Ziel der Postergestaltung war es, der Themenstellung auf adäquater Weise gerecht zu werden. Im Mittelpunkt standen hierbei objektive, wie subjektive Methoden der Aufmerksamkeitserfassung am Bildschirm. Diese Unterteilung geht zurück auf Fleischhauer (2006). Den Gestaltern des Posters war es wichtig, zum einen einschlägige und valide Verfahren der Aufmerksamkeitsmessung darzustellen und andererseits die große Vielfalt der Herangehensweisen an diese Thematik aufzuzeigen. Die Einleitung gibt einen kurzen physiologischen Einstieg mit dem Zitat John Lockes: „Nichts kommt in den Verstand, was nicht vorher in den Sinnen war.“ Über zwei zentralen Hypothesen, der eye-mind-hypothesis und der immediacy hypothesis führt dieser Teil des Überblicks ansatzweise in die Thematik ein. Anschließend gibt die Grafik die Methoden wieder, die sich mit der Aufmerksamkeitserfassung befassen. Eingeteilt sind diese in objektive und subjektive Verfahren. Hierbei erfassen objektive Verfahren Daten wie zum Beispiel die Verweildauer von Blickbewegungen auf einem bestimmten visuellen Objekt (Fixationen) oder auch die Wechsel von einem Objekt auf das nächste (interessante) Objekt können ausgelesen werden (Sakkaden). Im Gegensatz dazu nehmen subjektive Methoden das subjektiv Erlebte auf, was der Nutzer in Interaktion mit dem System erfahren hat. Dies kann zum Beispiel mit einer anschließenden Befragung erfolgen. Im Hauptteil werden 3 Methoden näher erläutert. Das sogenannte Eye Tracking, die Lorem-Ipsum/Site-Covering-Methode und die Verbal-Protocol-Analysis. Die Wahl dieser Methoden erfolgte aufgrund oben genannter Gründe. Sie spiegelt die Heterogenität des Forschungsbereiches wider und legt Möglichkeiten dar, die Aufmerksamkeit von Menschen in Interaktion mit Maschinen auf unterschiedliche Weise zu erfassen. [...] Abschließend ist zu sagen, dass die recherchierten Methoden in hohem Maße wissenschaftlich fundiert und anerkannt sind. Die Verteilung der Aufmerksamkeit lässt sich mit den beschriebenen Methoden, sowie den anschließend folgenden Verfahren gut erfassen. Aus dem generierten Gesamtbild können dann Optimierungsvorschläge erarbeitet werden, die die Benutzung des getesteten Systems in Richtung Nutzerfreundlichkeit, Funktionalität und Design etc. verbessern können.
Inhaltsverzeichnis
I. Grundlagen und Einführung
II. Methoden
II.1. Eye-Tracking
II.2. Attention Tracking
II.3. Remote-Tracking
II.4. Site-Covering-Methode, Lorem-Ipsum-Covering-Methode
II.5. Restricted Focus Viewer
II.6. Subjektive Methoden
III. Anwendung
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist die strukturierte Zusammenstellung und wissenschaftliche Einordnung verschiedener Methoden zur Erfassung der Aufmerksamkeitsverteilung von Nutzern bei der Interaktion mit Bildschirmoberflächen, um fundierte Grundlagen für Usability-Optimierungen zu schaffen.
- Objektive vs. subjektive Verfahren der Aufmerksamkeitsmessung
- Eye-Tracking und seine technologischen Varianten
- Softwarebasierte Alternativen wie Attention Tracking und Site-Covering
- Integration und Validität der Methoden in verschiedenen Anwendungskontexten
Auszug aus dem Buch
Eye Movements as a Window on Perception and Cognition
Eine zentrale Frage, die sich zu Beginn der Erarbeitung von Methoden zur Erfassung der Aufmerksamkeitsverteilung an Bildschirmen stellt ist, warum in nahezu allen gängigen Methoden über die Messung von Blickbewegungen die Erfassung eines psychologischen Konstrukts, der Aufmerksamkeitsverteilung, eingesetzt wird. Augenbewegungen durchdringen menschliches, insbesondere visuelles Verhalten mannigfaltig in einer denkbar großen Anzahl von Alltagssituationen. Es ist elementar wichtig, Blickbewegungen als Element des Verhaltens, der Informationsverarbeitung und der Leistung eines Operators zu begreifen und als grundlegende Eintrittspforte zur Erschließung menschlicher Aufmerksamkeit und anderer kognitiver Prozesse sowie deren grundlegende Mechanismen zu verstehen.
Ein Blickbewegungsmuster wird dabei typischerweise in eine Serie diskreter Fixationen und schneller (sakkadischer) Augenbewegungen (z.B. von einem Bildschirmbereich zu einem anderen) differenziert, wobei aktive Informationsaufnahme und –verarbeitung nur stattfindet, wenn ein bestimmtes Objekt bzw. ein Bereich fixiert wird – der visuelle Input ist während der eigentlichen Blickbewegungen unterdrückt. Augenbewegungen werden durch bottom-up (oder stimulusgeleitete) sowie top-down (oder zielgeleitete) Prozesse geleitet. Occulomotorisches Verhalten wird so z.B. durch Kosten der nötigen mentalen Zugriffe, der nötigen Anstrengung und von außen einwirkende Faktoren beeinflusst.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Grundlagen und Einführung: Dieser Abschnitt thematisiert die theoretischen Fundamente, insbesondere die Kopplung von Augenbewegungen und kognitiven Prozessen sowie die Bedeutung von Verhaltensbeobachtungen in natürlichen Settings.
II. Methoden: Hier werden unterschiedliche technische und methodische Verfahren, wie Eye-Tracking, Remote-Tracking und subjektive Protokollanalysen, detailliert vorgestellt und hinsichtlich ihrer Eignung bewertet.
III. Anwendung: Dieses Kapitel veranschaulicht den praktischen Einsatz der vorgestellten Messmethoden, beispielsweise beim Vergleich von Sehbehinderten und Normalsichtigen oder der Untersuchung spezieller Zielgruppen wie der „Generation Y“.
Schlüsselwörter
Aufmerksamkeitsverteilung, Eye-Tracking, Usability, Blickbewegungen, Methodenvergleich, Site-Covering, Attention Tracking, Human-Computer-Interaction, Fixation, Sakkaden, Restricted Focus Viewer, Subjektive Methoden, Think-Aloud, Informationsverarbeitung, Nutzerfreundlichkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit dokumentiert verschiedene Methoden zur Erfassung der Aufmerksamkeitsverteilung von Nutzern bei der Arbeit am Bildschirm, um die Usability von Systemen zu verbessern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Differenzierung zwischen objektiven und subjektiven Messverfahren sowie deren technischer Umsetzung und validen Anwendung in Usability-Studien.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Bereitstellung eines fundierten Überblicks über messbare Verfahren, um Nutzern in Interaktion mit Maschinen besser zu verstehen und entsprechende Optimierungsvorschläge ableiten zu können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Recherche-Dokumentation, die verschiedene methodologische Ansätze der psychologischen und arbeitswissenschaftlichen Forschung systematisiert und gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Tracking-Methoden (Eye-, Attention-, Remote-Tracking) sowie alternative Verfahren wie Site-Covering und subjektive Protokollanalysen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe umfassen Aufmerksamkeitsverteilung, Eye-Tracking, Usability, Blickbewegungsanalyse und verschiedene Testmethoden wie das Think-Aloud-Verfahren.
Wie unterscheidet sich Eye-Tracking von der Site-Covering-Methode?
Während Eye-Tracking durch Infrarot-Technik objektive Blickverläufe aufzeichnet, erfasst Site-Covering Aufmerksamkeit indirekt durch das Ausblenden von Bereichen und aktive Mausklicks der Nutzer.
Welchen Vorteil bietet die subjektive Protokollanalyse?
Die Protokollanalyse, etwa durch „lautes Denken“, liefert wertvolle qualitative Erkenntnisse über das Erleben und die Denkprozesse des Nutzers, die durch rein apparative Methoden nicht abgebildet werden können.
Warum ist die Wahl der Methode entscheidend für das Ergebnis?
Jede Methode weist spezifische Limitationen (z.B. Kosten, Kalibrierungsaufwand, Verzerrungseffekte) auf, weshalb die Wahl je nach Fragestellung, Zielgruppe und Aufgabenkomplexität abgewogen werden muss.
- Arbeit zitieren
- Dipl.-Wirtsch.-Ing. (FH), M.Sc. Kati Schulz (Autor:in), Dipl.-Ing. Cristina Nicoara (Autor:in), M.Sc. Martin Latsch (Autor:in), Dipl.-Wirtsch.-Ing. Christian Lehsing (Autor:in), 2010, Untersuchungs-Methoden zur Erfassung der Aufmerksamkeitsverteilung am Bildschirm, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/175792