Wenn über die Einbindung des Pferdes in den schulischen Kontext nachgedacht wird, kommt häufig der Einwand: "Das ist doch viel zu exklusiv, zu teuer, versicherungstechnisch zu problematisch und schließlich: wo ist der Bildungswert?"
Diese Arbeit soll versuchen, die oben angeführten Einwände zu widerlegen und die Nutzbarkeit des Pferdes im schulischen Kontext zu erläutern.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Lebewesen Pferd
2.1 Das Wesen des Pferdes
2.2 Die pädagogische Nutzbarkeit der artspezifischen Verhaltensweisen des Pferdes
3. Gründe für den Einsatz von Pferden
3.1 Die Förderung im sozialen und emotionalen Bereich
3.2 Die Förderung im psychischen Bereich
3.3 Die Förderung im sportlichen Bereich
3.4 Gründe gegen den Einsatz von Pferden
4. Einbindung des Pferdes in den schulischen Alltag
4.1 Kooperation mit einem geeigneten Reitbetrieb/ Reitverein
4.2 Genehmigungen
4.3 Kosten und Finanzierung
5. Ästhetik
5.1 Ästhetische Bildung
5.2 Ästhetische Bildung durch Reiten
6. Schlussbemerkung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht die pädagogische und entwicklungsfördernde Bedeutung des Pferdes im schulischen Kontext. Ziel ist es, Vorbehalte gegenüber dem Einsatz von Pferden an Schulen zu entkräften, indem die vielfältigen positiven Einflüsse auf Schüler sowie die konkreten Rahmenbedingungen für eine Integration, etwa durch Arbeitsgemeinschaften, dargelegt werden.
- Soziale und emotionale Persönlichkeitsentwicklung
- Förderung der Konzentrationsfähigkeit und psychischen Stabilität
- Physische Effekte und sportliche Förderung durch Reiten
- Methoden und Rahmenbedingungen für die schulische Einbindung
- Ästhetische Bildung im Kontext der Begegnung mit Tieren
Auszug aus dem Buch
2.1 Wesen des Pferdes
Selbst in der heutigen Zeit ist in der Wissenschaft ein Geheimnis um das Pferd ungelöst, nämlich sein Gehorsam gegenüber dem Menschen. Die Frage, warum sich ein Lebewesen mit einem Gewicht von nahezu einer Tonne, das eine Geschwindigkeit von 80km/h erreichen kann und das zehnfache seines Eigengewichtes zieht, dem eher schwächlichen Menschen unterwirft, ist noch immer ebenso rätselhaft wie vor 10.000 Jahren, als der Mensch sich das Pferd untertan machte.“ Auch wenn dieses Rätsel bis heute nicht gelöst ist, so wissen wir doch einiges über das Wesen des Pferdes, was es uns wiederum erleichtert, es zu verstehen und vor allem das Pferd zu unserem „Partner“ macht.
Das Pferd ist ein soziales Herdentier. Der Herdenverband, in dem es lebt, bietet ihm Schutz und Sicherheit. Außerdem lernen jüngere Pferde durch Nachahmen von älteren Pferden. Eine weitere Eigenschaft des Pferdes ist es, daß es bei Gefahr flüchtet und nicht kämpft. Im ursprünglichen Lebensraum, der Steppe, war es für Pferde wichtig, schnell flüchten zu können, um sich in Sicherheit zu bringen. Eine Ausnahme bildet die Situation eines Muttertieres, das ein Fohlen hat und dieses noch nicht so schnell fliehen kann. Dann verteidigt die Stute ihr Fohlen gegen Raubtiere mit ihren Hinterhufen.
Pferde brauchten aber, um zu überleben, nicht nur einen guten Fluchtreflex, sondern auch sehr ausgereifte Sinne, damit sie Feinde früh genug wahrnehmen konnten. „Die Augen sind anders als beim Menschen, seitlich am Kopf angesetzt und ermöglichen dem Pferd damit einen Rundumblick von fast 360 Grad.“ Aber nicht nur die Augen sind wichtig für die „Feinderkennung“ - auch ein sensibles Gehör spielt eine große Rolle. „Pferde haben ein sensibles Gehör und können sogar im Ultraschallbereich hören.“ Hinzu kommt der Geruchssinn des Pferdes, der sehr gut ausgebildet ist. „Pferde nehmen in der Ferne Witterung auf, um einen Feind auszumachen. Artgenossen erkennen sich durch den Geruch und auch Futter und Wasser wird mit der Nase geprüft.“ Weil Pferde nicht sprechen können, sind sie in ihrer Kommunikation auf Körpersprache angewiesen. „Die Körpersprache ist komplex und jede Bewegung ist für das Pferd eine Information.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die kritischen Fragen zur Sinnhaftigkeit und Umsetzbarkeit von Pferde-Projekten an Schulen und erläutert den Aufbau der Untersuchung.
2. Das Lebewesen Pferd: Hier werden die biologischen Grundlagen, insbesondere das Sozialverhalten und die Kommunikationsformen des Pferdes, sowie dessen Eignung als unvoreingenommener Partner für Menschen beschrieben.
3. Gründe für den Einsatz von Pferden: Dieses Kapitel analysiert die ganzheitlichen Förderungsmöglichkeiten durch den Umgang mit Pferden in den Bereichen Soziales, Psyche und Sport sowie eine Auseinandersetzung mit Gegenargumenten wie Unfallrisiken.
4. Einbindung des Pferdes in den schulischen Alltag: Es werden die praktischen Voraussetzungen für Reit-AGs erörtert, inklusive der nötigen Kooperationen, behördlicher Genehmigungsverfahren und der Finanzierungsmöglichkeiten.
5. Ästhetik: Dieses Kapitel befasst sich mit dem Begriff der Ästhetischen Bildung und verknüpft diesen theoretisch und praktisch mit der Erfahrungswelt, die sich durch den Umgang mit Pferden eröffnet.
6. Schlussbemerkung: Abschließend wird resümiert, dass der Einsatz von Pferden als förderndes Medium in unserer reizüberfluteten Gesellschaft einen hohen pädagogischen Mehrwert bietet.
Schlüsselwörter
Pferd, schulischer Kontext, Reit-AG, Persönlichkeitsbildung, Ästhetische Bildung, Sozialverhalten, Pädagogik, Tiergestützte Förderung, Konzentrationsfähigkeit, Motorik, Kommunikation, Verantwortung, Schulsport, Gesundheitsförderung, Entwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Nutzbarkeit und den Bildungswert des Pferdes im schulischen Kontext und wie diese als pädagogisches Mittel zur Förderung von Kindern und Jugendlichen eingesetzt werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den zentralen Themen gehören die Verhaltensbiologie des Pferdes, die pädagogische Förderung in sozialen, psychischen und sportlichen Bereichen sowie die praktischen Hürden und Voraussetzungen zur Implementierung von Schul-Reitprojekten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Einwände wie hohe Kosten oder mangelnden Bildungswert zu widerlegen und den positiven, ganzheitlichen Einfluss des Pferdes auf die Schülerentwicklung wissenschaftlich begründet darzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine fundierte Literaturanalyse und bezieht sich dabei unter anderem auf Studien zur Ästhetischen Bildung sowie sportpädagogische Grundlagen zum Lehren und Lernen im Reitsport.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Charakterisierung des Pferdes, die detaillierte Beschreibung von Förderbereichen, die praktischen Rahmenbedingungen einer Reit-AG und die theoretische Verknüpfung von Reiten mit Ästhetischer Bildung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich besonders durch Begriffe wie Persönlichkeitsbildung, Ästhetische Bildung, soziale Verantwortung, ganzheitliche Förderung und schulische Einbindung kennzeichnen.
Wie kann das Pferd bei Konzentrationsschwächen in der Schule helfen?
Der Umgang mit dem Pferd erfordert unmittelbare Aufmerksamkeit und Konzentration, da das Tier auf das Handeln reagiert und der Schüler sich realitätsnah auf komplexe Bewegungsabläufe einstellen muss, was Ablenkungen minimiert.
Warum ist die Kooperation mit einem Reitverein für Schulen so wichtig?
Da Schulen in der Regel nicht über eigene Stallungen oder Pferde verfügen, ist eine Kooperation mit einem externen Partner die einzige Möglichkeit, das notwendige Fachpersonal, die Tiere und die Infrastruktur für eine regelmäßige Reit-AG bereitzustellen.
Welche Rolle spielt die Ästhetik bei der Arbeit mit Pferden?
Ästhetik wird hier als sinnliche Wahrnehmung definiert; der Umgang mit dem Pferd schult diese Wahrnehmung und verbindet rationales Lernen mit emotionalen Erfahrungen, was weit über reinen Wissenserwerb hinausgeht.
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- Veronika Dombaj (Author), 2008, Die Nutzbarkeit des Pferdes im schulischen Kontext, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/175462