Dass Zweifel in vieler Hinsicht eine große Hilfe sein können, um bestimmte Sachverhalte besser zu verstehen, wird wohl jeder bestätigen. Ohne Nach- und Hinterfragen gibt es kein neues Wissen. Aber was passiert wenn Personen, genannt Skeptiker, uns versuchen deutlich zu machen, dass wir im Grunde überhaupt nichts wissen? Die Folgen wären drastisch, denn wir dürften das Wort „Wissen“ nur noch sehr selten verwenden und müssten unserer Intuition misstrauen, die uns trotz aller Einwände ziemlich häufig das Gefühl gibt, etwas zu wissen. Im Folgenden soll der Frage nachgegangen werden, was die Position des Skeptikers ist und wie man trotz seiner Angriffe daran festhalten kann, Wissen zu haben. Dabei soll der Wissensbegriff etwas abgeschwächt und die Einwände des Skeptikers zurückgewiesen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Können wir etwas wissen?
1.1 Der skeptische Angriff auf den Wissensbegriff
1.2 Reaktionen auf die Herausforderung des Skeptikers
1.3 Die Verteidigung gegen zirkuläres Argumentieren
1.4 Täuschung als hinreichender Grund gegen Wissen
1.5 Logische versus epistemische Möglichkeiten
1.6 Fazit: Ein alternativer Ansatz zum Wissensbegriff
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die Arbeit untersucht die Herausforderungen des Skeptizismus an unseren alltäglichen Wissensbegriff und erörtert, wie wir trotz der theoretischen Möglichkeit ständiger Täuschung an einer plausiblen Definition von Wissen festhalten können, die über eine Forderung nach absoluter Sicherheit hinausgeht.
- Kritische Analyse des skeptischen Wissensbegriffs (100%ige Sicherheit)
- Untersuchung von Kriterien zur Bestimmung von Wissen
- Debatte um zirkuläres Argumentieren in der Erkenntnistheorie
- Differenzierung zwischen logischer und epistemischer Möglichkeit
- Plädoyer für einen alltagstauglichen, schwächeren Wissensbegriff
Auszug aus dem Buch
Logische versus epistemische Möglichkeiten
Es zeichnet sich also ein Unterschied zwischen einem logischen „möglich“ und einem epistemischen „möglich“ ab. Der Skeptiker würde das zweite Newtonsche Axiom nicht als „Wissen“ bezeichnen, weil es logisch möglich wäre, das Isaac Newton sich geirrt hat. Wir hingegen würden es als Wissen bezeichnen, auch wenn Newton es nicht aus früheren Gesetzen hergeleitet (und selbst wenn, so müsste er auch diese auch noch begründen müssen), sondern aus vielen Beobachtungen geschlossen hat, obwohl er sich bei keiner einzigen Beobachtung hätte sicher sein dürfen. Unser Grund das Gesetz in die Kategorie dessen einzuordnen, was wir wissen, wäre ganz einfach, dass es viele Phänomene der Physik erklärt und wir keine Gründe gegen es haben.
Auch ist es logisch möglich, ohne Hilfen durch den Atlantik zu schwimmen oder auf den Mond zu springen. Es ist nur sehr unwahrscheinlich, dass jemand das schafft. Genauso ist es logisch möglich, dass das zweite newtonsche Axiom falsch ist, aber es ist sehr wahrscheinlich, dass es wirklich stimmt. Die logische Möglichkeit, dass wir uns täuschen können, reicht folglich nicht aus, um einem Sachverhalt die Bezeichnung „Wissen“ abzusprechen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Können wir etwas wissen?: Einführung in das Problem des Skeptizismus und die grundlegende Fragestellung, wie Wissen trotz Zweifeln definiert werden kann.
1.1 Der skeptische Angriff auf den Wissensbegriff: Darstellung der skeptischen Position, die Wissen an absolute Sicherheit knüpft und den Zweifel als Mittel gegen Wissensansprüche nutzt.
1.2 Reaktionen auf die Herausforderung des Skeptikers: Diskussion verschiedener Strategien, um Wissen durch Kriterien (wie Sinneserfahrung) zu definieren, und deren Scheitern am Regress-Problem.
1.3 Die Verteidigung gegen zirkuläres Argumentieren: Untersuchung der symmetrischen Position zwischen Skeptiker und Wissendem sowie der Zurückweisung des Vorwurfs der Zirkularität.
1.4 Täuschung als hinreichender Grund gegen Wissen: Analyse anhand eines Beispiels, wann die Möglichkeit einer Täuschung ausreicht, um eine Aussage als bloße Hypothese zu klassifizieren.
1.5 Logische versus epistemische Möglichkeiten: Unterscheidung zwischen rein logischer Denkbarkeit und faktischer Wahrscheinlichkeit zur Stützung von Wissensansprüchen.
1.6 Fazit: Ein alternativer Ansatz zum Wissensbegriff: Zusammenfassende Begründung für einen schwächeren Wissensbegriff, der Wissen dort anerkennt, wo Täuschungen unwahrscheinlich sind.
Schlüsselwörter
Wissen, Skeptizismus, Erkenntnistheorie, Zweifel, Sicherheit, epistemische Möglichkeit, logische Möglichkeit, Begründung, Täuschung, Wissensbegriff, Klassische Mechanik, Newtonsche Axiome, Hypothese, Philosophie, Wahrscheinlichkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der philosophischen Herausforderung des Skeptizismus und der Frage, ob wir trotz der theoretischen Möglichkeit, uns in allem zu irren, berechtigterweise von "Wissen" sprechen können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die Erkenntnistheorie, die Definition von Wissensbedingungen, die Abgrenzung von logischen und epistemischen Möglichkeiten sowie die Problematik des Regresses bei Begründungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Angriff des Skeptikers zurückzuweisen, indem ein alltagstauglicherer, schwächerer Wissensbegriff etabliert wird, der Wissen auch ohne absolute Sicherheit zulässt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die philosophische Argumentationsanalyse, bei der skeptische Forderungen kritisch auf ihre Konsistenz und Anwendbarkeit geprüft und durch Gegenbeispiele (wie physikalische Axiome) ergänzt werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden der skeptische Kampfruf hinterfragt, das Problem der Kriterienbildung diskutiert, der Vorwurf der Zirkularität entkräftet und die Differenz zwischen logischer und epistemischer Möglichkeit herausgearbeitet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Skeptizismus, Erkenntnistheorie, epistemische Sicherheit, Begründungsregress und Wahrscheinlichkeit.
Warum reicht laut Autor die logische Möglichkeit einer Täuschung nicht aus, um Wissen zu verneinen?
Der Autor argumentiert, dass logische Möglichkeiten (wie das Schwimmen durch den Atlantik) oft so unwahrscheinlich sind, dass sie im Alltag die praktische Sicherheit einer Erkenntnis nicht entwerten können.
Wie antwortet der Autor auf den Vorwurf, dass er zirkulär argumentiere?
Der Autor entgegnet, dass der Skeptiker sich in einer ähnlichen Position befindet, da auch er Wissen (über die Bedingungen für Wissen) voraussetzen muss, um seine skeptische Position überhaupt begründen zu können.
- Arbeit zitieren
- Jan Hoppe (Autor:in), 2009, Können wir etwas wissen?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/176114