Heutzutage werden Substantive, die mit Hilfe der Derivation mit –ung gebildet werden, nur noch in bestimmten semantischen Rahmen erzeugt und benutzt. Zwar gibt es auch hier Ausnahmen, doch sind diese aus früheren Sprachformen des Deutschen übernommen. Abgesehen von diesen Fällen, ist es nicht mehr so einfach wie im Frühneuhochdeutschen, Substantive mit –ung zu bilden. In der Literatur wird zwar rege über die Nominalisierung von Verben mit Hilfe des Suffixes –ung diskutiert, doch kann bis heute nicht klar festgelegt werden, weshalb und wie das Wortbildungspotential der ung-Nominalisierung eingeschränkt ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Flexion und Derivation
2.1 Flexion
2.2 Derivation
3. UNG-Nominalisierung im diachronen Überblick vom Frühneuhochdeutschen zum Gegenwartsdeutschen
3.1 UNG-Derivate im Frühneuhochdeutschen
3.2 UNG-Derivate im Gegenwartsdeutschen
3.3 Was spielt eine Rolle bei der Realisierung von ung-Derivaten?
3.4 Unterschiede zwischen frühneuhochdeutscher und gegenwartsdeutscher Nutzung von ung-Derivaten
4. Das Lexikon
5. Zusammenschau
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den diachronen Wandel der morphologischen Produktivität von ung-Nominalisierungen vom Frühneuhochdeutschen bis hin zum Gegenwartsdeutschen und analysiert die semantischen sowie lexikalischen Restriktionen, die zur heutigen Einschränkung dieses Wortbildungspotentials führen.
- Morphologische Grundlagen der Derivation und Flexion
- Diachroner Vergleich der ung-Derivationsmöglichkeiten
- Semantische Restriktionen und Anwendungsdomänen im Gegenwartsdeutschen
- Einfluss des mentalen Lexikons und das "Avoid Synonymy Principle"
- Differenzierung zwischen Konversion und ung-Nominalisierung
Auszug aus dem Buch
Was spielt eine Rolle bei der Realisierung von ung-Derivaten?
Unter anderem die morphologische Komplexität des Basisverbs hat Einfluss auf die Umsetzbarkeit einer ung-Nominalisierung. Die Empirie zeigt, dass es einfacher ist beziehungsweise, dass es häufiger vorkommt, dass eine komplexe Basis Ausgangsverb für eine ung-Nominalisierung ist.
So kann man zwar aus ‚hören’ keine ‚Hörung’ machen, sondern es wird das Substantiv ‚(das) Hören’ benutzt, doch kann man aus dem Verb ‚anhören’ die Substantive ‚Anhören’ und ‚Anhörung’ herstellen. Diese sind semantisch unterschiedlich aufgeladen. ‚Anhörung’ ist ein feststehender Begriff im juristischen Sprachgebrauch, der auch in den normalen Sprachgebrauch Einzug gehalten hat.
Im Juristen- und Amtsdeutsch gibt es viele Nominalisierungen mit –ung. Hierbei werden komplexe Sachverhalte auf ein Substantiv quasi heruntergebrochen. In der Standardsprache gilt dies allerdings als schlechter Stil und ist sehr oft nicht auf andere Sachverhalte anwendbar.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Thematik der ung-Nominalisierung und Darstellung der Forschungsfrage bezüglich der abnehmenden Produktivität im diachronen Vergleich.
Flexion und Derivation: Klärung der theoretischen Grundlagen der Morphologie und Abgrenzung von Flexion und Derivation sowie der Konversion.
Flexion: Definition der Flexion als Wortformbildung innerhalb eines gegebenen Paradigmas ohne Wortartwechsel.
Derivation: Erläuterung der Wortbildung durch Affixe oder Nullmorpheme zur Erzeugung neuer Wörter in einer neuen Wortart.
UNG-Nominalisierung im diachronen Überblick vom Frühneuhochdeutschen zum Gegenwartsdeutschen: Untersuchung des Produktivitätswandels anhand der Grundthese von Ulrike Demske unter Berücksichtigung von 381 Lexemen.
UNG-Derivate im Frühneuhochdeutschen: Analyse der geringeren Einschränkungen bei der Derivation mit -ung im frühneuhochdeutschen Sprachgebrauch.
UNG-Derivate im Gegenwartsdeutschen: Darstellung der aktuellen Verwendung von ung-Nominalisierungen als Bezeichner für partikulare Ereignisse und der damit verbundenen Restriktionen.
Was spielt eine Rolle bei der Realisierung von ung-Derivaten?: Untersuchung des Einflusses der morphologischen Komplexität und der semantischen Aufladung durch das mentale Lexikon.
Unterschiede zwischen frühneuhochdeutscher und gegenwartsdeutscher Nutzung von ung-Derivaten: Gegenüberstellung der veränderten semantischen Möglichkeiten bei der Bildung von ung-Derivaten.
Das Lexikon: Analyse der Rolle des mentalen Lexikons bei der Unterbindung semantischer Doppelbelegungen durch das "Avoid Synonymy Principle".
Zusammenschau: Fazit zur Bestätigung der These, dass die Produktivität der ung-Nominalisierung vom Frühneuhochdeutschen zum Gegenwartsdeutschen signifikant abgenommen hat.
Schlüsselwörter
Morphologie, Derivation, ung-Nominalisierung, Frühneuhochdeutsch, Gegenwartsdeutsch, Sprachwandel, Produktivität, Wortbildung, mentales Lexikon, Avoid Synonymy Principle, Konversion, Semantik, Komplexität, Nomina actionis, Sprachgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der linguistischen Untersuchung der ung-Nominalisierung und der Frage, warum die Produktivität dieses Wortbildungsverfahrens vom Frühneuhochdeutschen bis heute abgenommen hat.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Morphologie, der diachrone Sprachwandel, die Bedingungen für Wortbildungsregeln sowie die Rolle des mentalen Lexikons bei der Vermeidung von Synonymen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, am Beispiel der ung-Derivate einen Wandel der morphologischen Produktivität aufzuzeigen und die Gründe für die heutigen semantischen Restriktionen zu erklären.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf linguistischer Fachliteratur (insbesondere Ulrike Demske) sowie auf der Analyse von Beispielen aus der Sprachgeschichte und dem Gegenwartsdeutsch basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen von Flexion und Derivation, den Vergleich der Produktivität in verschiedenen Epochen sowie die Analyse der lexikalischen und semantischen Einschränkungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselwörter sind Morphologie, ung-Nominalisierung, Produktivität, diachroner Wandel, semantische Restriktionen und das mentale Lexikon.
Warum ist die Unterscheidung zwischen Konversion und ung-Derivation wichtig?
Die Unterscheidung ist deshalb wichtig, da beide Verfahren unterschiedliche Sachverhalte ausdrücken können und das mentale Lexikon eine Blockierung von Neubildungen vornimmt, wenn bereits ein Synonym existiert.
Was besagt das "Avoid Synonymy Principle" in diesem Kontext?
Das Prinzip besagt, dass das mentale Lexikon versucht, unnötige Doppelbelegungen von Lexemen zu vermeiden, was dazu führt, dass bestimmte ung-Nominalisierungen blockiert werden, wenn eine Konversion oder ein anderes Wort bereits die gleiche Bedeutung trägt.
Wie unterscheiden sich ung-Derivate im Frühneuhochdeutschen von heutigen?
Im Frühneuhochdeutschen unterlagen die Bildungen deutlich weniger semantischen Restriktionen; das Suffix -ung diente primär der Anzeige der Nominalisierung, während es im Gegenwartsdeutsch eine spezifische temporale Aspektmarkierung vornimmt.
- Arbeit zitieren
- Carola Beck (Autor:in), 2008, Die ung-Nominalisierung vom Frühneuhochdeutschen zum Gegenwartsdeutschen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/175301