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Subjekt und System

Niklas Luhmanns Kritik an der traditionellen Subjektphilosophie

Titel: Subjekt und System

Magisterarbeit , 2007 , 86 Seiten , Note: 2,0

Autor:in: Francesca Dukagjini (Autor:in)

Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Niklas Luhmanns Kritik an der traditionellen Subjektphilosophie ist einmal wegen der Fülle seiner eigenen Werke weitreichend, aber auch dank der philosophiegeschichtlichen Betrachtungen im Rahmen seiner Gesellschaftstheorie. So hat Luhmann deutlich machen können, dass eine Kritik des Subjekts sich ebenfalls gegen die Fundierung in Ontologie und Metaphysik richtet, und die kritische Auseinandersetzung in dieser Arbeit folgt in diesem Sinne seiner gesamtgesellschaftlichen Betrachtung.
Die Einleitungen in die Geschichte der Philosophie und in die Systemtheorie der ersten beiden Kapitel sollen verdeutlichen, weshalb gerade eine soziologische Theorie in der Lage sein soll, die Philosophie auf „blinde Flecken“ ihrer Beobachtung aufmerksam zu machen. Der Versuch einer Darstellung der wichtigsten Punkte der Kritik Luhmanns an Ontologie und Subjekt folgt. Wegen der Fülle subjekttheoretischer, aber eben auch metaphysischer und ontologischer Theorien der Philosophie soll im Anschluss – zur detaillierteren Analyse der „Treffsicherheit“ systemtheoretischer Vorwürfe – am Beispiel eines Philosophen - Edmund Husserls - die Erörterung der Kritik stattfinden, einmal, weil Luhmann sich in seiner Kritik mehrfach direkt gegen die phänomenologische Methode wendet, andererseits aber auch ein Reihe von Parallelen im Theoriegerüst aufzufinden sind.
Aus eben diesem Grund schließt sich die Frage an, ob Luhmann die von ihm kritisierten Probleme mit den Modifikationen und begrifflichen Verlagerungen selbst überwunden hat. Es handelt sich vor allem um das Problem der Intersubjektivität, die seiner Ansicht nach nicht aus dem Subjekt hervorgehen kann und begrifflich eine Paradoxie darstellt. In die Sprache der Theorie autopoietischer Systeme übersetzt, geht es um die Kopplung des Bewusstseinssystems mit dem Kommunikations-bzw. sozialen System. Auch bei Luhmann ist der Ausgangspunkt das geschlossen operierende System und der Übergang zur Sozialität scheint angesichts der von anderer Seite schon unterstellten monologischen Konstitution der Systeme ebenfalls problematisch. Es wird sich zeigen, dass Luhmann es nicht schafft, den Übergang vom selbstreferenziellen, psychischen System zu einem an Kommunikation teilnehmenden System zu konstruieren, ohne dass nicht das psychische System immer schon teilnehmend bzw. kommunizierend gewesen sein muss. Mit einer Erörterung dieses Sachverhalts und einem Ausblick auf einen möglichen Ausweg aus dem circulum vitiosus endet die Arbeit.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Einleitung

Die Ordnung des Kosmos

Leib und Seele in Athen

Die hellenistischen Naturwissenschaften

Grenzen der Erkenntnis

Der Zweifel

Das Subjekt in humanistischer Tradition

Das moralische Subjekt

Subjektivität und Individualität

Der Begriff der Ontologie

Differenzen

Zeit und Unordnung

Das ökonomische Subjekt und seine Auflösung

Das Subjekt wird pluralisiert und formalisiert

Das biologische Selbst der Evolution

Das Subjekt heute

Das Selbst in systemtheoretischer Wandlung

Selbstdarstellung in der Moderne

Das Subjekt wird durch eine Differenz ersetzt…

…und vom Gesellschaftsbegriff getrennt

Die Reflexion

Kognition

Das Individuum und die autonome Gesellschaft

Konsequenzen des verallgemeinerten Kognitionsbegriffs

Die Individualisierung des Individuums

Der Mensch als Objekt seiner Subjektivität

Das Problem identischer Individuen

Fazit

Aspekte der Systemtheorie

System und Umwelt

Selbstreferenz und Autopoiese

Selbstreferenz und Fremdreferenz

Unterscheidung und Beobachtung

Operationen und Selektionen

Freiheit und Handlung

Gedächtnis

Prozesse und Strukturen

Erwartungsstrukturen

Reflexivität oder prozessuale Selbstreferenz

Zeit

Sinn und Information

Handlung

Konsequenzen der Radikalisierung des Sinnbegriffs

Interpenetration statt Intersubjektivität

Interaktionssysteme als Grundstein für Sozialität

Kommunikation

Reflexion

Fazit

Niklas Luhmanns Kritik an der traditionellen Subjektphilosophie

Einführung

Bewusstsein, Ich und Subjekt

Symbolische Probleme des Subjekts

Semantische Probleme des Subjekts

Das Problem der Reflexion

Der logisch unmögliche Begriff der Intersubjektivität

Ontologie

Operative Geschlossenheit statt ontologischer Paradoxien

Luhmanns Einwände gegen Husserls Phänomenologie

Evidenz und Bewusstsein

Wahrnehmung und Kinästhesen

Das Problem der Monadengemeinschaft

Schlussfolgerungen

Der Weg

Selbstreferenz

Alter Ego

Doppelte Kontingenzen

Systeme in der Umwelt des Systems

Sinn als verbindende Form

Die Erwartung als kontingente Lösung

Sozialität lernen

Ein möglicher Ausweg: Husserls Kinästhesen und Bråtens Dyade

Die Annahme eines prä-kommunikativen Verstehens

Das Problem der Kommunikation

Fazit

Schluss

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht kritisch die traditionelle Subjektphilosophie unter Rückgriff auf Niklas Luhmanns systemtheoretischen Ansatz. Dabei wird analysiert, inwiefern die moderne Gesellschaftstheorie durch die Ablösung des Subjekts als Erkenntnisinstanz und die Einführung funktionaler Differenzierung philosophische blinde Flecken aufdecken kann, wobei insbesondere die Herausforderungen bei der Beschreibung von Intersubjektivität und der Kopplung von Bewusstsein und sozialer Kommunikation im Zentrum stehen.

  • Systemtheoretische Kritik an ontologischen und transzendentalen Subjektmodellen
  • Interdisziplinäre Untersuchung der Kopplung von Bewusstsein und sozialen Systemen
  • Analyse von Husserls Phänomenologie als Beispiel subjektfundierter Erkenntnislehre
  • Rekonstruktion der begrifflichen Auflösung des Subjektsbegriffs in der Moderne

Auszug aus dem Buch

SYSTEM UND UMWELT

Luhmann beginnt in einer Komplementärstellung zur Erkenntnistheorie, da er zuerst einmal von der Existenz der Systeme ausgeht, anstatt sie in ihrem Sein anzuzweifeln. Die Möglichkeit ihres Seins und ihrer Seinsweisen werden sich im weiteren Fragen in Wie-Kategorien ergeben, was ihm in der Hinsicht recht zu geben scheint, dass die Systemtheorie eine in sich geschlossene Theorie darstellt, die ihre Behauptungen nicht nur zirkulär hinterfragt, sondern auch das Hinterfragen selbst noch einmal analysiert. „Wenn Luhmann also vom selbstreferenziellen Systemen spricht, ist das zwar eine Aussage über die ‚Realität‘ von Systemen, aber es ist zugleich die Aussage eines beobachtenden Systems“, stell Christian Schuldt fest; Luhmann „verlagert den Erkenntnisstandpunkt vom Subjekt zurück in die beobachtete Realität und macht so die Theorie zum Bestandteil ihrer eigenen Gegenstände“. Die Systeme gewinnen Umweltdifferenzierung aus Beobachtung, interne Differenzierung aus ihrer Autopoiese. Die Umwelt muss aus diesem Grund notwendig eine strukturierte sein, denn ein strukturloses Chaos wäre in seiner absoluten Unsicherheit nicht in der Lage, systeminterne Strukturbildung anzuregen.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Dieses Kapitel verortet die philosophische Entwicklung der Beziehung zwischen Objekt und Subjekt von der Antike bis zum modernen Rationalitätsbegriff.

Das Selbst in systemtheoretischer Wandlung: Hier wird diskutiert, wie moderne gesellschaftliche Strukturen das Subjekt durch Differenz ersetzen und welche Rolle die Selbstreferenz in der Systemtheorie spielt.

Aspekte der Systemtheorie: Das Kapitel erläutert die Grundkonzepte der Luhmannschen Theorie, insbesondere das Verhältnis von System und Umwelt, Autopoiese und die operative Geschlossenheit.

Niklas Luhmanns Kritik an der traditionellen Subjektphilosophie: Diese Sektion analysiert systematisch die systemtheoretischen Vorwürfe gegen die Annahme eines transzendentalen Subjekts und das Problem der Intersubjektivität.

Luhmanns Einwände gegen Husserls Phänomenologie: Das Kapitel erörtert kritisch die phänomenologische Methode Husserls bezüglich ihrer Evidenzansprüche und Wahrnehmungslehre im Vergleich zur Systemtheorie.

Schlussfolgerungen: Zusammenfassend wird bewertet, wie die Systemtheorie das Subjektproblem umformuliert und ob ein Übergang zu einer relationalen Sichtweise auf Sozialität erfolgreich gelingt.

Schlüsselwörter

Systemtheorie, Niklas Luhmann, Subjektphilosophie, Autopoiese, Intersubjektivität, Selbstreferenz, Edmund Husserl, Phänomenologie, Sozialität, Kommunikation, Bewusstsein, Differenz, Erkenntnistheorie, Ontologie, Strukturdeterminierung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die Kritik von Niklas Luhmann an der klassischen Subjektphilosophie und zeigt auf, wie eine soziologische Theorie autopoietischer Systeme die Tradition des Denkens vom Subjekt her durch eine differenztheoretische Betrachtungsweise ersetzen kann.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Zentral sind die Ablösung des Subjekts durch systemtheoretische Konzepte, die Rolle von Bewusstsein und Kommunikation, die Bedeutung der Intersubjektivität und eine kritische Auseinandersetzung mit phänomenologischen Ansätzen.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Arbeit fragt, ob Luhmanns systemtheoretische Modifikationen und begriffliche Verlagerungen ausreichen, um die Probleme der Intersubjektivität und der Kopplung zwischen psychischen und sozialen Systemen ohne Rückgriff auf ein traditionelles Subjekt zu überwinden.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die primär die soziologische Systemtheorie nach Luhmann mit philosophischen Positionen, insbesondere Edmund Husserls Phänomenologie, konfrontiert und vergleicht.

Welche Inhalte bilden den Hauptteil?

Der Hauptteil gliedert sich in eine philosophische Einleitung, die Erläuterung systemtheoretischer Grundaspekte, die detaillierte Kritik an der Subjektphilosophie und eine spezielle Untersuchung der Luhmannschen Einwände gegen die Phänomenologie.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit beschreiben?

Die wichtigsten Schlagworte sind Systemtheorie, Autopoiese, Intersubjektivität, Selbstreferenz, Bewusstsein, Kommunikation und Erkenntniskritik.

Inwiefern spielt das Beispiel Edmund Husserls eine Rolle?

Husserls Phänomenologie dient als zentrales Vergleichsobjekt, da Luhmann sie mehrfach direkt kritisiert, aber dennoch strukturelle Parallelen im Aufbau seiner Theorie zu den phänomenologischen Ansätzen aufweist.

Welches Fazit zieht die Arbeit bezüglich der Intersubjektivität?

Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Luhmann das Problem der Intersubjektivität nicht vollständig löst, sondern in einen empirisch-soziologischen Sachverhalt übersetzt, wobei die operative Geschlossenheit der Systeme neue Schwierigkeiten für die Beschreibung von Verstehensprozessen schafft.

Ende der Leseprobe aus 86 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Subjekt und System
Untertitel
Niklas Luhmanns Kritik an der traditionellen Subjektphilosophie
Hochschule
Universität Potsdam  (Philosophische Fakultät)
Note
2,0
Autor
Francesca Dukagjini (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2007
Seiten
86
Katalognummer
V174598
ISBN (eBook)
9783640952472
ISBN (Buch)
9783640952618
Sprache
Deutsch
Schlagworte
System Luhmann Husserl Phänomenologie Systemtheorie Ich Selbst Bewusstsein Konstruktivismus Interdisziplinarität soziales System psychisches System Dyade Monade Entwicklung Entwicklungstheorie Stein Braten Selbstbewusstsein Konstitution des Selbst Interpenetration Maturana Varela Sprache Zeit Zeitlichkeit Selbstreferenz Fremdreferenz Referenz doppelte Kontingenz co-Evolution Subjekt Subjektphilosophie traditionell Grenzen der Erkenntnis
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Francesca Dukagjini (Autor:in), 2007, Subjekt und System, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/174598
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Leseprobe aus  86  Seiten
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