Zu einer Zeit, als Autoren noch weitgehend starre, gekünstelte Poetiken beim Abfassen ihrer Werke folgten, erwies sich Ludwig Tieck einmal mehr als Pionier der Deutschen Literatur, und als Wegbereiter der Moderne. Sein Spiel mit den Formen ist für seine Zeit beispiellos und besonders das Konstruktionsprinzip der "Metalepse" dient ihm zur Versinnbildlichung der Vermischung von Realität und Phantastischem.
Die Arbeit untersucht seine Novelle "Der blonde Eckbert" im Hinblick auf die Kategorie des "Modus" nach Genette und versucht die Verflechtung von Form und Inhalt nachzuvollziehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die erzähltheoretische Kategorie des „Modus“ nach Genette
2.1 Distanz und Fokalisierung
2.2 Formen der Fokalisierung
2.3 Formen der Figurenrede
3. Analyse der Novelle „Der blonde Eckbert“
3.1 Fokalisierungsstrukturen
3.2 Distanz und Wiedergabeformen
3.3 Dramatische Tendenzen im Finale
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die erzähltheoretische Kategorie des „Modus“ nach dem Modell von Gérard Genette und wendet diese auf die frühromantische Novelle „Der blonde Eckbert“ von Ludwig Tieck an, um die narrativen Verfahren der Unmittelbarkeit und Perspektivierung aufzuzeigen.
- Grundlagen der Erzähltheorie (Genette)
- Die Unterkategorien Distanz und Fokalisierung
- Formen der Figurenrede und ihre Mittelbarkeit
- Strukturelle Analyse der Novelle "Der blonde Eckbert"
- Verhältnis von Novelle und Drama im Hinblick auf den Modus
Auszug aus dem Buch
Analyse der Fokalisierungsstrukturen in Tiecks "Der blonde Eckbert"
Vom Beginn der Novelle bis zum Einsatz der Binnennovelle liegt eine Nullfokalisierung vor, für die Textstellen zeugen, wie „Sein Weib liebte die Einsamkeit ebensosehr“ und mehr noch, dass Eckbert eine „gewisse Verschlossenheit“ an den Tag legte, aber „nur wenn er allein war“ (S.3), was von potentiellen Dritten nicht einsehbar ist, und somit nicht fokalisiert wird. Es ist allerdings zu bemerken, dass sehr wenig Information über das Gefühlsleben der Handelnden oder andere Indikatoren für Nullfokalisierung, wie Übersicht über simultan an verschiedenen Orten ablaufende Prozesse, vom Erzähler berichtet werden, was zumindest bis zu Berthas Erzählung über weite Strecken den Charakter einer Außensicht hat.
Die starke Narrativität der Binnennovelle Berthas, die von ihr als homodiegetische Erzählerin vorgetragen wird, wird durch die vermittelte Form der indirekten Rede unterstützt. Die gesamte Binnennovelle (S.3-18) hindurch finden sich Textbeispiele, wie „hört’ ich beständig von mir, dass ich ein einfältiges, dummes Kind sei“ (S.5), „sagte sie mir, ich möchte ihr folgen“ (S.9), „sagte mir, dass sie diesmal länger als gewöhnlich ausbleiben werde“ (S.15). Auch finden sich nun Erzählungen von Gedanken, die ebenfalls in indirekter Rede plus verba credendi wiedergegeben werden: „ich erriet nun, dass ich mich […] befinden müsse“ (S.6). Die Fokalisierung wechselt, und Bertha wird zum focalizer, durch den nun intern fokalisiert wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Aufgabenstellung und Zielsetzung der erzähltheoretischen Untersuchung.
2. Die erzähltheoretische Kategorie des „Modus“ nach Genette: Erläuterung der theoretischen Grundlagen zu Distanz, Fokalisierung und Formen der Figurenrede.
3. Analyse der Novelle „Der blonde Eckbert“: Praktische Anwendung der Theorie auf den Novellentext mit Fokus auf den Wechsel der Erzählweisen.
4. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse hinsichtlich der narrativen Struktur und der dramatischen Züge der Novelle.
Schlüsselwörter
Erzähltheorie, Modus, Distanz, Fokalisierung, Genette, Ludwig Tieck, Der blonde Eckbert, Nullfokalisierung, Binnennovelle, Figurenrede, indirekte Rede, Dramatik, Romantik, Erzählinstanz, Mittelbarkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung moderner erzähltheoretischer Konzepte auf ein klassisches Werk der Romantik.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Kategorien Distanz und Fokalisierung sowie die verschiedenen Formen der Figuren- und Gedankenrede.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die „Modus“-Kategorie nach Gérard Genette zu erläutern und an Tiecks Novelle „Der blonde Eckbert“ narratologisch zu verifizieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine strukturalistische Erzählanalyse nach dem Modell von Genette angewandt, ergänzt durch hermeneutische Aspekte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung und die konkrete Analyse der Fokalisierungswechsel sowie der Wiedergabeformen in Tiecks Novelle.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Erzähltheorie, Modus, Fokalisierung, Distanz, Nullfokalisierung und narrative Vermittlung.
Wie unterscheidet sich die Binnennovelle von der Rahmenerzählung hinsichtlich des Modus?
Die Binnennovelle zeichnet sich durch einen Wechsel zur internen Fokalisierung durch die Figur Bertha aus, während der Rahmen eher eine Nullfokalisierung aufweist.
Welche Bedeutung kommt dem Finale für die Analyse zu?
Das Finale zeigt eine Zunahme an dramatischem Modus und unmittelbarer Wiedergabe, was die Nähe der Novelle zum Drama unterstreicht.
Warum ist die Typologie nach Genette laut Autor teilweise problematisch?
Der Autor weist darauf hin, dass der irreduzible Horizont eines nicht fokalisierten Erzählers bei schnellen Wechseln schwer von der Nullfokalisierung abzugrenzen ist.
Was sagt die Arbeit über das „Gottesauge“ des Erzählers aus?
Die Nullfokalisierung wird als „Gottesperspektive“ gedeutet, die dem Leser eine Identifikation ermöglicht und eine Art ungestrafte Hybris darstellt.
- Arbeit zitieren
- Alexander Skrzipczyk (Autor:in), 2011, Alexander Skrzipczyk - Die narratologische Kategorie des "Modus" anhand Ludwig Tiecks "Der Blonde Eckbert", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/175391