Schon seid bald einem Jahrtausend hält die Faszination – und Verwirrung – um den ontologischen Gottesbeweis Anselm von Canterburys an. Argument hat im Lauf der Jahrhunderte viele Verteidiger gehabt und eine Menge von Reformulierungen erlebt. Dabei enthält die Liste der Philosophen, die es erneut vorgebracht haben oder vorbringen Namen wie Descartes, Spinoza, Leibniz und als einem der aktuellsten Alvin Plantinga. Trotzdem verbreitet dieses Argument für viele die Atmosphäre eines nicht ernst gemeinten Witzes, da es irgendwie zu schön um wahr zu sein scheint.
Es geht darum: Kann der Mensch allein durch den Gebrauch seines Verstandes oder seiner Vorstellungskraft beweisen, dass dass etwas, im besonderen Sinne Gott, wirklich existiert? In diesem Essay soll das ontologische Argument in der Analyse Plantingas untersucht werden. Danach soll Plantingas eigene Version rekonstruiert und die Leistungsfähigkeit seiner Überlegungen diskutiert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Der ontologische Gottesbeweis in der Rekonstruktion und Kritik Alvin Plantingas
2. Anselms onologisches Argument für die Existenz Gottes
3. Plantingas Kritik
4. Plantingas eigenes Argument
5. Die Leistungsfähigkeit von Plantingas Argument
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das ontologische Argument für die Existenz Gottes, ausgehend von der klassischen Formulierung Anselm von Canterburys bis hin zur modernen Rekonstruktion durch den Philosophen Alvin Plantinga. Ziel ist es, die logische Struktur beider Argumentationen nachzuvollziehen, die von Plantinga geübte Kritik an Anselm zu analysieren und schließlich die Leistungsfähigkeit sowie die erkenntnistheoretischen Implikationen des plantingaschen Modells unter Verwendung der Mögliche-Welten-Semantik kritisch zu diskutieren.
- Der ontologische Gottesbeweis: Historischer Kontext und klassische Kritik.
- Anselms reductio-ad-absurdum-Argument in der Analyse Plantingas.
- Transfer des Arguments in die moderne Mögliche-Welten-Semantik.
- Kritische Auseinandersetzung mit der Kernprämisse der maximalen Größe.
- Metaphysische Tragweite und rationale Vertretbarkeit des Gottesglaubens.
Auszug aus dem Buch
Anselms onologisches Argument für die Existenz Gottes
Anselms reductio-ad-absurdum-Argument wird in der Regel – so auch von Plantinga – in sechs wesentliche Schritte geteilt, worauf die Schlussfolgerung folgt, dass Gott wirklich existieren muss. Diese Schritte werden von Plantinga umformuliert, teilweise etwas feiner aufgespalten und in die Mögliche-Welten-Semantik übertragen. Seine Überlegungen sollen nun kurz skizziert werden.
Anselm beginnt mit der Definition Gottes als das worüber nichts größeres gedacht werden kann und der Annahme „Gott existiert im Verstand, nicht aber in Wirklichkeit“ was von Plantinga zu seinem ersten Schritt „Gott existiert nicht in der wirklichen Welt“ vereinfacht wird. Das Ziel des Arguments ist es, diese Behauptung widerlegen zu können.
Plantinga diskutiert danach den schwierigen Teil in den Überlegungen Anselms, bei dem es um Existenz als Größe-verleihende-Eigenschaft geht. Der Sinn in dem „größer“ hier gebraucht wird, meint wahrscheinlich etwas ähnliches wie „erhabener, hochwertiger“ oder „qualitativer.“ Insgesamt ist es in vielen Fällen kaum vorstellbar, inwiefern ein Vergleich im Sinne von x ist größer als y überhaupt möglich sein soll, wenn man für x und y beispielsweise einen Regenwurm und einen Canyon einsetzt. Inwiefern sind beide kommensurabel? Daher interpretiert Plantinga seinen mittelalterlichen Zunftgenossen so, dass dieser einfach behauptet, dass wenn ein Gegenstand x in der Welt W existiert, aber nicht in W', dann ist x in W größer als in W'. Und da die Existenz Gottes keinen logischen Widerspruch in sich birgt, kann Plantinga sogar sagen, dass es für jeden Gegenstand (dessen Existenz auch kein logischer Widerspruch ist) gilt, wenn x in einer Welt W nicht existiert, es eine andere Welt W' gibt, in x in W' größer ist als in W (sein Schritt (2)). Die andere Welt von der hier die Rede ist darf nicht verwirren. Damit ist einfach eine andere mögliche Welt gemeint, die auch so sein könnte. Beispielsweise wenn man die Augen schließt und sich die Welt ein wenig anderes vorstellt, als sie ist, denkt man eine andere mögliche Welt. In diesem Sinne soll „Welt“ hier gemeint sein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Der ontologische Gottesbeweis in der Rekonstruktion und Kritik Alvin Plantingas: Einführung in die historische Faszination des Arguments sowie Abgrenzung zu einer reduktionistischen Kritik, wie sie etwa Richard Dawkins vertritt.
2. Anselms onologisches Argument für die Existenz Gottes: Skizzierung der klassischen Argumentationsschritte Anselms unter Anwendung der von Plantinga bevorzugten Mögliche-Welten-Semantik.
3. Plantingas Kritik: Detaillierte Untersuchung der logischen Schwachstellen in der ursprünglichen Argumentation, die durch eine präzisere Formulierung der Prämissen aufgedeckt werden.
4. Plantingas eigenes Argument: Darstellung der neu formulierten Version des Gottesbeweises, in der Existenz als notwendige Bedingung für Vollkommenheit integriert wird.
5. Die Leistungsfähigkeit von Plantingas Argument: Kritische Reflexion der Rationalität des Arguments und Diskussion der erkenntnistheoretischen Grenzen bei metaphysischen Fragestellungen.
Schlüsselwörter
Ontologischer Gottesbeweis, Alvin Plantinga, Anselm von Canterbury, Mögliche-Welten-Semantik, Analytische Religionsphilosophie, Maximale Größe, Metaphysik, Existenz, Reductio ad absurdum, Natürliche Theologie, Rationale Begründung, Logische Notwendigkeit, Gottesexistenz, Erkenntnistheorie, Vollkommenheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem ontologischen Gottesbeweis und untersucht, wie der Philosoph Alvin Plantinga diesen klassisch-theologischen Entwurf rekonstruiert und einer logischen Analyse unterzieht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Anwendung der Mögliche-Welten-Semantik auf religiöse Argumente, die Definition von "maximaler Größe" als Eigenschaft und die Frage nach der rationalen Rechtfertigung von Glaubensüberzeugungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die innere Logik von Plantingas Version des Gottesbeweises offenzulegen und zu prüfen, ob dieser als valides philosophisches Argument bestehen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird die Methode der analytischen Religionsphilosophie angewandt, insbesondere durch die formale Analyse logischer Argumentationsschritte und deren Einbettung in die Modallogik (Mögliche-Welten-Semantik).
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Aufarbeitung von Anselms ursprünglichem Ansatz, die darauffolgende Kritik durch Plantinga, die Vorstellung seiner eigenen, modifizierten Argumentation und eine abschließende Diskussion zur Leistungsfähigkeit dieser Überlegungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär durch Begriffe wie ontologischer Gottesbeweis, Mögliche-Welten-Semantik, maximale Größe und analytische Religionsphilosophie charakterisieren.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen "wirklichen Welten" und "möglichen Welten" für Plantinga eine so wichtige Rolle?
Die Unterscheidung ermöglicht es, die Existenz Gottes nicht nur als bloße Eigenschaft innerhalb unserer Welt zu betrachten, sondern als notwendiges Merkmal eines vollkommenen Wesens in allen möglichen Welten, was die logische Struktur des Arguments stärkt.
Inwieweit lässt sich das Argument gegen den Vorwurf der Irrationalität verteidigen?
Plantinga argumentiert, dass das ontologische Argument auf rationalen Grundlagen steht, die ebenso ernst zu nehmen sind wie andere philosophische Schlussfolgerungen; wer es als rein irrational ablehnt, müsse konsequenterweise auch weite Teile der Philosophie als irrational betrachten.
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- Vit Heptin (Author), 2009, Der Ontologische Gottesbeweis in der Rekonstruktion und Kritik Alvin Plantingas, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/175232