„Mit Dramatikern ist das gemeinsame Drehbuchschreiben leichter als mit Erzählern. Ein Dramatiker weiß im Unterschied zum Erzähler, daß [...] ein Film wie ein Schachspiel ist, wo jeder Zug den nächsten bedingt und bestimmt. Ein Zug mag noch so schön sein - wenn er die Geschichte nicht vorantreibt, taugt er nichts. Eine große Szene, die man aus einem Film herausnehmen kann, ohne daß er seinen Sinn verliert, ist eine falsche Szene.“ - So Billy Wilders Drehbuch-Credo.
Inhaltsverzeichnis
01. Einführung
02. Analyse
03. Resümee
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die filmische Gestaltung und die narrativen Konsequenzen der Anfangssequenz von Billy Wilders "Sunset Boulevard". Das Ziel ist es, die Wirkung der überarbeiteten Filmsequenz im Vergleich zur ursprünglichen Fassung zu analysieren und aufzuzeigen, wie visuelle Entscheidungen und der Einsatz des Off-Kommentars die Erwartungshaltung des Zuschauers prägen.
- Filmische Analyse der Eingangssequenz von "Sunset Boulevard"
- Vergleichende Untersuchung der ursprünglichen und der finalen Filmfassung
- Die Funktion des Off-Kommentars und der erzählenden Leiche
- Die Rolle von "Sunset Boulevard" als satirische Abrechnung mit dem Filmgeschäft
- Wirkung der visuellen Gestaltung auf die filmische Atmosphäre
Auszug aus dem Buch
2. Analyse
Der Film beginnt mit einer sehr langen Einstellung, über die (zunächst) die Titeleinblendungen gelegt werden. Sogar das Paramount-Logo ganz zu Beginn wird nicht in einer separaten Einstellung gezeigt, sondern als erste Titeleinblendung über die ersten Bilder der Eröffnungseinstellung geblendet, einer stehenden Aufnahme eines Gehsteiges, leicht schräg von oben aus ziemlich geringer Höhe gefilmt. Abgesehen von dem den Gehsteig bedeckenden welken Laub könnte man das Liniennetz, das die Fugen der Pflastersteine bilden, auch für eine modische abstrakte Grafik halten, dann aber beginnt die Kamera nach Verschwinden des Paramount-Signets langsam nach unten zu schwenken, zum Gehsteigrand. Hier nun fallen Hinter- und Vordergrund, Realaufnahme und Titelgrafik zusammen, als der nach Art von Straßenmarkierungen auf den Randstein aufgesprühte Schriftzug „SUNSET BLVD.“ erscheint.
Die Kamera benennt also den Film, den sie visuell einleitet sowie den Ort, an dem sie sich befindet, bevor sie sich dann vollends in einer Rückfahrt mitten auf die bewusste Straße begibt: Sie fährt den Sunset Boulevard entlang und zeigt - aus nach wie vor niedriger Perspektive - den vorbeigleitenden Asphalt. Die Titeleinblendungen sind konsequent in der Optik der aufgesprühten Gebrauchsschrift des Titelschriftzuges gestaltet, d. h. in einer Schrift, wie sie beim Arbeiten mit Schablonen entsteht mit den charakteristischen, die Linien bzw. das Liniengefüge der Buchstaben unterbrechenden Stegen bzw. Aussparungen. Nach der letzten Titeleinblendung erhebt sich die Kamera, dabei ihre Bewegung fast bis zum Stillstand verlangsamend, schließlich auf menschliche Augenhöhe und zeigt eine Totale des in die Bildtiefe hinein führenden, von dunklen Bäumen und Sträuchern gesäumten Boulevards.
Zusammenfassung der Kapitel
01. Einführung: Die Einleitung beleuchtet Billy Wilders Drehbuch-Credo und die Entstehungsgeschichte der geänderten Anfangssequenz von "Sunset Boulevard" nach den negativen Reaktionen bei Testvorführungen.
02. Analyse: Dieses Kapitel untersucht detailliert die visuelle Gestaltung und Kameraführung der Eingangssequenz sowie die dramaturgische Funktion der erzählenden Leiche und des Off-Kommentars.
03. Resümee: Das Resümee bewertet die finale Schnittfassung als gelungene Korrektur, die den Film präziser als film noir mit satirischen Elementen verortet und Wilders Kritik an Hollywood effektiver transportiert.
Schlüsselwörter
Sunset Boulevard, Billy Wilder, Filmanalyse, Anfangssequenz, Film Noir, Off-Kommentar, Hollywood-Satire, Kameraführung, Rückblende, Drehbuch, Filmgeschichte, Bildkomposition, Erzählstruktur, Klassisches Hollywood, Kontinuität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Anfangssequenz des Filmklassikers "Sunset Boulevard" von Billy Wilder und untersucht, wie der Regisseur die Sequenz nach negativen Testvorführungen veränderte, um die beabsichtigte Wirkung beim Publikum zu erreichen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die filmische Ästhetik, der Einfluss der Zuschauerreaktion auf kreative Entscheidungen, die Erzähltechnik des Off-Kommentars und die kritische Auseinandersetzung mit Hollywood.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es soll geklärt werden, ob die geänderte Anfangsversion die ursprüngliche Intention des Films besser vermittelt und inwieweit sie als Verbesserung gegenüber dem Erstentwurf zu betrachten ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine detaillierte Sequenzanalyse sowie den Vergleich zwischen der ursprünglichen Planung und der finalen filmischen Umsetzung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der genauen Beschreibung der Kameraeinstellungen, der visuellen Gestaltung der Titeleinblendungen und der psychologischen Wirkung der "erzählenden Leiche" auf den Zuschauer.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Sunset Boulevard, Film Noir, Billy Wilder, Off-Kommentar, filmische Analyse, Hollywood-Satire und Erzählstruktur.
Warum musste der Anfang des Films überhaupt geändert werden?
Das Testpublikum lachte während der ursprünglichen Anfangssequenz, wodurch der Eindruck entstand, es handele sich um eine Komödie statt um das intendierte Drama, was Wilder zu einer Neukonzeption zwang.
Wie unterscheidet sich die "erzählende Leiche" in der finalen Fassung von der ursprünglichen Idee?
Während die erste Fassung die Leiche in einer sehr direkten Weise als Ich-Erzähler einführte, ist die Rolle in der Neufassung subtiler und distanzierter, was die grotesk-absurde Situation des Films stärker betont.
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- Rosalinda Basta (Autor:in), 2010, Die Anfangssequenz von Billy Wilders „Sunset Boulevard“, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/176995