Das „lebenslange Lernen“ hat in modernen Gesellschaften einen zentralen Stellenwert eingenommen. Nur wer sich kontinuierlich weiterentwickelt, kann mit dem stetigen Wandel schritthalten, und so die Teilhabe an der Gesellschaft und das Bestehen auf dem Arbeitsmarkt sichern. Die wichtige ökonomische, soziale und individuelle Bedeutung die Bildung, und vor allem Weiterbildung, mittlerweile erlangt hat, stellt große Herausforderungen an Weiterbildungsanbieter. Sie haben die Aufgabe die Menschen beim Prozess des lebenslangen Lernens durch entsprechende Angebote und Beratung zu unterstützen und zu begleiten. Vor allem das in der Weiterbildung tätige Personal nimmt bei der Gestaltung dieser Prozesse eine Schlüsselrolle ein. Sie haben einen entscheidenden Einfluss auf die Qualität des Lehrens und Lernens in der Weiterbildung. Bisher standen ihre Aus- und Fortbildungen sowie ihre erwachsenenpädagogischen Qualifikationen und Kompetenzen jedoch wenig im Fokus der Forschung. Während es für andere Bildungsbereichen, wie Schule und Kindererziehung, formal geregelte Zugangswege sowie definierte Qualifikationsstandards und detaillierte Kompetenzbeschreibungen gibt, fehlen diese für den Weiterbildungsbereich in Deutschland noch weitgehend. In der Weiterbildung arbeiten viele „Quereinsteiger“ mit oftmals beliebigen Abschlüssen und Qualifizierungen. Dies wird im Hinblick auf die Sicherstellung von Professionalität und Qualität in der Weiterbildung sehr kritisch gesehen, und geht mit einer Abwertung des spezifischen erwachsenenpädagogischen Wissens und der erwachsenenpädagogischen Tätigkeit einher. Denn die Professionalität des Personals ist eine Voraussetzung für Qualität in der Weiterbildung. Doch solange wie nicht festgelegt ist, welche Kompetenzen und Qualifikationen vom Weiterbildungspersonal erwartet bzw. benötigt werden, können weder die Weiterbildungsanbieter, noch die Weiterbildner/innen selbst, noch die potenziellen Teilnehmer einschätzen, welchen Wert bestimmte Qualifizierungen haben. Vor allem im Hinblick auf Professionalisierung und Qualitätsentwicklung rückt die Forderung nach Standards in der Weiterbildung zunehmend in den Mittelpunkt. (vgl. Kraft 2006b; Kraft u.a. 2009)
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Professionalisierung
2.1. Professionalisierung als Verberuflichung
2.2. Professionalisierung als Qualitätsentwicklung
3. Zur Situation des Weiterbildungspersonals
3.1. Beschäftigungsverhältnis
3.2. Anzahl der Beschäftigten
3.3. Qualifizierung der Beschäftigten
3.4. Berufsbezeichnungen
3.5. Aus- und Fortbildungswege
3.6. Aufgaben- und Tätigkeitsfelder
4. Zur Notwendigkeit von Kompetenzprofilen
5. TQW
6. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, inwiefern die Etablierung standardisierter Kompetenzprofile für das Weiterbildungspersonal zur Professionalisierung und Qualitätsentwicklung in der Erwachsenenbildung beitragen kann. Im Zentrum steht dabei die Analyse der aktuellen, oft unstrukturierten Situation des Personals sowie der Bedarf an einem einheitlichen Qualifizierungsrahmen.
- Grundlagen der Professionalisierungsdebatte in der Erwachsenenbildung.
- Analyse der aktuellen Beschäftigungs- und Qualifizierungssituation.
- Bedeutung von Kompetenzprofilen für die Qualitätssicherung.
- Vorstellung des Konzepts TQW (Trainer-Qualifizierung-Weiterbildung).
Auszug aus dem Buch
2.1. Professionalisierung als Verberuflichung
Ihren Ursprung hat die Professionalisierungsdebatte in den 1970er Jahren. Ausgangspunkt war die deutsche Bildungsreform von Ende der 1960er bis Ende der 1970er Jahre und die damit verbundene sogenannte „realistische Wende“ in der Erwachsenenbildung. Damals wurde Professionalisierung vor allem als Professionsentwicklung verstanden, im Sinne einer Verberuflichung. Ziel war die Entwicklung eines eigenständigen Berufsfeldes mit einer hauptberuflichen pädagogischen Tätigkeit. Bis dahin hatte Weiterbildung überwiegend einen hobbymäßigen und allgemeinbildenden Charakter und wurde hauptsächlich von Neben- und Ehrenamtlichen getätigt. (vgl. Arnold 2006; Galiläer 2005; Gieseke 2009; Peters 2004)
Die zunehmende gesellschaftliche Bedeutung von lebenslanger Bildung und die anwachsende Notwendigkeit der kontinuierlichen beruflichen Weiterentwicklung stellten neue Herausforderungen an Weiterbildungseinrichtungen und das Weiterbildungspersonal. Es kam immer mehr die Forderung nach einem „verwendungsorientierten, systematischen Lehrens und Lernens Erwachsener“ (Peters 2004, S.20) auf. Erwachsenenpädagogische Aufgaben, die bisher mehr nebenbei und amateurhaft ausgeführt worden sind, sollten „nunmehr „professionell“, d.h. arbeitsteilig, theoretisch begründet und erfolgskontrolliert ausgefüllt werden.“ (Arnold 2006, S.204/205) Die neuen Anforderungen erforderten, anstelle von Erwachsenenbildner/inne/n mit beliebigem Beruf und beliebiger Ausbildung, einen „sozialwissenschaftlich ausgebildete(n) Planer und Vermittler von Qualifikationen und Kompetenzen, der gesellschaftliche Bildungsbedarfe und subjektive Bildungsbedürfnisse in ansprechende Programme und tatsächliche Lehr-Lernprozesse umsetzen konnte.“ (Peters 2004, S.20)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die steigende Bedeutung des lebenslangen Lernens und identifiziert die mangelnde Standardisierung von Qualifikationen des Weiterbildungspersonals als zentrales Problem für die Qualität.
2. Professionalisierung: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Konzepte von Professionalisierung sowohl unter dem Aspekt der Verberuflichung als auch der Qualitätsentwicklung durch individuelle Kompetenz.
3. Zur Situation des Weiterbildungspersonals: Es wird der Ist-Zustand des Personals analysiert, gekennzeichnet durch hohe Heterogenität, instabile Beschäftigungsverhältnisse und vielfältige, teils fehlende Qualifikationswege.
4. Zur Notwendigkeit von Kompetenzprofilen: Der Autor argumentiert, dass standardisierte Kompetenzprofile entscheidend sind, um Transparenz zu schaffen und die Vergleichbarkeit von Qualifikationen im Bereich der Weiterbildung zu erhöhen.
5. TQW: Dieses Kapitel stellt das Konzept der „Trainer-Qualifizierung-Weiterbildung“ als praxisnahen Ansatz zur Implementierung eines modularen Qualifizierungsrahmens vor.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Einführung verbindlicher Kompetenzstandards für eine nachhaltige Professionalisierung und Qualitätssteigerung unerlässlich ist.
Schlüsselwörter
Professionalisierung, Erwachsenenbildung, Weiterbildungspersonal, Kompetenzprofile, Qualitätsentwicklung, Verberuflichung, TQW, lebenslanges Lernen, Qualifizierungsrahmen, Didaktik, Bildungsstandards, Professionalität, Kursleiter, Pädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Professionalisierung des Personals in der Erwachsenenbildung und die Forderung nach standardisierten Kompetenzprofilen zur Sicherung der Qualität.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die Debatte über Professionalisierung, die Analyse der Beschäftigungssituation sowie die Einführung von Qualifizierungsstandards.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie durch standardisierte Kompetenzprofile der Professionalisierungsprozess vorangetrieben und die Qualität der Weiterbildung verbessert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine theoretische Aufarbeitung bestehender Fachliteratur und Berichte sowie auf die Analyse aktueller Daten zur Situation des Weiterbildungspersonals.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Historie des Professionalisierungsbegriffs, der prekären Situation des Personals hinsichtlich Status und Qualifikation sowie der Notwendigkeit systematischer Profile.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Professionalisierung, Kompetenzprofile, Erwachsenenbildung, Weiterbildungspersonal und Qualitätssicherung.
Was unterscheidet das TQW-Konzept von bisherigen Ansätzen?
TQW setzt auf einen trägerübergreifenden, modularen Qualifizierungsrahmen, der Verbindlichkeiten schafft, ohne die Besonderheiten der verschiedenen Träger und Verbände auszuschließen.
Warum wird das Fehlen einheitlicher Berufstitel kritisiert?
Die Vielfalt der Bezeichnungen erschwert die Abgrenzung des Berufsbildes, die Vergleichbarkeit von Qualifikationen und damit die professionelle Wahrnehmung des Personals.
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- Lisa Sokolowski (Author), 2011, Kompetenzprofile für Weiterbildner/innen - ein Beitrag zur Professionalisierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/175570