Mehrsprachigkeit nur dann anerkennt, wenn sie die perfekte, angewendete Gleichbeherrschung mindestens zweier oder mehrerer Sprachen bezeichnet. (a.a.O.: 21) Ähnliches gilt für das Verständnis von Multilingualismus als eine Situation, bei der mehr als zwei Sprachen in einer Gesellschaft in Kontakt stehen. (a.a.O.: 38)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Begriffsklärung „multilinguale Schule“: Dieses Kapitel definiert den Begriff der multilingualen Schule und grenzt verschiedene Konzepte von Mehrsprachigkeit und Bilingualismus voneinander ab.
2.1 Alltag: Der Abschnitt beleuchtet die praktische Realität multilingualer Schulen, wobei explizit negative Rahmenbedingungen und Herausforderungen sowie gelungene, positive Umsetzungsmodelle gegenübergestellt werden.
2.2 Ideale: Hier werden theoretische Pläne und pädagogische Zielsetzungen analysiert, die als Basis für eine optimale bilinguale Erziehung und die Förderung der Identität dienen.
2.3 Fiktion: Dieses Kapitel widmet sich utopischen Ansätzen und zukunftsweisenden Ideen, die das Potenzial haben, den schulischen Alltag langfristig zu reformieren.
3 Konsequenzen: Das Fazit fasst den bestehenden Handlungsbedarf zusammen und plädiert für eine stärkere Berücksichtigung mehrsprachiger Bildung, um soziale Benachteiligung abzubauen und kulturelle Vielfalt zu wahren.
Schlüsselwörter
Multilinguale Schule, Mehrsprachigkeit, Bilingualismus, Immersion, Sprachförderung, Interkulturelle Erziehung, Bildungspolitik, Identität, Fremdsprachenerwerb, Foyer Model, Migrationspädagogik, Schulalltag, Sprachkompetenz, Inklusion, Schulentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Untersuchung des Status quo, der theoretischen Zielsetzungen und zukünftiger Visionen für multilinguale Schulen in der heutigen Gesellschaft.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Zentrale Themen sind die Abgrenzung von Mehrsprachigkeit, die praktische Umsetzung des Unterrichts in verschiedenen Ländern sowie die Bedeutung von Sprachen für die Identitätsbildung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie multilinguale Schulen von der Fiktion bzw. dem Ideal zur gelebten Alltagspraxis werden können, um das Potenzial mehrsprachiger Schüler besser zu nutzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine Literaturanalyse, in der sie bestehende Studien, Konzepte und Fallbeispiele aus der pädagogischen Fachliteratur zusammenführt und kritisch bewertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Bereiche Alltag, Ideale und Fiktionen, wobei jeweils aktuelle Modelle und die theoretischen Anforderungen an ein gelungenes Sprachenlernen diskutiert werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Die Arbeit lässt sich vor allem über Begriffe wie Multilingualität, Bildungsgerechtigkeit, Sprachförderung und interkulturelle Schulentwicklung definieren.
Welche Bedeutung kommt dem „Foyer Model“ zu?
Das „Foyer Model“ in Brüssel dient in der Arbeit als Beispiel für ein integriertes bi- und trilinguales Modell, das sowohl Immigrantenkinder als auch Eltern in den Bildungsprozess einbezieht.
Warum wird die „Immersionsmethode“ in Kanada hervorgehoben?
Die kanadische Immersion wird als erfolgreiches Beispiel für das „Eintauchen“ in die Zweitsprache angeführt, bei dem Schüler ohne Einbußen in der Muttersprache hohe Kompetenzen in einer weiteren Sprache entwickeln.
- Quote paper
- M.A. Maria Gruber (Author), 2005, Die multilinguale Schule - Alltag, Ideal, Fiktion, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/177624