,,Immer hat Geschichte zwei Komponenten: das, was geschehen ist, und den, der das Geschehene von seinem Orte in der Zeit sieht und zu verstehen sucht. Nicht nur korrigieren neue sachliche Erkenntnisse die alten; der Erkennende selber wandelt sich. Die Vergangenheit
lebt; sie schwankt im Lichte neuer Erfahrungen und Fragestellungen."
Anhand dieses treffenden Zitats von Golo Mann, einem deutsch-schweizerischen Historiker, wird die Aufgabe der Geschichts-wissenschaft klar. Einerseits versucht, sie die Zusammenhänge des Vergangenen zu verstehen, andererseits fließen neue Erkenntnisse der
Gegenwart in die Historie ein. Golo Mann präzisiert seine Vorstellung von Geschichte, indem er die Vergangenheit als selbstständiges Konstrukt darstellt. Jener Komplex wirkt auf die
Menschen, welche sich mit eben jenem auseinandersetzen, sodass sie durch diese Behandlung zur Erkenntnis gelangen. Somit steht die Vergangenheit unter ständiger Beobachtung und letztlich auch Bearbeitung der Historiker, wodurch ihr ein vitaler Charakter zugeschrieben werden kann.
Es soll nun versucht werden, gegenwärtige Spuren der mittelalterlich-höfischen Kultur zu finden, wodurch Rückschlüsse auf den Einfluss der mittelalterlichen Kultur auf die Gegenwart gezogen werden können. Eine Analyse der Phänomene des Mittelalters ist daher
auf drei verschiedenen Ebenen vorzunehmen, um mögliche Einflussfaktoren auf die Gegenwart bestimmen zu können. So müssen das politische Leben, der gesellschaftliche Umgang sowie die Ablenkung vom Alltag des Mittelalters auf mögliche Einwirkungen auf
unsere Zeit geprüft werden.
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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Politische Phänomene des Mittelalters und ihre Relevanz
3. Die Bedeutung der „hövescheit“ für das tägliche Miteinander
4. Gesellschaftliche Rituale und Begrüßungszeremonien
5. Ablenkung vom Alltag und Freizeitgestaltung
6. Fazit und Zusammenfassung der kulturellen Einflüsse
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den kulturellen Einfluss des hohen Mittelalters auf die moderne Gesellschaft, um zu bestimmen, inwieweit mittelalterliche Strukturen und Verhaltensweisen heute noch fortbestehen oder modifiziert wurden.
- Analyse politischer Strukturen im Vergleich zur Gegenwart
- Die Entwicklung und Bedeutung der „hövescheit“ (Höflichkeit)
- Gesellschaftliche Rituale und deren Ursprung
- Vergleich der mittelalterlichen Freizeitkultur mit modernen Veranstaltungen
Auszug aus dem Buch
Die Bedeutung der „hövescheit“ für das tägliche Miteinander
Was uns vielmehr geblieben ist, sind wesentliche Elemente der „hövescheit“, die auch gegenwärtig eine zentrale Rolle des täglichen Miteinanders einnehmen. Zunächst sollte der Begriff „hövescheit“ in seiner Entstehungsgeschichte und Bedeutung analysiert werden. Die ältesten Belege führen in die Mitte des 12. Jahrhunderts zurück und beschreiben das Wesen der höfischen Damen. Noch heute existiert eine Abwandlung des Wortes „hövescheit“ im neuhochdeutschen Sprachgebrauch unter dem Begriff „Höflichkeit“.
Sind noch im Mittelalter die Verhaltensweisen zunächst nur gegenüber den Damen entscheidend, so kommt dem höflichen Verhalten untereinander, egal ob im privaten oder geschäftlichen Umgang, auch in der Gegenwart eine hohe Bedeutung zu. Es gilt für Männer, damals als auch heute, sich respektvoll, zuvorkommend und höflich gegenüber den Damen zu verhalten. Folgt man den Vorstellungen zur Gewichtung der Geschlechter, so lässt sich feststellen, dass die Frauen auch gegenwärtig als das „schwache Geschlecht“ beschrieben werden, wohingegen den Männern das „starke Geschlecht“ zugeschrieben wird. Es zeigt sich also eine Parallele zur mittelalterlichen Auffassung vom Verhalten der Geschlechter untereinander.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Thema anhand eines Zitats von Golo Mann und Festlegung der Analyseebenen Politik, gesellschaftlicher Umgang und Freizeit.
2. Politische Phänomene des Mittelalters und ihre Relevanz: Untersuchung politischer Strukturen wie Feudalismus und den ortsungebundenen Hof, die heute kaum noch direkte Entsprechungen finden.
3. Die Bedeutung der „hövescheit“ für das tägliche Miteinander: Analyse der Entwicklung von höfischen Verhaltensweisen hin zu modernen Umgangsformen und deren Bedeutung für die Geschlechterrollen.
4. Gesellschaftliche Rituale und Begrüßungszeremonien: Betrachtung politischer Begrüßungsrituale und deren Parallelen zu mittelalterlichen Empfangszeremonien an Fürstenhöfen.
5. Ablenkung vom Alltag und Freizeitgestaltung: Vergleich zwischen mittelalterlichen Turnieren und modernen Großveranstaltungen unter dem Aspekt der gesellschaftlichen Teilhabe.
6. Fazit und Zusammenfassung der kulturellen Einflüsse: Zusammenfassende Bewertung der mittelalterlichen Einflüsse auf die moderne Gesellschaft, insbesondere hinsichtlich der sozialen Stabilität durch höfische Tugenden.
Schlüsselwörter
Mittelalter, höfische Kultur, Höflichkeit, Fürstenhof, Geschichte, Gesellschaft, politische Phänomene, Golo Mann, Tradition, Umgangsformen, Rituale, Feudalismus, Kulturgeschichte, Emanzipation, Freizeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie stark die Kultur des hohen Mittelalters die heutige moderne Gesellschaft noch beeinflusst.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind das politische System, die gesellschaftlichen Umgangsformen (Höflichkeit) sowie die Freizeitgestaltung und Feste.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, zu analysieren, ob und wo heute noch Spuren der mittelalterlich-höfischen Kultur zu finden sind und welche Bedeutung diese für das Zusammenleben haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine kulturgeschichtliche Analyse, um Phänomene auf drei Ebenen (Politik, Gesellschaft, Alltag) mit dem Mittelalter zu vergleichen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Politik, höfischen Tugenden, Begrüßungsritualen und der Evolution von Freizeitveranstaltungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Mittelalter, höfische Kultur, Höflichkeit, Gesellschaft und Kulturgeschichte charakterisiert.
Warum spielt der Begriff „hövescheit“ eine so wichtige Rolle?
Der Begriff dient als Brücke, um aufzuzeigen, wie sich ursprüngliche höfische Verhaltensweisen in moderne Umgangsformen wie den „Knigge“ gewandelt haben.
Welches Fazit zieht der Autor in Bezug auf die Politik?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Politik des Mittelalters kaum Einfluss auf moderne, komplexe politische Systeme hat, mit Ausnahme kleiner Reste wie bei Antrittsbesuchen.
Wie bewertet der Autor den Einfluss des Mittelalters auf die heutige Gesellschaft?
Der Autor bewertet den Einfluss als positiv und notwendig, da höfische Tugenden zu einem friedlicheren gesellschaftlichen Miteinander beitragen.
- Arbeit zitieren
- Stefan Gnehrich (Autor:in), 2010, Welchen Einfluss hat die Kultur des hohen Mittelalters auf die Gegenwart?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/175664