Die Kapitalflussrechnung als Bestandteil des Jahresabschlusses hat in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Der von Warren Buffett geprägte Ausdruck „Cash is King“ (Berman und Knight, 2006) mag in seiner Einfachheit sehr angelsächsisch geprägt sein, doch liefert er eine Erkenntnis, die spätestens seit dem Platzen der Dotcom-Blase Anfang diesen Jahrzehnts den meisten Investoren ins Bewusstsein gerückt ist: Unternehmen müssen den Betrieb einstellen, wenn ihnen die Barmittel ausgehen - nicht weil sie unprofitabel wirtschaften (Charan und Useem, 2002, Übers. d. Verf.).
Erstmals wurde das „statement of cash flows“ 1988 in den USA als Bestandteil eines „full set of financial statements“ zur Pflicht für alle Unternehmen (Küting und Weber, 2008, 589). In den darauf folgenden Jahren wurde die Kapitalflussrechnung auch in anderen Rechnungsle-gungsstandards aufgegriffen. Der IAS 7 (International Accounting Standard), der die Vorgaben für die Kapitalflussrechnung nach den internationalen Rechnungslegungsstandards (International Financial Reporting Standards, IFRS) fest legt, gilt in seiner jetzigen Form seit dem 1. Januar 1994 verbindlich für alle Unternehmen, die nach IFRS bilanzieren. In Deutschland ist die Veröffentlichung einer Kapitalflussrechnung für börsennotierte Muttergesellschaften erst seit 1998 vom Handelsgesetzbuch (HGB) rechtlich vorgeschrieben und ihr Aufbau im DRS 2 (Deutscher Rechnungslegungsstandard) beschrieben (Heno, 2006). Diese Arbeit hat zum Ziel, den Aufbau und Inhalt einer Kapitalflussrechnung anhand des deutschen und des internationalen Rechnungslegungsstandards (DRS 2 bzw. IAS 7) strukturiert aufzuarbeiten und wesentliche Unterschiede aufzuzeigen. Ferner wird gesondert auf die Aussagekraft von Kapitalflussrechnungen mit Hinblick auf die Unternehmensperformance und sich anbietende Interpretationsmöglichkeiten eingegangen. Hierbei wird das Konzept des Free Cash Flows als wichtiger Aspekt der Erfolgsrechnung kurz erläutert. Dem Leser soll so ein detailliertes Verständnis der Kapitalflussrechnung sowie gängige Analysemethoden der enthaltenen Informationen geboten werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Fragestellung und Abgrenzung des Themas
1.2 Begriffsdefinitionen
2. Aufbau und Inhalt einer Kapitalflussrechnung
2.1 Darstellung der anzugebenden Cashflows
2.2 Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit
2.3 Cashflow aus der Investitions- und Finanzierungstätigkeit
2.4 Die Klassifizierung bestimmter Transaktionen
2.5 Angaben im Anhang des Jahresabschlusses
3. Unterschiede in der Kapitalflussrechnung nach DRS und IAS
4. Interpretationsmöglichkeiten in Bezug auf die Kapitalflussrechnung
5. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit hat zum Ziel, den Aufbau und Inhalt einer Kapitalflussrechnung anhand der deutschen und internationalen Rechnungslegungsstandards (DRS 2 bzw. IAS 7) strukturiert aufzuarbeiten, wesentliche Unterschiede herauszuarbeiten und die Analysemöglichkeiten für die Unternehmensperformance darzustellen.
- Struktur und Gliederung der Kapitalflussrechnung nach DRS 2 und IAS 7
- Vergleich der direkten und indirekten Methode zur Cashflow-Ermittlung
- Klassifizierung spezifischer Transaktionen wie Zinsen, Dividenden und Steuern
- Bedeutung von Anhangsangaben für das Verständnis der Liquidität
- Analysepotenziale und Aussagekraft des Free Cash Flows
Auszug aus dem Buch
2.1 Darstellung der anzugebenden Cashflows
Grundsätzlich sind die in der Kapitalflussrechnung gezeigten Zahlungsströme – der jeweiligen wirtschaftlichen Tätigkeit des Unternehmens entsprechend – den drei oben genannten Tätigkeiten zuzuordnen und getrennt darzustellen (DRS 2.7f. bzw. IAS 7.10f.). Für die Gliederung soll dabei die Staffelform verwendet werden, die durch die fortlaufende Darstellung der einzelnen Posten mehr dem zahlungsstromorientierten Charakter der Kapitalflussrechnung entspricht als die Kontoform (Küting und Weber, 2008). Lässt sich ein Zahlungsstrom mehreren Tätigkeitsbereichen zuordnen (z. B. die Rückzahlung eines Darlehens, die sowohl Zinsen als auch Tilgung umfasst), so kann dieser Zahlungsstrom entweder dem vorrangig betroffenen Bereich zugeordnet, oder nach vernünftiger Beurteilung auf die betroffenen Tätigkeitsbereiche aufgeteilt werden.
Für die Darstellung der Cashflows stehen dem Unternehmen zwei Möglichkeiten zur Verfügung. Bei der direkten Methode werden den Einzahlungen des jeweiligen Tätigkeitsbereiches die entsprechenden Auszahlungen direkt gegenüber gestellt. Für die Mittelzu- und -abflüsse aus der Investitions- und Finanzierungstätigkeit ist die direkte Methode zwingend anzuwenden (DRS 2.29 und 2.33 bzw. IAS 7.21). Für die Darstellung der Cashflows aus der laufenden Geschäftstätigkeit hat das Unternehmen zusätzlich die Möglichkeit, die indirekte Methode anzuwenden (DRS 2.24 bzw. IAS 7.18). Hierbei wird in einer Überleitungsrechnung das Periodenergebnis um zahlungsunwirksame Aufwendungen und Erträge, Bestandsänderungen des Nettoumlaufvermögens sowie Cashflows aus der Investitions- oder Finanzierungstätigkeit berichtigt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die wachsende Bedeutung der Kapitalflussrechnung als Instrument zur Liquiditätssicherung und definiert das Ziel der Arbeit, die Standards DRS 2 und IAS 7 zu vergleichen.
2. Aufbau und Inhalt einer Kapitalflussrechnung: Dieses Kapitel detailliert die Gliederung in laufende Geschäfts-, Investitions- und Finanzierungstätigkeit sowie die verschiedenen Methoden zur Cashflow-Ermittlung.
3. Unterschiede in der Kapitalflussrechnung nach DRS und IAS: Hier werden die geringfügigen Abweichungen zwischen dem deutschen Standard DRS 2 und dem internationalen Standard IAS 7 analysiert, insbesondere hinsichtlich der Anhangsangaben und der Darstellungsmethoden.
4. Interpretationsmöglichkeiten in Bezug auf die Kapitalflussrechnung: Das Kapitel beleuchtet, wie Investoren und Analysten die Kapitalflussrechnung zur Beurteilung der Unternehmensgesundheit und für das Konzept des Free Cash Flow nutzen können.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Standards in ihrer Form weitgehend identisch sind und die Kapitalflussrechnung eine unverzichtbare Ergänzung zur Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung darstellt.
Schlüsselwörter
Kapitalflussrechnung, Cashflow, DRS 2, IAS 7, Finanzmittelfonds, laufende Geschäftstätigkeit, Investitionstätigkeit, Finanzierungstätigkeit, direkte Methode, indirekte Methode, Free Cash Flow, Jahresabschluss, Liquidität, Innenfinanzierung, Unternehmensperformance
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Struktur, dem Inhalt und der methodischen Erstellung einer Kapitalflussrechnung unter Berücksichtigung der deutschen und internationalen Standards.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die Klassifizierung von Zahlungsströmen, die Wahl zwischen direkter und indirekter Ermittlungsmethode sowie die Anforderungen an den Anhang des Jahresabschlusses.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Aufbau einer Kapitalflussrechnung zu erklären und wesentliche Unterschiede zwischen DRS 2 und IAS 7 aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine strukturierte theoretische Analyse und einen Vergleich von Rechnungslegungsstandards basierend auf Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Gliederungsschemata, die Klassifizierung von Transaktionen sowie die methodischen Unterschiede zwischen den Standards detailliert erläutert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Kapitalflussrechnung, Cashflow-Analyse, DRS 2, IAS 7 und Liquiditätsmanagement definieren.
Wie unterscheidet sich die Behandlung von Dividenden zwischen DRS und IAS?
Während DRS 2 gezahlte Dividenden strikt der Finanzierungstätigkeit zuordnet, lässt IAS 7 unter bestimmten Umständen eine Einordnung in die laufende Geschäftstätigkeit zu.
Welche Rolle spielt der Finanzmittelfonds?
Der Finanzmittelfonds bildet die unverzichtbare Grundlage für die Erstellung der Kapitalflussrechnung und muss im Anhang klar definiert und abgegrenzt werden.
Warum wird die direkte Methode in der Praxis oft gemieden?
Die direkte Methode erfordert einen wesentlich höheren Aufwand in der elektronischen Datenerfassung der Buchhaltung, weshalb Unternehmen meist die indirekte Methode bevorzugen.
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- Jonas Augustin (Author), 2009, Kapitalflussrechnung - Aufbau und Inhalt, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/174197