„Wenn wir als Märtyrer sterben, kommen wir in den Himmel“, trällern die zarten Stimmen des populären panarabischen Kinderchores „Birds of Paradise“ in einem Lied, welches im gleichnamigen Sender ausgestrahlt und über Youtube grenzüberschreitend millionenfache Klicks generierte.
Der tolerant erzogene westliche Intellektuelle kann sich der Frage nicht
erwehren, wie Kinder angesichts der Brutalität der sogenannten Märtyrer zu einer solchen Denkweise kommen können.
Gleichzeitig offenbart dieses Kinderlied die erschreckenden Ausmaße eines sich rasant entwickelnden radikalen Islam, der schon lange nicht mehr an den
Grenzen der arabischen Welt Halt macht, sondern den Okzident und die restliche Welt mit Operationen heimsucht, die als Heiliger Krieg betrachtet werden und mitunter hohe Opferzahlen kosten.
Beinahe ohnmächtig versuchen sich Europa und Amerika vor den Gefahren der schleichenden Fanatisierung des Islam zu schützen. Dass der Islam in seiner radikalen Auswirkung als Bedrohung der hochgelobten freiheitlichen Prinzipien und Werte der westlichen Welt betrachtet werden muss, stellt niemand mehr in Frage.
Wie konnte es zu dem heutigen Verständnis dieser Religion kommen, welches terroristische Gruppierungen weltweit eint?
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den Ursprüngen des Islamismus in seiner heutigen Form, welche sich zu einem großen Teil an der Institutionsgeschichte der ägyptischen Muslimbruderschaft entlanghangeln.
Als direkter Ableger derselben und beispielhafte Entwicklung einer radikalen islamistischen Organisation wird die palästinensische Hamas von ihren Anfängen an und unter Betrachtung ihrer Charta beleuchtet.
Diese Arbeit behandelt weniger die Ausmaße des islamistischen
Terrorismus, bekannt vor allem durch seine Selbstmordattentate, als vielmehr die Ziele und Denkweisen radikaler muslimischer Gruppierungen am Beispiel der Hamas, die immer mehr Zuwachs finden.
Einen Schlüssel zum Verständnis bildet ein bis heute ungebrochener Antisemitismus der radikalen Organisationen und die Rolle des Landstrichs, auf dem vor gut 60 Jahren der Staat Israel gegründet wurde.
Inhaltsverzeichnis
0 Einleitung
1 Islamistischer Terror
1.1 Verschiedene Arten von Terror
1.2 9/11 – Angriff auf Israel?
2 Die Muslimbruderschaft
2.1 Entstehung
2.2 Die Stellung der Organisation zu Palästina
2.3 Der Dschihad im Sinne der Bruderschaft
2.3.1 Sieg oder Märtyrertod
2.3.2 Gründe und Rechtfertigung für den Dschihad
2.4 Palästina als wichtigste Front
2.5 Erziehungsarbeit und Propaganda
2.6 Die Etablierung der Muslimbrüder in Palästina als Fundament der Hamas
2.7 Radikalisierungstendenzen
3 Harakat al-Muqawama al-Islamiyya (kurz: HAMAS)
3.1 Die Intifada als Auslöser zur Gründung der Hamas
3.2 Die Charta der Hamas
3.2.1 Der Islam – einzige Grundlage für einen palästinensischen Staat
3.2.2 Offener Antisemitismus
3.3 Aktiv gegen den Frieden
4 Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Ursprünge des Islamismus in seiner heutigen Form anhand der Institutionsgeschichte der ägyptischen Muslimbruderschaft und beleuchtet die ideologische sowie strategische Entwicklung der palästinensischen Hamas als deren direkter Ableger, um die hinter dem militanten Islam stehenden Denkweisen und Zielsetzungen zu analysieren.
- Historische Genese und ideologische Ausrichtung der Muslimbruderschaft.
- Die Transformation der Muslimbrüder in Palästina zur Hamas.
- Analyse der Charta der Hamas hinsichtlich Antisemitismus und politischer Ziele.
- Die Rolle von Erziehung, Propaganda und dem Konzept des Dschihad.
- Die Auswirkungen des radikalen Islamismus auf den Nahostkonflikt und Friedensbemühungen.
Auszug aus dem Buch
2.3.1 Sieg oder Märtyrertod
Der Aufruf zum Kampf im Sinne des Dschihad bestand für all jene Gebiete, die ursprünglich islamisch waren und in die Hand von Nichtmuslimen gerieten. Für die Muslimbrüder fiel Palästina eindeutig in diese Kategorie. Dass die Zionisten einen Anspruch an das Land erhoben und als schlimmste Feinde des Islam 1948 einen unabhängigen Staat auf dem Mandatsgebiet errichteten, verschärfte die Dringlichkeit des Heiligen Kampfes für die in Ägypten entstandene Bewegung nur. Die Radikalität und Entschlossenheit, mit welcher die Muslimbruderschaft zum Kampf gegen die Juden aufrief, wurde wegweisend für das Verständnis des heutigen Dschihad.
„[…] Das wahre Leben bietet sich mir, wenn ich im Kampf für den Islam, im Kampf gegen die Feinde Allahs, im Kampf für Allah sterbe. Das gibt mir das wahre Leben. Deshalb liebe ich den Tod so sehr wie du das Leben.“ (Schirra 2004)8
Verlieren konnte und kann man nicht im Dschihad. Das Äußerste, der sogenannte Märtyrertod, wurde als höchstes Ziel propagiert und die im Koran versprochene Belohnung durch Allah im Paradies lockte nicht nur in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zahllose Muslime in den Heiligen Krieg. Scheich Hassan Nasrallah, Generalsekretär der schiitischen Hisbollah, reagierte auf den Tod seines Sohnes im Kampf gegen israelische Soldaten folgendermaßen:
„[…] Sein Tod ist kein Sieg für die Israelis, sondern ein Sieg für die Hisbollah. Wir sind stolz auf diesen Gefallenen. […] Er ist als Märtyrertod gestorben, und das ist das höchste Gefühl der Freude, das einen Vater beseelen kann. Wir schätzen die Märtyrer ganz außerordentlich, sie sind für uns wie Heilige.“ (Elias 1997, S. 204)
Scheinbare Verluste werden zweifelsohne als mindestens genauso großen Gewinn dargestellt wie ein Sieg im eigentlichen Sinne (vgl. Croitoru 2007, S. 26).
Zusammenfassung der Kapitel
0 Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik des radikalen Islamismus ein und definiert die Zielsetzung der Untersuchung, die sich primär auf die Ideologie und Entwicklung der Hamas konzentriert.
1 Islamistischer Terror: Dieses Kapitel kategorisiert verschiedene Formen des Terrorismus und erörtert die Hintergründe des 11. Septembers, um den globalen islamistischen Kontext zu veranschaulichen.
2 Die Muslimbruderschaft: Hier werden die Entstehung, die ideologische Verankerung des Dschihad und die propagandistische Arbeit der Muslimbruderschaft als Fundament radikaler Organisationen detailliert analysiert.
3 Harakat al-Muqawama al-Islamiyya (kurz: HAMAS): Das Kapitel beleuchtet die Gründung der Hamas, ihre ideologischen Inhalte gemäß ihrer Charta, den Antisemitismus und ihre Rolle als Akteur gegen Friedensbemühungen.
4 Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel resümiert die Radikalisierungsprozesse und stellt fest, dass die Ideologie der Hamas eine säkulare Lösung im Nahostkonflikt faktisch unmöglich macht.
Schlüsselwörter
Hamas, Muslimbruderschaft, Islamismus, Dschihad, Antisemitismus, Palästina, Märtyrertod, Radikalisierung, Nahostkonflikt, Charta, Terrorismus, Widerstand, Ideologie, Religion, Staat Israel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und den ideologischen Ursprüngen der islamistischen Organisation Hamas, basierend auf der historischen Entwicklung der ägyptischen Muslimbruderschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die Definition des Dschihad, die Rolle von Erziehung und Propaganda bei der Radikalisierung sowie die Analyse der Charta der Hamas.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Ziele, Denkweisen und religiösen Rechtfertigungen der Hamas zu verstehen, die über reine Terrorismusanalysen hinausgehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine strukturierte Literaturanalyse, die die Institutionsgeschichte und primäre Dokumente wie die Charta der Hamas untersucht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt chronologisch die Entstehung der Muslimbrüder, die Adaption ihrer Strategien durch die Hamas in Palästina und die tief verwurzelte ideologische Ablehnung eines jüdischen Staates.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Islamismus, Dschihad, Antisemitismus, Radikalisierung und Hamas charakterisiert.
Welche Rolle spielt die Charta der Hamas für die Argumentation des Autors?
Die Charta dient als zentrale Quelle, um zu belegen, dass die Hamas den Kampf gegen Israel primär aus einer religiösen Motivation heraus führt, die Verhandlungen mit einer anderen Religion ausschließt.
Wie bewertet der Autor die Wirksamkeit von Verhaftungswellen und militärischem Vorgehen?
Der Autor argumentiert, dass diese Maßnahmen angesichts der tief in der Ideologie verwurzelten Radikalisierung lediglich kurzfristige Reaktionen darstellen, die das grundlegende Problem nicht lösen.
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- Johannes Rieble (Author), 2011, Islamismus und Dschihad, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/176961