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Thomas Mann und Wagners Beitrag

Wie viel Wagner wirkt in Manns Werken?

Titel: Thomas Mann und Wagners Beitrag

Akademische Arbeit , 2021 , 23 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Kristin Wachenfeld (Autor:in)

Musikwissenschaft

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Arbeit untersucht den weitreichenden Einfluss Richard Wagners auf das literarische Werk Thomas Manns und geht der Frage nach, in welchem Maße Wagners Musik, seine Ästhetik und insbesondere seine Leitmotivtechnik Eingang in Manns erzählerisches Verfahren gefunden haben. Ausgangspunkt ist Thomas Manns lebenslange, zugleich bewundernde und ambivalente Beziehung zu Wagner, dessen Musik er bereits in seiner Jugend als prägendes künstlerisches Erlebnis wahrnahm.

Im Zentrum steht die Vorstellung von Thomas Manns Prosawerken als „epischen Partituren“. Untersucht wird, wie musikalische Strukturprinzipien, wiederkehrende Motive und motivische Verknüpfungen in literarische Kompositionsverfahren übertragen werden. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei den Motivkomplexen von Verfall, Liebesverzicht, Krankheit, Erotik und Tod sowie der von Thomas Mann selbst beschriebenen „Sympathie mit dem Tode“.

An ausgewählten Werken wird gezeigt, wie unterschiedlich Wagnerische Einflüsse literarisch verarbeitet werden. In „Der kleine Herr Friedemann“, „Buddenbrooks“, „Tristan“, „Der Tod in Venedig“ und „Der Zauberberg“ verbinden sich Musik, ästhetische Überfeinerung und Lebensferne immer wieder mit körperlichem oder geistigem Verfall. Dabei kann Wagner sowohl als unmittelbarer musikalischer Bezugspunkt als auch als Modell für Thomas Manns erzählerische Leitmotivtechnik verstanden werden.

Einen weiteren Schwerpunkt bildet der Roman „Doktor Faustus“. Hier werden die Verbindung von Literatur und Komposition, die Auseinandersetzung mit romantischer Musik sowie die von Thomas Mann entwickelte fiktive musikalische Welt um den Komponisten Adrian Leverkühn betrachtet. Zugleich wird die Rolle Arnold Schönbergs, Theodor W. Adornos und der Zwölftontechnik einbezogen.

Die Arbeit zeigt damit, dass Wagner für Thomas Mann weit mehr als ein Gegenstand musikalischer Verehrung war: Seine Musik, seine ästhetischen Konzepte und seine Kompositionstechniken bilden einen wichtigen Bezugspunkt für Thomas Manns eigenes literarisches Selbstverständnis und durchziehen sein Werk in immer neuen Variationen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. „Thomas Mann und Wagners Beitrag“: Wie viel Wagner wirkt in Manns Werken?

1.1 Thomas Manns epische Partituren

1.2 Sympathie mit dem Tode: Das Beispiel „Der Zauberberg“

1.3 „Der kleine Herr Friedemann“

1.4 „Buddenbrooks“ – Hanno

1.5 „Tristan“ – Gabriele Klöterjahn

1.6 „Der Tod in Venedig“ – Gustav Aschenbach

1.7 „Doktor Faustus“

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Studienarbeit untersucht den tiefgreifenden Einfluss von Richard Wagners Musik und ästhetischen Konzepten auf das literarische Schaffen von Thomas Mann. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie stark Wagners Kompositionstechniken, Leitmotivik und weltanschauliche Motive in Manns Romanen und Erzählungen nachwirken und welche Parallelen sich zwischen den Protagonisten und dem Autor selbst ziehen lassen.

  • Die lebenslange künstlerische und biografische Auseinandersetzung Thomas Manns mit Richard Wagner
  • Die Anwendung musikalischer Kompositionsverfahren und Leitmotivik in epischen Werken
  • Das Motiv der „Sympathie mit dem Tode“ und der Dekadenz in verschiedenen Werken
  • Die Analyse spezifischer Figuren und Romane wie „Buddenbrooks“, „Der Zauberberg“ und „Doktor Faustus“
  • Die Ambivalenz zwischen genialer Kunst und deren Verführbarkeit sowie politischer Instrumentalisierung

Auszug aus dem Buch

Sympathie mit dem Tode

Die Musik ist nach Arthur Schopenhauer nicht nur das Abbild einer Idee, sondern unmittelbar und ohne Umweg das Abbild des Willens, Abbild des metaphysischen, dunklen Urgrundes der Welt überhaupt. Ebenso gilt für den Schriftsteller Thomas Mann die romantische Musik als eine „wortlos konkretisierbare“, dunkle, übersinnliche Macht, die eine kontrollose Ich-Auflösung durch ihre rauschhafte, narkotische Wirkung möglich macht und so der nächtlichen, dunklen und transzendenten Daseinsform den Vorzug gibt.

Diese von Thomas Mann selbst erschaffene „Sympathie mit dem Tode“ hängt sehr eng mit dem romantischen Kunstbegriff überhaupt und den künstlerischen Ausprägungen auf allen Gebieten der Kunst zusammen. Die Liebe zur Musik ist für den jungen Thomas Mann keine vergnügliche Nebensache, sondern der Blick in den Abgrund der Welt.

Die romantische Todesverfallenheit, die Ästhetisierung der Krankheit und die mit ihr einhergehende künstlerische Stimulanz, ist ein vorherrschendes Lebensgefühl des Künstlertums dieses ausklingenden 19. Jahrhunderts, von dem Thomas Mann in seinem Essay „Leiden und Größe Richard Wagners“ als einem „Wald großer Männer“ spricht. Sie ist Ausdruck einer zur Neige gehenden „einzig wahren Kunstepoche“, die für Thomas Mann sehr eng mit Nietzsches Philosophie und Schopenhauers „Verneinung des Willens“ verbunden ist.

Zusammenfassung der Kapitel

„Thomas Mann und Wagners Beitrag“: Wie viel Wagner wirkt in Manns Werken?: Die Einleitung beleuchtet Thomas Manns ambivalentes, aber lebenslanges „Liebesverhältnis“ zur Musik Richard Wagners und dessen Prägung durch frühe Kindheitserlebnisse und das elterliche Umfeld.

Thomas Manns epische Partituren: Dieser Abschnitt analysiert Manns an Wagner orientierte Kompositionstechnik, insbesondere die Verwendung von Leitmotiven und Motivketten im epischen Werk.

Sympathie mit dem Tode: Das Beispiel „Der Zauberberg“: Es wird untersucht, wie sich die philosophische „Sympathie mit dem Tode“ in Hans Castorps Faszination für Madame Chauchat und die Musik im „Zauberberg“ manifestiert.

„Der kleine Herr Friedemann“: Die Novelle wird im Hinblick auf Verfallsthematik, Triebverneinung und Wagners Leitmotivik des Liebesverzichts analysiert.

„Buddenbrooks“ – Hanno: Das Kapitel widmet sich der Figur des Hanno Buddenbrook, dessen Flucht in die Musik und autodestruktive Klavierfantasien geschildert werden.

„Tristan“ – Gabriele Klöterjahn: Es wird aufgezeigt, wie in der Novelle „Tristan“ die morbide Verfallsthematik parodistisch umgedeutet und mit Isoldes Liebestod verknüpft wird.

„Der Tod in Venedig“ – Gustav Aschenbach: Die Parallelen zwischen Wagners Todesstadt Venedig und dem inneren Verfall des alternden Schriftstellers Gustav Aschenbach stehen hier im Mittelpunkt.

„Doktor Faustus“: Der Musikerroman wird als kühner, an Schönbergs Zwölftontechnik und Wagners Monumentalismus angelehnter Versuch gewertet, die deutsche Krise literarisch zu verarbeiten.

Schlüsselwörter

Thomas Mann, Richard Wagner, Leitmotivik, Sympathie mit dem Tode, Der Zauberberg, Doktor Faustus, Buddenbrooks, Dekadenz, Musik und Literatur, Romantik, Arthur Schopenhauer, Friedrich Nietzsche, Adrian Leverkühn, Hans Castorp, Ästhetizismus

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Studienarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den tiefen und nachhaltigen Einfluss von Richard Wagners Musik, Ästhetik und Weltanschauung auf das literarische Gesamtwerk des Autors Thomas Mann.

Welche zentralen Themenfelder werden in der Publikation behandelt?

Im Zentrum stehen die musikalischen Strukturen in Thomas Manns Romanen, das Motiv der „Sympathie mit dem Tode“, die Dekadenz des späten 19. Jahrhunderts sowie die psychologischen und erotischen Krisen seiner Protagonisten.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Es wird der Frage nachgegangen, wie viel von Richard Wagners Geist, Kompositionstechnik und Weltanschauung tatsächlich in Thomas Manns Werken wirkt und inwiefern seine Figuren als Repräsentanten seiner eigenen Person und seiner Wagner-Rezeption verstanden werden können.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Untersuchung angewendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine werkimmanente Textanalyse, die Verknüpfung von motivgeschichtlichen Vergleichen sowie den Einbezug philosophischer und musikwissenschaftlicher Quellen (u.a. von Schopenhauer, Nietzsche und Adorno).

Was wird im umfangreichen Hauptteil der Arbeit besprochen?

Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Untersuchung verschiedener Werke Manns – darunter „Der kleine Herr Friedemann“, „Buddenbrooks“, „Tristan“, „Der Zauberberg“ und „Doktor Faustus“ –, um dort die Spuren von Wagners Leitmotivtechnik und Ästhetik nachzuweisen.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?

Wichtige Keywords sind Thomas Mann, Richard Wagner, Leitmotivik, Sympathie mit dem Tode, Dekadenz, Musikdramatik und literarische Komposition.

In welcher Verbindung stehen Thomas Manns Figuren zu seiner eigenen Person?

Die Arbeit legt dar, dass Manns Protagonisten trotz trennender literaturwissenschaftlicher Vorgaben oft als stellvertretende Repräsentanten seiner eigenen Sehnsüchte, Selbstzweifel und Weltanschauung fungieren, die untrennbar mit Wagners Welt verbunden sind.

Welche Rolle spielt die Zwölftonmusik im Roman „Doktor Faustus“?

Der Roman greift Arnold Schönbergs Zwölftontechnik auf, um das fiktive musikalische Schaffen des Komponisten Adrian Leverkühn darzustellen, womit Mann zugleich den Versuch unternimmt, die romantische Musikepoche zu überwinden.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Thomas Mann und Wagners Beitrag
Untertitel
Wie viel Wagner wirkt in Manns Werken?
Hochschule
Robert Schumann Hochschule Düsseldorf  (Musikwissenschaftliches Institut)
Veranstaltung
MUSIK UND LITERATUR ; Dr. Uta Swora
Note
1,0
Autor
Kristin Wachenfeld (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2021
Seiten
23
Katalognummer
V1775659
ISBN (eBook)
9783389208175
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Thomas Mann Richard Wagner Musik und Literatur Musik in der Literatur Leitmotivtechnik Wagner-Rezeption Der Zauberberg Buddenbrooks Doktor Faustus Tristan Der Tod in Venedig Musikästhetik
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Kristin Wachenfeld (Autor:in), 2021, Thomas Mann und Wagners Beitrag, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1775659
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  23  Seiten
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